Berlin-Marathon 2025: Läuft Sabastian Sawe zum nächsten Weltrekord?
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
In den vergangenen Tagen richteten sich alle Blicke nach Tokio zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften. Und doch ist es so weit: Die Marathonsaison steht endlich vor ihrem Comeback. Los geht es am Sonntag, dem 21. September, gleich mit einem Kracher beim Berlin-Marathon. Einer der schnellsten und prestigeträchtigsten World Marathon Majors verspricht ein spektakuläres Rennen. Bei der 51. Ausgabe stehen nicht weniger als zehn Männer mit Bestzeiten unter 2:05 Stunden und sechs Frauen unter 2:19 Stunden an der Startlinie. Eine außergewöhnliche Leistungsdichte. In den Straßen der deutschen Hauptstadt, in denen seit der Premiere bereits 13 Weltrekorde aufgestellt wurden, könnte erneut Geschichte geschrieben werden. Einer der schnellsten Läufer im Feld ist der Kenianer Sabastian Sawe, der bereit ist, für Aufsehen zu sorgen.
Rosemary Wanjiru und Degitu Azimeraw sind die Favoritinnen der Frauen
Bei den Frauen ist die Kenianerin Rosemary Wanjiru die Schnellste im Feld (2:16:14 Stunden in Tokio 2024). Sie will die erste Kenianerin seit Gladys Cherono 2018 werden, die in Berlin gewinnt. Dabei bekommt sie es mit den Äthiopierinnen Degitu Azimeraw (2:17:58), Dera Dida (2:18:32) und Mestawut Fikir (2:18:48) zu tun. Fikir wurde im vergangenen Jahr in der deutschen Hauptstadt Zweite und gewann 2024 den Paris-Marathon.
Auch die Japanerin Honami Maeda (2:18:59, Landesrekord) steht im Fokus. Ihr Start an der Seite von Kengo Suzuki unterstreicht Japans besondere Verbindung zum Berlin-Marathon, in einem Land, in dem der Marathon Volkssport ist.
Außergewöhnliche Leistungsdichte bei den Männern
Wenig überraschend steht der Kenianer Sabastian Sawe im Mittelpunkt. Mit seiner beeindruckenden Bestzeit von 2:02:05 Stunden, aufgestellt 2024 in Valencia (bei seinem Marathon-Debüt), und seinem Sieg in London in diesem Jahr ist er derzeit der schnellste Marathonläufer im Feld und führt 2025 die Weltrangliste von World Athletics an. Neben ihm gehören der Äthiopier Milkesa Mengesha, der im vergangenen Jahr in Berlin gewann (2:03:17), und der Tansanier Gabriel Geay (2:03 Stunden) zu einem hochkarätig besetzten Feld. Auch Guye Adola, Leul Gebresilase und Daniel Mateiko sind dabei.
Mit dem Japaner Kengo Suzuki (Landesrekord von 2:04:56) zeigt sich zudem die internationale Strahlkraft dieser Ausgabe. Erstmals sind die japanischen Landesrekorde der Männer und Frauen gemeinsam am Start.
Der Franzose Hassan Chahdi am Start
Aus französischer Sicht richtet sich der Blick auf Hassan Chahdi, einen der konstantesten französischen Marathonläufer der vergangenen Jahre. Nach einem Höhensommer in Font-Romeu und einem starken Auftritt beim Halbmarathon du Mont Ventoux geht der Olympiateilnehmer mit dem Ziel an den Start, seine persönliche Bestzeit von 2:07:30 Stunden zu verbessern.
Sabastian Sawe, ein Kandidat für den Weltrekord?
Für viele Beobachter geht es bei der 51. Ausgabe des Berlin-Marathons nicht nur um den Sieg. Das Rennen könnte auch die Bühne für einen neuen Weltrekord werden. Wie der leider verstorbene Kelvin Kiptum vor ihm bestreitet Sabastian Sawe erst seinen dritten Marathon, doch seine Fähigkeiten beeindrucken schon jetzt.
Seine beiden ersten Versuche auf der Königsdistanz, Valencia 2024 und London 2025, waren von Siegen und vor allem von einer perfekten Renneinteilung geprägt, mit einem Negativsplit, also einer schnelleren zweiten Hälfte. Das ist ein klares Zeichen für seine Reife auf der Distanz und für sein noch enormes Entwicklungspotenzial. In Spanien passierte er den Halbmarathon nach 1:01:18 Stunden und lief die zweite Hälfte in 1:00:47. In London lag er zur Halbmarathonmarke bei 1:01:30 und absolvierte den zweiten Halbmarathon in 1:00:57. Um die magische Zwei-Stunden-Marke zu knacken, müsste er Risiken eingehen, etwa nach 1:00:15 die Halbmarathonmarke passieren und auf dem Rückweg mit 59:30 Minuten noch einmal deutlich zulegen. Für viele unmenschlich, nach Kiptums Auftritt in Chicago 2023 aber nicht völlig unrealistisch. Sawe selbst sagt dazu nur: „Yes, it’s possible.“
Auch sein Umfeld strahlt dieses ruhige Selbstvertrauen aus. Sein Trainer Claudio Berardelli betont seine unglaubliche Vielseitigkeit: „Ich habe ihn noch nicht ans Limit gebracht. Ihr werdet sehen, da geht noch viel mehr.“ Sein Onkel Abraham, eine wichtige Figur in seiner Karriere, ergänzt: „Er hat überhaupt keine Angst, er kennt seine Stärken.“ Bei Sawe ist von Druck nichts zu spüren, nur eine verblüffende Ruhe und Gelassenheit.
Ein neuartiges Anti-Doping-Protokoll für Kenias angekratztes Image?
Neben dem Talent steht auch der Wille, die eigene Sauberkeit in einem von Skepsis geprägten Umfeld unter Beweis zu stellen. Nach den Dopingfällen, die Kenias Ansehen in diesem Jahr beschädigt haben, führte sein Trainingslager in Zusammenarbeit mit der Athletics Integrity Unit ein neuartiges Protokoll ein: Seit Ende Juli wird Sawe alle drei Tage einem Anti-Doping-Test unterzogen. Noch nie wurde ein Athlet dieses Kalibers vor einem großen Wettkampf so häufig getestet. Ein Weg, um zu zeigen, dass seine Jagd zu 100 Prozent dopingfrei ist. Und womöglich ein Vorzeichen für einen großen Coup in Berlin.
Alles läuft also auf den 21. September hinaus: Berlin, seine Legende, eine Strecke, auf der so viele Rekorde gefallen sind, und vielleicht Sawe, dessen Talent und ruhiger Glaube daran denken lassen, dass er dem Marathon ein neues Kapitel hinzufügen könnte.
Mit einem historischen Elitefeld und Läufern aus allen Teilen der Welt verspricht die 51. Ausgabe des Berlin-Marathons Hochspannung. Die angekündigten Duelle werden für Spektakel sorgen, doch alle Blicke richten sich vor allem auf Sabastian Sawe, dessen Schritt die Grenzen des Möglichen verschieben könnte.