Chicago-Marathon 2025: Jacob Kiplimo rückt dem Weltrekord näher

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Chicago-Marathon 2025: Jacob Kiplimo rückt dem Weltrekord näher
© Bank of America Chicago Marathon

Der Chicago-Marathon bot erneut großes Kino. Bei idealen Bedingungen und elektrisierender Stimmung sorgte die Ausgabe 2025 für außergewöhnliche Leistungen: Jacob Kiplimo gewann das Rennen der Männer in 2:02:23 Stunden, Hawi Feysa setzte sich bei den Frauen in 2:14:57 durch. Bei seinem erst zweiten Marathon stieg der Ugander zum siebtbesten Läufer der Geschichte auf. Der Chicago-Marathon bestätigte einmal mehr seinen Ruf als Rennen der Rekorde.

Ultraschneller Start auf Kurs Richtung 1:59

Schon beim Start war die Richtung klar: Ein leichter Rückenwind half dem Feld, sofort Tempo aufzunehmen. Angeführt von Jacob Kiplimo, John Korir, Amos Kipruto und Alex Masai setzte sich die Männer-Spitzengruppe in atemberaubendem Tempo ab: 5 Kilometer in 13:58 Minuten, 10 Kilometer in 28:25. Damit lag sie deutlich über dem Tempo des Weltrekords. Dahinter hielt die Verfolgergruppe mit Conner Mantz und Geoffrey Kamworor mit Kurs auf 2:03 bis 2:04 Stunden den Anschluss. Perfekte Bedingungen mit 13 Grad, kaum Wind und ein stark besetztes Feld beflügelten die Athleten. Auf dem extrem schnellen Kurs mit nur 74 Höhenmetern gingen sie volles Risiko ein.

Die erste Gruppe passierte die Halbmarathonmarke in 1:00:16 Stunden, was einer Endzeit von 2:00:32 entsprach und schneller als der Weltrekord war. Vorne mussten die Tempomacher nun aussteigen, sie konnten dieses Tempo nicht mehr halten. An diesem Wendepunkt zeichnete sich die Hierarchie ab: Korir, bis dahin souverän an der Spitze, zeigte erste Ermüdungserscheinungen. Der Ugander Jacob Kiplimo hingegen lief mit einem breiten Lächeln und beeindruckender Leichtigkeit. Kurz nach 1:20 Stunden übernahm der Halbmarathon-Weltrekordler (56:42 Minuten in Barcelona im Februar) die Initiative und zündete den Turbo. Diese Beschleunigung erwies sich als entscheidend: John Korir konnte nicht folgen. Ab Kilometer 30 war Kiplimo allein unterwegs und lief dem Sieg entgegen. Bei 1:25:31 Stunden stellte er den schnellsten Zwischenzeit-Wert der Geschichte über diese Distanz auf.

Jacob Kiplimo unwiderstehlich, doch der Weltrekord muss warten

An der Spitze wirkte Kiplimo unantastbar, sein Schritt wurde von Kilometer zu Kilometer länger. Bei seinem erst zweiten Marathon zeigte der 24-jährige Ugander zunächst eine verblüffende Leichtigkeit. Doch wie so oft auf der Königsdistanz holte ihn die Härte des Marathons ein. Die Beine wurden schwer, das Lächeln wich dem Schmerz. Trotz eines nachlassenden Tempos gewann er in 2:02:23 Stunden. Damit stellte er eine neue persönliche Bestzeit auf und lief die siebtbeste Zeit der Geschichte. Hinter ihm belegte Amos Kipruto in 2:03:54 Stunden Rang zwei, Alex Masai komplettierte das Podium in 2:04:37 und stellte ebenfalls eine persönliche Bestzeit auf.

Die andere große Leistung des Tages ging auf das Konto von Conner Mantz. Der US-Amerikaner kam in 2:04:43 Stunden auf Rang vier ins Ziel und verbesserte damit zugleich den 23 Jahre alten US-Rekord. Die bisherige Bestmarke hatte Khalid Khannouchi 2002 mit 2:05:38 aufgestellt. Das Ergebnis bestätigt den Aufwärtstrend des nordamerikanischen Marathons auf der Weltbühne.

Hawi Feysa in einer eigenen Liga

Bei den Frauen bot das Rennen weniger Spannung, an Klasse mangelte es jedoch nicht. Die Äthiopierin Hawi Feysa, zu Jahresbeginn Dritte beim Tokyo-Marathon, übernahm gemeinsam mit der Tansanierin Magdalena Shauri schon auf den ersten Kilometern die Führung. Das Duo passierte die Halbmarathonmarke in 1:07:30 Stunden, ehe sich Feysa kurz vor Kilometer 30 absetzte. Souverän, konstant und jederzeit unter Kontrolle gewann sie in 2:14:57 Stunden. Das bedeutete die fünftbeste Zeit aller Zeiten und eine herausragende Zeit unter 2:15 Stunden. Ganz große Klasse. Megertu Alemu wurde in 2:17:18 Zweite, Shauri komplettierte das Podium in 2:18:03 und stellte einen neuen tansanischen Rekord auf. Die Leistungsdichte bei den Frauen war außergewöhnlich: Fünf Athletinnen blieben unter 2:20 Stunden.

Die Französin Mélody Julien zeigte ebenfalls ein starkes Rennen. Sie ging volles Risiko und lief in einer schnellen Gruppe auf Kurs Richtung 2:21 Stunden, dem französischen Rekord, der in Reichweite lag. Nach einem soliden Halbmarathon-Split von 1:10:44 musste sie ab Kilometer 30 dem hohen Tempo Tribut zollen. Die Athletin aus dem französischen Nationalteam kam nach 2:27:08 Stunden ins Ziel. Die Zeit lag deutlich über ihrer persönlichen Bestzeit, doch Platz zehn bei einem prestigeträchtigen Major ist ein starker Trost.

Die Ergebnisse des Chicago-Marathons 2025

Top 10 – Frauen

1. Hawi Feysa (ETH) 2:14:56
2. Megertu Alemu (ETH) 2:17:18
3. Magdalena Shauri (TAN) 2:18:03
4. Loice Chemnung (KEN) 2:18:23
5. Mary Ngugi-Cooper (KEN) 2:19:25
6. Natosha Rogers (USA) 2:23:28
7. Dakotah Popehn (USA) 2:24:21
8. Florencia Borelli (ARG) 2:24:23
9. Gabriella Rooker (USA) 2:26:32
10. Mélody Julien (FRA) 2:27:08

Top 10 – Männer

1. Jacob Kiplimo (UGA) 2:02:23
2. Amos Kipruto (KEN) 2:03:54
3. Alex Masai (KEN) 2:04:37
4. Conner Mantz (USA) 2:04:43
5. Huseydin Mohamed Esa (ETH) 2:04:50
6. Seifu Tura (ETH) 2:05:17
7. Geoffrey Kamworor (KEN) 2:05:31
8. Philemon Kiplimo (KEN) 2:06:14
9. Rory Linkletter (CAN) 2:06:49
10. Bashir Abdi (BEL) 2:07:08

Der Chicago-Marathon wurde einmal mehr seinem Ruf gerecht: ein schneller Kurs, eine perfekt abgestimmte Organisation und ein fanatisches Publikum. Nach Kelvin Kiptum und seinem Weltrekord 2023 vibrierte die Stadt erneut im Rhythmus großer Leistungen. Die Athleten gingen volles Risiko, der Weltrekord lag in Reichweite. Doch diesmal hatte der Marathon andere Pläne. Jacob Kiplimo bestätigte trotzdem, dass er das Gesicht der Zukunft und zugleich der Gegenwart des Marathons ist. Hawi Feysa bewies, dass sie inzwischen zur absoluten Weltspitze gehört, und schloss sich dem äußerst exklusiven Kreis der Läuferinnen mit einer Zeit unter 2:15 Stunden an. Chicago bleibt Chicago: ein prestigeträchtiger Major, der Jahr für Jahr außergewöhnliche Leistungen hervorbringt. Der Termin für das kommende Jahr steht bereits fest: Die 48. Ausgabe findet am 11. Oktober 2026 statt.

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