Paris-Marathon 2027: Die Anmeldung soll bald starten

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Fr., 21. August 2026

Paris-Marathon 2027: Die Anmeldung soll bald starten

Beim Paris-Marathon war es sonst jedes Jahr dasselbe Spiel: Rennen an einem Sonntag im April, kaum sind die Beine wieder halbwegs frisch, gehen schon die Anmeldungen fürs nächste Jahr online. Diesmal aber herrscht eine ungewohnte Funkstille. Monate nach der letzten Ausgabe: kein Datum, keine Registrierung, keine Kommunikation. Für ein Event dieser Größenordnung, das in der Regel ein Jahr im Voraus ausverkauft ist, ist das für viele Runner schwer auszuhalten. Grund zur Panik gibt’s trotzdem nicht. Im Gegenteil: Hinter den Kulissen bewegt sich etwas, und die Anmeldung dürfte in absehbarer Zeit öffnen. Wir ordnen ein, was beim Paris-Marathon als Nächstes passiert und warum 2027 eine ganz besondere Ausgabe wird.

Warum organisiert ASO den Marathon nicht mehr?

Seit 1998 hatte Amaury Sport Organisation die Zügel des Marathon de Paris in der Hand. 28 Ausgaben, ein eingespieltes Modell, feste Abläufe, gewachsene Beziehungen zu allen Beteiligten. Eine Kontinuität, die fast schon selbstverständlich wirkte, ähnlich wie bei der Tour de France, die ebenfalls zum Amaury-Konzern gehört.

Doch diese Erfolgsstory endete mit der Ausgabe 2026. Die Stadt Paris, Inhaberin der Marken Marathon de Paris und Semi-Marathon de Paris, hatte bereits 2025 eine neue Ausschreibung gestartet, um den künftigen Veranstalter für die Jahre 2027 bis 2030 zu bestimmen. Die Gründe? Das Event ist zwar weltläufig geworden, wird aber immer wieder für zu wenig lokale Verankerung und mangelndes ökologisches Engagement kritisiert. Die jüngsten Umweltmaßnahmen von ASO, etwa der Verzicht auf Plastikbecher an den Verpflegungsstationen, reichten offenbar nicht. Kurz gesagt: Für manche ist der Paris-Marathon vor allem zur Cashmaschine geworden, mit Startgeldern, die Jahr für Jahr anziehen. Also wollte das Rathaus neu mischen. Drei Bewerber traten an: ASO als Titelverteidiger, ein internationales Konsortium aus Playground und Oconnection sowie ein dritter Name, damals der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt: das Bündnis Cadence, ein Zusammenschluss aus drei französischen Akteuren (Havas, Keneo und Avena Event).

Am 20. Mai 2026 fiel die Entscheidung im Pariser Stadtrat: Cadence gewinnt mit 78 Ja-Stimmen, 44 Nein-Stimmen und 13 Enthaltungen. Es wird also ein neues Kapitel aufgeschlagen, und im Moment läuft der Übergang alles andere als reibungslos. Seit vier Monaten gibt es keine Neuigkeiten mehr zum Event. Sämtliche Kommunikationskanäle wurden auf stumm geschaltet: keine Social Media, keine Website. Natürlich heißt das nicht, dass die Ausgabe 2027 schlecht organisiert sein wird. Für viele Läuferinnen und Läufer wirkt diese lange Funkstille aber wie ein etwas chaotischer Übergang.

Anmeldung zum Paris-Marathon 2027: warum das Warten und wann ihr euren Startplatz für die nächste, historische Ausgabe sichern könnt.© Guillaume Bontemps / Ville de Paris

Cadence ist der neue Veranstalter des Events

Auf dem Papier waren die Spielregeln simpel: Das sportliche und operative Konzept machte fast die Hälfte der Endnote aus, vor dem finanziellen Angebot (rund 30 %) und den Umweltverpflichtungen.

Ein Detail ist wichtig: Cadence gewann nicht wegen des finanziellen Angebots. Das Bündnis bot der Stadt eine garantierte jährliche Konzessionsabgabe von 3,5 Millionen Euro, während ASO bei etwa 4 Millionen lag. Nach diesem Kriterium allein wäre Cadence also nicht der lukrativste Partner gewesen.

Den Ausschlag gab vor allem der Rest des Dossiers. Cadence setzte auf ein klares soziales und ökologisches Profil: ein niedriger Einheitspreis für Empfängerinnen und Empfänger des RSA. Der Verzicht auf Einwegplastik, den ASO zwar angestoßen hatte, den Cadence aber noch konsequenter durchziehen will. Und der Anspruch, das Rennen aus der reinen Postkarten-Paris-Inszenierung (Eiffelturm, Champs-Élysées) herauszuholen und das gesamte Pariser Kulturerbe stärker zu würdigen. Mit anderen Worten: Paris suchte keinen Dienstleister, der einfach einen großen Scheck unterschreibt und 60.000 Startnummern verwaltet. Paris entschied sich für eine Vision, grüner und sozialer, für seine beiden wichtigsten Running-Events.

Anmeldung zum Paris-Marathon 2027: warum das Warten und wann ihr euren Startplatz für die nächste, historische Ausgabe sichern könnt.© ASO

Was man über die Anmeldung weiß

Nein, die Anmeldung ist noch nicht geöffnet. Und nein, es gibt bisher kein offizielles Datum vom Veranstalter. Was hinter den Kulissen aber kursiert, ist zumindest ein grobes Zeitfenster: der Herbst 2026, wahrscheinlich im September. Für den Renntag wird Sonntag, der 11. April 2027 genannt, ein typischer Termin für dieses Rennen und sauber im Running-Kalender platziert, fünf Wochen nach dem HOKA Semi-marathon de Paris. Aber nichts davon ist in Stein gemeißelt: weder der Start der Registrierung, noch der Preis, noch einmal die Plattform, über die die Startplätze verkauft werden.

Diese fehlenden, konkreten Infos können bei manchen Läuferinnen und Läufern für Verwirrung bei der Saisonplanung sorgen, sind aber nicht wirklich Absicht. Sie sind vor allem die direkte Folge eines viel größeren Umbruchs: Das Rennen hat kürzlich den Veranstalter gewechselt.

Anmeldung zum Paris-Marathon 2027: warum das Warten und wann ihr euren Startplatz für die nächste, historische Ausgabe sichern könnt.© Guillaume Bontemps / Ville de Paris

Womit ist beim Paris-Marathon 2027 konkret zu rechnen?

An der Distanz ändert sich natürlich nichts: 42,195 km für den Marathon und 21,097 km für den Halbmarathon. Zwei von World Athletics zertifizierte Rennen mit zwei renommierten Labels: Gold-Label für den Marathon de Paris und das klassische Label für den Semi-marathon de Paris. Die Neuverhandlung dieser Labels wird genau beobachtet und liefert einen ersten Hinweis darauf, wie die nächste Ausgabe sportlich einzuordnen ist. Je höher das Label, desto eher zieht das Rennen Athletinnen und Athleten aus der Weltspitze an.

Die Strecke. Im Moment wirkt noch nichts fix. Mit Cadence war von einem Kurs die Rede, der sich von Ausgabe zu Ausgabe verändern könnte, um mehr Viertel und Pariser Architektur stärker in Szene zu setzen. Unklar ist allerdings, ob das den Marathon, den Halbmarathon oder beide Rennen betrifft. Die Gespräche mit der Polizeipräfektur laufen weiterhin.

Die Anmeldung. Die Plattform time to, die unter ASO genutzt wurde, ist ein wichtiger Partner des früheren Veranstalters. Eine automatische Verlängerung ist aber nicht garantiert. Cadence könnte ein eigenes Tool entwickeln oder einen anderen Dienstleister wählen.

Die Preise. Es ist noch kein Tarif durchgesickert. Im ausgewählten Projekt ist von einer stärkeren sozialen Zugänglichkeit die Rede, mit speziellen Preisen etwa für Arbeitslose und RSA-Empfänger.

Umwelt. Einer der Kernpunkte des Projekts. Schluss mit Einwegbechern und Einwegflaschen. Der Verzicht war unter ASO bereits beschlossen, hatte aber nicht bei allen Teilnehmenden für Zustimmung gesorgt. Die Stadt Paris scheint dieses Thema nun zur absoluten Priorität zu machen. Es ist also wenig wahrscheinlich, dass es in Paris jemals wieder Verpflegung mit Flaschen oder Bechern geben wird. Und Cadence will noch weitergehen, mit vielen Optionen bei der Buchung: Finisher-Shirt optional, Beflockung verfügbar, Medaille optional usw.

Das Gesamterlebnis. Das ist ebenfalls einer der großen erwarteten Umbrüche. Während ASO stark auf Logistik-Know-how und Erfahrung setzte, positioniert sich Cadence moderner und dynamischer, mit vielen Markenaktivierungen: neue Streckenführung, mehr Animationen, ein neu gedachtes digitales Erlebnis, das Läuferinnen und Läufer genauso einbezieht wie Zuschauer.

Anmeldung zum Paris-Marathon 2027: warum das Warten und wann ihr euren Startplatz für die nächste, historische Ausgabe sichern könnt.© Guillaume Bontemps / Ville de Paris

ASICS ersetzt Schneider Electric und sichert sich ein prestigeträchtiges Naming

Erster Dominoeffekt des Veranstalterwechsels, und kein kleiner: Alle Verträge der alten Konzession sind hinfällig geworden. Alle, ohne Ausnahme. Alles muss neu verhandelt werden, auch der Deal zwischen ASICS und ASO, der erst letztes Jahr bis 2031 verlängert worden war.

Die Geschichte von ASICS mit dem Paris-Marathon lohnt sich, weil sie zeigt, was hinter einem Naming-Vertrag passieren kann. ASICS ist seit 2009 Partner des Paris-Marathons, aber lange nur in der zweiten Reihe, hinter Schneider Electric, dem Titelsponsor seit 2012. Eine Konstellation, die bei der japanischen Marke für Frust sorgte: Das volle Potenzial des Events für ein noch stärkeres Runner-Erlebnis ließ sich nicht ausschöpfen, solange das Rennen einen anderen Namen trug.

Während die japanische Marke seit Jahren im Running einen Lauf hat, ist der Veranstalterwechsel eine goldene Gelegenheit. ASICS machte schnell ein Angebot, diesmal als Titelsponsor einzusteigen. Der Pariser Stadtrat bestätigte die Vereinbarung am 17. Juli 2026. Ab 2027 heißt das Rennen damit ASICS Marathon de Paris, im Rahmen einer mehrjährigen Partnerschaft, deren genaue Laufzeit nicht kommuniziert wurde. Ein echter Coup für ASICS, das damit seine Ambitionen unmissverständlich zeigt. Titelsponsor des größten französischen Marathons zu sein, mehr Sichtbarkeit in Frankreich ist kaum zu bekommen...

Für andere Marken und langjährige Partner zeigt das: Nichts ist gesetzt. Jeder Vertrag, der an die frühere ASO-Konzession geknüpft war, muss mit dem neuen Veranstalter neu diskutiert werden, und aktuell weiß niemand genau, wer sonst die Ausgabe 2027 begleiten wird. Gerüchten zufolge soll HOKA Titelsponsor des Halbmarathons bleiben.

Anmeldung zum Paris-Marathon 2027: warum das Warten und wann ihr euren Startplatz für die nächste, historische Ausgabe sichern könnt.© ASO


Dieser Staffelstabwechsel von ASO zu Cadence gibt dem Paris-Marathon ein ganz neues Gesicht. Dass das Rennen zu den größten Marathons der Welt gehört, ist kein Zufall. Es lebt von einem sehr präzisen Gleichgewicht: eine Strecke entlang der ikonischsten Monumente der Hauptstadt, kombiniert mit einem ausreichend schnellen Profil, um die besten Läufer der Welt anzuziehen. Paris ist zwar kein Major, aber bei der Elite ein geschätzter Spielplatz. Und vor allem ist es ein riesiges Volksfest: 58.853 Starterinnen und Starter 2026, davon jeder Zweite zum ersten Mal über die Distanz. Wenn man eine dieser beiden Säulen schwächt, wackelt die andere mit. Die Baustelle wird für Cadence also sportlich: das Erlebnis modernisieren, das Event grüner machen, ohne eine sportliche Reputation zu verwässern, die auf 50 Jahren Geschichte basiert.

Alle Infos zum Paris-Marathon findet ihr hier