Die 10 größten Marathons im Vereinigten Königreich
Wer bei einem Marathon im Vereinigten Königreich an den Start geht, taucht ein in ein Land, in dem Straßenläufe zum kulturellen Erbe gehören: von großen Hauptstädten über Badeorte bis in die geschichtsträchtigen Regionen des Nordens. Jeder Lauf hat seine eigene Atmosphäre, Kulisse und Identität. Ob persönliche Bestzeit, sportliche Reise oder einfach Neugier: Irgendwo wartet garantiert eine britische Stadt auf das nächste Laufabenteuer. Hier sind zehn Marathons, die das Läuferherz jenseits des Ärmelkanals höherschlagen lassen.
1. London Marathon (England)
✓ Ein Major mit britischem Geschmack
Anders kann diese Liste kaum beginnen als mit der Ikone. Seit seiner ersten Austragung 1981 gehört der London Marathon zu den wichtigsten Terminen im weltweiten Laufkalender. Die Strecke startet in Blackheath/Greenwich, überquert die Themse, führt über die Tower Bridge und durch Canary Wharf, bevor sie im Herzen Londons auf The Mall endet.
Bei den Bestzeiten steht der Streckenrekord der Männer bei 2:01:25 Stunden, gelaufen von Kelvin Kiptum 2023. Bei den Frauen hält Paula Radcliffe seit 2003 mit 2:15:25 Stunden die Bestmarke. Die Atmosphäre? Mehr als 700.000 Zuschauer, verkleidete Läufer, Vollgas bei der Elite und eine gewaltige Spendensumme. Der Lauf hat bereits mehr als eine Milliarde Pfund für wohltätige Zwecke gesammelt. Hier geht es um weit mehr als ums Laufen: Rekorde, persönliche Geschichten, Grenzerfahrungen und unzählige Helfer. Der London Marathon ist die große Marathonmesse schlechthin.
2. Edinburgh Marathon (Schottland)
✓ Der urbane Highlands-Marathon
Es geht nach Norden, nach Schottland und in seine historische Hauptstadt. Der Edinburgh Marathon verbindet Stadt und Natur, Geschichte und sportliche Herausforderung. Das Edinburgh Marathon Festival, kurz EMF, bietet mehrere Distanzen und sorgt das ganze Wochenende über für Festivalstimmung.
Die häufig als „fast & flat“ beschriebene Strecke startet im Zentrum Edinburghs, führt durch die Parks und weiter nach East Lothian, bevor sie in Musselburgh endet. 2025 gingen mehr als 10.000 Läufer über die volle Distanz an den Start. Die schnellsten Zeiten: 2:22:16 Stunden bei den Männern und 2:38:42 Stunden bei den Frauen. Die Mischung aus Stadt und Land ist selten. Viele Läufer schätzen die Unterstützung, die Organisation und die Chance auf eine persönliche Bestzeit in einer entspannteren Kulisse als in London. Wer einen großen britischen Marathon ohne den enormen Druck eines Majors sucht, ist in Edinburgh bestens aufgehoben.
3. Manchester Marathon (England)
✓ Der industrielle Dauerläufer
Auch der Norden Englands hat sein Juwel. Der Manchester Marathon, erstmals 2012 ausgetragen, gilt dank nur rund 54 Höhenmetern als eine der schnellsten Strecken des Landes. Der Start liegt im Großraum Manchester bei Old Trafford, von dort geht es durch die Stadt bis ins Zentrum. Die urbane, industrielle und volksnahe Atmosphäre ist dabei allgegenwärtig.
2025 gingen 36.000 Teilnehmer an den Start, mehr als 140.000 Zuschauer säumten die Strecke. Die Sieger: Josh Griffiths in 2:16:56 Stunden und Tessa McCormick in 2:34:53 Stunden. Was auffällt: ein echter Lauf für alle, zugängliche Zeiten und eine Stadt, die mitzieht. Wer eine persönliche Bestzeit anpeilt, findet hier jedenfalls ein ernstzunehmendes Pflaster.
4. Brighton Marathon (England)
✓ Der Strand-und-Sonne-Marathon
Willkommen an der Südküste Englands. Der Brighton Marathon, 2010 ins Leben gerufen, ist jünger als die großen Klassiker, hat sich aber schnell nach oben gearbeitet. Der Start erfolgt in der Küstenstadt, die Strecke folgt dem Meer, führt durch Brighton & Hove und endet auf dem Madeira Drive. Strand, Wellen und ein Zieleinlauf, bei dem der Sand fast unter den Füßen liegt, sind garantiert. Das Publikum ist zahlreich, die Stimmung ausgelassen.
Die Strecke gilt als „flach und schnell“. In diesem Jahr nahmen mehr als 12.000 Läufer am Marathon teil, das gesamte Wochenende brachte über 15.000 Teilnehmer über alle Distanzen zusammen. Wer das Meer mag, Sonne natürlich vorausgesetzt, und sich ein entspanntes Laufwochenende wünscht, findet in Brighton das passende Gesamtpaket.
5. Belfast Marathon (Nordirland)
✓ Der Marathon der Gemeinschaft
Weiter nach Nordirland. Der Belfast Marathon wird als „größtes Breitensportereignis Nordirlands“ bezeichnet. Der Lauf verbindet einen Start am Stormont Estate mit dem Ziel im Ormeau Park, führt durch die Stadt und kann auf starke Unterstützung aus der Bevölkerung zählen. Bei der Ausgabe 2025 waren rund 6.500 Läufer auf der vollen Distanz dabei. Insgesamt lockte die Veranstaltung über 22.000 Teilnehmer in allen Kategorien an, Staffeln und Walker eingeschlossen.
Seine Besonderheit: eine urbane Strecke, ein leidenschaftliches Publikum und ein ausgeprägtes Gemeinschaftsgefühl. Auch sportlich lässt der Kurs gute Zeiten zu. Für Läufer jeder Erfahrungsstufe lohnen sich die lokale Geschichte, das Engagement der Community und die Stadtkulisse.
6. Yorkshire Marathon (England)
✓ 42,195 Kilometer zwischen Geschichte und Natur
Es geht nach York, ins historische England und in die Landschaft Yorkshires. Seit 2013 hat sich der Yorkshire Marathon einen festen Platz erarbeitet. Die Strecke beginnt an der University of York, führt durch die Innenstadt und an der beeindruckenden Kathedrale York Minster vorbei, bevor sie in die Vale of York hinausführt und wieder zum Ziel zurückkehrt. Ein Kurs, der Geschichte und Natur verbindet.
Das Motto „flat & fast“ fällt bei diesem Lauf immer wieder, was ambitionierte Läufer ebenso anspricht wie Hobbyathleten. 2025 erreichten 6.483 Läufer das Ziel, darunter 4.611 Männer und 1.862 Frauen.
7. MBNA Chester Marathon (England)
✓ Der Marathon über die Grenzen hinweg
Chester, eine historische Stadt an der Grenze zwischen Wales und England, ist allein schon einen Besuch wert. Der MBNA Chester Marathon steht für einen gut organisierten Lauf, der allen Leistungsstufen gerecht wird. Die Veranstalter bezeichnen ihn als „fünftgrößten Marathon im Vereinigten Königreich“. Dabei überquert die Strecke tatsächlich die Grenze zwischen England und Wales.
Der Kurs startet im Zentrum von Chester, führt durch Dörfer in Cheshire und North Wales, folgt dem Dee und bietet noch einiges mehr. 2024 erreichten 6.132 Läufer das Ziel, darunter 4.396 Männer und 1.736 Frauen. Weniger bekannt als London oder Brighton, wird dieser Marathon von den Läufern dennoch hervorragend bewertet und besitzt eine unverwechselbare lokale Identität.
8. ABP Newport Marathon (Wales)
✓ Der flache und schnelle Marathon
Ein echter Geheimtipp. Der noch junge Lauf, der etwa seit 2018 stattfindet, überzeugt mit einer sehr flachen und damit besonders schnellen Strecke. Der Kurs führt über die Transporter Bridge, durch das Hafengebiet und in die Gwent Levels, was ihm einen ganz eigenen Reiz verleiht. Dass hier viele Läufer persönliche Bestzeiten aufstellen, spricht für sich. 10.000 Unerschrockene haben es in diesem Jahr ausprobiert.
9. Rock ’n’ Roll Liverpool Marathon (England)
✓ Der historische Rock’n’Run
Der Rock ’n’ Roll Liverpool Marathon verbindet mehrere Zutaten zu einem seltenen Mix: Laufkilometer an der Mersey, Musik an jeder Ecke und legendäre Passagen im Stil der Beatles-Tour, unter anderem nahe Penny Lane und in der Mathew Street. Die vergleichsweise schnelle Strecke führt durch renovierte Docks, popkulturell geprägte Viertel und über die windoffene Uferpromenade. Bands geben dabei den Takt vor. Bei den vergangenen Ausgaben waren mehrere Tausend Läufer dabei, einige Topathleten blieben in der Nähe von 2:20 Stunden. Doch der Reiz dieses Marathons reicht weit über die Zeit hinaus: Liverpool empfängt seine Gäste großzügig, die Gitarre in der Hand, mit jener rohen Energie, die aus dem Lauf ein echtes Stadtfest macht.
10. Kielder Marathon (England)
✓ Der malerischste Lauf jenseits des Ärmelkanals?
Rund um den Kielder Water fühlen sich die Kilometer anders an. Asphalt weicht den Wegen, die sich zwischen Wald und See hindurchschlängeln. Als einziger Begleiter bleibt eine ungewöhnliche Stille. Im Herbst leuchtet die Landschaft in Rot, Gold und tiefem Grün. Die Schritte gleiten über eine sanft wellige Strecke, nie brutal, aber stets lebendig.
Die Läufer des Kielder Marathon durchqueren lange Waldpassagen, bevor sie das Ufer erreichen, einen riesigen Spiegel, in dem sich die Anstrengungen des Tages zu spiegeln scheinen. Die Veranstaltung pflegt ihren britischen Charme: ruhige Atmosphäre, sorgfältige Organisation und Natur, wohin man blickt. Eine Auszeit, die dazu einlädt, den Kopf zu heben, tiefer durchzuatmen und die Reise weit über die Zielzeit hinaus zu genießen.
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