La Route du Louvre 2026: Tempomacher Anthony Kimtai gewinnt den Marathon

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

La Route du Louvre 2026: Tempomacher Anthony Kimtai gewinnt den Marathon
© La Route du Louvre

Ein Tempomacher, der am Ende selbst den Marathon gewinnt, eine couragierte Bahrainerin trotz Achillessehnenschmerzen, Jugendliche, die über 5 km bereits unter 16 Minuten laufen, und mehr als 15.000 Läufer zwischen Abraumhalden und Museum. La Route du Louvre bot erneut eine Mischung aus Spitzensport, Volksfeststimmung und Bildern, die es so nirgendwo sonst gibt. In Lens rissen einige nach 42 Kilometern die Arme hoch. Wenige Minuten später standen sie vor Gemälden, die Medaille um den Hals und die Beine noch immer zitternd.

La Route du Louvre bleibt eine ganz besondere Veranstaltung in der französischen Laufszene. Bei der 21. Auflage gingen über alle Wettbewerbe hinweg mehr als 15.000 Teilnehmer zwischen Seclin und Lens an den Start. Das Ziel lag symbolträchtig in den Gärten des Louvre-Lens. Der mit dem FFA-Silberlabel ausgezeichnete Marathon behielt sein „Stadt-zu-Stadt“-Format über 42,195 km bei. Die Strecke führte durch urbane Gebiete, über geöffnete Straßen im ehemaligen Bergbaurevier und an mehreren UNESCO-Welterbestätten vorbei, ehe sie am Museum endete. In der ersten Hälfte gilt der Kurs als schnell, ab Kilometer 30 wird er mit seinen welligen Passagen und ständigen Tempowechseln bis ins Ziel deutlich anspruchsvoller.

Und an diesem Sonntag sollte er die anderen lediglich zu einer starken Zeit führen. Am Ende holte er sich den Sieg selbst. Genau solche Geschichten passen zu La Route du Louvre. Inmitten dieser stets etwas unwirklichen Atmosphäre lieferte Anthony Kimtai das Drehbuch des Wochenendes. Der Kenianer war eigentlich gar nicht für den Kampf um den Sieg vorgesehen.

Anthony Kimtai: vom Tempomacher zum Sieger

Über weite Teile des Marathons tat Kimtai genau das, was von ihm erwartet wurde. Gleichmäßig, flüssig und locker führte der 27-jährige Kenianer die Spitzengruppe auf hohem Tempo. Die Organisatoren hofften auf neue Streckenrekorde, nachdem sein Landsmann Fredrick Kibii 2023 bei den Männern 2:08:05 Stunden und die Uganderin Rael Kinyara bei den Frauen 2:28:48 Stunden gelaufen waren.

Der Rückenwind half den Athleten auf den langen, ungeschützten Abschnitten spürbar. Auch die Beine machten mit. Dann wurde die Gruppe nach und nach kleiner. Einige Favoriten verzogen das Gesicht. Kimtai nicht. Rund zwölf Kilometer vor dem Ziel rief ihm Jean-Pierre Watelle einen Satz zu, der das gesamte Rennen veränderte: „Du kannst ins Ziel laufen, wenn du willst.“ Anthony Kimtai lächelte und lief weiter.

Keine brutale Attacke, eher die typisch kenianische Art, eine Stufe über die anderen zu schalten. Ein langer, ökonomischer, beinahe lautloser Schritt. Dahinter versuchte der Äthiopier Girma Dereje dranzubleiben. Der Kenianer Festus Kipkemoi war ebenfalls noch im Rennen. Doch die Dynamik hatte sich verändert. Aus dem Tempomacher war der Chef des Marathons geworden.

Auf den letzten Wellen hinauf zum Louvre-Lens biss Anthony Kimtai die Zähne zusammen, hielt seinen Vorsprung von wenigen Sekunden und holte in 2:09:31 Stunden seinen ersten großen Sieg. Hinter ihm kam der Äthiopier Dereje in 2:09:56 ins Ziel, Kipkemoi komplettierte das Podium in 2:11:02. Eine fast surreale Szene, wenn man an seine ursprüngliche Rolle denkt.

Beeindruckende afrikanische Leistungsdichte im Marathon

Die Männerwertung hatte eindeutig das Niveau eines internationalen Spitzenrennens. Hinter dem Führungs-Trio belegte der Kenianer Elijah Kibet Saurey in 2:11:14 Stunden den vierten Platz, vor dem Äthiopier Daniel Tola Boke in 2:11:25. Joel Kipsang Kositany, ein weiterer erfahrener Kenianer im Feld, beendete seinen Marathon in 2:12:19.

Die Top 10 waren gespickt mit Läufern aus Kenia und Äthiopien. Dazu gehörten der Äthiopier Workeye Takele sowie die Kenianer Samuel Limo Naibei, Dominic Kiptarus und Vincent Kipyegon Ronoh. Hinter dieser afrikanischen Armada kam der erste Franzose, Thomas Deleu, für Athlé Halluin-Val-de-Lys in 2:26:19 Stunden auf Rang 14. Eine starke Leistung auf einem Kurs, der trotz seines insgesamt schnellen Profils anspruchsvoller ist, als er aussieht.

Roselidah Jepketer trotzt Schmerzen an der Achillessehne

Bei den Frauen galt die Bahrainerin Roselidah Jepketer als Favoritin. Trotz anhaltender Beschwerden an der linken Achillessehne wurde sie dieser Rolle vollauf gerecht. Die Organisatoren hatten auf eine Zeit um 2:28 Stunden gehofft. Am Ende siegte sie in 2:30:48, eine alles andere als belanglose Zeit angesichts der Schmerzen, von denen sie nach dem Zieleinlauf berichtete.

Dahinter spricht der Abstand beinahe für sich. Die Kenianerin Rose Cherop wurde in 2:56:17 Zweite, die Französin Alice Duytsche holte für CG Haubourdin in 2:59:22 den dritten Platz. Die Polin Aleksandra Kacprzak wurde in 3:12:09 Vierte.

Auf den 10 km ging es ordentlich zur Sache

Auch die 10 km boten spannende Duelle, vor allem bei den Männern. Antoine Viertaix, für die Caisse d’Épargne Hauts-de-France startend, setzte sich nach einem engen Zweikampf in 30:32 Minuten durch. Valentin Ornon wurde elf Sekunden später Zweiter. Thibaut Wajda komplettierte das Podium in 32:40. Bei den Frauen dominierte Eloïse Evain das Rennen deutlich. Die Französin von der Amicale du Val de Somme überquerte die Ziellinie in 37:18 und zeigte dabei große Souveränität. Auch Anne-Sophie Demagny (39:23) und Mathilde Guéant (41:34) schafften es in die Top 3.

Auf den 5 km drängt die nächste Generation nach

Die 5 km wirkten fast wie ein Rennen der nachrückenden Generation. Bei den Männern gewann Antonin Delehaye in 15:30 Minuten vor Félix Pouilly (15:39) und dem jungen Antoine Mito, Jahrgang 2007, der 15:48 lief. Noch bemerkenswerter: Mehrere Jugendliche landeten in den Top 10. Baptiste Wailly, Damien Dembski, Noa Opigez und Léo Duquenne zeigen, wie stark die kurzen Distanzen inzwischen eine neue, schnelle Generation anziehen.

Bei den Frauen war das Bild ähnlich: Maëlle Balaine gewann in 17:05 Minuten. Hinter ihr beeindruckte Azura Sonneville, Jahrgang 2009, mit Platz zwei in 18:35. Und in den Top 10 zeigte Capucyne Terby, Jahrgang 2012, bereits vor dem Wechsel aufs Gymnasium eine beachtliche Leistung. Auch solche Details erzählen viel über die Entwicklung der französischen Laufszene. Schnelle Formate ziehen immer mehr junge Athletinnen und Athleten aus der Leichtathletik an.

Die Ausgabe 2026 von La Route du Louvre im Livestream

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