Halbmarathon du Finistère: Jean Péron, Erwan Richard, Marion Haas … Duell am Ende der Bretagne
Windgepeitschte Klippen, Granitstraßen und Atlantikluft auf Schritt und Tritt: Am Sonntag feiert der Halbmarathon du Finistère auf der Crozon-Halbinsel seine Premiere. Der Halbmarathon war binnen weniger Stunden ausverkauft, für den 10-km-Lauf gibt es noch Startplätze. Mit Jean Péron, Erwan Richard, Jean-Baptiste Olier und Marion Haas ist das Feld hochkarätig besetzt. Eine bretonische Premiere, die intensiv und spektakulär werden dürfte.
Es fehlte noch ein Rennen, das den Finistère anders erzählt als auf einer Postkarte. Ein Wettkampf, der windgepeitschte Klippen, Granitstraßen, charaktervolle Dörfer und jene bretonische Gastfreundschaft verbindet, die man nicht anpreist, sondern erlebt. Am Sonntag, dem 22. Februar, wird diese Lücke geschlossen: mit der ersten Ausgabe des Semi-Marathon du Finistère im Herzen der legendären Crozon-Halbinsel.
Und die Reaktion der Läufer spricht für sich. Innerhalb weniger Stunden waren die 1.000 Startplätze für den Halbmarathon vergeben. Für eine Premiere ist das bemerkenswert. Insgesamt werden mehr als 4.000 Teilnehmer erwartet, verteilt auf den Halbmarathon (21,1 km), den 10-km-Lauf und leider keine Kinderläufe, weil „die Sicherheitsbedingungen nicht ausreichen, um eine Organisation zu gewährleisten, die unseren Ansprüchen und Werten entspricht“, wie der Veranstalter erklärt. Mehr als 250 Helfer, erkennbar an ihren gelben Ölzeugjacken, bilden das Rückgrat der Veranstaltung. Nur ein Detail? Keineswegs.
Spektakuläre Passage zwischen Himmel und Meer
Schon die Strecken geben den Ton an. Die Landschaft macht keine Kompromisse. Das Rennen führt über die Crozon-Halbinsel, ein bretonisches Naturjuwel im Regionalen Naturpark Armorique. Steile Klippen, neu angelegte Radwege, technischere Abschnitte und maritime Panoramen bis zum Horizont: Jeder Kilometer erzählt seine eigene Geschichte.
Der Halbmarathon startet an der Cidrerie Rozavern in Telgruc-sur-Mer. Lokaler kann ein Start kaum sein. Nach dem ersten Anstieg bei Kilometer 3 fällt der Blick bereits auf den Ozean. Die Abfahrt führt nach Crozon, danach folgt ein wilderer Abschnitt, fast schon Trail-Charakter, bevor die Strecke durch ein Natura-2000-Gebiet rund um den Étang de Kerloc’h verläuft. Mit dem Einlauf in Camaret-sur-Mer beginnt das Finale: eine letzte Vollgas-Abfahrt zum Hafen und ein gemeinsames Ziel für beide Rennen mit Blick auf den Atlantik.
Der 10-km-Lauf ist zugänglicher, aber keineswegs nebensächlich. Er startet an der Sporthalle von Crozon, der Salle Nominoë, eine bewusste Reminiszenz an die bretonische Geschichte. Ein ideales Format, um die Veranstaltung kennenzulernen, ohne auf die Landschaft zu verzichten.
Anspruchsvoll … und trotzdem schnell
Das bretonische Profil sollte niemand unterschätzen. Ja, die Strecke fordert die Beine. Ja, der Wind kann zum Spielverderber werden. Aber die Zahlen dürften auch die Tempomacher ansprechen:
➜ 10 km: 54 hm bergauf / 119 hm bergab
➜ Halbmarathon: 149 hm bergauf / 194 hm bergab
Mit langen Abfahrten und einem abwechslungsreichen Streckenverlauf könnten die Bedingungen all jenen entgegenkommen, die gut vorbereitet an der Startlinie stehen.
Starke Favoriten im Halbmarathon
Bei dieser Premiere auf einer Strecke, auf der man an den Anstiegen die Zähne zusammenbeißt und danach die Pferde laufen lässt, präsentiert sich das Elitefeld des Halbmarathons ausgesprochen bretonisch und vor allem ausgeglichen. An der Spitze steht Jean Péron (Stade Brestois Athlétisme) mit dem Ruf eines Tempomachers. Der konstante Läufer ist dafür bekannt, wellige Strecken souverän wegzustecken. Der Marathon-Spezialist gehört zu den Athleten, die auf ihre Chance warten können. Auf einem windanfälligen Kurs könnte dieses Gespür für die Renneinteilung entscheidend sein.
An seiner Seite verkörpert Erwan Richard (Quimper Athlétisme) die bretonische Schule des Mittelstreckenlaufs: robust, ausdauernd und selten aus dem Konzept zu bringen, wenn das Rennen Fahrt aufnimmt. Der Läufer aus Quimper kennt solche Strecken, auf denen man die Zeit oft eher mit Köpfchen als mit bloßer Geschwindigkeit gewinnt. Die gleiche prognostizierte Zeit und die gleiche Ambition bringt Jean-Baptiste Olier mit, ebenfalls für Stade Brestois Athlétisme startend. Der offensiv laufende Athlet fühlt sich wohl, wenn das Tempo steigt, und könnte auf den flüssigen Abschnitten seine Schritte ausspielen. In einem abfallenden Finale nach Camaret passt sein Profil perfekt zum Terrain.
Hinter diesem Trio bringt Elie Hodzic (Triathl’Aix) eine andere Note ins Rennen. Als ausgebildeter Triathlet ist er lange Belastungen und Wind gewohnt und kann ein hohes Intensitätsniveau über lange Zeit halten. Auf einer anspruchsvollen Strecke kann ein solches Profil überraschen. Théo Chenu (Stade Brestois Athlétisme) vervollständigt das beeindruckend dichte Feld. Der junge Bretone läuft konstant um 1:11 Stunden und ist der perfekte Außenseiter: einer, der eine kurze Unsicherheit an der Spitze nutzt, um in den Kampf um den Sieg einzugreifen.Bei den Frauen verspricht der Zweikampf ebenso viel Spannung. Marion Haas geht als logische Favoritin an den Start. Sie ist auf der Halbmarathondistanz stark und mag Strecken, die Konstanz statt eines gleichförmigen Kraftakts verlangen. Giulia Peaucellier, die trotz Ermüdung stark ins Ziel laufen kann, und Mathilde Gay, bekannt für ihre Zähigkeit, komplettieren ein Trio, in dem das Wetter zum Schiedsrichter werden könnte.
Bei den Frauen verspricht der Zweikampf ebenso viel Spannung. Marion Haas geht als logische Favoritin an den Start. Sie ist auf der Halbmarathondistanz stark und mag Strecken, die Konstanz statt eines gleichförmigen Kraftakts verlangen. Giulia Peaucellier, die trotz Ermüdung stark ins Ziel laufen kann, und Mathilde Gay, bekannt für ihre Zähigkeit, komplettieren ein Trio, in dem das Wetter zum Schiedsrichter werden könnte.
Ein explosives 10-km-Rennen zwischen Tempo und Mut
Über 10 km wird der Ton ein anderer, das Niveau aber nicht niedriger. Primel Le Goff (Quimper Athlétisme) gehört zu den lokalen Größen. Schnell und präzise in seiner Renneinteilung kennt er solche Läufe genau, in denen jede Tempoverschärfung zählt. Gegen ihn treten Thomas Plourin und Victor Lemasson an. Beide werden mit rund 31 Minuten gehandelt und stehen für eine selbstbewusste Generation, die schnell loslaufen und dieses Tempo auch durchziehen kann. Auf dem leicht abschüssigen Kurs dürfte die Versuchung groß sein, das Rennen in ein gemeinsames Einzelzeitfahren zu verwandeln.
Luca Guirriec könnte als Außenseiter auf dem Papier von einem zu schnellen Start der Favoriten profitieren. Dasselbe gilt für Baptiste Le Bris, der sehr schnell finishen kann, wenn vorne das Tempo explodiert. Bei den Frauen kommt Chloé Bacon mit einem klaren Anspruch. Sie ist schnell, effizient und mag Strecken, auf denen das Tempo nie abfällt. Marion Loc’h und Léa Kerdelhué lauern dahinter und sind bereit, jeden Fehler auszunutzen. Bei Wind und dieser besonderen Atmosphäre kann sich das Rennen bis zur Ziellinie jederzeit neu sortieren.
Sport, gesalzene Butter und echte Fest-noz-Stimmung
Hinter dem Projekt steht François Hinault, gebürtiger Telgrucien und Veranstalter ungewöhnlicher Rennen in der Region. Der Finistérien hat eine Veranstaltung entworfen, die auf jedem Terrain seinen Werten treu bleibt: Sport, Region und Gemeinschaft. Der Semi-Marathon du Finistère ist kein losgelöstes Laufevent, sondern bekennt sich klar zu seinen lokalen Wurzeln.
An den Verpflegungsstellen duftet es nach Brot mit gesalzener Butter. Die Anfeuerung kommt mitunter im Rhythmus von Djembés. Tunnel werden mit bretonischen Fahnen geschmückt. Und im Ziel verlängert das Hafendorf von Camaret die Feier: Holzspiele, Musiker in Tracht, bretonische Tänze, Foodtrucks und wohlverdiente Galettes. Wenn die Elemente noch Nieselregen und eisigen Wind auf die Speisekarte setzen, wird sich niemand beschweren. Es wäre einfach noch ein bisschen mehr Finistère.
Selten hat ein Rennen den Regler der „Bretonnitude“ so weit aufgedreht. Folkloregruppen an den Verpflegungsstellen, Musik entlang der gesamten Strecke und bretonische Tänze im Zielbereich: Der Semi-Marathon du Finistère bedient regionale Klischees nicht nur, er feiert sie.
Noch Startplätze für den 10-km-Lauf
Der Halbmarathon ist ausverkauft, für den 10-km-Lauf sind bis zum 8. Februar 2026 noch einige Plätze verfügbar. Eine ideale Gelegenheit, die Veranstaltung kennenzulernen, sich in außergewöhnlicher Landschaft intensiv zu fordern oder einfach aus Freude zu laufen und im Ziel eine Crêpe zu genießen. Ob persönliche Bestzeit, winterlicher Wiedereinstieg oder einfach Lust auf Atlantikluft: Hier findet jeder seinen Platz.
Die wichtigsten Infos
Sonntag, 22. Februar 2026
➜ Starts: 9:00 Uhr – Halbmarathon (Telgruc-sur-Mer) und 11:30 Uhr – 10 km (Crozon)
➜ Zieleinlauf und Veranstaltungsdorf: Hafen von Camaret-sur-Mer
➜ Während des Rennens kann es zu Verkehrseinschränkungen kommen (gesperrte Straßen oder Einbahnregelungen)
Am 26. Januar fand eine offizielle Streckenvermessung statt, die die FFA-Zertifizierung der Distanzen gewährleistet. Lizenzierte Läufer können damit einen echten, von der Fédération Française d’Athlétisme ordnungsgemäß vermessenen Halbmarathon absolvieren.
Der Semi-Marathon du Finistère will nicht wie die anderen sein. Er bietet etwas anderes: eine winterliche Auszeit, ein gemeinsames Abenteuer und eine aufrichtige Hommage an eine stolze Region. Alles deutet darauf hin, dass diese erste Ausgabe nicht die letzte bleiben wird. Ein Rennen mit besten Chancen, zu einem festen Termin im Laufkalender zu werden. An diesem Festsonntag am Ende der Bretagne wird Straßenlauf ganz klar nach Weite schmecken.
✔ Alle Informationen gibt es auf der offiziellen Website