Marvejols-Mende: Die 53. Auflage mit einem außergewöhnlich starken Starterfeld

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Von Emma Bert

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Marvejols-Mende: Die 53. Auflage mit einem außergewöhnlich starken Starterfeld
© Marvejols-Mende

In Frankreich haben manche Läufe längst Kultstatus erreicht. Ihre Geschichte, ihr besonderer Charakter oder die Klasse des Teilnehmerfelds machen sie zu Pflichtterminen. Der Halbmarathon Marvejols-Mende gehört zweifellos in diese Kategorie. Am 19. Juli gingen bei der diesjährigen Ausgabe knapp 2.200 Läuferinnen und Läufer an den Start.

„Hier beginnt die Hölle.“ Diese Worte stehen am Beginn des ersten Anstiegs, des Col de Goudard, auf dem Asphalt der Lozère. Sie sollen die Mutigen vor den Schwierigkeiten der Strecke warnen. Seit mehr als fünf Jahrzehnten zieht der Klassiker Tausende Athleten an, begleitet von einem begeisterten und treuen Publikum.

Marvejols-Mende bedeutet zwei aufeinanderfolgende Anstiege inmitten der außergewöhnlichen Landschaft der Cevennen. Zunächst geht es über den 4,7 Kilometer langen Goudard mit durchschnittlich 7,5 Prozent Steigung, danach über den Chabrits mit 8 Kilometern und 6 Prozent. Auf einzelnen Passagen beträgt die Steigung bis zu 15 Prozent. Auf beide Anstiege folgen lange, steile und technisch anspruchsvolle Abfahrten. Diese Kombination bringt selbst erfahrene Athleten an ihre Grenzen, vor allem, wenn sie ihre Kräfte nicht perfekt einteilen. Dieser legendäre Lauf hinterlässt bei jedem Spuren, körperlich natürlich, aber auch in der Erinnerung.

Die Stimmung erinnert an die Tour de France, und die Teilnehmer werden über die gesamten 22,5 Kilometer getragen. „MM“ ist ein Erlebnis, einer jener Wettbewerbe, die man mindestens einmal im Leben gelaufen sein sollte. Spätestens auf dem Gipfel des Goudard wird klar, warum: Dort wird die Zuschauermenge dichter, Kuhglocken läuten, und Zuschauer in traditioneller Tracht bilden für die Läufer ein Spalier.

Kenia dominiert erneut

Auf diesem ebenso anspruchsvollen wie ungewöhnlichen Halbmarathon setzte sich in Mende erneut ein Läufer aus Kenia durch. Cyrus Kipkemoi Kimaiyo war in 1:12:54 Stunden der Schnellste, vor dem Ruander Félicien Muhitara in 1:14:18 und dem Kenianer Kevin Kibet in 1:14:34.

Bester Franzose wurde Adrien Piticco (EA Echirolles) auf Rang zehn in 1:16:05. Wie stark das Niveau des Rennens war, zeigt auch die Zeit des 20. Platzes: 1:18:50.

Manon Coste läuft als beste Französin stark auf

Auch das Frauenrennen bot großen Sport. Wie bei den Männern ging der Sieg an Kenia: Jepkosgei Janeth Kiptoo gewann in 1:25:24 Stunden vor der Uganderin Vanis Chemutai. Beste Französin wurde Manon Coste. Die Dijonnaise belegte in 1:25:49 den dritten Platz der Gesamtwertung und war damit sieben Minuten schneller als bei ihrer ersten Teilnahme vor einigen Jahren, die damals vor allem dem Kennenlernen des Rennens gedient hatte. Nur zwei Wochen nach ihrem Start beim Halbmarathon du Mont Ventoux zeigte sie eine herausragende Leistung.

Eigentlich wollte sie im Sommer einfach Rennen laufen, ohne auf die Zeit zu schielen. Ihr Ziel waren 1:28 Stunden, vielleicht 1:28:30, und vor allem ein Platz unter den ersten 15. Angesichts einer allgemeinen Vorbereitung ohne Höhenmeter, Krafttraining und mit wenigen intensiven Einheiten war sie selbst die Erste, die von ihrem Ergebnis überrascht wurde.

„Ich habe mich von Anfang an gut gefühlt und schnell das Kommando übernommen. Schon am Goudard zogen die Kenianerinnen wieder nach vorn, und ich hatte Angst, dass sie mich eine nach der anderen abschütteln würden. Oben am Pass lag ich auf dem zweiten Platz und wollte den Vorsprung in der Abfahrt kontrollieren. Dann überholten mich zwei Konkurrentinnen. Da ich diese Passagen gefürchtet hatte, war das mental hart. Im zweiten Anstieg kämpfte ich mich wieder auf Platz zwei vor und versuchte, in der letzten Abfahrt so lange wie möglich den Kontakt zu halten. Dann wurde ich erneut überholt. Ich lag nun auf Rang drei und wusste, dass die Viertplatzierte nicht weit zurück war. Es war das ganze Rennen über ein tolles Duell. Erst im Ziel erfuhr ich, dass ich nur 25 Sekunden Rückstand auf die Spitze hatte. Das macht Mut für die Zukunft.“

Im Herbst wird Manon Coste wahrscheinlich über die Marathonstrecke an den Start gehen. Sie gehört zu ihren bevorzugten Distanzen, auf denen sie eine Bestzeit von 2:32:43 Stunden hält.

Anne Moulin, Lokalmatadorin des Rennens, Tochter eines der Marvejols-Mende-Gründer und mit dem Wettbewerb bestens vertraut, belegte in 1:29:11 den achten Platz. Damit blieb sie erstmals unter der Marke von 1:30 Stunden.

Marvejols-Mende: Tradition und Vorreiter für den Frauenlauf

Auch wenn heute überall in Frankreich Läufe aus dem Boden sprießen, zählt Marvejols-Mende zu den Pionierveranstaltungen des Landes. Vor allem dank des Engagements von Jean-Claude Moulin fand der Klassiker in den 1970er-Jahren erstmals statt. An einem 25. Dezember lief er gemeinsam mit seinem Freund Begnatbordes und den Brüdern Boudet von Marvejols nach Mende. Diese Strecke war die Geburtsstunde des inzwischen berühmten Halbmarathons in der Lozère.

Der Lauf stand auch Nichtmitgliedern eines Vereins und sogar Frauen offen. Zu jener Zeit erlaubten nur wenige Wettbewerbe Frauen die Teilnahme. Bis 1980 durften Frauen bei Wettkämpfen nicht mehr als fünf Kilometer laufen.

Schon bei den ersten Auflagen trafen sich die besten französischen Läufer in Marvejols. Vor allem aber hatte die Organisation etwas Wesentliches verstanden: Laufen ist ein Fest, nicht nur während des Rennens, sondern auch davor und danach. Festabende und gemeinsame Essen trugen ebenfalls zum Bekanntheitsgrad des Klassikers bei.

Dieser Erfolg war dem Verband allerdings ein Dorn im Auge. Jean-Claude Moulin wurde suspendiert und entging nur knapp einem lebenslangen Ausschluss, weil er Frauen und nicht lizenzierte Läufer starten ließ. Damit wurde der Wettbewerb zum Symbol des Widerstands gegen den Konservatismus im Laufsport.