Berlin-Marathon 2025: Sabastian Sawe läuft in 2:02:16 zum souveränen Sieg
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Sabastian Sawe hat am Sonntag, dem 21. September, seine Favoritenrolle bestätigt und den Berlin-Marathon 2025 in 2:02:16 gewonnen. Damit erzielte der Kenianer die schnellste Zeit des Jahres. Unter schwierigen Wetterbedingungen überzeugte der Franzose Hassan Chahdi mit Platz sechs in 2:07:43. Bei den Frauen setzte sich Rosemary Wanjiru in einem packenden Duell mit der Äthiopierin Dera Dida durch. Der Rückblick auf die 51. Ausgabe des Berlin-Marathons.
Sabastian Sawe läuft allen davon
Man hatte ihn auf der Rechnung, und er lieferte ab. Nach seinen Siegen in Valencia 2024 und London 2025 sicherte sich Sabastian Sawe mit seinem dritten Sieg im dritten Marathon auch den prestigeträchtigen Berlin-Marathon. Der Kenianer schlug zunächst ein Tempo für eine Zeit unter zwei Stunden an, nahm später leicht heraus und hinterließ einen überragenden Eindruck. Spannung kam nie auf.
Gut geschützt in einer von fünf Tempomachern angeführten Gruppe und auf einem geradezu überirdischen Kurs (28:26 Minuten über 10 km, 1:00:16 Stunden zur Halbmarathonmarke) schien sogar der Streckenrekord von Eliud Kipchoge (2:01:09) möglich. Auch der Weltrekord von Kelvin Kiptum (2:00:35) geriet in Reichweite. Sawe lief kontrolliert und souverän, weiterhin auf Weltrekordkurs. Hinter ihm versuchte der Äthiopier Mengesha, Milkesa, Sieger der 50. Ausgabe im Jahr 2024, das Tempo der Spitzengruppe mitzugehen. Für den Läufer mit einer Bestzeit von 2:03:17 war das ein hochriskantes Unterfangen. Lange hielt er nicht mit: Bereits bei Kilometer 13 musste der Äthiopier den Kenianer ziehen lassen. Kurz darauf gab er das Rennen auf.
Die Frage war nun, wie lange Sabastian Sawe dieses Höllentempo würde halten können. Die Unterstützung der Tempomacher war in diesem Rennen allerdings schnell aufgebraucht. Sie konnten das extrem hohe Tempo für den Weltrekord nicht durchziehen. Nach dem Halbmarathon in 1:00:16 waren nur noch zwei Tempomacher dabei. Ab Kilometer 25 lief der Kenianer allein. Mehr als 17 Kilometer solo, in irrem Tempo und bei großer Hitze: War das zu viel für Sawe? Wenig überraschend platzten seine Weltrekordträume nach und nach. Mit zunehmender Renndauer zeigten sich erste Ermüdungserscheinungen, sein Tempo sank leicht. Doch Sawe rettete sich stark ins Ziel und hielt den Schaden in Grenzen. Weit vor der Konkurrenz überquerte er die Ziellinie in 2:02:16, nur elf Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit.
Sein erster Verfolger, der Japaner Akira Akasaki (2:06:15), kam vier Minuten nach ihm ins Ziel. Der Äthiopier Chimdessa Debele komplettierte das Podium in 2:06:57.
Hassan Chahdi läuft auf einen starken sechsten Platz
Bei den Franzosen richteten sich die Blicke auf Hassan Chahdi. Der 20. der Olympischen Spiele von Paris 2024 zeigte eine solide und kluge Vorstellung, wie man sie von ihm kennt. Der Langstreckler von AL Voiron, der sich im Sommer in Font-Romeu vorbereitet hatte, teilte sich sein Rennen perfekt ein. Zur Halbmarathonmarke lag er in 1:03:59 noch auf Rang 28, anschließend lief er einen starken negativen Split und arbeitete sich Kilometer für Kilometer nach vorn. Das Ergebnis: Platz sechs in 2:07:43 und damit bester Europäer, nur 13 Sekunden über seiner persönlichen Bestzeit. Eine Referenzleistung, die seine Konstanz auf höchstem Niveau bestätigt und ihn als einen der derzeit stärksten europäischen Marathonläufer ausweist.
Rosemary Wanjiru rettet sich ins Ziel
Auch das Frauenrennen bot spektakuläre Szenen. Rosemary Wanjiru setzte sich zunächst ab, doch auf den letzten Kilometern kam die Äthiopierin Dera Dida immer näher. In einem atemlosen Finish rettete die Kenianerin drei Sekunden Vorsprung ins Ziel und gewann in 2:21:05. Azmera Gebru aus Äthiopien wurde in 2:21:29 Dritte, vor der Kenianerin Viola Cheptoo. Für Wanjiru, die 2023 bereits in Tokio triumphiert hatte, war es ein denkbar knapper Erfolg. Nach dem Zieleinlauf musste sie wegen der Hitze und der völlig verausgabenden Schlussphase medizinisch versorgt werden.
Glühende Hitze in Berlin
Berlin ist für seine flache, schnelle Strecke bekannt, doch die Bedingungen bei der 51. Ausgabe waren überraschend hart. Zum Start lagen die Temperaturen bei 21 °C, am frühen Nachmittag kletterten sie sogar auf 27 °C. Die große Hitze forderte ihren Tribut. Selbst Sabastian Sawe, der zur Rennhälfte noch auf Weltrekordkurs lag, musste in der zweiten Hälfte Tempo herausnehmen. Mehrere Favoriten, darunter Titelverteidiger Milkesa Mengesha, gaben auf, weil sie ihre Leistung unter den für Berlin ungewöhnlich heißen Bedingungen nicht halten konnten.
Drei Siege in drei Rennen und bereits drei Zeiten unter 2:03 Stunden: Sabastian Sawe entwickelt sich zum natürlichen Erben des verstorbenen Kelvin Kiptum und der Marathonlegende Eliud Kipchoge. Mit gerade einmal 30 Jahren steht er für eine neue Generation von Marathonläufern, die der magischen Zwei-Stunden-Marke gefährlich nahekommen können. Berlin brachte in diesem Jahr zwar keinen Weltrekord, machte aber eines deutlich: Die Zukunft der Disziplin könnte Sabastian Sawe gehören.