Under Armour Velociti Distance im Test

L
Von Linford Dirou

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Under Armour Velociti Distance im Test
© Valentin Marco / Marathons.com

Vom 23. bis 26. März nahmen 20 sorgfältig ausgewählte Tester die Under Armour Velociti Distance beim ersten Road Test Camp im Matmut Stadium in Lyon genau unter die Lupe. Mit Distance und Pace wird die Velociti-Familie zu einem echten Performance-Ökosystem, das solide Optionen für den täglichen Lauf bis hin zum Wettkampftag bietet.


Velociti Distance: für lange Läufe

Wer sich auf einen Marathon vorbereitet, weiß: Entscheidend ist nicht nur der Wettkampftag. Die Grundlage entsteht in den 12 bis 16 Wochen davor, wenn der Umfang allmählich steigt. Eine Belastungswoche folgt auf die nächste, und der lange Lauf wird zur wichtigsten Einheit der Woche.

Die Velociti Distance ist genau für solche Läufe ausgelegt. Sie soll Läufer im täglichen Training begleiten und besonders beim Verlängern der Distanz unterstützen. Wie ein Supertrainer ist sie darauf ausgelegt, schneller und weiter zu laufen. Dafür setzt sie auf drei zentrale Eigenschaften:
Dynamik: dank der weichen und reaktiven HOVR+-Superfoam
Stabilität: Zusätzlicher Schaum im Fersenbereich hilft, die Belastung für Hüften und Knie auf langen Distanzen zu reduzieren
Komfort und Atmungsaktivität: Das leichte, atmungsaktive Leno-Weave-Mesh mit transluzenter, einfarbiger Optik gibt den Mittelfuß- und Vorfußkäfig frei

Sharon Lokedi nutzt den Schuh für ihre langen Läufe: „Ich setze die Distance bei langen Läufen ein, die Kraft und Selbstvertrauen aufbauen .“ Die Basis ist zuverlässig. Ein robuster Schuh, der Kilometer problemlos wegsteckt. Mit 298 g auf der Waage ist er zwar nicht das leichteste Modell auf dem Markt, doch Dynamik und Stabilität zählen zu seinen Stärken. Damit ist er eine gute Wahl, um Umfang zu sammeln und zügige lange Läufe zu absolvieren.

Technische Daten – VELOCITI DISTANCE

  • Kategorie: Daily Trainer

  • Einsatz: lockere Läufe, lange Läufe

  • Dämpfung: HOVR+-Superfoam

  • Untergrund: Straße

  • Niveau: für alle Läufer

  • Gewicht: 298 g

  • Sprengung: 6 mm

  • Preis: 160 €

Erhältlich bei I-RUN – HERRENErhältlich bei I-RUN – DAMEN

Velociti Pace: für den täglichen Lauf

Die Velociti Pace spielt dagegen in einer anderen Liga. Sie ist leichter, reaktionsfreudiger und soll mehr Spaß in den täglichen Lauf bringen. Der Schuh ist für Einheiten mit moderater Intensität, zügige Dauerläufe und Läufe gedacht, bei denen etwas mehr Druck unter dem Fuß gefragt ist, ohne gleich die große Geschützstellung aufzufahren. Eine Carbonplatte gibt es hier nicht, dafür eine HOVR™-Schaumstoffsohle, die Stöße dämpft, die Energierückgabe verbessert und den Fuß nach vorn bringt. Sie ist das zugänglichste Modell der Performance-Reihe. Mit gerade einmal 110 € bietet sie eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse auf dem Markt. Diese kluge Positionierung macht sie zu einem echten Einstieg in die Performance-Welt und die Velociti-Familie.

Technische Daten – VELOCITI PACE

  • Kategorie: Daily Trainer

  • Einsatz: lockere Läufe, tägliche Läufe, Regenerationsläufe

  • Dämpfung: HOVR™-Schaum

  • Untergrund: Straße

  • Niveau: für alle Läufer

  • Gewicht: 249 g

  • Sprengung: 8 mm

  • Preis: 110 €

Die Under Armour Velociti-Rotation

Interessant an Under Armour ist der Anspruch der Marke, Läufern eine komplette Palette zu bieten, vom lockeren Lauf über intensive Einheiten bis zum Marathon. Die meisten Läufer haben heute mehrere Schuhe in ihrer Rotation. Die US-Marke hat das verstanden und ergänzt ihre Reihe deshalb um zwei leistungsfähige Modelle für den täglichen Einsatz.

Die Under Armour Velociti ist die Performance-Reihe der Marke. Mit fünf Modellen für klar definierte Aufgaben gehört sie zu den umfassendsten Angeboten auf dem Markt:
Velociti Pace: Daily Trainer für tägliche Läufe
➜ Velociti Distance: Supertrainer für lange Läufe und hohe Wochenumfänge
Velociti SPD: leichter Trainingsschuh
Velociti Pro 2: Trainingsschuh für schnelle Einheiten mit flexibler Platte
Velociti Elite 3: Wettkampfschuh mit Carbonplatte

Für wen eignen sich Distance und Pace?

Beide Modelle sind vielseitig und preislich sehr zugänglich. Wer ein begrenztes Budget hat, bekommt hier eines der besten Preis-Leistungs-Verhältnisse. Die Pace eignet sich ideal für tägliche Läufe oder für den Einstieg ins Laufen. Mit ihrer ausreichend schützenden und zugleich dynamischen Dämpfung ist sie ein zuverlässiger Begleiter für lockere Läufe und Trainingseinheiten. Wer allerdings deutlich mehr Tempo in seine Einheiten bringen möchte, ist mit leistungsorientierteren Modellen wie der Velociti SPD oder der Velociti Pro 2 besser beraten.

Wer erfahren ist, mehrere Modelle in der Rotation hat und seine Leistung optimieren möchte, findet in der Distance eine gute Option für lange Läufe und hohe Trainingsumfänge. Die großzügigere Dämpfung schont die Muskulatur stärker, sodass sich die Einheiten leichter aneinanderreihen lassen. Auch Läufer, die in ihrem Schritt mehr Stabilität suchen, könnten an diesem Schuh Gefallen finden.

Das Wichtigste in Kürze

Under Armour versucht, sich im hart umkämpften Running-Markt zu etablieren. Mit Athleten wie Sharon Lokedi und zunehmend innovativen Produkten gewinnt die US-Marke an Glaubwürdigkeit. Distance und Pace ergänzen eine bereits gut aufgestellte Velociti-Reihe. Die Distance ist zwar etwas schwerer als ihre Konkurrentinnen, punktet dafür mit Stabilität und Komfort. Die Pace bleibt eine solide Wahl und ein Schuh, den man praktisch jedem Läufer empfehlen könnte. Wer mit Under Armour läuft, bekommt inzwischen Zugänglichkeit, ohne bei Leistung und Komfort Abstriche machen zu müssen. Es spricht viel dafür, dass wir in den kommenden Jahren noch deutlich häufiger von der US-Marke hören werden.


Velociti Distance: Das Urteil der Road-Test-Camp-Tester

Die Rückmeldungen der 20 Tester zeichnen das Bild eines hybriden Schuhs zwischen klassischem Daily Trainer und dynamischerem Tempomodell. Insgesamt fällt das Urteil gemischt aus: Die technischen Qualitäten werden anerkannt, Komfort und Passform überzeugen jedoch je nach Läufer unterschiedlich stark.

Bei Halt und Stabilität herrscht weitgehend Einigkeit. Die Mehrheit der Tester hebt den sehr guten Halt des Fußes hervor, besonders im Mittelfuß- und Fersenbereich. Die effektive und sichere Schnürung trägt dazu bei. Auch auf unebenem Untergrund wie Schotter vermittelt die Konstruktion ein angenehmes Maß an Stabilität. Teilweise wird der Halt allerdings als zu stark empfunden. Der Schuh sitzt dann zu eng am Fuß und kann Druckstellen verursachen, vor allem am Schaft oder an den Knöcheln.

Die Dämpfung ist der große Streitpunkt. Die Sohle wird überwiegend als fest, teilweise sogar als steif beschrieben, besonders an Ferse und Vorfuß. Einige Tester schätzen diese Auslegung wegen ihrer Dynamik und Energierückgabe bei höherem Tempo. Die Mehrheit vermisst jedoch für lockere Dauer- oder Regenerationsläufe ein weicheres Laufgefühl. Die ausgeprägte Festigkeit beeinträchtigt den Gesam tkomfort, insbesondere bei niedrigem Tempo oder für leichtere Läufer.

Dynamik und Abrollverhalten werden positiv wahrgenommen. Der Rocker-Effekt und die deutliche Abrollbewegung nach vorn fallen auf. Gleichzeitig wirkt dieses Konzept auf einige Tester für einen Daily Trainer unpassend. Der Schuh spielt seine Stärken eher bei zügigen Einheiten wie Tempo- oder Schwellenläufen aus als bei langsamen Dauerläufen. Manche Tester empfinden ihn für einen klassischen täglichen Trainingsschuh sogar als „zu dynamisch“.

Passform und Sitz bieten das größte Verbesserungspotenzial. Mehrere Rückmeldungen beschreiben eine ungewöhnliche Geometrie: vorne breit, hinten enger. Das kann zu einem Gefühl des Schwimmens oder Rutschens im Schuh führen. Vor allem Läufer mit schmalen Füßen berichten von Reibung an den Zehen und fehlender Präzision. Breitere Füße scheinen dagegen besser zurechtzukommen.

Die Atmungsaktivität wird durchgehend kritisiert. Das Mesh gilt als dick, warm und wenig luftdurchlässig, was den thermischen Komfort vor allem bei sommerlichen Bedingungen beeinträchtigt. Verstärkt wird dieser Eindruck durch den insgesamt eng anliegenden, umschließenden Sitz.

Schließlich werden Gewicht und ein schwerfälliger Laufeindruck regelmäßig angesprochen. Damit liegt der Schuh im Segment außerhalb der heutigen Leichtgewichtsstandards.

Unterm Strich zeichnet sich die Under Armour Velociti Distance durch Stabilität, Halt und eine dynamische Ausrichtung aus, schwächelt aber bei Komfort, ausgeprägter Steifigkeit und einer nicht ganz überzeugenden Passform. Sie dürfte vor allem Läufer ansprechen, die einen strukturierten Schuh für moderates bis zügiges Tempo suchen, weniger diejenigen, die einen vielseitigen und unkomplizierten Begleiter für alle täglichen Läufe erwarten.

Die Velociti Distance ist ein komfortabler Daily Trainer mit gutem Halt sowie einem umschließenden und stabilen Sitz. Dank der reaktiven Sohle läuft sie dynamisch und eignet sich für schnelle Einheiten. Ein leicht lockerer Sitz an der Ferse, ein warmes Fußklima und das etwas hohe Gewicht schränken ihre Performance-Ambitionen jedoch ein. Insgesamt ein effizienter und dynamischer Schuh für das tägliche Training.

Clément

Komfortabler Schuh mit gutem Halt, ausreichend Platz im Vorfuß und gleichmäßiger Schnürung. Die Dämpfung ist vorhanden, aber eher fest, und die Stabilität stimmt. Er ist etwas schwer, bleibt aber ein solider und effizienter Allrounder.

Kevin

Komfortabler Schuh mit guter Fersendämpfung und viel Platz im Vorfuß, der angenehm abrollt. Der Vorfuß ist allerdings steifer, wodurch sich der Schuh eher für Tempoläufe oder vielseitige Einheiten eignet. Ein leichtes Stabilitätsdefizit an der Ferse und das etwas hohe Gewicht fallen auf. Insgesamt ein komfortabler und vielseitiger Trainingsschuh für strukturierte Einheiten.

Nathan

Dynamischer und vielseitiger Schuh mit effektivem Rocker und guter Schnürung, die insgesamt für ordentlichen Halt sorgt. Der Vortrieb ist deutlich spürbar. Die recht steife Sohle und ein leichtes Rutschen des Fußes nach vorn können den Komfort jedoch beeinträchtigen. Am Schaft entstehen Druckstellen an den Knöcheln. Insgesamt ein dynamisches, beim Komfort aber noch nicht ausgereiftes Modell.

Manon

Der Schuh hat interessantes Potenzial, doch die Passform kann für schmale Füße zu wenig Halt bieten, sodass der Fuß unter Belastung leicht nach vorn rutscht. Insgesamt ein komfortables und zugängliches Modell mit einer Konstruktion, die vor allem Läufern gefallen dürfte, die im Vorfuß viel Platz suchen.

Margot

GESAMTKOMFORT: 6,2

Erhältlich bei I-RUN – HERRENErhältlich bei I-RUN – DAMEN

Mit Distance und Pace will Under Armour sich im Daily-Trainer-Segment des Running-Markts etablieren. Die beiden Modelle ergänzen die Velociti-Familie, die nun zu einem echten Performance-Ökosystem wächst. Indem die Marke Schuhe für klar definierte Bedürfnisse von Läufern anbietet, gewinnt sie an Glaubwürdigkeit. Und wenn Boston Sharons Lokedi Ambitionen bestätigt, dürfte die Velociti künftig an immer mehr Startlinien zu sehen sein. Die Botschaft ist klar: Under Armour will in die erste Liga!


Die Redaktion