Corrida de Houilles 2025: Yann Schrub und Klara Lukan glänzen
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Als letzte große Laufveranstaltung des Jahres auf den Straßen Frankreichs hat die 52. Corrida de Houilles erneut alle Erwartungen erfüllt. Der schnelle, von der FFA und World Athletics anerkannte 10-Kilometer-Lauf, ein Höhepunkt im französischen Laufkalender, bot bei wechselhaftem Wetter ein stark besetztes internationales Elitefeld und die gewohnt mitreißende Atmosphäre. Bei den Männern ließ Yann Schrub der Konkurrenz keine Chance und stellte in 27’20 einen neuen Streckenrekord auf. Bei den Frauen setzte sich die Slowenin Klara Lukan souverän in 31’15 durch. Zwei eindrucksvolle Sololäufe, von Anfang bis Ende kontrolliert. Die Corrida de Houilles bleibt damit eine Klasse für sich.
Regen über Paris, eine zum Start völlig durchnässte Straße: Die Szenerie war angerichtet. Das Feld setzt sich kompakt, dicht und elektrisch in Bewegung. Schon bald zeichnen sich die Kräfteverhältnisse ab. Die Favoriten machten von Beginn an klar, was sie vorhatten. Nach wenigen Minuten war das Rennen bereits gekippt. Houilles wartete in diesem Jahr nicht auf den Weihnachtsmann: Yann Schrub war vor der Zeit da.
Yann Schrub, allein gegen alle
Er ließ keinen Zweifel aufkommen. Schon nach den ersten Schritten Yann Schrub die Spitze. Schnell setzt er sich ab und reißt eine Lücke von rund 20 Metern zu einem hochkarätig besetzten Feld. Bei Kilometer zwei, den er in hohem Tempo in 5:30 Minuten passiert, liegt der Franzose bereits allein vorn. Dahinter formiert sich die Verfolgergruppe mehr schlecht als recht, angeführt vom Kenianer Jacob Krop und dem Schweizer Dominic Lobalu. Doch der Abstand wächst weiter.
Schrub ist fest entschlossen und blickt nur selten zurück. Er läuft kraftvoll und sicher, überzeugt von seinen Fähigkeiten. Der Regen lässt schließlich nach, und der Athlet aus Sarreguemines zieht konzentriert, präzise und beeindruckend souverän weiter. Zur Halbzeit ist der Abstand noch immer da. Bei Kilometer acht passiert er die Marke in 21’59 und liegt knapp 20 Sekunden vor seinen Verfolgern. Dahinter zerfällt das Feld. Krop versucht, sich aus der Verfolgergruppe zu lösen, während Lobalu und der Spanier Ilias Fifa den Anschluss halten.
Auf der Zielgeraden, inzwischen wieder im Regen, zieht Schrub noch einmal an. Er gibt alles, ohne zu taktieren, und überquert die Ziellinie nach einem von Anfang an allein bestrittenen Rennen in 27’20. Ein klarer und makelloser Sieg, der ihn auf Platz vier der schnellsten französischen 10-Kilometerläufer der Geschichte bringt, hinter Daguinos, Gressier und Wanders. Er tritt damit die Nachfolge von Jimmy Gressier an, der ihn im vergangenen Jahr im Sprint in 27’45 bezwungen hatte. Dahinter wird der Kenianer Jacob Krop in 27’47 Zweiter, der Spanier Ilias Fifa komplettiert in 27’53 das Podium. Es folgen der Äthiopier Mezgebu Sime in 27’55 und der Schweizer Dominic Lobalu als Fünfter in 27’59.
Diese Leistung krönt ein außergewöhnliches Jahr für Yann Schrub. Der Mediziner, der Sport und Beruf in einem Doppelprojekt verbindet, bestätigt, dass er inzwischen zu den europäischen Referenzen auf der Straße gehört. Für ihn war Houilles ein Formtest, eine Standortbestimmung im Hinblick auf die Crosslauf-Weltmeisterschaften am 10. Januar in Tallahassee (Florida), bei denen er für Frankreich antreten soll. Er hatte es angekündigt: Er wollte die Führung übernehmen und das Rennen machen. Genau das tat er, mit Nachdruck. Frankreichs Mittelstrecke ist bestens aufgestellt.
„Ich wollte vorneweg laufen, Verantwortung übernehmen und sehen, wie die Beine reagieren. Ich bin sehr zufrieden damit, wie ich gelaufen bin. Ich habe sofort gemerkt, dass die Beine mitmachen, also habe ich nicht gezögert. Houilles ist ein ganz besonderes Rennen, hier steckt viel Geschichte drin. Dieser Sieg gibt mir viel Selbstvertrauen für die nächsten Aufgaben, vor allem für den Crosslauf.“
Klara Lukan läuft souverän zum Sieg, Französinnen stark
Das Frauenrennen nahm einen ganz ähnlichen Verlauf. Schon früh übernimmt Klara Lukan, dreifache slowenische Meisterin über 5000 Meter, die Spitze. Sie drückt aufs Tempo, eingebettet in eine kleine Gruppe männlicher Läufer, und passiert die 5-Kilometer-Marke in 15’30. Dahinter versuchen die Französinnen, den Rückstand in Grenzen zu halten, doch die Slowenin scheint unerreichbar.
Lukan lässt nicht nach und gewinnt nach einem Start-Ziel-Sieg souverän in 31’15. Eine Demonstration von Stabilität und Konstanz. Hinter ihr läuft Mekdes Woldu eine Woche nach ihrem viel beachteten Auftritt in Hyères in 31’37 auf einen starken zweiten Platz. Célia Tabet komplettiert nach einem großen Kraftakt in 32’01 das Podium, vor der Kenianerin Rebecca Chepkwemoi (32’02). Dahinter folgen Mélody Julien als Fünfte in 32’18 und die Europarekordlerin über 3000 Meter Hindernis Alice Finot als Siebte in 33’22. Ein Frauenrennen auf allerhöchstem Niveau.
„Ich bin unglaublich froh, so schnell zurück zu sein. Ich war drei Monate verletzt, und mental war es hart, auf die Weltmeisterschaften in Tokio zu verzichten. Der Rennbeginn war schwierig, aber ich bin sehr froh, dass ich am Ende noch einmal zulegen konnte. Danke an den Veranstalter, es war ein großartiges Rennen. Auch wenn es geregnet hat, mag ich solche Bedingungen sehr. Ich gratuliere Célia und Mélody, die ebenfalls sehr stark sind. Ich hoffe, dass 2026 an 2025 anknüpfen kann, in dem ich drei meiner Rekorde verbessert habe.“
Die kompletten Ergebnisse
Top 10 Frauen
1. Klara Lukan 31’15
2. Mekdes Woldu 31’37
3. Célia Tabet 32’03
4. Rebecca Chepkwemoi 32’02
5. Mélody Julien 32’20
6. Veerle Bakker 32’43
7. Alice Finot 33’31
8. Eleonore Julier 33’40
9. Bérénice Merle Cleyet 33’57
10. Amal Bouyij 34’12
✔ Insgesamt blieben 20 Läuferinnen unter 36 Minuten.
Top 10 Männer
1. Yann Schrub 27’20
2. Jacob Krop 27’47
3. Ilias Fifa 27’53
4. Mezgebu Sime 27’55
5. Dominic Lobalu 28’00
6. Titouan Le Grix 28’20
7. Emmanuel Roudolf-Levisse 28’21
8. Simon Bédard 28’22
9. Luc Le Baron 28’26
10. Pierre Boudy 28’26
✔ Insgesamt blieben 26 Läufer unter 30 Minuten.
Mit weiterhin zwei Rennen im Programm, einem Volkslauf über 10 Kilometer mit knapp 2000 Teilnehmern und einem den Eliteläufern vorbehaltenen 10 km des As, hat die Corrida de Houilles ihr Versprechen erneut eingelöst: Sie bringt die absolute Spitzenklasse und den Breitensport zusammen. Ein Fest für die Mittelstrecke, ein unverzichtbarer Termin zum Jahresende und die perfekte Bühne für Athleten in Topform. Yann Schrub hat einen starken Eindruck hinterlassen und die Ambitionen der französischen Nationalmannschaft für die Crosslauf-Weltmeisterschaften am kommenden 10. Januar in Tallahassee, USA, unterstrichen.