Marathon im Orbit, wenn Astronauten im All laufen
Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026
Aktualisiert am Mi., 9. September 2026
In den vergangenen zwei Jahrzehnten haben zwei Astronauten 400 Kilometer über der Erdoberfläche eine außergewöhnliche Leistung vollbracht: Sie liefen einen Marathon im All.
Inhaltsverzeichnis
Sunita Williams eröffnet den Reigen in Boston
Ausgabe 2007 des Boston-Marathons. Die Spannung vor dem Start ist unter den Tausenden Teilnehmern überall zu spüren. Wind und Regen gehören ebenfalls zum Programm. 400 Kilometer über den Läufern, in der Stille des Alls, steht auch Startnummer 14000 bereit. Die US-Astronautin Sunita Williams, geboren am 19. September 1965, startet tatsächlich zeitgleich mit den Läuferinnen und Läufern auf dem Laufband der Internationalen Raumstation, die mit 27.600 Kilometern pro Stunde die Erde umkreist. Nach mehr als 4 Stunden und 24 Minuten beendet sie den Marathon virtuell und ist damit der erste Mensch, der diese Leistung im All vollbracht hat. Währenddessen umrundet die ISS den blauen Planeten beinahe dreimal. Schwindelerregend. Nebenbei sei erwähnt, dass Sunita ihren Startplatz nicht geschenkt bekam: Für den Boston-Marathon qualifizierte sie sich 2006 mit einer Zeit von 3:29:57 beim Houston-Marathon in Texas. Angesichts der körperlichen Anforderungen an Astronauten ist das zwar nicht völlig überraschend, bleibt aber aus vielen Gründen eine außergewöhnliche Leistung. Die Zeit im All ist begrenzt, Bewegungen sind kompliziert, der bewohnbare Raum ist winzig, und jede Verletzung in der Schwerelosigkeit könnte verheerende Folgen haben. Muskeln und Knochen leiden unter den Bedingungen im All und dem fehlenden Gewicht. Deshalb ist Sport für die Astronauten auf der ISS so wichtig: Das tägliche Training verhindert unter anderem, dass die Muskelmasse schwindet. Um die Erdanziehung zu simulieren, lief Sunita Williams angeschnallt auf dem Laufband. Nach monatelangem Training gelang ihr am 16. April 2007 eine außergewöhnliche Leistung. Eine sportliche Leistung im wahrsten Sinne des Wortes.
Der Triathlon im All 2012
Fünf Jahre später war Sunita Williams wieder an der Reihe, erneut an Bord der Internationalen Raumstation. Die Astronautin, die zahlreiche Rekorde hält, war außerdem der erste Mensch, der einen Triathlon im All absolvierte. Mit den verfügbaren Geräten absolvierte Sunita den Malibu-Triathlon in Kalifornien parallel zu den 5.000 anderen Teilnehmern: Sie «schwamm» 800 Meter, fuhr 29 Kilometer Rad (siehe Foto oben) und lief 6,4 Kilometer. Ihre Gesamtzeit betrug 1:48:33. Dafür nutzte sie ein Laufband, ein stationäres Fahrrad und ein Kraftgerät, das den Wasserdruck auf die Muskeln simuliert und so die Wettkampfbedingungen nachbildet. Zwar ist sie inzwischen wieder auf der Erde, doch die gebürtige Ohioerin stand zuletzt erneut in den Schlagzeilen: Sie und ihr Kollege Barry Wilmore sitzen derzeit bis Ende März 2025 im All fest. Technische Probleme auf der ISS verhinderten eine sichere Rückkehr. Eine andere Art von Adrenalin als beim Marathon. Wir wünschen den beiden Astronauten, dass sie so schnell wie möglich zu ihren Angehörigen zurückkehren können.
Tim Peake, aus Liebe zum Laufen
Nachdem Sunita Williams den Reigen der Läufer im All eröffnet hatte, folgte ihr 2016 der Brite Tim Peake. Tim Peake begann mit zwölf Jahren zu laufen, und die Leidenschaft ließ ihn nie wieder los. Sein Talent und seine Beharrlichkeit führten ihn schließlich ins All. Zuvor war er Hubschrauberpilot bei der britischen Armee. 2009 von der Europäischen Weltraumorganisation für eine Mission auf der ISS ausgewählt, entwickelte er schon bald die Idee, im All zu laufen: « Als man mir den Auftrag für die ISS anvertraute, dachte ich sofort, wie großartig es wäre, den London-Marathon an Bord der Raumstation zu laufen. Das ist ein globales Ereignis. Bringen wir es über die Grenzen dieser Welt hinaus ». Bevor Tim Peake zum Marathonläufer im All wurde, war er es bereits auf der Erde: 1999 beendete er den London-Marathon in 3:18:50 Stunden. Seinen Traum ließ er wahr werden. Als Fan des Events und seiner ausgelassenen Atmosphäre nahm Tim Peake am 24. April 2016 am 36. London-Marathon von der ISS aus teil. Auf dem Laufband lief er 3:35:21 Stunden und stellte damit selbstverständlich den Rekord für einen Marathon im Orbit auf.
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