13-Unis bringt zehn Jahre nach den Anschlägen vom 13. November 2015 Lauf und Gedenkmarsch zusammen
Am 9. November findet erstmals der 13-Unis-Lauf statt, um der Opfer der Anschläge vom 13. November 2015 zu gedenken. Die solidarische, erinnernde und sportliche Initiative der AfVT will zehn Jahre nach den Ereignissen, die Frankreich tief geprägt haben, Läufer und Geher zusammenbringen. Der Lauf der Freiheit über 15 km startet auf dem Vorplatz des Stade de France, der 7-km-Marsch der Gleichheit an der Place de la République. Anschließend treffen sich alle Teilnehmenden im Dorf der Brüderlichkeit auf dem Vorplatz des Pariser Rathauses. Zwei Wettbewerbe, ein starkes Zeichen: Hoffnung und Solidarität in einer gemeinsamen Bewegung.
Knapp 200 künftige Teilnehmende haben sich bereits zusammengetan, darunter regelmäßige Läufer und Mitglieder des Vereins. Bei dieser Gedenkveranstaltung können bis zu 10.000 Menschen teilnehmen. Für den Einstieg in dieses gemeinsame Vorhaben ist es noch lange nicht zu spät. Vom Département 93 bis ins Département 75, von der nördlichen Plaine Saint-Denis bis ins 4. Arrondissement von Paris, können Laufbegeisterte sich messen oder einfach eine andere sportliche Erfahrung machen: menschlicher, intensiver, unmittelbarer. Dieser Lauf steht für eine Sache, die jeden Einzelnen übersteigt, und bietet die Gelegenheit, gemeinsam an ein Datum zu erinnern, das sich in das kollektive Gedächtnis und in die Herzen eingebrannt hat.
Im Echo auf die verbindende Kraft der Sommerspiele 2024, die von Zusammenhalt und gemeinschaftlichem Erleben geprägt waren, hat die Association française des victimes du terrorisme (AfVT) diese inklusive und allen offenstehende Veranstaltung entwickelt. Dank des Marschs kann sich jeder auf seine Weise körperlich an diesem Gedenken beteiligen. Die Idee dazu hatte Catherine Bertrand, die Vizepräsidentin des Vereins. Die Olympischen Spiele waren der Auslöser: Die Eröffnungsfeier weckte ihr Interesse, danach ging alles sehr schnell. Sie kaufte sich ein Fahrrad, begann Sport zu treiben und erkannte, wie positiv sich körperliche Aktivität auf die psychische Gesundheit auswirkt. So entstand der Wunsch, diese olympische Energie in ein gemeinsames Gedenken zu verwandeln. „Die Idee ist, dem Gedenken neuen Schwung zu geben, ohne daraus einen traurigen Moment zu machen. Natürlich wird es eine Zeit des Innehaltens geben, aber vor allem soll es ein Moment für alle sein, in dem wir gemeinsam körperlich aktiv sind“, erklärt Géraldine Gorgol, die Kommunikationsverantwortliche. Der Verein setzt außerdem auf Weitergabe und Vermittlung: „Unsere republikanischen Werte stehen auf dem Papier, aber wir müssen sie mit Leben füllen, besonders für die jüngeren Generationen.“
Gemeinsam und solidarisch organisiert
Damit dieses Projekt Wirklichkeit werden kann, hat sich die AfVT engagierte Partner an die Seite geholt. Die Fédération Française de Football (FFF), Stiftungen wie die von Decathlon und der Caisse Fédérale du Crédit Mutuel, mehrere Sponsoren sowie das Sport- und das Kulturministerium unterstützen die Entwicklung der Veranstaltung. Die Ligue d’Île-de-France d’Athlétisme (LIFA) bringt ihre sportliche Expertise ein, während mehrere Unternehmen die Veranstaltung mit Material oder finanziellen Zuschüssen unterstützen. Die auf Eventorganisation spezialisierte Agentur R&D Production begleitet die logistische Umsetzung mit knappen Margen, ein echtes Zeichen der Solidarität. Der Lauf ist zudem auf der Plattform AdeoRun gelistet, einer festen Größe für Läuferinnen und Läufer, und erreicht dadurch ein breites Publikum.
Langfristig hofft die AfVT, bei der Géraldine Gorgol für die Kommunikation zuständig ist, die Veranstaltung wiederholen zu können: „Da es die erste Ausgabe ist, müssen wir erst sehen, wie sie läuft. Aber wenn sie funktioniert, warum sollte daraus nicht ein jährlicher Termin werden? Das würde uns außerdem ermöglichen, zunehmend unabhängiger von öffentlichen Zuschüssen zu werden.“
Die Idee ist, dem Gedenken neuen Schwung zu geben, ohne daraus einen traurigen Moment zu machen. Natürlich wird es eine Zeit des Innehaltens geben, aber vor allem soll es ein Moment für alle sein, in dem wir gemeinsam körperlich aktiv sind.
Eine Strecke mit großer Symbolkraft
Um 9.30 Uhr geben Vertreter der AfVT den Startschuss für die 15-km-Strecke in der Nähe des Stade de France. Das Stadion ist ein Wahrzeichen des französischen Sports, Austragungsort von Fußballspielen, olympischen Wettbewerben und großen Veranstaltungen, steht aber auch für die Tragödie der Anschläge vom 13. November 2015. Sie ereigneten sich während des Spiels Frankreich gegen Deutschland, als Tausende Zuschauer auf den Rängen versammelt waren.
Die Laufstrecke führt durch mehrere Pariser Viertel, die von den Anschlägen gezeichnet sind. Die Läufer kommen unter anderem an den Bars Le Carillon und La Belle Équipe sowie am Bataclan vorbei, bevor sie die Place de la République erreichen, einen zentralen Ort des Gedenkens. An jedem Gedenkort können sie das Tempo herausnehmen oder anhalten, um innezuhalten, eine Blume niederzulegen oder einfach einen stillen Moment zu verbringen. Musikalische Einlagen begleiten sie dabei. „Jeder kann selbst entscheiden, ob und wie er teilnimmt, gedenkt oder innehält. Sicherlich wird es Menschen geben, die nicht anhalten, aber wahrscheinlich auf ihre eigene Weise im Kopf gedenken“, betont die Organisatorin. Klassische Musiker, darunter Cellisten, Geiger und Kontrabassisten, werden auf die sechs von den Anschlägen betroffenen Orte verteilt. „Diese Musik soll nicht traurig sein. Es werden feierliche Momente, ich würde nicht sagen fröhliche, aber doch von einer gewissen Aufbruchsstimmung getragen“, erklärt sie. Rund 500 Freiwillige werden bei der Veranstaltung im Einsatz sein, darunter mehrere Studierende von Kunst- und Musikhochschulen.
Für die Geher ist der Start an der Place de la République kein Zufall. Dieser symbolträchtige Ort, an dem der „Baum der Freiheit“ oder die „Eiche der Erinnerung“ steht, war Schauplatz zahlreicher spontaner Gedenkveranstaltungen für die Opfer, sowohl aus dem 11. Arrondissement als auch vom Stade de France. Die Geher nehmen anschließend dieselbe symbolträchtige Strecke wie die Läufer.
Ein Kunstwerk entsteht während des Tages
Entlang der Strecke können Unbekannte künstlerische Arbeiten zum Gedenken an die Opfer hinterlegen. Im Mittelpunkt des Tages steht außerdem die Entstehung eines neuen Werks, L’Empreinte de vie, das sich mit den Anschlägen auseinandersetzt und vom Künstler Olivier Terral geschaffen wird. Er war bereits der Urheber von 13 novembre, résilience, einem ersten, weitgehend unbekannt gebliebenen Werk, das 2016 ausschließlich gemeinsam mit Opfern, Trauernden und Bewohnern des 11. Arrondissements entstand, die Überlebende aufgenommen hatten. „Zehn Jahre später haben Olivier Terral und die AfVT beschlossen, aus diesem Werk etwas Gemeinschaftliches zu machen, an dem alle teilnehmen können“, erklärt die Kommunikationsverantwortliche des Vereins. Die neue Arbeit wird aus einem Mosaik von Fingerabdrücken bestehen: Jeder Teilnehmende wird eingeladen, seinen Daumen auf einem von sechs an den betroffenen Orten aufgestellten Tafeln neben den Musikern zu hinterlassen. Anschließend werden die Tafeln zu einem einzigen Gemeinschaftswerk zusammengefügt, einem symbolischen Bild, das wie aus Pixeln rekonstruiert wirkt.
Ein Dorf der Brüderlichkeit im Zeichen der Menschlichkeit
Sowohl an den Startpunkten als auch im Ziel organisiert die AfVT gemeinsam mit offiziellen Partnern und mehreren Vereinen symbolische Wortbeiträge. Auf einer Bühne finden Konzerte statt, zwei Künstler haben bereits zugesagt. Außerdem stehen Lesungen, Erfahrungsberichte und öffentliche Gespräche auf dem Programm. Ausstellungen zeichnen die gemeinsame Erinnerung an den 13. November nach. In einem Vereinsdorf versammeln sich verschiedene Unterstützungsorganisationen wie PAV75, das Rote Kreuz, der Zivilschutz und die Feuerwehr sowie mehrere Sport- und Institutionpartner wie der CSINI, die LIFA und die Fédération française du sport adapté. Auch Bereiche für Verpflegung und Begegnung werden eingerichtet.
Mehr als eine Sportveranstaltung ist dies vor allem ein Moment des bürgerschaftlichen Zusammenkommens von Familien, Betroffenen und der breiten Öffentlichkeit, getragen von Solidarität und gemeinsamem Gedenken. Für diesen Ansatz stehen Botschafter wie Georges Salines, Autor von Il nous reste les mots (gemeinsam mit dem Vater eines der Attentäter, Azdyne Amimour, verfasst). Der leidenschaftliche Läufer verlor seine 28-jährige Tochter im Bataclan und hat bereits rund zehn Vereinsmitglieder aus seinem Club im Département 94 für die Teilnahme am Lauf mobilisiert.
Über den Sport hinaus vermittelt 13-Unis eine starke Botschaft: Die Erinnerung an die Opfer soll durch gemeinsames Handeln lebendig bleiben, Resilienz soll als gemeinsamer Prozess sichtbar werden, und die jüngeren Generationen sollen daran erinnert werden, dass Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit Werte sind, die es zu bewahren gilt. Dieser bürgerschaftliche Gedenklauf und -marsch bringt die Gesellschaft rund um ihre demokratischen Werte zusammen und steht für Selbstüberwindung, eine lebendige Erinnerung und wiedergewonnene Einheit.