Madrid-Marathon 2026: Mike Chematot und Kena Girma geben den Ton an

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Madrid-Marathon 2026: Mike Chematot und Kena Girma geben den Ton an
© Zurich RNR Running Series Madrid

In einem glühend heißen und brechend vollen Madrid hielt der Marathon an diesem Sonntag, dem 26. April, alles, was er versprochen hatte. Der Kenianer Mike Chematot kontrollierte das Rennen in 2:08:46 Stunden, während die Äthiopierin Kena Girma in 2:25:59 Stunden die Spitze übernahm. Hinter diesen beiden starken Leistungen entwickelte sich ein dicht besetztes, internationales Rennen, das zeigt, wie deutlich dieser Wettbewerb inzwischen gewachsen ist.

Noch bevor es um Stimmung oder Zahlen geht, bleibt ein Bild hängen: der dicht gedrängte, beinahe erdrückend volle Paseo de Recoletos, der auf die ersten gezeichneten Gesichter wartete. Madrid liebt seinen Marathon, doch die Ausgabe 2026 hat eine neue Stufe erreicht. Mit 47.000 Teilnehmern über das gesamte Wochenende und einer endlosen Warteliste stand die Königsdisziplin im Mittelpunkt. Ein dicht besetztes Elitefeld und ein immer größeres internationales Läuferfeld sorgten zusätzlich für Aufmerksamkeit.

Schon in den ersten Kilometern formierte sich das Männerrennen um eine stabile Gruppe. Kein hohes Risiko, aber eine beinahe mechanische Konstanz. Der Kenianer Mike Chematot las das Rennszenario perfekt. Ohne brutale Tempoverschärfung und ohne unnötige Glanznummer baute er seinen Sieg mit großer Konstanz auf, kontrollierte die entscheidenden Momente und überließ die Auslese dem Rennverlauf. Seine Endzeit von 2:08:46 Stunden spiegelt dieses saubere, fast kühl wirkende Rennen gegen eine dennoch starke Konkurrenz wider.

Hinter ihm hielten die Äthiopier Asefa Mengisa in 2:09:05 Stunden und Dechasa Alemu in 2:09:10 Stunden lange die Hoffnung auf eine Aufholjagd am Leben. Doch Madrid verzeiht auf den letzten Kilometern nichts. Die anspruchsvolle, wellige Strecke legt die Abstände unweigerlich offen. Die Top 10 bestätigen die Dominanz Ostafrikas. Dazu gehören die Kenianer Philemon Bett und Gideon Chepkonga sowie der Äthiopier Limenih Getachew. Sie alle konnten auch auf einer Strecke, die Rekordzeiten nicht gerade begünstigt, ein hohes Tempo halten.

Aus spanischer Sicht setzte sich Jorge Puig Malvar gut in Szene. Mit 2:24:26 Stunden belegte er Rang 13 und war damit der beste Spanier in einem Rennen, in dem das Gesamtniveau kaum Platz lässt. Eine solide, klug eingeteilte Leistung, die zugleich den weiterhin bestehenden Abstand zu den internationalen Standards auf einem solchen Kurs sichtbar macht.

Girma übernimmt, Äthiopien ist zur Stelle

Bei den Frauen bot das Rennen ein anderes, beinahe spiegelverkehrtes Bild. Während die Kenianer bei den Männern dominierten, übernahm Äthiopien das Kommando im Frauenrennen. Kena Girma schlug früh ein gleichmäßiges Tempo an. Sie versuchte nicht, das Rennen zu sprengen, erhöhte aber konstant den Druck auf ihre Konkurrentinnen. Eine wirksame Strategie, die ihr in 2:25:59 Stunden den Sieg brachte. Kein Rekord, aber ein Rennen mit echter Souveränität.

Ihre Landsfrau Amente Sorome Negash auf Rang zwei in 2:27:42 Stunden versuchte so lange wie möglich den Kontakt zu halten, konnte die Entwicklung aber nie wirklich drehen. Die Kenianerin Leonida Mosop, Dritte in 2:32:48 Stunden, komplettierte ein Podium, das von der klassischen Rivalität zwischen den beiden großen Langstreckennationen geprägt war.

Weiter hinten im Klassement zog eine Leistung die besondere Aufmerksamkeit des Madrider Publikums auf sich. Estefanía Unzu, besser bekannt als „Verdeliss“, absolvierte ihren Marathon in 2:58:22 Stunden. Rang 13 und zugleich beste Spanierin, begleitet von einer Stimmung, die ihr weitgehend sicher war. Ein engagiertes, komplettes Rennen, das sich in eine beeindruckende persönliche Entwicklung einfügt und einem ohnehin hochkarätigen Wettbewerb eine populäre Note verleiht.

Kenia macht den Halbmarathon unter sich aus

Noch bevor die Marathonläufer ins Ziel kamen, hatte der Halbmarathon bereits den Ton gesetzt. Und hier kam keinerlei Spannung auf. Kenia rollte das Rennen auf. Der Kenianer Gideon Kiprop siegte in 1:01:45 Stunden, nachdem er die Konkurrenz nach und nach zermürbt hatte. Hinter ihm komplettierten seine Landsleute in 1:02:00 Stunden und Rodgers Plimo Minatum in 1:02:07 Stunden ein Podium ohne jede Diskussion. Eine mannschaftliche Demonstration, beinahe klinisch.

Der beste Spanier, Carlos Mayo, belegte in 1:03:29 Stunden Rang sechs und war noch von einer Verletzung aus der jüngeren Vergangenheit gezeichnet. Eine ordentliche Leistung in einem Rennen, in dem die Abstände schnell anwachsen. Bei den Frauen verteidigte Isabel Barreiro Garcia ihren Titel in 1:12:25 Stunden mit Nachdruck. Die Spanierin teilte sich ihr Rennen perfekt ein und ließ die Niederländerin Sarah Bruun Nielsen, Zweite in 1:18:27 Stunden, sowie Marina Taberner Ramos, Dritte in 1:20:44 Stunden, hinter sich. Ein von Anfang bis Ende kontrolliertes Rennen ohne ernsthafte Bedrohung.

Nervenstarker, rein spanischer Auftakt über 10 km auf der 10-km-Distanz

Dabei war der Tag in einem völlig anderen Rhythmus gestartet. Kürzer und explosiver bot der 10-km-Lauf einen intensiven Zweikampf, getragen von den spanischen Läufern. Der Lokalmatador Adam Maijó Frigola siegte in 28:58 Minuten nach einem engen Duell mit Yago Rojo Sancho, der in 29:09 Minuten Zweiter wurde. Adrián Ben Montenegro komplettierte das Podium in 30:07 Minuten. Ein dichtes Rennen, in dem jeder Antritt zählt.

Bei den Frauen beherrschte ein spanisches Trio das Geschehen. Águeda Marqués Muñoz bestätigte ihre Rückkehr an die Spitze mit einem Sieg in 33:13 Minuten. Irene Sánchez-Escribano Figueroa kam in 33:16 Minuten nur wenige Sekunden dahinter ins Ziel, während Soledad Barrantes Borrella in 37:44 Minuten den dritten Platz belegte.

Madrid wächst über sich hinaus

Unterm Strich lässt sich diese Ausgabe nur schwer auf ein einziges Rennen reduzieren. Der Madrid-Marathon ist zu einem Gesamtpaket geworden, zu einem kompletten Wochenende, an dem jede Distanz ihre eigene Geschichte erzählt. 47.000 Läufer, eine massive internationale Beteiligung und die Aufnahme in die „European Marathon Classics“: Der nächste Schritt scheint gemacht.

Die Ergebnisse des Madrid-Marathons 2026