Sedan–Charleville: Die Olympioniken Félix Bour und Méline Rollin triumphieren
Der älteste Stadt-zu-Stadt-Lauf Europas, Sedan-Charleville, ging am vergangenen 5. Oktober zum 105. Mal über die Bühne. Die 23,6 Kilometer lange Ardennen-Klassik krönte bei besonders windigen Bedingungen mit den Olympia-Marathonläufern Félix Bour und Méline Rollin die großen Favoriten. Hinter den Siegern gingen 3.600 Läufer bei diesem Rennen unweit der belgischen Grenze an den Start.
Sedan-Charleville gehört seit 1906 zu den legendären Straßenläufen im französischen Rennkalender. Der Lauf ist eine echte Tradition und findet jeden ersten Sonntag im Oktober im Grand Est statt. Wieder waren zahlreiche Läufer unterwegs, um auf der D764 im Herzen der Ardennen Asphalt unter die Füße zu nehmen. Ein Rennen, in dem Geschichte und Laufsport aufeinandertreffen.
Die Marathonläufer in starker Form
Der Sieg ging an den lothringischen Marathonläufer Félix Bour (Racing Multi Athlon). Der Titelverteidiger, der bei den Olympischen Spielen in Paris für den Marathon nominiert war, musste auf dem Weg ins Ziel allein gegen einen unsichtbaren, aber hartnäckigen Gegner ankämpfen. Der Wind verschonte ihn nicht, mit heftigen Böen von mehr als 50 km/h. Den Favoriten brachte das jedoch nicht aus dem Konzept: Bereits ab Kilometer vier wurde er seiner Rolle gerecht. Der Athlet von Stéphane Valenti zeigte sich souverän und nutzte den Lauf sogar als Teil seiner Marathonvorbereitung. Damit schloss er eine Woche mit 212 Kilometern ab. Sein Blick ist bereits auf den New York City Marathon gerichtet, der am 2. November stattfindet.
Angesichts der Wetterbedingungen war der Streckenrekord von 1:10:04 Stunden, den der Ruander Félicien Muhitira seit 2017 hält, außer Reichweite. Der erfahrene Nationalmannschaftsläufer bewältigte die 23,6 Kilometer in 1:12:40 Stunden (2024: 1:11:11) und hatte damit fast zwei Minuten Vorsprung auf seinen Verfolger, Clément Lhotellerie (Charleville Mézières Athlétisme, 1:14:41 Stunden). Der Lokalmatador, französischer Meister im Cyclocross von 2015 und bis 2013 Profi-Radsportler, hatte Félix Bour bereits im vergangenen Jahr beerbt. Der Trainer der Zoom Volt Runners, Nicolas Dalmasso, holte in 1:18:27 Stunden Bronze.
Bei den Frauen nahm das Rennen einen ähnlichen Verlauf. Die Olympionikin Méline Rollin (Grac Athlétisme) setzte sich bei ihrer zweiten Teilnahme an dieser Klassik souverän durch. Der Wind und die von Anstiegen geprägten letzten beiden Kilometer machten ihr das Rennen nicht leichter. Nach ihrer Verletzungspause kam die KIPRUN-Athletin in 1:24:59 Stunden als 21. der Gesamtwertung ins Ziel. Die Ardennerin hatte den Sieg schon lange im Visier. Eine schöne Belohnung für die Läuferin, die während des Rennens durch ihre Heimatgemeinde Nouvion-sur-Meuse kam. Alice Michel (Zoom Volt Runners) belegte in 1:28:00 Stunden den zweiten Platz, gefolgt von Zoé Hamel (Grac Athlétisme) in 1:28:12 Stunden.
Paraathleten im Mittelpunkt
Sedan-Charleville versteht sich als inklusives Rennen und öffnet seine Anmeldung auch für Paraathleten. Ali Mehiaoui (Handi Racing Club) wurde in 1:09:49 Stunden zum Sieger erklärt, dicht gefolgt von seinem Vereinskollegen Simon Germano (1:09:50 Stunden). Vincent Bertrand (Cdh 08) komplettierte das Podium in 2:13:18 Stunden.
Ein Lauf mit großer Geschichte
Europas ältesten Stadt-zu-Stadt-Lauf zu bestreiten, lohnt sich. Zahlreiche große Namen der Leichtathletik haben sich an dieser legendären Strecke versucht, darunter Alain Mimoun im Jahr 1959, drei Jahre nach seinem Olympiasieg im Marathon von Melbourne. Der Franzose kam nach 1:18:14 Stunden ins Ziel. In den 1980er-Jahren gingen mehr als tausend Laufbegeisterte an den Start. Seit 1986 steht der Lauf im internationalen Kalender des französischen Leichtathletikverbands Fédération Française d’Athlétisme. Bei der ersten Auflage 1906 waren 82 Teilnehmer gestartet, die Hälfte erreichte das Ziel. Der allererste Sieger war Lucien Daix, ein Schmied aus Wadelincourt, der die Strecke in 1:33 Stunden bewältigte. Erst 1975 wurde der Lauf für Frauen geöffnet. Den ersten Sieg holte Danièle Brouart.
Heute versammeln sich zu diesem Anlass mehr als 3.600 Läufer und über 350 Helfer. Und ein Ende ist nicht in Sicht. Jedes Jahr fällt der Start in der Rue Philippoteaux in Sedan, einer Stadt voller Geschichte und Kunst, die für ihre Festung „le Géant de Sedan“ bekannt ist. Die als historisches Monument geschützte Anlage ist mit einer Fläche von 35.000 m² die größte Burg Europas. Beim Verlassen der Stadt durchqueren die Läufer die Ardennenebenen, gesäumt von Bunkern aus dem Zweiten Weltkrieg und den Befestigungsanlagen der Maginot-Linie. Mehrere Dörfer liegen an der Strecke: Donchery, Dom-le-Mesnil, Les Ayvelles und Mézières. Das Ziel befindet sich auf der Place Ducale in Charleville-Mézières.
Auch die 105. Auflage des legendären Sedan-Charleville zog wieder eine große Schar Laufbegeisterter an. Die 23,6 Kilometer zwischen den beiden Städten sind weit mehr als ein Sportereignis: Sie bündeln mehrere Jahrhunderte Ardennen-Geschichte. Dieser einzigartige Lauf begeistert Teilnehmer jeden Alters und Leistungsniveaus, getragen von der Begeisterung des Publikums vor Ort. Trotz der oft unerbittlichen Bedingungen brachte die windige Ausgabe starke Podiumsplatzierungen hervor.
✔ Hier geht es zu allen Ergebnissen der 105. Auflage von Sedan-Charleville.