Sport Cancer Foundation macht den Sport zum Partner im Kampf gegen Krebs
Veröffentlicht am Fr., 2. Oktober 2026
Die im März 2026 gegründete und Ende September öffentlich vorgestellte Sport Cancer Foundation will den Sport zu einem festen Bestandteil im Kampf gegen Krebs machen. Ihr Gründer Alain Bouhy ist Marathonläufer. Die Idee kam ihm an der Startlinie eines großen Rennens.
Ein Gespräch beim New York-Marathon
Alles beginnt mit einem Gespräch unter Läufern. Beim New York-Marathon trifft Alain Bouhy, Gründer des Marathon du Beaujolais, auf einen Teilnehmer, der zusätzlich zu seiner Startgebühr 500 Dollar, umgerechnet rund 440 Euro, für die Krebsforschung spenden will. Diese Begegnung gibt den Anstoß für das Projekt.
Zurück in Frankreich spricht er Akteure aus Sport und Onkologie an, dem medizinischen Fachgebiet für Erforschung, Diagnose und Behandlung von Krebserkrankungen. Zu ihnen gehört Marie-Christine Plasse, Präsidentin des regionalen Olympischen Komitees Auvergne-Rhône-Alpes, die zur Mitgründerin wird. Die Sport Cancer Foundation wird am 23. März 2026 offiziell gegründet. Es handelt sich um eine private, unabhängige, unpolitische und weltanschaulich neutrale Familien-Stiftung unter dem Dach der Fondation de France.
Öffentlich vorgestellt wird sie anschließend in zwei Schritten: zunächst am 16. September am Internationalen Krebsforschungszentrum (CIRC) in Lyon, dann am Mittwoch, dem 30. September, vor der Presse in den Räumen der Groupe Amaury in Boulogne-Billancourt. Amaury Sport Organisation, Veranstalter großer Rennen wie der Tour de France, unterstützt die Stiftung. Bei der Präsentation ist auch ihr Präsident Jean-Étienne Amaury dabei.
Ein Olympiasieger als Schirmherr und Rückendeckung aus der Laufszene
Für eine noch so junge Organisation ist die Liste ihrer Unterstützer bereits lang. Der Judoka David Douillet, zweifacher Olympiasieger (1996 und 2000) und Weltmeister, ist ihr Schirmherr. Isabelle Ray-Coquard, Onkologin und Professorin an der Université Claude Bernard sowie Krankenhausärztin am Centre Léon Bérard in Lyon, übernimmt die Schirmherrschaft.
Mit dabei sind der frühere 400-Meter-Hürden-Weltmeister Stéphane Diagana, der Ultra-Trail-Champion François D'Haene, Sportjournalist Patrick Montel, die Plattform Finishers und der Französische Leichtathletik-Verband. Auch andere Sportarten sind vertreten: etwa der von Gilles Moretton geführte Französische Tennisverband oder die Beachvolleyballspielerin Aline Chamereau. Marie-Christine Plasse bringt auf den Punkt, was all diese Menschen verbindet: « Leider kennt jeder von uns jemanden, der an Krebs erkrankt ist. »
Drei Aufgaben, ein finanzielles Ziel
Die Sportwelt mobilisieren, um Forschung zu finanzieren, medizinisches Personal zu unterstützen und Patientinnen und Patienten zu begleiten
Angepasste körperliche Aktivität vor, während und nach der Erkrankung fördern
Den Sport stärker ins Krankenhaus bringen und Brücken zwischen Sport und Gesundheit bauen
In drei Jahren sollen 3 Millionen Euro gesammelt werden. Zunächst ist eine landesweite, später eine internationale Ausweitung geplant. Die Aufgabe ist gewaltig: In Frankreich leben schätzungsweise knapp 3,8 Millionen Menschen mit oder nach einer Krebserkrankung.
Die Projekte für 2027
Gemeinsam mit dem Exekutivkomitee und der Fondation de France werden mehrere Projekte geprüft, die bereits 2027 starten könnten:
1000 „Sportpakete“, die Patientinnen und Patienten Lust auf angepasste körperliche Aktivität machen und ihnen den Einstieg oder Wiedereinstieg ermöglichen
„1000 Sportstunden“ zur Finanzierung betreuter Einheiten in Sporteinrichtungen überall in Frankreich
MOVE'UP, ein experimentelles Protokoll zu Sport und Krebs
„Wir holen die Sterne vom Himmel“ und „Rêvons Sport“: zwei Initiativen rund um Krebserkrankungen bei Kindern
Eine landesweite Kampagne, die den Gedanken verankern soll, dass Sport im Kampf gegen die Krankheit seinen Platz hat
Das große Vorhaben: ein Institut in Lyon
Das wichtigste strukturelle Projekt ist die Gründung des Institut national Sport Cancer (INSC) in Lyon, gemeinsam mit UNICANCER. Forschende, Ärztinnen und Ärzte, Fachleute für körperliche Aktivität und Akteure aus dem Sport sollen an einem Ort zusammengebracht werden. Die Eröffnung ist für Anfang 2028 geplant. Alain Bouhy erklärt die Idee mit einer einfachen Feststellung: « Jedes Krankenhaus arbeitet für sich. Wir wollen das verstreute Wissen zusammenführen, damit wir besser werden.»
Jean-Yves Blay, Generaldirektor des Centre Léon Bérard und Präsident von UNICANCER, gibt dem Vorhaben medizinisches Gewicht. Die wichtigsten Risikofaktoren seien bekannt, allen voran Tabak und Alkohol. Aber auch Bewegungsmangel und Übergewicht spielten eine wichtige Rolle. Seiner Einschätzung nach senkt körperliche Aktivität das Risiko, an Krebs zu erkranken, verbessert die Wirksamkeit der Behandlung und begrenzt deren Nebenwirkungen. Bei geheilten Patientinnen und Patienten hilft sie zudem, Müdigkeit und anderen Erkrankungen vorzubeugen. Isabelle Ray-Coquard vertritt denselben Ansatz: Körperliche Aktivität soll Teil des Behandlungspfads werden und den Patientinnen und Patienten Kraft, Selbstvertrauen und Lebensqualität zurückgeben.
Eine Geschichte, die Läufer erreicht
Die Botschaft richtet sich auch an die Running-Community, die das Zusammenspiel von Anstrengung, Gesundheit und Solidarität kennt. Marathons, Trails und Volksläufe bringen jedes Jahr zahlreiche Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen, viele laufen bereits für einen guten Zweck. Wie die Stiftung diese Veranstaltungen konkret einbinden will, hat sie noch nicht erläutert. Ihre Geschichte, die mit einer Startnummer begann, lässt jedoch vermuten, dass sie dabei eine Rolle spielen werden.
Mit starken Unterstützern, konkreten Projekten für 2027 und einem geplanten Institut in Lyon startet die Sport Cancer Foundation mit guten Voraussetzungen. Ob Läufer, Gelegenheitssportler oder einfach Unterstützer: Die Idee, für die sie steht, verdient Rückenwind. Sport soll Erkrankte begleiten und zugleich die Forschung voranbringen.