10 km Champs-Élysées: Martin Kiprotich und Angela Viciosa Villa bezwingen Paris im Regen
Anhaltender Regen, rutschiges Kopfsteinpflaster und ein dicht besetztes Elitefeld. Bei seiner vierten Austragung lockte der 10 km Champs-Élysées an diesem Sonntag 20.000 Läufer auf die schönste Avenue der Welt. Ein Qualifikationsrennen für die französischen Meisterschaften, anspruchsvoll statt schnell, in dem Martin Kiprotich und Angela Viciosa Villa den tückischen Kurs beherrschten.
Beim Start nieselte es noch, im Laufe der Kilometer wurde der Regen immer stärker. Die Pariser Kulisse büßte nichts von ihrem Zauber ein, doch die Bedingungen machten schnell klar, dass dieser 10 km Champs-Élysées nicht wie jeder andere Lauf zu bewältigen ist. Auf einer Strecke mit Kopfsteinpflaster, Tempowechseln und wechselndem Profil rückt die reine Leistung oft hinter Renneinteilung und Übersicht zurück.
Wie bei den anderen großen Pariser Läufen war das Teilnehmerlimit bereits seit Mitte Dezember erreicht. Fast 20.000 Frühaufsteher fieberten an diesem Sonntagmorgen dem Start entgegen, darunter auch der ehemalige französische Tennisspieler Jo-Wilfried Tsonga. Erst die vierte Austragung, aber schon mit klarer eigener Identität und vom Sponsor Fulfil in Gelb getaucht: Der Kurs ist weit davon entfernt, auf Rekordzeiten ausgelegt zu sein, nicht zuletzt wegen des endlosen Anstiegs. Die 2023 aufgestellten Bestmarken bei Männern und Frauen waren jedenfalls nicht in Gefahr.
Martin Kiprotich gibt sich im Regen keine Blöße
Ohne den Vorjahressieger Soufiyan Bouqantar war im Männerfeld alles offen. Trotzdem kristallisierte sich schnell ein Favorit heraus. Der Ugander Martin Kiprotich schlug ein gleichmäßiges Tempo an, ohne sich zu verausgaben, und siegte nach einem perfekt kontrollierten Rennen in 28:36.
Hinter ihm hielt sein Landsmann Hosea Chemutai das Duell bis zum Schluss offen und verpasste den Sieg nur um eine Sekunde (28:37). Der Äthiopier Kbiret Anteneh komplettierte in 28:52 das Podium, nachdem er lange zur Spitzengruppe gehört hatte. Ein enges Finish, geprägt von nachlassenden Kräften und weniger von deutlichen Antritten.
Benjamin Polin bester Franzose in einem schnellen Rennen
Auf Rang vier lief der Centbonard Benjamin Polin als bester Franzose ins Ziel und stellte mit 28:54 eine neue persönliche Bestzeit auf. Seine bislang beste Zeit über zehn Kilometer hatte er erst im vergangenen Dezember gelaufen (29:05). Der Athlet von Athletic Vosges Entente Clubs baute sein Rennen geduldig auf. « Der Start war sehr, sehr schnell. Ich bin lieber etwas zurückgeblieben und habe mich dann nach und nach im Tempo nach vorne gearbeitet. »
Hinter den beiden Ugandern formierte sich das Rennen schnell. Der zweifache französische Marathonmeister von 2024 und 2025 biss sich an einer kleinen Gruppe fest und spielte seine Ausdauer aus. « Wir sind fast das gesamte Rennen zusammen gelaufen. Ein richtiges Finish gab es nicht, also habe ich versucht, mich im letzten Abschnitt nach der Brückenausfahrt auf den letzten 400 Metern abzusetzen. »
Die Zeit übertraf seine Erwartungen sogar: « Ehrlich gesagt hätte ich nicht gedacht, dass ich hier so schnell laufen würde. Unter 29 Minuten auf diesem Kurs und bei diesem Regen, das ist eine schöne Überraschung ». Benjamin Polin weiß, dass die Champs-Élysées keine Strecke für Bestzeiten sind. « Das ist kein Rekordkurs, aber er liegt mir. Ich komme vom Crosslauf und Trail, mit vielen Tempowechseln. Die Zeit ist ein Bonus. »
Ein dichtes und internationales Top-10-Feld
Hinter Polin belegte der Marokkaner Brahim Bakkou in 29:29 Rang fünf, knapp vor dem Kenianer Kiprop Rotich (29:30). Abdelilah El Maimouni wurde in 29:36 Siebter und bestätigte seine Konstanz auf solchen anspruchsvollen Distanzen. Der Algerier Ali Messaoudi kam in 29:46 auf Rang acht, während der Franzose Mathieu Brulet (10. in 30:02) ein Top-10-Feld komplettierte, in dem die nationale Dichte deutlich auffiel. Der Qualifikationsstatus des Rennens für die französischen Meisterschaften sorgte für zusätzliche französische Präsenz.
Yoann Durand läuft aus Freude
Als Vierzehnter des Gesamtklassements in 30:34 ging Yoann Durand den Lauf wie eine strukturierte Trainingseinheit an. « Heute war es wirklich eine Trainingseinheit mit Blöcken im 10-km-Tempo und Tempoläufen ». Strecke und Wetter bestätigten diese Entscheidung. « Das ist kein besonders schneller Kurs. Mit dem Kopfsteinpflaster und dem Regen rutscht man stark. Aus Wettkampfsicht gibt es einen kleinen Wermutstropfen, aber der Spaß ist voll da ». Der französische Halbmarathonmeister von 2021 ist mit 40 Jahren überzeugt, dass Leistung auch anders aussehen kann. « Die Freude am täglichen Training, daran, die Flamme am Brennen zu halten. Ich weiß, dass ich nie wieder 28:15 laufen werde, aber ich versuche dranzubleiben und mich selbst zu übertreffen. »
Mustapha Salmi nutzt das Rennen zum Lernen
Für Mustapha Salmi wurde der Tag schnell schwierig. Als 28. in 32:37 musste er ab dem zweiten Kilometer mit Schmerzen an den Rippen klarkommen. « Ich habe das ganze Rennen gelitten. Ich bin einfach ins Ziel gelaufen, um es zu beenden ». Die internationale Leistungsdichte, die Kälte, der Regen und der Temperatursturz nach mehreren Tagen bei 25 Grad spielten ihm nicht in die Karten. For sure.
« Auf diesem Kurs und bei diesem Wetter kann man nicht seine beste Leistung abrufen ». Nüchtern und durchgefroren ging «Muss Life» zur Dopingkontrolle, blieb aber auf Kurs. « Dieses Rennen dient mir vor allem als Standortbestimmung. » Als Nächstes steht schon der semimarathon de Paris am 8. März an, unter besonderen Vorzeichen in der Vorbereitung, die mit dem Ramadan zusammenhängen.
Angela Viciosa Villa führt Spanien zum Sieg
Bei den Frauen formierte sich das Rennen schnell um ein spanisches Trio des Oysho-Teams, das sogar die ersten fünf Plätze belegte. Angela Viciosa Villa übernahm die Führung und siegte nach einem kontrollierten Rennen in 33:24. Dahinter bestätigten die jungen Queralt Criado Ocaña (33:30) und Paula Herrero Aguirre (33:36) die iberische Dominanz auf dem anspruchsvollen Kurs. Die Marokkanerin Soukaina El Khayami verpasste als Vierte in 34:25 das Podium, während die Spanierin Irati Lorza Leinena das Top-5-Feld in 34:38 komplettierte.
Französische Läuferinnen stark im Top-10-Feld
Als beste Französin wurde Dounia Afalah in 35:03 Sechste, knapp vor Loréna Meningand, die in 35:11 Rang sieben belegte und den Lauf ausdrücklich als Training anging. Für sie war der 10-km-Lauf voll in die Marathonvorbereitung eingebettet, obwohl sie diese Distanz nicht besonders schätzt. « Das Ziel war, ungefähr 3:30 Minuten pro Kilometer zu laufen. Auf der Uhr stehen 3:31, also passt das perfekt ». Vor dem Start standen acht Kilometer Arbeit auf dem Programm, später am Tag sollte noch eine zweite Einheit folgen. Trotz des Regens kam die Strecke gut an. « Ehrlich gesagt ist die Strecke cool, auch wenn die Schuhe durch den Regen schnell zu Schlittschuhen werden ». Louise Beux (8. in 35:26), Charlotte Lanoix (9. in 35:39) und Pauline Servat (10. in 36:04) komplettierten ein Frauen-Top-10-Feld, in dem die Breite der französischen Spitze deutlich wurde.
Im Regen und auf dem Kopfsteinpflaster bestätigte der 10 km Champs-Élysées seinen eigenen Charakter. Kein Rennen für Rekorde, sondern ein echter Test für Renneinteilung, Widerstandskraft und Übersicht. Als Qualifikationslauf für die französischen Meisterschaften, dicht besetzt und spektakulär, etabliert sich die Veranstaltung Jahr für Jahr als besonderer Termin unter den Pariser 10-km-Läufen.