Der Club der 100: die Marathonverrückten unter sich
Die Laufszene ist voller leidenschaftlicher Ausdauersportler. Menschen, die nie genug bekommen und Kilometer verschlingen wie andere Burger mit Pommes. Unter ihnen gibt es eine besonders hartnäckige Gemeinschaft: Läuferinnen und Läufer mit mindestens 100 Marathons in der Bilanz. Ja, 100. Völlig irre.
Eine Gemeinschaft von happy few oder besser: von crazy few Marathonbesessenen zu gründen, ist keine neue Idee. Auch wenn der erste offizielle « 100 Marathon Club » in England erst 2005 gegründet wurde, gab es Läufer mit mindestens 100 Marathons in der Bilanz schon lange zuvor. Wie dem auch sei: Die Gründung dieses ursprünglichen Clubs war der kleine Funke, der sich bald international ausbreiten sollte. Ähnliche Gruppen entstanden später in Deutschland, den USA, Dänemark, Belgien, Norwegen … und Frankreich!
Das Beaujolais, Wiege des französischen Club der 100
Im Land von Baguette, Baskenmütze und Wein konnte das Abenteuer des Club der 100 eigentlich nur beim Marathon International du Beaujolais beginnen. Hier, inmitten der Weinberge, findet mit Verkostungen an den Verpflegungsstellen, Kostümen und der berühmten « Nuit du Marathon » der wohl ausgelassenste Laufevent Frankreichs statt. Seit 2010 ist André Monier im Organisationskomitee aktiv. « Ich habe unbekannte Läufer mit einer beeindruckenden Bilanz entdeckt und einige von ihnen kennengelernt », erzählt André Monier. « Im darauffolgenden Jahr haben wir sie eingeladen. Sie kamen, weil das Beaujolais genau zu ihrem sportlichen Projekt passte: ein geselliger Marathon mit familiärer Atmosphäre. » Über die Jahre wuchs die Gruppe auf rund hundert Mitglieder an, die inzwischen eine echte Freundschaft verbindet. « Da kam mir die Idee zu einem Club der 100, um sie zusammenzubringen », ergänzt André Monier.
Die Jagd nach den Ziellinien
Wer in diesen exklusiven Sportzirkel aufgenommen werden will, muss seine Laufbilanz vorweisen können. Nach dem Vorbild des britischen 100 Marathon Club haben die « associate members » noch keine 100 Marathons absolviert, müssen aber bereits 50 geschafft haben. Wer die Hundert schon überschritten hat, ist « full member ». Das eifrigste Mitglied des Club der 100 kommt sogar auf 800 Ziellinien! Ja, klar: Einige haben ein stattliches Alter erreicht, andere zumindest ein gewisses Alter. Auch wenn lange Distanzen seit einiger Zeit immer mehr zum Alltag gehören, nicht zuletzt durch den Boom der Ultratrails, bei denen 40 Kilometer inzwischen als « kurze » Distanz gelten (sic), sind hundert Marathons beileibe kein Spaziergang. Dafür muss man sich über viele Jahre hinweg ins Zeug legen und trotzdem vernünftig bleiben, wenn man nicht unterwegs die Segel streichen oder die Laufschuhe wegen eines völlig zerschlissenen Körpers endgültig an den Nagel hängen will. Also heißt es, Saison für Saison geduldig darauf zu warten, dass der Stapel der Finishermedaillen im Regal weiter wächst.
Die Liebe zur Ziellinie … und zu den Freunden!
Die meisten crazy few des Club der 100 laufen nicht wirklich gegen die Uhr. Ihre Bilanz bemisst sich eher an der Zahl der beendeten Marathons als an der persönlichen Bestzeit. Ihr Glück finden sie darin, neue Orte zu entdecken und andere Gleichgesinnte kennenzulernen. Zugegeben: In diesem Kilometerhunger steckt oft auch ein gewisses Suchtpotenzial. Die Sucht nach Sport, die jeder regelmäßige Läufer gut kennt, aber auch die Abhängigkeit von den Emotionen, die ein Marathon freisetzt.
Beim Marathon International du Beaujolais, dem jährlichen Treffpunkt des französischen Club der 100, werden seine Mitglieder besonders empfangen. « Wir ehren und würdigen sie. Bei der 20. Ausgabe im vergangenen Herbst haben wir sie während der Nuit du Marathon auf die Bühne gebeten. Außerdem sind sie mit der neuen Clubfahne aufmarschiert, die wir 2024 gestaltet haben », erzählt André Monier. « Dieser Club ist ein Mikrokosmos. Er bringt Menschen zusammen, die gerne beieinander sind und gemeinsam feiern. » Das Gefühl von Anerkennung und Zugehörigkeit dürfte die Motivation dieser 42,195-Kilometer-Besessenen zusätzlich stärken. « Der Club gibt dem Individualsport Straßenlauf auch eine gemeinschaftliche Dimension », sagt André Monier abschließend.
Ein solidarischer Geist, der guttut … und den Stapel der Finishermedaillen im Regal weiter wachsen lässt!