Sawe sagt Berlin ab, Kejelcha greift in Valencia nach den Sternen: So stark sind die Herbst-Marathons besetzt
Das ist die bittere Nachricht, die Marathon-Fans diese Woche erwischt hat: Sabastian Sawe, Weltrekordler und erster Mann, der offiziell unter zwei Stunden geblieben ist, muss den Berlin-Marathon verletzungsbedingt absagen. Nach seinem Coup von 1:59:30 in London im vergangenen April hatte man ihn schon auf dem ultraschnellen, flachen Kurs der deutschen Hauptstadt noch schneller erwartet. Während die Marathon-Saison mit Stars wie Yomif Kejelcha, John Korir, Jacob Kiplimo, Fotyen Tesfay, Tigist Assefa, Peres Jepchirchir, Hellen Obiri, Sharon Lokedi … in den Startlöchern steht, schauen wir auf die Elitefelder der großen Herbst-Marathons, wenige Tage vor dem Sydney-Marathon.
Sydney-Marathon: Lemma, Simbu, Kiplagat, Jepchirchir sorgen für ein XXL-Elitefeld
Dieser Sydney-Marathon hat einen besonderen Geschmack. Seit 2025 gehört das Rennen zum exklusiven Kreis der Majors. Dieses neue Prestige-Label bringt auch die Verpflichtung mit sich, ein entsprechend hochkarätiges Elitefeld aufzustellen. Und Sydney liefert. Bei den Männern dürfen wir uns auf einen echten Titanen-Showdown freuen, angeführt von Alphonse Simbu, Weltmeister 2025 in Tokio (PB 2:02:47). Dass er als Topfavorit gehandelt wird, liegt auf der Hand: Der Tansanier ist in überragender Form und liefert bei den großen Terminen fast immer ab. In Boston wurde er 2025 und 2026 jeweils Zweiter.
Ihm gegenüber steht eine Marathon-Legende, Sisay Lemma. Mit 2:01:48 ist er der achtschnellste Mann der Geschichte über die Königsdistanz. Einen Major zu gewinnen, kennt er: Boston und London stehen bereits in seiner Vita. Für den dritten Major-Stern muss der Äthiopier aber auch gegen die Kenianer Timothy Kiplagat (2:02:55) und Vincent Ngetich (2:03:13) bestehen, dazu gegen Titelverteidiger Hailemaryam Kiros (Streckenrekord 2:06:06). Bahn-Star Hagos Gebrhiwet könnte bei seinem Marathon-Debüt ebenfalls direkt einen großen Treffer landen. Insgesamt sind 14 Männer im Feld schon unter 2:05 gelaufen. Trotz eines anspruchsvollen Kurses mit 313 Höhenmetern bergauf werden schnelle Zeiten erwartet, der Streckenrekord wackelt gewaltig.
Ich habe mit Vincent (Kiplagat) und Kiros (Hailemaryam) gesprochen. Wir planen, einen neuen Streckenrekord aufzustellen. Ich denke, wir können das an diesem Sonntag schaffen.
Bei den Frauen richten sich die Blicke auf die amtierende Welt- und Olympiasiegerin Peres Jepchirchir. Die 34-jährige Kenianerin bringt reichlich Major-Erfahrung mit und geht als klare Favoritin vor Irine Cheptai (2:17:51), der tansanischen Rekordhalterin Magdalena Shauri, Osaka-Siegerin 2026 Stella Chesang und Ikone Vivian Cheruiyot ins Rennen. Mit 42 ist ihre Langlebigkeit beeindruckend. Neun Frauen im Feld stehen unter 2:19, das Rennen verspricht Hochspannung, und auch hier ist der Streckenrekord akut gefährdet.
Sydney-Marathon 2026
Datum : 30. August 2026
Streckenrekord : 2:06:06 (Männer), 2:18:22 (Frauen)
Favoriten (Männer) : Alphonse Simbu (Tansania, 2:02:47), Sisay Lemma (Äthiopien, 2:01:48), Timothy Kiplagat (Kenia, 2:02:55), Vincent Ngetich (Kenia, 2:03:13), Hagos Gebrhiwet (Äthiopien, Debüt)
Favoritinnen (Frauen) : Peres Jepchirchir (Kenia, 2:14:43), Irine Cheptai (Kenia, 2:17:51), Magdalena Shauri (Tansania, 2:18:03)
Berlin-Marathon: Mit Tigist Assefa liegt der Fokus auf den Frauen
Sabastian Sawe, das neue Marathon-Wunderkind, hat diese Woche seinen Verzicht auf den Berlin-Marathon bekanntgegeben. Grund ist eine Verletzung aus der Vorbereitung, ohne nähere Angaben zur Art der Blessur. Für Marathon-Fans ist das natürlich ein Schlag: fürs Spektakel und auch, weil seine jüngsten Leistungen die Fantasie befeuert hatten. Nachdem er im April in London als erster Mann die 2-Stunden-Marke im Marathon geknackt hatte, durfte man für Berlin auf einem der schnellsten Kurse der Welt Großes erwarten.
Umso mehr, weil Sabastian Sawe in Berlin Titelverteidiger ist, nach seinem Sieg im Vorjahr in 2:02:16. Mit der Absage entgeht ihm auch ein Stück Geschichte: Er hätte erst der dritte Kenianer seit 2006 werden können, der in Berlin zwei Jahre in Folge gewinnt, nach Patrick Musyoki (2010-2011) und Eliud Kipchoge (viermal zwischen 2017 und 2023). Berlin, ein adidas-Top-Event, hatte stark auf den Aushängeschild-Athleten der Marke mit den drei Streifen gesetzt. Dahinter bleibt das Elitefeld zwar tief, mit einem beeindruckenden Block an Äthiopiern und Japanern zwischen 2:03 und 2:08, aber das Fehlen weiterer ganz großer Namen fällt trotzdem auf.
Mit schwerem Herzen muss ich euch mitteilen, dass ich aufgrund einer Verletzung gezwungen bin, auf den Berlin-Marathon zu verzichten. Ich habe mich darauf gefreut, etwas Besonderes in den Straßen von Berlin zu schaffen und am Brandenburger Tor ins Ziel zu laufen. Es war auch mein Wunsch, diesem Rennen und seinen Organisatoren etwas zurückzugeben, die mich so sehr unterstützt haben. Ich möchte meinen Fans und allen danken, die mich weiterhin unterstützen, und ich wünsche allen Läuferinnen und Läufern, die teilnehmen, ein tolles Rennen. Ich hoffe, sie können den Moment genießen, Vertrauen in die geleistete Arbeit haben und stolz auf das sein, was sie in Berlin erreichen werden. Ich freue mich darauf, euch bald wieder an der Startlinie in Berlin zu sehen.
Doch diese schlechte Nachricht kann eine deutlich bessere nach sich ziehen. Mit Sawes Ausfall richtet sich das Scheinwerferlicht vor allem auf das Frauenrennen mit Tigst Assefa. Nach ihrem jüngsten Weltrekord (im reinen Frauenrennen) in London will sie mehr. Ihr Ziel: der Weltrekord, den sie selbst hier in Berlin 2023 mit 2:11:53 ein Jahr lang gehalten hatte. Seitdem waren nur zwei Frauen schneller: Ruth Chepngetich, die trotz Dopingsperre weiterhin Weltrekordlerin ist (2:09:56 in Chicago 2024), und zuletzt Fotyen Tesfay mit 2:10:51 in Barcelona. Anders als in London, wo sie 2:15:41 lief, wird Tigist Assefa diesmal mit männlichen Pacemakern unterwegs sein, die sie sehr wahrscheinlich bis ganz zum Ende ziehen sollen.
Hinter ihr wird es dicht und konkurrenzfähig: Acht Frauen bringen Bestzeiten unter 2:20 mit. Das ist schlicht das tiefste Elitefeld, das es beim Berlin-Marathon der Frauen je gab. Tigist Assefa sticht klar heraus. Aber allein wird sie nicht laufen. Mit dabei ist Titelverteidigerin Rosemary Wanjiru. Amane Beriso, im Juni noch für ein Comeback nach Verletzung angekündigt, steht in der im August veröffentlichten Startliste letztlich nicht. Wie bei den Männern ist auch bei den Frauen das Kontingent aus Japan und Äthiopien beeindruckend. Zudem dabei: Manon Trapp, die den französischen Rekord von Mekdes Woldu ins Visier nimmt. Woldu hält die nationale Bestmarke (2:23:13) seit März 2025.
Mit großer Freude werde ich drei Jahre nach meinem Weltrekord 2023 wieder durch die Straßen Berlins laufen und erneut versuchen, diesen Rekord zu brechen. Ich danke den Organisatoren, dass sie mich noch einmal eingeladen haben, und allen Beteiligten für ihre Unterstützung rund um den Marathon. Ich hoffe, viele Zuschauerinnen und Zuschauer werden mich anfeuern.
Berlin-Marathon 2026
Datum : 27. September 2026
Streckenrekord : 2:01:09 (Männer), 2:11:53 (Frauen)
Favoriten (Männer) : Gabriel Geay (Tansania, 2:03:00), Getaneh Molla (Äthiopien, 2:03:34), Guye Adola (Äthiopien, 2:03:46)
Favoritinnen (Frauen) : Tigst Assefa (Äthiopien, 2:11:53), Rosemary Wanjiru (Kenia, 2:16:14)
Chicago-Marathon: Jacob Kiplimo unter 2 Stunden?
Jacob Kiplimo und Hawi Feysa kehren zurück, um ihre Titel zu verteidigen, in einem Feld, das als eines der dichtesten in der Geschichte des Rennens angekündigt wird. Sechs Männer sind bereits unter 2:04 gelaufen. Der überragende Favorit ist natürlich er: Jacob Kiplimo glänzte 2025 mit 2:02:23 (zweitbeste Leistung der Chicago-Geschichte) und lief danach 2026 in London 2:00:28, in dem wohl verrücktesten Marathonrennen aller Zeiten. Als Besitzer der drittbesten Zeit der Marathon-Geschichte ist der Ugander extrem komplett. Er hat die Geschwindigkeit: Man erinnert sich an seine 56:42 beim Halbmarathon in Barcelona, einen Weltrekord, der leider nicht ratifiziert wurde, und an die 57:20 in Lissabon.
Der 25-Jährige holte Anfang des Jahres in Tallahassee (Florida) zudem seinen dritten Cross-WM-Titel in Serie. In seinem vierten Marathon sind die Erwartungen riesig. Kelvin Kiptums Streckenrekord von 2:00:35 ist massiv in Gefahr, und wenn die Bedingungen passen, könnte Kiplimo sogar der dritte Mann der Geschichte werden, der unter 2 Stunden läuft...
Allein wird er dafür nicht sein. Gegen ihn stehen: Amos Kipruto (PB 2:01:29). Der Kenianer hat bereits einen Major gewonnen (London 2022), hat sich zuletzt aber angewöhnt, oft direkt hinter Kiplimo zu landen (Zweiter letztes Jahr in Chicago, Vierter dieses Jahr in London). Das Duell verspricht Epik. Dazu kommen Alex Masai (Dritter in Chicago 2025) sowie Milkesa Mengesha (Sieger in Berlin 2024) und Tadese Takele Bikila (Doppelsieger in Tokio). Bei den US-Läufern ist der dritte Marathon von Charles Hicks besonders spannend. Nach starken Debüts in New York 2025 (Platz 7 in 2:09:59) und in Boston in diesem Jahr (Platz 7 in 2:04:35) hat der 25-Jährige auf Chicagos ultraschneller Strecke große Pläne.
Bei den Frauen ist Sharon Lokedi eine der Überraschungen dieses Feldes. Man hat die Kenianerin oft bei Majors gesehen. Sechsmal stand sie an der Startlinie eines großen Marathons, aber am Ende ist sie praktisch nur New York und Boston gelaufen. Jahr für Jahr hat sie dieses Double durchgezogen und sich dabei häufig mit Rivalin Hellen Obiri auf diesen hügeligen, harten Kursen gemessen. Jetzt startet sie erstmals bei einem Marathon, der als schnell und flach gilt. Umso spannender, was Erfahrung und Anlagen in Chicago auf die Uhr bringen. Mit 2:17:22 als PB aus dem anspruchsvollen Boston-Kurs gibt es wenig Zweifel, dass sie unter 2:15 laufen kann. Aber kommt sie in die Nähe von 2:10? Chicago ist der perfekte Ort, um zu sehen, wie weit sie gehen kann.
Sie debütiert dort an der Seite von Brigid Kosgei, einer echten Marathon-Legende. Ehemalige Weltrekordlerin, zweifache Chicago-Siegerin, dazu Siege in London und Tokio... ihre Liste ist endlos. Mit 2:14:04 ist sie ganz klar eine Anwärterin auf den Thron. Titelverteidigerin Hawi Feysa ist ebenfalls dabei. Auch das US-Kontingent ist stark: Acht Läuferinnen stehen unter 2:25, darunter die ewige Sara Hall (2:20:32, 43 Jahre), Susanna Sullivan (2:21:56) oder Natosha Rogers (2:23:38).
Chicago-Marathon 2026
Datum : 11. Oktober 2026
Streckenrekord : 2:00:35 (Männer), 2:09:56 (Frauen)
Favoriten (Männer) : Jacob Kiplimo (Uganda, 2:00:28), Amos Kipruto (Kenia, 2:01:39), Milkesa Mengesha (Äthiopien, 2:03:17), Tadese Takele Bikila (Äthiopien, 2:03:23), Daniel Mateiko (Kenia, 2:03:44)
Favoritinnen (Frauen) : Brigid Kosgei (Kenia, 2:14:04), Hawi Feysa (Äthiopien, 2:14:57), Sharon Lokedi (Kenia, 2:17:22), Megertu Alemu (Äthiopien, 2:16:34), Brillian Kipkoech (Kenia, 2:17:05)
New-York-Marathon: Sifan Hassan, Hellen Obiri, Benson Kipruto und das große Debüt von Andreas Almgren
Dieses Jahr feiert der New-York-Marathon zum 50. Mal seine Route durch die fünf ikonischen Boroughs der Big Apple. Es ist eines der beliebtesten Rennen der Welt, aber auch einer der härtesten Marathons. Mit fast 250 Höhenmetern bergauf, den Brücken rund um Manhattan und den Wellen in Central Park wird der Kurs niemandem etwas schenken. Hellen Obiri und Benson Kipruto kennen das Spiel und sind da, um ihre Titel zu verteidigen. Die Kenianerin kommt mit Rückenwind zurück, nachdem sie im Vorjahr den Streckenrekord um fast drei Minuten pulverisiert hatte (2:19:51), während Kipruto Alexander Mutiso um nur 16 Hundertstel geschlagen hatte. Dieses epische Fotofinish in Central Park hat jeder noch vor Augen.
Im Männerfeld sind außerdem zwei frühere Sieger zu beachten: Geoffrey Kamworor (2017, 2019) und Abdi Nageeye (2024), dazu der US-Rekordmann Conner Mantz (2:04:43). Zouhair Talbi, eingebürgert in den USA, ist ebenfalls dabei und will nach Platz 5 in Boston in 2:03:45 ganz vorne mitmischen. Das Duell der beiden US-Läufer verspricht groß zu werden. Deresa Geleta (Zweiter in Tokio 2025) ist ebenfalls einer, den man auf dem Zettel haben muss. Die große Nachricht ist aber auch der Schwede Andreas Almgren , der New York für sein Marathon-Debüt ausgewählt hat. Der ehemalige 800-m-Läufer ist seit dem Wechsel auf die langen Strecken durchgestartet. Frisch zum 10.000-m-Europameister in Birmingham gekrönt, hatte er im Vorjahr bei der 10.000-m-WM in Tokio Bronze geholt. Als Europarekordler über Halbmarathon (58:41) sind seine ersten 42,195 km heiß erwartet.
Bei den Frauen heißt die Topfavoritin neben Obiri Sifan Hassan. Ihre Vita spricht für sich: dreifache Olympiasiegerin, dreifache Weltmeisterin... Nach Siegen in Chicago, London und Sydney geht die Niederländerin klar auf Sieg, um es besser zu machen als ihr 6. Platz hier im Vorjahr. Mit ihr müssen auch Sheila Chepkirui (Siegerin 2024 und Dritte im Vorjahr), Gotytom Gebreslase (Weltmeisterin 2022) und Julia Paternain (WM-Bronze im Vorjahr) eingeplant werden. Auch die US-Läuferinnen wollen auffallen. Besonders viel Aufmerksamkeit bekommt Jessica McClain. Nach einem starken 5. Platz in Boston in diesem Jahr in 2:20:49 (beste US-Leistung auf der Strecke) will sie nachlegen. Insgesamt bringen die Elitefelder in New York 25 olympische Medaillengewinner und 22 nationale Rekordhalter an die Startlinie... das wird ein Spektakel.
New-York-Marathon 2026
Datum : 1. November 2026
Streckenrekord : 2:04:58 (Männer), 2:19:51 (Frauen)
Favoriten (Männer) : Benson Kipruto (Kenia, 2:02:16), Deresa Geleta (Äthiopien, 2:02:38), CyBrian Kotut (Kenia, 2:03:22), Zouhair Talbi (USA, 2:03:45), Abdi Nageeye (Niederlande, 2:04:20), Conner Mantz (USA, 2:04:43), Andreas Almgren (Debüt)
Favoritinnen (Frauen) : Sifan Hassan (Niederlande, 2:13:44), Hellen Obiri (Kenia, 2:15:53), Sheila Chepkirui (Kenia, 2:17:29)
Valencia-Marathon: Yomif Kejelcha und Fotyen Tesfay für einen doppelten Weltrekord?
Valencia 2026. Das große Finale. Wird es endlich das Jahr des Valencia-Marathons? In den letzten zehn Jahren hat das Rennen eine internationale Dimension angenommen, die niemand mehr ignorieren kann. Man kommt hierher, um schnell zu laufen, und das hat die Weltspitze verstanden. Valencia ist kein Major, klar, aber braucht es das wirklich? Mit dem Platinum-Label, der höchsten World-Athletics-Kategorie, zieht das Event jedes Jahr die besten Athleten der Welt an. Sawe, Kiptum, Tolat, Jepkosgei, Jepchirchir, Beriso, sie alle waren schon in der Ciudad del Running”. Yomif Kejelcha kennt die Gegend ebenfalls gut: Er ist in den letzten drei Jahren jeweils den Valencia-Halbmarathon gelaufen. Der Äthiopier, eine echte Rakete auf der Bahn mit beeindruckender Titelsammlung, gab dieses Jahr in London sein Marathon-Debüt. Was dann passierte, kennt man: 1:59:41. Sub2h beim ersten Marathon.
In Valencia hat die adidas-Rakete dieses Jahr nur einen Gedanken: noch schneller. Der Veranstalter verspricht eine Prämie von 1 Million Euro für einen Weltrekord, ein Novum im Marathon. Die Erwartungen sind riesig und gleichzeitig absolut realistisch. Nachdem er sich zuletzt in Buenos Aires mit 56:51 den Halbmarathon-Weltrekord zurückgeholt hat, hat er der Laufwelt ein unüberhörbares Signal geschickt. Und auf Valencias pfeilflachem Kurs ist eine weitere 1:59er-Zeit für ihn mehr als denkbar.
In den Straßen Valencias trifft er auf Titelverteidiger John Korir, zudem zweifacher Boston-Sieger (PB 2:01:52). Als temperamentvoller, offensiver Läufer hat Korir diesmal eine wissenschaftlichere Trainings-Route gewählt, mit Unterstützung der Wake Forest University in North Carolina. Das Duell mit Yomif Kejelcha verspricht ein Klassiker zu werden, sein Streckenrekord ist in großer Gefahr. Ebenfalls im Kampf um die Spitzenplätze: Alexander Mutiso (2:03:11), Major-Podiums-Dauergast und London-Sieger 2024.
Bei den Frauen wird es ebenfalls rasend schnell. Topfavoritin ist keine Geringere als Fotyen Tesfay. Die Äthiopierin hat gleich zu Jahresbeginn bei ihrem Marathon-Debüt in Barcelona mit 2:10:51 für Furore gesorgt, der zweitschnellsten Zeit der Geschichte. Auf einem noch schnelleren Rennen wie Valencia und mit mehr Erfahrung ist der Weltrekord ganz klar ihr Ziel. Dabei bekommt sie Konkurrenz: Titelverteidigerin Joyciline Jepkosgei (2:14:00, Streckenrekord vom Vorjahr) ist ebenfalls dabei. Das Duell verspricht Hochspannung, und die Chance auf einen doppelten Weltrekord (Männer und Frauen) war auf Valencias berühmtem blauen Teppich im Ziel nie größer. Auch die US-Amerikanerin Emily Sisson steht angekündigt an der Startlinie, mit der Hoffnung, ihren US-Rekord von 2:18:29 zu verbessern.
Valencia-Marathon 2026
Datum : 6. Dezember 2026
Streckenrekord : 2:04:58 (Männer), 2:19:51 (Frauen)
Favoriten (Männer) : Yomif Kejelcha (Äthiopien, 1:59:41), John Korir (Kenia, 2:02:24), Alexander Mutiso (Kenia, 2:03:11)
Favoritinnen (Frauen) : Fotyen Tesfay (Äthiopien, 2:10:52), Joyciline Jepkosgei (Kenia, 2:14:00)
Tamirat Tola fehlt
Ganz ohne prominente Ausfälle geht es diesen Herbst trotzdem nicht. Sabastian Sawe, wie gesehen, fehlt in Berlin, aber nichts spricht dagegen, dass er im Dezember in Valencia schnell zurück sein könnte, wenn er zügig von der Verletzung genest: Die Aussicht auf eine Neuauflage des verrücktesten Rennens der Geschichte, diesmal gegen Yomif Kejelcha, lässt jeden Running-Nerd träumen. Ein weiterer auffälliger Name auf der Abwesenheitsliste: Tamirat Tola. Olympiasieger 2024 und Streckenrekordler in New York, der Äthiopier taucht in keinem der angekündigten Herbst-Elitefelder auf.
Diese Herbstsaison wird schlicht unglaublich. Pure Pace in Chicago und Valencia, nationale Rekorde, die reihenweise fallen dürften, und vielleicht, warum nicht, ein doppelter Weltrekord am Ende der Zielgeraden von Valencia auf dem berühmten blauen Teppich. Nach den Träumen von London im Frühjahr war die Wahrscheinlichkeit nie größer.
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