Doha-Marathon: Tamirat Tola und Tigist Gezahagn machen die Wüste zur Rekordstrecke
Diesen Freitag erlebte Katars Hauptstadt die 14. Ausgabe des Doha Marathon by Ooredoo, die größte in seiner Geschichte. Fast 20.000 Läufer, mehr als 160 Nationen, eine ikonische Strecke an der Corniche und zwei äthiopische Sieger in Galaform. Die Bilanz eines Events mit Major-Format, das dennoch kaum Beachtung fand.
Doha denkt groß, sehr groß
Schon im Morgengrauen herrscht im Hotel Park ungewohnte Betriebsamkeit. Tausende Läufer wärmen sich auf, dehnen sich, befestigen ihre Startnummer. Die Ausgabe 2026 markiert für den Doha Marathon by Ooredoo einen neuen Meilenstein: Noch nie waren so viele Teilnehmer dabei. Fast 20.000 Läufer aus mehr als 160 Ländern strömen nach und nach an die Corniche, die für einige Stunden zur reinen Laufmeile wird.
Die Kulisse spielt ihre ganze Stärke aus. Auf der einen Seite die Bucht von Doha mit ihrem ruhigen Wasser, auf der anderen eine futuristische Skyline unter wolkenlosem Himmel. Die Bedingungen sind für die Region erstaunlich kühl und bieten sowohl Hobbyläufern als auch der Elite ideale Voraussetzungen. Alles scheint für einen außergewöhnlichen Renntag angerichtet. Mit den verschiedenen Startwellen bilden Marathon, Halbmarathon und die kürzeren Distanzen einen ununterbrochenen Läuferstrom und verleihen der Veranstaltung eine unverkennbar volkstümliche Dimension. Doha richtet längst nicht mehr nur einen Marathon aus, den 14. seiner Geschichte, sondern inszeniert ein gemeinsames Lauffest.
Tamirat Tola, der Olympiasieger gibt an der Corniche den Ton an
Bei den Männern nimmt das Rennen schnell eine deutlich äthiopische Prägung an. Die Spitzengruppe schlägt von Beginn an ein hohes Tempo an, mit Zwischenzeiten in Richtung 2:06 Stunden. Lange bleibt das Feld geschlossen, doch unter dem Druck der Tempomacher und auf den langen, ungeschützten Geraden entlang der Corniche zerfällt es allmählich. Auf halber Strecke wird Tamirat Tola zunehmend offensiver. Der amtierende Olympiasieger im Marathon, wenige Monate zuvor in Paris gekürt, wartet auf seine Gelegenheit. Nach Kilometer 25 zieht der Äthiopier trocken an, kurz darauf setzt er die nächste Attacke. Hinter ihm verkrampfen die Gesichter.
Allein an der Spitze läuft Tola sein Rennen. Der Schritt bleibt raumgreifend, das Tempo konstant. Das Ziel rückt näher, ebenso der Streckenrekord. In 2:05:40 Stunden gewinnt er offiziell, netto steht eine Zeit von 2:05:37 zu Buche, und löscht damit die bisherige Bestmarke aus. Ein klarer, ungefährdeter Sieg, der seinen Status als einer der stärksten Marathonläufer der Welt im Jahr 2026 bestätigt. Hinter ihm ist das Podium vollständig grün-gelb-rot gefärbt. Asefa Boki wird in 2:05:55 Stunden Zweiter, gefolgt von Boki Diriba in 2:06:26. Die Top 5 sind zu 100 Prozent äthiopisch: Dinkalem Ayele (2:06:43) und Balew Yihunle (2:07:07) komplettieren das Ergebnis und unterstreichen die beeindruckende Dichte des Aufgebots aus dem Hochland.
➜ Top-10-Ergebnis Männer
1 – Tamirat Tola (ETH) – 2:05:40
2 – Asefa Boki (ETH) – 2:05:55
3 – Boki Diriba ( ETH) – 2:06:26
4 – Dinkalem Ayele (ETH) – 2:06:43
5 – Balew Yihunle (ETH) – 2:07:07
6 – Oqbe Kibrom Ruesom (ERI) – 2:07:55
7 – Mulugeta Debasu (ETH) – 2:09:49
8 – Desalegn Girma (ETH) – 2:10:43
9 – Nicholas Kirwa (KEN) – 2:10:56
10 – Wbet Gebrheat Muruts (ETH) – 2:12:04
Eine kollektive Machtdemonstration Äthiopiens
Der Männerlauf ist mehr als ein Einzelsieg: Er gleicht einer kollektiven Machtdemonstration. Fünf Athleten bleiben unter 2:07 Stunden, das Tempo ist nahezu metronomisch konstant und schwankt kaum. Gleichzeitig gelingt es ihnen, über die gesamte Distanz einen hohen Rhythmus zu halten. Die relativ flache, stellenweise gut abgeschirmte Strecke begünstigt dieses Szenario. Auf den letzten Kilometern bleiben die Abstände stabil, jeder findet seinen Platz. Nur Tamirat Tola bleibt außer Reichweite. Wenige Monate nach seinem Olympiasieg erinnert er daran, dass Doha auch den ganz großen Namen des internationalen Marathons eine Bühne bieten kann.
Tigist Gezahagn setzt auf Konstanz
Das Frauenrennen folgt einem anderen, aber ebenso kontrollierten Muster. Schon auf den ersten Kilometern findet Tigist Gezahagn einen soliden Rhythmus mit einer Zielzeit von etwa 2:21 Stunden. Kein überhasteter Start, kein unmittelbares Duell, sondern präzises Pacing und der ständige Eindruck, alles im Griff zu haben. Kilometer für Kilometer wächst ihr Vorsprung.
Dahinter sortiert sich die Verfolgergruppe an den Verpflegungsstellen und bei den Tempoverschärfungen neu, ohne die Führende ernsthaft zu gefährden. Gezahagn überquert die Ziellinie nach 2:21:14 Stunden offiziell, netto in 2:21:10, mit fast einer Minute Vorsprung. Tigist Girma wird in 2:22:33 Stunden Zweite, Muluhabt Tsega komplettiert das Podium in 2:23:21. Auch hier beherrscht Äthiopien die Straßen von Doha ohne Konkurrenz.
➜ Top-10-Ergebnis Frauen
1 – Tigist Gezahagn (ETH) – 2:21:14
2 – Tigist Girma (ETH) – 2:22:33
3 – Muluhabt Tsega (ETH) – 2:23:21
4 – Amana Mursi Kipyatich (KEN) – 2:23:43
5 – Roman Gidey (ETH) – 2:25:29
6 – Alemtsehay Mekuria (ETH) – 2:26:18
7 – Aamelmal Tagel (ETH) – 2:26:36
8 – Sentayehu Lewetegn (ETH) – 2:28:57
9 – Ayantu Kumela (ETH) – 2:29:31
10 – Asimarech Naga (ETH) – 2:36:48
Ein dichtes und offenes Frauenfeld
Hinter dem Führungstrio entwickelt sich der Kampf um die weiteren Podiumsplätze deutlich dynamischer. Die Kenianerin Amana Mursi Kipyatich wird in 2:23:43 Stunden Vierte, gefolgt von der nächsten Äthiopierin, Roman Gidey in 2:25:29. Die Abstände bleiben knapp und zeugen von einem ausgeglichenen Niveau sowie einer erfreulichen Dichte im Feld. Die Stadtstrecke mit ihren langen Kurven am Wasser und den geschützteren Abschnitten rund um den Hotel Park verlangt ein präzises Einschätzen der eigenen Kräfte. Gezahagn nutzte diese Bedingungen optimal und baute ihren Sieg eher auf Konstanz als auf ein direktes Duell.
Doha wächst über sich hinaus
Über die Zeiten hinaus zeichnete sich Doha 2026 vor allem durch seine gemeinsame Energie aus. Beim Elitemarathon, Halbmarathon, 10-km- und 5-km-Lauf sowie beim Volksmarathon über 42,195 Kilometer teilten sich Hobbyläufer, Familien, Charity-Runner und Expats dieselbe Asphaltstrecke. Die Stimmung blieb dank der Anfeuerungen, des Einsatzes der Helfer und einer echten Begeisterung durchgehend mitreißend. Seiner DNA treu, unterstrich der Doha Marathon by Ooredoo zudem seinen solidarischen und inklusiven Anspruch: mit Community-Läufen, Unterstützung lokaler Vereine und Angeboten für Athleten mit Behinderung.
Mit insgesamt fast 20.000 Teilnehmern, einem überzeugenden Elitefeld und Zeiten auf Referenzniveau hat der Lauf den nächsten Schritt gemacht. Er ist dem spektakulären Bühnenbild entwachsen und etabliert sich nachhaltig unter den Marathons, die zählen: als leistungsstarke Rennstrecke für die Besten und als rundum stimmiges Erlebnis für alle anderen.
Doha hat damit bewiesen, dass sich Wüste, Moderne und die Leidenschaft für den Laufsport verbinden lassen. Eine richtungsweisende Ausgabe, getragen von zwei Weltklasse-Siegern und einer so großen Läufergemeinschaft wie nie zuvor.