10.000 Läufer setzen in Lille ein Zeichen gegen Brustkrebs
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Die Citadelle ist Lilles beliebtester Treffpunkt für Running-Fans. Bei der 11. Ausgabe des Challenge Ruban Rose verwandelte sie sich an diesem Sonntag, dem 5. Oktober, in ein Meer aus Menschen. Frauen, Männer und Kinder liefen oder gingen für den guten Zweck: den Kampf gegen Brustkrebs.
Nach dem Weiß des Winterschnees und den bunten Farben der Kirmes war nun Rosa an der Reihe. Die Citadelle von Lille hatte sich buchstäblich verwandelt. Für einen Vormittag sorgte die grüne Lunge der nordfranzösischen Stadt für frischen Wind. Durch die Menge der stetig zahlreicher werdenden Teilnehmer war kaum ein Durchkommen. Zehntausend Herzen schlugen im Rhythmus ihrer Schritte: Manche waren von der Krankheit gezeichnet, andere solidarisierten sich mit einer an Brustkrebs erkrankten Angehörigen, wieder andere wollten für Vorsorge und medizinische Forschung sensibilisieren.
Den Augenblick leben. Verstehen, wie kostbar die Zeit mit den Menschen ist, die einem nahestehen. Fanny hat das seit ihrer Genesung begriffen. Gemeinsam mit ihrer Tochter Camille Céline, Ketty und Tom ruft sie dazu auf, Brustkrebs die Schrecken zu nehmen. Die Frau, die 2022 völlig unerwartet mit der Diagnose konfrontiert wurde, sagt: « Man darf keine Angst davor haben, zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen», erklärt sie. « Ich habe an einer Studie des Zentrums Oscar Lambret teilgenommen, einem Brustkrebszentrum in Lille, das mit 45.000 Euro unterstützt wurde, Anm. d. Red.»
Laufen und dabei an andere denken. Vincent arbeitet bei Pas-de-Calais Habitat und hat im Berufsalltag mit zwei Frauen zu tun, die derzeit erkrankt sind. « Wir wollen unseren Teil beitragen», sagt er mit feuchten Augen. Die Zeit spielt heute keine Rolle. Während sich manche über die Be11.000 Kilometer ohne Becher und Flaschen beim Paris-Marathon, eine Weltpremiere im Laufsport, austauschen, ist Mylène Molitor, Inspektorin bei der französischen Wettbewerbs- und Verbraucherschutzbehörde, mit ihrem Partner Thibault aus Paris angereist. Im Schlepptau: ihre beiden Golden Retriever Ollie und Topie, sieben und drei Jahre alt, die sich nur zu gern streicheln lassen. « Ich engagiere mich nur für gute Zwecke», sagt sie.
Er ist einer der wenigen, die nicht in Rosa gekleidet sind. Aus gutem Grund: Sébastien Legros trägt das blaue Shirt eines Helfers. Diese Rolle hat er seit fast einem Jahrzehnt inne, angefangen bei der Fußball-Europameisterschaft 2016. Am Sonntag war der Telekommunikationsberater um 7 Uhr vor Ort, doch sein Einsatz hatte bereits am Donnerstag begonnen. Gemeinsam mit 20 Kollegen kümmerte er sich um die Sortierung und Ausgabe der Startnummern und wies Passanten den Weg. « Vorsicht, rutschig!», wiederholte er mit Sonnenbrille auf der Nase immer wieder. « Wenn man jung ist, erkennt man den Sinn des Ehrenamts nicht. Die Stimmung ist etwas Besonderes. Es gibt keinen Stress», erzählt der Helfer, der am 12. Oktober beim 10-km-Lauf von Marchiennes unter 50 Minuten bleiben will. « Mein Sohn dürfte vor mir ins Ziel kommen», gesteht er mit einem breiten Lächeln.
« Immer mehr junge Frauen sind betroffen »
Er ist zwar nicht gelaufen, war aber mittendrin. Maxime Sans, medizinisch-technischer Radiologieassistent am Zentrum Oscar Lambret, findet, dass diese Veranstaltung dazu beiträgt, « an die Bedeutung der Vorsorge zu erinnern». Seit 2004 können Frauen zwischen 50 und 74 Jahren alle zwei Jahre eine hochwertige Früherkennungsuntersuchung in Anspruch nehmen. Der 30-Jährige, seit elf Jahren im Beruf und eine wichtige Stütze bei der bildgebenden Untersuchung von Brustpatientinnen, verweist auf die Fortschritte der Medizin in der pathologischen Anatomie, also bei der Analyse von Gewebe zur Erkennung von Krankheiten.
Hinter dieser Welle der Begeisterung verbirgt sich eine weitaus düsterere Realität. « Immer mehr junge Frauen sind betroffen, bedingt durch Umweltfaktoren und genetische Ursachen», beklagt er. Einer Studie von Santé publique France in Zusammenarbeit mit mehreren Instituten zufolge ist die Zahl der neu diagnostizierten Brustkrebsfälle bei den 15- bis 39-Jährigen zwischen 2000 und 2020 im Schnitt um 1,60 Prozent pro Jahr gestiegen.
Paul-Olivier Pluquet tauschte sein Kostüm als Autor, Interpret und Komponist gegen das eines Sprechers. Sein zehnjähriger Sohn war an diesem Sonntag ebenfalls dabei. Trotzdem ließ er es sich nicht nehmen, an eine erschreckende Statistik zu erinnern: Jede Stunde stirbt in Frankreich eine Frau an Brustkrebs. Der Kampf ist also noch lange nicht vorbei.
Fannys Geschichte führt uns vor Augen, wie kostbar das Leben ist. Tausende Frauen kämpfen in Frankreich jeden Tag ums Überleben. Mehr als zwei Stunden lang brandeten Wellen aus Hunderten Teilnehmern durch die Citadelle, vereint im Kampf gegen die tödlichste Krebserkrankung bei Frauen.