Lauf-WM 2026: Agathe Guillemot holt in Kopenhagen Gold und Europarekord über die Meile

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Sa., 19. September 2026

Lauf-WM 2026: Agathe Guillemot holt in Kopenhagen Gold und Europarekord über die Meile
© @gagastrophe & @timothey_g / @stadion_actu

Die Französin Agathe Guillemot ist in 4:22,74 Minuten Straßenmeilen-Weltmeisterin geworden und hat dabei einen Europarekord aufgestellt. Zwanzig Minuten später sicherte sich der Deutsche Robert Farken ebenfalls die Goldmedaille, vor dem US-Amerikaner Yared Nuguse. Der Rennbericht.

Hailu vorne, Guillemot direkt dahinter. Bei 800 Metern liegen die beiden Rivalinnen bei knapp 15 Grad, die fast frisch wirken, gleichauf. Die Bretonin legt einen Zahn zu, hat mehr Reserven, und die Meile wechselt so lange die Führende, bis die Marseillaise erklingt. Absolut großartig. Aber spulen wir zurück. Um 10:10 Uhr gehen die Läuferinnen auf eine besonders schnelle Strecke. Zwei lange Geraden werden in der Streckenmitte von zwei engen Kurven unterbrochen. 1500 Meter plus 109 Meter, wie gemacht für schnelle Beine. Das Ziel liegt nur wenige Schritte vom Parken-Stadion entfernt, der Heimstätte des FC København und der dänischen Nationalmannschaft. Die Zielgerade bekommt dadurch fast die Atmosphäre eines Strafraums.

800 Meter, der Moment, in dem alles kippt

Die Äthiopierin Freweyni Hailu setzte sich früh an die Spitze, Agathe Guillemot lief in der rechten Gruppe, die gegenüber der anderen etwas voraus war. Bei der 800-Meter-Marke lagen die beiden Rivalinnen gut im Rennen und bald Seite an Seite, bis die Bretonin mit den größeren Reserven an ihr vorbeizog. Die Bigoudène machte in 4:22,74 Minuten alles klar: Europarekord und Weltjahresbestzeit. Hailu, zweimalige Hallenweltmeisterin über 1500 Meter (2024) und 3000 Meter (2025), holte in 4:24,35 Silber, 1,61 Sekunden zurück. Bereits 2023 in Riga war sie Zweite geworden, damals hinter der Äthiopierin Diribe Welteji. Die Kenianerin Mirriam Cherop komplettierte in 4:25,71 das Podium. Die Dänin Annemarie Nissen wurde Vierte und lief vor heimischem Publikum in 4:26,78 persönliche Bestzeit. Nebenbei verschwand auch der französische Straßenmeilenrekord aus den Bestenlisten. Bérénice Cleyet-Merle hatte ihn 2023 in Riga in 4:34,41 aufgestellt, Guillemot war mehr als elf Sekunden schneller. Nicht schlecht für die französische 1500-Meter-Rekordhalterin (3:56,24).

Agathe Guillemot, neue Straßenmeilen-Weltmeisterin, spricht direkt nach dem Rennen

Wenn du die Ziellinie überquerst, hast du gewonnen, bist du Weltmeisterin. Ich habe eine völlig bescheuerte Wette abgeschlossen. Ich habe gesagt, dass ich mit der Medaille ins Hafenbecken springen werde. Also sehen wir uns heute Abend im Hafen von Kopenhagen (lacht). Ich kann es kaum erwarten, meinen Trainer zu sehen. Ich bin Weltmeisterin, verdammt. Für den Rest meines Lebens werde ich Weltmeisterin sein. Es war unglaublich. Denn die ganze Saison über bin ich Vierte geworden, jedes Mal wurde ich auf der Ziellinie geschlagen. Und natürlich dachte ich auf den letzten Metern: Das kann doch nicht sein, da kommt noch jemand vorbei, ich werde gewinnen, man weiß es ja nie. Aber tatsächlich habe ich mir für dieses Rennen etwas aufgeschrieben. Das mache ich sonst nicht oft, ich gehe eher einfach los. Doch für diesen Lauf hatte ich mir Dinge notiert. Ich wollte diejenige sein, die bestimmt. Wenn ich hinter den anderen laufe, dann, weil ich das so entschieden habe. Wenn ich vorne bin, dann ebenfalls, weil ich das so entschieden habe. Und wenn jemand attackiert, bin ich es, die attackiert. Genau so ist es passiert. Manchmal weißt du nicht, warum, aber die Sterne stehen richtig und du gewinnst. Das ist verrückt. Hailu ist eine Weltklasseathletin, also gibt einem das natürlich Selbstvertrauen. Da kommt vieles gleichzeitig zusammen. Ehrlich gesagt weiß ich es selbst nicht. Ich mache das alles, um Rennen zu gewinnen. Mein erster Sieg war auf der Straße, über einen Kilometer, bei La Torche-Pont-la-Baisse. Das Rennen gibt es nicht mehr, aber meine erste Medaille auf der Straße habe ich mit sieben Jahren gewonnen. Und jetzt hole ich meinen ersten Weltmeistertitel ebenfalls auf der Straße. Vielleicht bin ich einfach für die Straße gemacht.

Am Vortag hatte sie um eine Medaille gebeten

Am Donnerstag hatte die 27-jährige Bretonin bei der Pressekonferenz bereits das Podium als Ziel ausgegeben, um ihre Saison nach Platz acht über 1500 Meter beim Ultimate Championship in Budapest abzurunden. „Ich freue mich wirklich darauf, morgen zu laufen, sagte die künftige Weltmeisterin damals bereits. Ich glaube, es ist eine großartige Erfahrung, meine Saison bei so einer Veranstaltung beenden zu können, bei der man sich mit mehr Menschen austauschen kann als auf der Bahn. Es ist wirklich ein Event, das viele zusammenbringt, wie ihr sagt: 60.000 Menschen. Das ist großartig. Ich bin in dieser Saison zweimal Vierte geworden. Ich hoffe, trotzdem mit einer schönen Medaille nach Hause zu kommen und damit eine Saison zu belohnen, in der ich sehr konstant war. Der große Durchbruch ist bisher aber noch ausgeblieben. Ich hoffe, morgen mit einer weiteren Medaille im Gepäck in den Urlaub zu fahren.“ Die Medaille ist nun allerdings aus Gold, und der große Durchbruch ist mehr als geglückt.

Augustine Haquet sammelt weiter Erfahrung

Die zweite Französin im Feld, Augustine Haquet, setzt bei ihrem zweiten internationalen Wettkampf ihre Ausbildung auf höchstem Niveau fort. Zuvor hatte sie bei den Europameisterschaften in Birmingham das 1500-Meter-Finale erreicht. In Kopenhagen wurde sie in 4:40,14 Minuten 26. und stellte eine persönliche Bestzeit auf. Weiter vorne im Klassement belegte die US-Amerikanerin Addison Wiley Rang zehn, die Australierin Sarah Billings wurde Zwölfte.

Top 10, Straßenmeile Frauen

1) Agathe Guillemot (Frankreich): 4:22,74

2) Freweyni Hailu (Äthiopien): 4:24,35

3) Mirriam Cherop (Kenia): 4:25,71

4) Annemarie Nissen (Dänemark): 4:26,78

5) Naomi Korir (Kenia): 4:29,15

10:30 Uhr, jetzt sind die Männer dran

Zwanzig Minuten später waren die Männer an der Reihe, mit einem klaren Favoriten. Der US-Amerikaner Yared Nuguse, Olympia-Bronzemedaillengewinner über 1500 Meter in Paris, ehemaliger Hallen-Weltrekordler über die Meile und gerade erst US-Straßenmeister geworden (3:54,06), machte von Beginn an Tempo. Doch der Deutsche Robert Farken, der mit ihm im On Athletics Club trainiert, blieb in seinem Windschatten, mischte im Finale mit und setzte sich gegen den US-Amerikaner durch. Farken, im vergangenen Jahr Sechster über 1500 Meter bei der WM in Tokio, lief in 3:51,80 Minuten das Rennen seines Lebens und erzielte die Weltjahresbestzeit. Damit war er schneller als Nuguses bisherige Bestzeit auf der Straße (3:51,90) und blieb mehr als vier Sekunden unter den 3:56,13 des US-Amerikaners Hobbs Kessler, der 2023 in Riga gewonnen hatte. Nuguse holte in 3:52,33 Silber, 53 Hundertstel zurück. Der Luxemburger Ruben Querinjean sicherte sich in 3:52,77 Bronze und stellte einen Landesrekord auf, vor dem Marokkaner Anass Essayi (3:53,28, persönliche Bestzeit).

Flavien Szot wird Fünfter und schreibt Geschichte

Und dann ist da noch der Franzose Flavien Szot. Der frischgebackene Sieger über 1500 Meter bei den Mittelmeerspielen wurde in 3:53,44 Minuten Fünfter und stellte einen neuen französischen Straßenmeilenrekord auf. Die bisherige Bestmarke hatte Maël Gouyette 2023 in Riga mit 3:56,57 aufgestellt. Szot lag knapp vor dem Australier Oliver Hoare. Viel Zeit zum Genießen blieb ihm nicht, denn am selben Nachmittag stand für ihn noch der 5-Kilometer-Lauf auf dem Programm. Stark.

Top 10, Straßenmeile Männer

1) Robert Farken (Deutschland): 3:51,80

2) Yared Nuguse (USA): 3:52,33

3) Ruben Querinjean (Luxemburg): 3:52,77

4) Anass Essayi (Marokko): 3:53,28

5) Flavien Szot (Frankreich): 3:53,44, Landesrekord

Auf französischer Seite bleibt ein kleiner Beigeschmack. In der Teamwertung der Straßenmeile, für die die Ergebnisse von zwei Männern und zwei Frauen addiert werden, landet Frankreich auf dem undankbaren vierten Platz, genau dem Rang, den niemand will. Die USA gewinnen vor Australien und Kenia. Eine Stufe weiter oben, und der Titel der Bretonin sowie Flavien Szots französischer Rekord hätten mit einer Teammedaille zusätzlich gewürdigt werden können.

65.000 Läufer, nicht nur die Stars

Die Stärke dieser Lauf-WM, der zweiten Ausgabe drei Jahre nach Riga, liegt auch in ihrer Breitenwirkung. Nicht weniger als 65.000 Laufbegeisterte (10.000 über die Straßenmeile, 20.000 über 5 Kilometer und 35.000 im Halbmarathon) werden im Herzen der dänischen Hauptstadt an den Start gehen. Jeder auf seinem Niveau, aber über dieselben Distanzen wie die Stars auf dem Asphalt. Auch Agathe Guillemot sah darin einen zusätzlichen Antrieb. „Ich glaube, es ist eine großartige Erfahrung, das alles mit allen teilen zu können. Ich habe Freunde, die ebenfalls bei der Meisterschaft starten. Es ist cool, an einer Weltmeisterschaft teilzunehmen und gleichzeitig Freunde zu haben, die beim offenen 5-Kilometer-Lauf mitmachen. Das Miteinander ist meiner Meinung nach das Wichtigste in diesem Sport.“ In zwei Stunden geht es weiter: um 14:10 Uhr mit dem 5-Kilometer-Lauf der Frauen, um 14:40 Uhr mit dem Rennen der Männer. Dort wird das mit Spannung erwartete Duell zwischen dem Franzosen Jimmy Gressier und dem Norweger Jakob Ingebrigtsen erwartet. Am Sonntag folgt der Halbmarathon (9:10 Uhr Frauen, 9:45 Uhr Männer).