Marathon de La Rochelle Serge Vigot: Elvis Cheboi und Betty Chepkemoi dominieren am Hafen

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Marathon de La Rochelle Serge Vigot: Elvis Cheboi und Betty Chepkemoi dominieren am Hafen
© STADION

La Rochelle hat einmal mehr die ganze Vielfalt des Marathons gefeiert. Elvis Cheboi triumphierte bei den Männern trotz eines verpassten Abzweigs, Betty Chepkemoi bestätigte bei den Frauen ihre Favoritenrolle. Zwischen Rekorden, französischen Renntaktiken und brodelnder Hafenstimmung bot die 34. Ausgabe des Marathon de La Rochelle Serge Vigot Spannung und Emotionen ohne Ende. Der Rückblick auf ein Rennen mit vielen Facetten.

Am Sonntag, dem 30. November, hat die 34. Ausgabe des Marathon de La Rochelle Serge Vigot einmal mehr gezeigt, warum er zu den großen Marathons in Frankreich zählt. Mit knapp 16.000 gemeldeten Läuferinnen und Läufern über alle Wettbewerbe hinweg, darunter rund 9.000 im Marathon, behauptet sich die Veranstaltung in den nationalen Top 3, direkt hinter den Schwergewichten Paris und Nice-Cannes.

Auf dem Programm standen hochkarätige Elitefelder, ein falsch ausgeschilderter Abzweig, der alles hätte verändern können, entschlossene französische Läufer, eine Strecke zwischen Meer und Altstadt sowie eine festliche, volkstümliche Hafenstimmung. Ob Bestzeit, Laufgenuss oder Entdeckungstour: La Rochelle bot ein komplettes Spektakel und verdichtete Einsatz, Emotionen und gemeinsames Lauferlebnis auf dem Asphalt.

Betty Chepkemoi bleibt als Favoritin souverän

Auch bei den Frauen über die gewohnt flache Distanz von 42,195 Kilometern wurde die favorisierte Betty Chepkemoi ihrer Rolle gerecht. Gleichmäßiges Tempo, kluge Renneinteilung und mentale Stärke: Ihr Sieg zeichnete sich ohne großes Drama ab, aber mit der Gewissheit, dass sie sich keinen Fehler leisten würde. Ihr Erfolg bestätigt: In La Rochelle gewinnt, wer als Favoritin ernst macht.

Die Kenianerin, die in diesem Jahr bereits in Wien triumphiert hatte, legte in der Charente-Maritime nach. Ihre Zeit von 2:25:32 Stunden war solide, blieb aber hinter ihrer Bestzeit von 2:24:14 zurück. Es folgten die Äthiopierin Alemtsehay Zerihun (2:26:14) und die Kenianerin Vivian Cherotich (2:26:44), die das beeindruckende afrikanische Podium komplettierte.

Bei den Französinnen war das Feld stark besetzt. Astrid Moreau wurde in 2:43:45 Siebte, Émilie Lasserre belegte in 2:45:58 Rang acht und Katie Mauthoor kam in 2:48:39 auf Platz neun. Sie meldete sich nach einem verletzungsbedingten Jahr zurück und war stolz, wieder unter 2:50 gelaufen zu sein.

Cheboi siegt trotz fatalem Abzweig und dramatischem Finish

Das Drehbuch des Männer-Rennens hätte beinahe aus einem Film stammen können. Elvis Cheboi lief mit 30 Jahren ein perfektes Rennen: flüssiger Rhythmus, kontrolliertes Tempo, der Sieg zum Greifen nah. Seine offizielle Zielzeit: 2:09:31 Stunden. Doch in den allerletzten Sekunden drohte die Strecke, den Kenianer um alles zu bringen. Ein falsch ausgeschilderter Abzweig, und der Champion war plötzlich vom Kurs abgekommen. Ein Fehler, der alles hätte zunichtemachen können. Im Ziel war die Enttäuschung spürbar: „Niemand hat mir den richtigen Weg gezeigt“, erklärte der Tagessieger. „Ein Mann holte mich ein und sagte mir, dass ich auf dem falschen Weg sei. Ich wollte noch einmal Druck machen und meine Bestzeit schlagen. Ich bin ein wenig enttäuscht.

Ein bitteres, beinahe ungerechtes Finale. Cheboi wurde auf dem falschen Fuß erwischt und wird den verpassten Rekord, der ihm auf den letzten Metern entglitt, wohl noch lange im Kopf behalten. Der Sieg bleibt, ebenso die Medaille, doch die Lehre ist eindeutig: Im Marathon zählt jedes Schild, jeder Orientierungspunkt. Direkt dahinter holte sein Landsmann Kiprop Kimutai in 2:14:10 Stunden den zweiten Platz. Seine Erleichterung war deutlich zu sehen, sein Stolz blieb zurückhaltend. „Ich habe in diesem Rennen alles gegeben. Ich fühle mich gut und bin mit meiner Leistung zufrieden“, sagte er im Ziel. Er verwies erwartungsgemäß einen weiteren Kenianer auf Rang drei: Wesley Ledama lief in La Rochelle 2:15:29 Stunden.

Ein Franzose in den Top 5 und eine Trainingsgruppe mit Teamgeist

Für die größte Überraschung aus französischer Sicht sorgte Antoine Villechenaud. Der 30-Jährige vom Grand Angoulême Athlétisme überquerte die Ziellinie nach 2:18:08 Stunden als Fünfter der Gesamtwertung und bester Franzose. Seine Geschichte ist solide, bescheiden und durchdacht. Er war neun Minuten schneller als bei seinem ersten Marathon vor vier Jahren, ebenfalls in La Rochelle (2:27:06). Ein gewaltiger Fortschritt.

Die Renntaktik war sorgfältig geplant. Er musste in der Gruppe bleiben und etwa ab Kilometer 31 oder 32 den richtigen Moment abpassen, wenn Beine, Kopf und Publikum mitspielen. „Wir hatten eine gute französische Gruppe und zwei hervorragende Tempomacher“, erzählte der Lokalmatador. „Ich wollte geduldig bleiben und das Publikum von La Rochelle genießen. Diese Runde hatte ich vor vier Jahren hier begonnen. Heute habe ich sie beendet. Ich freue mich sehr, das mit Freunden, meiner Familie und meinen Trainingspartnern Benjamin, Théo und Michael geteilt zu haben. Das Publikum war wieder unglaublich. Danke, La Rochelle!

Doch Antoine Villechenaud erlebt diese Zeit nicht allein. Er spricht von einem Kollektiv, einer Trainingsbrüderlichkeit: „Wir laufen das ganze Jahr zusammen. Sie sind mehr als Kameraden, sie sind Trainingsbrüder. Das zu teilen, ist großartig.“ Um ihn herum bestätigte die französische Gruppe ihre Stärke: François Pautret (6., 2:18:42), Théo Moussu (7., 2:18:43) und Benjamin Grenetier (8., 2:18:56). Letzterer bewies mit 44 Jahren, dass Leidenschaft und Konstanz starke Verbündete sind.

Ein Fest der Wettbewerbe: 10 km, Duo, Rollstuhl, La Rochelle feiert

Die Hafenstadt richtete den Fokus nicht nur auf den Marathon. 10 km, Duo und Rollstuhlrennen brachten ganz unterschiedliche Gesichter, Herausforderungen und Ambitionen zusammen. Über 10 km setzte sich Théo Rageot in 30:33 Minuten durch. Der Läufer von Athlé Bocage Vendée verbesserte den Streckenrekord um 30 Sekunden. Die bisherige Bestmarke hatte Pierre Couzinier 2024 mit 31:03 Minuten aufgestellt. Hinter ihm komplettierten Romain Faye (31:07) und Guillaume Belgy (31:08) das enge Podium. Bei den Frauen flog Camille Ploteau in 35:19 Minuten über die Strecke und stellte damit einen neuen Rekord in La Rochelle auf. Es folgten Anouk Sire (36:35) und Marine Echevin (37:27). „Ich bin angetreten, um meine Bestzeit zu schlagen und unter 35 Minuten zu bleiben“, sagte die Athletin aus Carquefou. „Die Stimmung war großartig, man kann nicht alles haben!

In der Duo-Kategorie, die ganz dem gemeinsamen Erlebnis verpflichtet ist, gewann das Duo „Le Mouillour“ in 2:27:27 Stunden vor dem Tandem Girard-Freychet (2:37:15) und Paitreault-Ridouard (2:41:02). Das Rollstuhlrennen diente zugleich als Austragungsort der französischen Meisterschaften im Para-Halbmarathon. Es wurde zu einer eindrucksvollen Würdigung der Entschlossenheit und ging an Pascal Vallet (1:01:57), vor Willy Couderc (1:14:49) und Djilali Meriem-Benziane (1:04:54).

Jenseits von Siegern und Zeiten bleibt dieser Marathon mit seinem Duft nach Austern vor allem eine Geschichte des gemeinsamen Erlebens und des Einsatzes. Antoine Villechenaud und seine Trainingsbrüder gemeinsam über die Ziellinie laufen zu sehen, angefeuert von einem immer herzlicheren Publikum, erinnert daran, dass Laufen hier mehr ist als eine Einzelleistung. Die Elite, die Hobbyläufer und die Teilnehmer der 10-km-, Duo- und Rollstuhlrennen haben erneut bewiesen, dass La Rochelle Leidenschaft, Solidarität und eine Prise angenehm verrückter Lebensfreude verbinden kann. So wird dieser Marathon zum unverzichtbaren Termin zum Jahresende.

Alle Ergebnisse der Ausgabe 2025 des Marathon de La Rochelle