New York City Marathon 2025: Eliud Kipchoge, Kenenisa Bekele, Abdi Nageeye, Sifan Hassan, Sheila Chepkirui und Co. liefern ein Rennen der Legenden
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Eines der größten Laufereignisse des Jahres steht an diesem Wochenende an. Mehr als 55.000 Läufer, fünf legendäre Boroughs, zwei Millionen Zuschauer entlang der Strecke und diese ganz besondere amerikanische Atmosphäre. Was die Show angeht, spielt der New York City Marathon in einer eigenen Liga. Wenn man in seinem Leben nur einen Marathon laufen dürfte, wäre es wohl dieser. Die Ausgabe 2025 verspricht jedenfalls großes Kino: Mit den Titelverteidigern Abdi Nageeye und Sheila Chepkirui kehren zwei Champions zurück, doch die Konkurrenz ist gewaltig. Bei den Frauen geben Sifan Hassan, Hellen Obiri und Sharon Lokedi den Ton an. Bei den Männern kommt Eliud Kipchoge, der GOAT, um die letzte noch fehlende Major-Trophäe in seine Sammlung aufzunehmen. Ihm gegenüber steht Kenenisa Bekele. Zwei Legenden, die sich nach 20 Jahren Karriere ein letztes Mal gegenüberstehen könnten. Ja, der New York City Marathon verspricht episch zu werden. Marathons.com liefert alle wichtigen Informationen zu diesem ganz besonderen Ereignis der Laufwelt.
Ein Major-Marathon, der aus der Reihe tanzt
Der TCS New York City Marathon gehört zu den historischen Rennen der Majors, den sechs traditionsreichen Säulen dieses prestigeträchtigen Zirkels. Vergiss hier die schnellen Asphaltgeraden für Bestzeiten. New York ist eine Achterbahnfahrt: Gleich zu Beginn wartet der steile Anstieg auf der Verrazzano Bridge, in Brooklyn brennen die Oberschenkel an den welligen Passagen, auf der Queensboro Bridge herrscht bedrückende Stille, bevor die berühmte Geräuschkulisse auf der First Avenue explodiert. Danach folgen die zermürbenden Anstiege im Central Park. New York läuft man mit Haut und Haaren, ganz wie die Big Apple selbst: spektakulär, unberechenbar, anspruchsvoll und wunderschön. Ein Rennen wie die Stadt: spektakulär, unberechenbar, fordernd, aber unvergesslich. Für die Elite ist es ein Marathon, in dem Renneinteilung und Instinkt zählen und in den letzten zehn Kilometern alles kippen kann. Hier entscheiden mentale Stärke und kluge Taktik oft genauso wie die körperliche Form.
Du hast es verstanden: Der New York City Marathon ist mehr als ein Rennen. Für viele ist er ein Traum, der Marathon der Marathons. Eine Reise wie im Rausch, auf der Zehntausende Läufer ihren großen Moment erleben. Hier wird jeder Marathonläufer wie ein Rockstar gefeiert. Denn für die Amerikaner ist der Marathon eine Institution, eine Feier ihrer Kultur und des Gemeinschaftsgefühls. Über die berühmten Avenues Manhattans zu laufen, die ikonischen Brücken der Big Apple zu überqueren und im Central Park ins Ziel zu kommen, ist unbezahlbar. Na ja, fast. Denn das Rennen bringt auch die ganze Stadt auf Hochtouren: Hotels, Restaurants, Geschäfte und vieles mehr profitieren davon. Nach offiziellen Zahlen generiert der New York City Marathon fast 692 Millionen US-Dollar. Eine schwindelerregende Summe, die dem Mythos eindeutig gerecht wird.
Abdi Nageeye will seinen Titel verteidigen
Als Sieger von 2024 in 2:07:39 Stunden kehrt Abdi Nageeye mit derselben Ambition nach New York zurück: seinen Titel verteidigen und bestätigen, dass er zur Weltspitze gehört. Im vergangenen Jahr zahlten sich seine Erfahrung und sein Gespür für das Rennen endlich aus, mit seinem ersten Sieg bei einem Major. Diesmal weiß der Niederländer, dass die Aufgabe noch schwieriger wird: Das kenianische Team rückt in voller Stärke an, mit Evans Chebet, Albert Korir und Benson Kipruto. Nicht zu vergessen Alexander Mutiso, der im vergangenen Jahr in London gewann.
Dahinter lauert eine Armada von Außenseitern, die das wellige Profil nutzen wollen, um für eine Überraschung zu sorgen. Aus US-Sicht richtet sich der Blick auf das Marathon-Debüt von Hillary Bor und Joe Klecker sowie auf Alex Maier, ein Sinnbild für die neue US-Welle auf der Straße. Auch Reed Fischer gehört zum erweiterten Favoritenkreis. Und sogar ein wenig französische Farbe steht an der Startlinie: Félix Bour, dessen Bestzeit bei 2:06:46 Stunden liegt, bestreitet sein erstes Major. Nach der Vorbereitung in Font-Romeu träumt der Franzose von einem Platz unter den Top 10. Auch Emmanuel Roudolff-Levisse ist dabei. Als Zweiter bei den 20 km de Paris und frisch gekrönter französischer Halbmarathonmeister ist der Läufer aus der Île-de-France in der Form seines Lebens. In einem Rennen, in dem alles passieren kann, ist er bereit, seine Außenseiterchance zu nutzen.
Eliud Kipchoge und Kenenisa Bekele: ein letztes Duell?
Er hat fast überall alles gewonnen. Unter den historischen Majors fehlen ihm in seiner beeindruckenden Bilanz nur noch New York und Boston. Eliud Kipchoge, der in einer Woche 41 Jahre alt wird, macht sich das schönste Geburtstagsgeschenk: endlich die Big Apple zu entdecken. Als zweitschnellster Mann der Geschichte mit 2:01:09 Stunden, zweifacher Olympiasieger und elffacher Major-Sieger muss Kipchoge niemandem mehr etwas beweisen. Trotzdem läuft er weiter, nicht nur für die Leistung, sondern auch, um ganze Generationen von Läufern zu inspirieren. Sein letzter Marathonsieg liegt beim Berlin-Marathon 2023 zurück, den er in 2:02:42 Stunden gewann. In dieser Saison lief er in London mit 2:05:25 auf Rang sechs, bevor er in Sydney auf einer besonders anspruchsvollen Strecke in 2:08:31 Neunter wurde. Bei seinem New-York-Debüt will er den letzten Stern holen, der ihm in seiner Major-Sammlung noch fehlt.
Ihm gegenüber steht ein weiteres Monument des Laufsports: Kenenisa Bekele, 43 Jahre alt, ewiger Rivale, dreifacher Olympiasieger und der zweite Mann der Geschichte, der die Zwei-Stunden-Marke mit einer Zeit unter 2:02 Stunden unterbot. Schon in London zu Beginn des Jahres wurde ihr Duell erwartet, doch der Äthiopier musste verletzungsbedingt verzichten. Diesmal ist er dabei. In Form, auf Revanche aus und bereit, um einen letzten großen Moment zu kämpfen. Vielleicht ist es sein letztes Rennen, vielleicht sein schönstes. Ein „Last Dance“ zwischen zwei Giganten des Sports, die seit 20 Jahren die Legende der Leichtathletik und des Straßenlaufs prägen.
Sifan Hassan, Hellen Obiri, Sharon Lokedi, Sheila Chepkirui: ein Weltklassefeld
Bei den Frauen wartet wohl das stärkste Feld in der Geschichte des New York City Marathon. Titelverteidigerin Sheila Chepkirui kehrt zurück, um ihre Krone zu verteidigen, doch die Konkurrenz ist enorm. Sifan Hassan, dreifache Olympiasiegerin und zweifache Weltmeisterin, kommt mit einem klaren Ziel nach New York: gewinnen. Die vielseitige Niederländerin beeindruckt seit mehreren Saisons. Bahn, Straße, Marathon, ihr gelingt fast alles. Mit ihrer Bestzeit von 2:13:44 Stunden ist sie an diesem Sonntag die große Favoritin. Dahinter steht ein kenianisches Duo, das ganz vorne mitmischen will: Hellen Obiri, zweifache Weltmeisterin und zweimalige Siegerin in Boston, sowie Sharon Lokedi, die in diesem Jahr in Boston gewann und 2022 bereits in New York triumphierte. Dazu kommen Gotytom Gebreslase aus Äthiopien, Vivian Cheruiyot aus Kenia und eine US-Armada mit Emily Sisson, Fiona O’Keeffe sowie der großen Rückkehr von Molly Seidel. Damit steht das dichteste Frauenfeld des Herbstes bereit.
Wo und wann kann man das Rennen verfolgen?
Die 54. Ausgabe des New York City Marathon findet an diesem Sonntag, dem 2. November, statt. Die Profis starten zuerst: Um 8:30 Uhr gehen die Elitefrauen auf die Strecke, um 9:05 Uhr folgen die Elitemänner, jeweils Ortszeit. Die verschiedenen Startwellen der Hobbyläufer folgen mit Starts bis 11:30 Uhr. In den USA überträgt ESPN2 das Rennen landesweit. Für Zuschauer in Frankreich ist der Marathon ab 14 Uhr live auf La Chaîne L’Équipe zu sehen, ab 16:15 Uhr außerdem auf L’Équipe Live 3. Eine Wiederholung läuft am selben Tag um 19 Uhr auf Eurosport.
New York ist kein Marathon wie jeder andere. Vielleicht erzählt er besser als jedes andere Rennen, worum es beim Laufen wirklich geht: eine anspruchsvolle Strecke voller Hindernisse, dafür mit einem magischen Finale im Herzen des Central Parks. In diesem Jahr ist das Elitefeld so stark besetzt wie nie, und alles ist möglich. Genau das macht den Reiz dieses Rennens aus: Vorgefertigte Drehbücher halten hier nie lange. Sehen wir also Kipchoges letzte Meisterklasse? Oder erobert Sifan Hassan die Big Apple? Die Antwort gibt es an diesem Sonntag auf den vibrierenden Straßen von New York.