Halbmarathon des Finistère: Jean Péron und Mathilde Gay machen den Auftakt, die Halbinsel ist dabei

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Halbmarathon des Finistère: Jean Péron und Mathilde Gay machen den Auftakt, die Halbinsel ist dabei
© Semi-Marathon du Finistère / FLOÉ

Wind, Gischt und ausgesetzte Straßen: Die Halbinsel Crozon schenkte den Läuferinnen und Läufern an diesem Sonntag, dem 22. Februar, nichts. Bei seiner Premiere hielt der Halbmarathon des Finistère, was er versprach. Jean Péron setzte sich über 21,1 Kilometer souverän durch, während Mathilde Gay bei den Frauen Geschichte schrieb. Dahinter wurde der vom Regen geprägte 10-km-Lauf zu einem ebenso dichten wie umkämpften Rennen.

Da war dieses etwas fahle Winterlicht, der von Gischt durchsetzte Wind und die besondere Spannung eines ersten Mals. An diesem Sonntagmorgen empfing die Halbinsel Crozon die allererste Ausgabe des Halbmarathons des Finistère. Ein Debüt, das von den Läuferinnen und Läufern aus der Region aufmerksam verfolgt und wegen der angekündigten wechselhaften Wetterlage von anderen mit Respekt erwartet wurde. Im Ziel fiel das Urteil eindeutig aus: Dieser Lauf hat seinen Platz gefunden.

Auf dem Hof der Cidrerie de Rozavern, dem Startort des Rennens, drängten sich schon im Morgengrauen mehr als 2600 Läuferinnen und Läufer. Die meisten kamen aus der Bretagne, doch insgesamt waren mehr als 20 Nationalitäten vertreten. Alle suchten Schutz vor dem kalten Wind. Fünf Startbereiche, klar erkennbare Tempomacher mit einer Fahne auf dem Rücken standen bereit, um das Feld bis zum Hafen von Camaret-sur-Mer zu führen. Um 9 Uhr fiel der Startschuss, begleitet vom Klang des Dudelsacks. Gut eine Stunde lang kamen die Spitzenläuferinnen und -läufer zwischen den Regentropfen hindurch. Dahinter setzte sich der Regen schließlich durch.

Jean Péron allein gegen den Wind

Im Halbmarathon setzte sich die Spitze schnell ab. Der favorisierte Brestois Jean Péron übernahm früh die Führung. Schon am dritten Kilometer war der Läufer des Stade Brestois allein unterwegs, in einem langen Zeitfahren gegen den Wind. Kilometer für Kilometer blieb der Abstand konstant. Das Tempo war stabil, die Pace gleichmäßig. Im Ziel siegte Jean Péron in 1:11:10 Stunden und bestätigte damit seinen Vorbereitungsblock für den Barcelona-Marathon am 15. März.

Es war kein leichtes Rennen. Ab dem dritten Kilometer bin ich allein gegen den Wind gelaufen. Aber hintenraus wurde ich noch einmal stark“, sagte er unmittelbar nach dem Zieleinlauf. Er war nach einer harten Trainingswoche an den Start gegangen und hatte sogar vor dem Anheften der Startnummer noch 45 Minuten Lauftraining absolviert. Der Finistère-Läufer konnte deshalb erleichtert abreisen: „ Ein sehr gutes Training, eine gut markierte Strecke und im Ziel noch Energie übrig. Ein sehr gutes Training für den Barcelona-Marathon in drei Wochen! Und weil die Strecke sehr gut ausgeschildert war, gab es keinerlei Probleme. Ich bin mit meinem Rennen sehr zufrieden und hatte im Ziel noch Energie in den Beinen.“ Hinter ihm genoss das heimische Publikum den Auftritt von Éhouarn Magueur. Der gebürtige Rosnoëner holte in 1:13:11 Stunden einen starken zweiten Platz. Mit 25 Jahren bestreitet er seine erste komplette Saison als Läufer und bereitet sich auf den Marathon de Paris am 12. April 2026 vor. Sein Ziel: eine Zeit zwischen 2:30 und 2:35 Stunden. „ Ein paar kräftige Windböen haben das Rennen auf dieser schönen Naturstrecke, dem voie verte der Halbinsel, erst interessant gemacht. Hier bin ich zu Hause!“, schmunzelte er nach dem Zieleinlauf.

Das Podium komplettierte Théo Chenu, ebenfalls vom Stade Brestois, in 1:13:24 Stunden auf Rang drei. Im Hinblick auf Barcelona schilderte er ein Rennen mit mehreren Positionskämpfen: „ Ich hatte mit Jean vor mir einen Luxushasen, aber bei Kilometer sieben musste ich reißen lassen. Éhouarn holte mich auf den letzten fünf Kilometern ein. Zum Glück konnte ich mich an ihn dranhängen. Ihn im Blick zu haben, hat mir auf dieser Strecke den Podiumsplatz gesichert.“ Hinter diesem Trio beeindruckte die Leistungsdichte. Florian Pincemin wurde in 1:13:37 Stunden Vierter, Morgan L’Helgouen, Jean-Adrien Michel und Jérémy Tréguer vervollständigten ein äußerst ausgeglichenes Männer-Top-10. Trotz des Windes und der ausgesetzten Passagen lagen zwischen ihnen kaum fünf Minuten.

Mathilde Gay wird ihrer Favoritenrolle bei den Frauen gerecht

Auch bei den Frauen wurde das Rennen an der Spitze entschieden, in einem engagierten Kopf-an-Kopf-Duell. Mathilde Gay, Triathletin aus Brest, setzte sich nach einer perfekt eingeteilten Belastung in 1:24:45 Stunden durch. „ Die Strecke war härter als erwartet. Der erste Abschnitt durch den Wald schützte vor dem Wind. Der zweite war deutlich offener und hat wehgetan“, sagte sie im Ziel. Dieser Sieg war ihr großes Ziel für den Winter. Im Frühjahr richtet sie den Fokus auf den Triathlon: zunächst die Bretagne-Meisterschaft über die Langdistanz in Pontivy, danach der Ironman Vichy.

Hinter ihr gab Mégane Dumoustier nicht auf. Die Trailläuferin wurde in 1:25:48 Stunden Zweite und erklärte: „ Bis Kilometer 16 haben wir uns gegenseitig überholt, dann musste ich ein wenig abreißen lassen. Körperlich war ich nicht in den besten Bedingungen, mental war ich aber bereit. Am Ende habe ich ein gutes Rennen gemacht und bin zufrieden!“ Das erste Frauenpodium des Halbmarathons komplettierte Tiphaine Morvan in 1:28:56 Stunden auf Rang drei. Das Wetter stellte in diesem Rennen ausnahmslos alle auf die Probe. Auch im Frauen-Top-10 zeigte sich eine starke Leistungsdichte mit knappen Abständen und einer deutlichen Präsenz bretonischer Vereine.

10 Kilometer im Griff der Elemente

Eine Stunde nach dem Halbmarathon gestartet, spielte der 10-km-Lauf in einer anderen Liga. Auf der gesamten Strecke bliesen Wind und Regen den Läuferinnen und Läufern entgegen. Viele bezeichneten die Bedingungen als geradezu infernalisch, und sie forderten ihren Tribut. Bei den Männern fiel die Entscheidung hauchdünn. Primel Le Goff siegte in 33:53 Minuten, gerade einmal zwei Sekunden vor Thomas Plourin. Jérôme Pasquette komplettierte das Podium in 34:21 Minuten nach einem Rennen, das vor allem Willenskraft verlangte.

Ein aufgewühltes und aussagekräftiges Frauenklassement über 10 Kilometer

Bei den Frauen nahm das Rennen eine noch ungewöhnlichere Wendung. Célia Brossard, in der U23-Kategorie gemeldet, überquerte die Ziellinie in 36:44 Minuten mit großem Vorsprung. Ihre Leistung wurde jedoch nicht in die Wertung aufgenommen, da die junge Läuferin nach dem Rennen disqualifiziert wurde. Ein bemerkenswerter Rennverlauf, denn ihre Zeit hätte die Rangordnung komplett verändert. Der Sieg ging schließlich an Chloé Bacon. Die Athletin von Quimper Athlétisme setzte sich in 39:08 Minuten nach einem starken und gleichmäßigen Rennen durch. Hinter ihr bestätigte Séverine Ropert ihre Erfahrung mit Platz zwei in 41:00 Minuten, während Léa Kerdelhué in 41:06 Minuten für Brest Triathlon den dritten Platz holte.

Auch im weiteren Klassement blieb das Rennen bis zum Schluss umkämpft. Adeline Roué, Marion Loch und Victoria Lhouang lagen weniger als eine Minute auseinander, bevor die Masters-Läuferinnen mit Laëtitia Ménesguen Le Guillou und Isabelle Rannou nachrückten. Erwähnenswert ist auch die starke Leistung der U23-Läuferin Mado Grélé, die in 44:37 Minuten Zehnte bei den Frauen wurde. Ein lang gezogenes, bunt gemischtes Frauen-Top-10, in dem sich die Kategorien vermischten, oft zugunsten der Läuferinnen mit der größten Widerstandskraft unter diesen schwierigen Bedingungen.

Eine Premiere mit festen Wurzeln

Im Ziel zeigte François Hinault ein erleichtertes Lächeln. Er hatte erlebt, wie sich diese 4000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf das sonntägliche Abenteuer eingelassen hatten. „ Danke an die Läuferinnen und Läufer für das Vertrauen in diese erste Ausgabe, sagte der Organisator des Rennens und des Grand Raid du Finistère, für den die Anmeldung bereits geöffnet ist. Viele erste Startnummern, viele erste Male. Wir veranstalten Halbmarathons und 10-km-Läufe, damit möglichst viele den Schritt an die Startlinie machen.

Ein Wort auch zu den 200 Helferinnen und Helfern, die trotz des ungemütlichen Wetters den ganzen Vormittag im Einsatz waren. „ Wir wollen uns von Jahr zu Jahr weiterentwickeln. Ohne sie wäre nichts möglich.“ Mit dieser gelungenen Premiere hat sich die Halbinsel Crozon nun ein Straßenlauf-Event geschaffen, das ihrer Landschaft gerecht wird. Anspruchsvoll, authentisch, lehrreich. Der Halbmarathon des Finistère ist nicht einfach nur gestartet. Er hat sich bereits etabliert.

Alle Ergebnisse des Halbmarathons des Finistère 2026