Die Self-Transcendence 3100 Mile Race: der längste Lauf der Welt
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
5000 Kilometer. So lang ist der offiziell längste Lauf der Welt, der jedes Jahr in Queens, New York, stattfindet. Der von dem spirituellen Lehrer Sri Chinmoy ins Leben gerufene Lauf schickt seine Teilnehmer auf eine mehr als 40-tägige Reise.
Seit 1997 stellt sich jeden Sommer eine Handvoll Ultramarathonläufer im New Yorker Stadtteil Queens einem außergewöhnlichen Abenteuer. Ihr Ziel: 3100 Meilen, also knapp 5000 Kilometer, in weniger als 52 Tagen auf einer gerade einmal … 883 Meter langen Stadtrunde zurückzulegen! 5000 Kilometer, das entspricht in etwa der Breite Europas. Atemberaubende Landschaften, die den Läufern ihre Aufgabe erleichtern oder dieser Prüfung einen Sinn geben könnten, sucht man hier vergeblich. Die Teilnehmer laufen von 6 Uhr morgens bis Mitternacht und spulen jeden Tag mehr als die Distanz von zwei Marathons ab.
Hinter dem Lauf steht eine Philosophie, die auf seinen Gründer zurückgeht: Sri Chinmoy, eine oft bewunderte, mitunter umstrittene Persönlichkeit. Zu Lebzeiten galt Sri Chinmoy (1931–2007), der lange in New York lebende Poet und Musiker, als international bedeutende Stimme für Dialog und Frieden. Seit den 1970er-Jahren veranstaltete er bei den Vereinten Nationen Meditationssitzungen für Diplomaten und internationale Beamte. Seine Botschaft, die zum Verständnis zwischen den Völkern aufruft, brachte ihm Einladungen zu zahlreichen internationalen Veranstaltungen ein. Als echter Diplomat traf er regelmäßig die Großen dieser Welt. Mit Initiativen wie dem Peace Run rief er weltweit Sportstaffeln ins Leben, die für den Weltfrieden werben sollten. Zugleich war er ein großer Fürsprecher körperlicher Aktivität, die seiner Ansicht nach der „Selbstüberwindung“ dient. Genau so lässt sich der Name Self-Transcendence 3100 Mile Race ins Französische übertragen.
Der längste Lauf der Welt auf einer … 883-Meter-Runde!
Die Self-Transcendence 3100 Mile Race gilt als längster offiziell anerkannter Lauf der Welt. Seit 1997 wird sie vom Sri Chinmoy Marathon Team (SCMT) organisiert. Das Prinzip ist simpel: 4989 Kilometer auf einem 883 Meter langen, abgesperrten Stadtkurs im New Yorker Stadtteil Jamaica (Queens). Für die Strecke stehen den Teilnehmern maximal 52 Tage zur Verfügung. Das entspricht im Schnitt knapp 96 Kilometern pro Tag. Zwei Marathons an einem Tag, und das mehr als einen Monat lang. Der Lauf beginnt traditionell Mitte Juni und zieht nur eine sehr begrenzte Zahl an Teilnehmern an, häufig sind es weniger als fünfzehn. Die Lauftage beginnen um 6 Uhr und enden um Mitternacht. Den Athleten bleiben damit nur wenige Stunden Erholung, bevor es weitergeht. Die Prüfung ist extrem selektiv.
Seit 1997 haben nur rund fünfzig Menschen die Ziellinie innerhalb des Zeitlimits erreicht. Den Männerrekord hält der Finne Ashprihanal Aalto. Er gewann 2015 nach 40 Tagen, 9 Stunden und 6 Minuten und legte dabei mehr als 122 Kilometer pro Tag zurück. Der Rekord steht im Guinness-Buch der Rekorde. Die 3100 Mile Race fasziniert auch wegen ihrer Härte: Mehr als 5600 Runden auf demselben Häuserblock, wieder und wieder über einen Zeitraum von mehr als einem Monat. Eine zermürbende Herausforderung, mental vermutlich ebenso anspruchsvoll wie körperlich. Keine Naturkulisse, die hilft, keine Möglichkeit zur Flucht. Mit dieser in den Alltag eingebetteten Strecke vermittelte Sri Chinmoy seinen Schülern vermutlich eine Botschaft.
Sri Chinmoy und die Entstehung eines „spirituellen“ Laufs
Der Lauf ist eng mit der Persönlichkeit von Sri Chinmoy verbunden, einem spirituellen Lehrer, der sich ab den 1960er-Jahren in den USA niederließ. 1931 in Bangladesch geboren, entwickelte er früh eine spirituelle Praxis, die vom Hinduismus und von Meditation geprägt war. Nach seiner Ankunft in New York gründete er eine internationale spirituelle Bewegung und ermutigte seine Schüler, körperliche Aktivität mit innerer Entwicklung zu verbinden. Sri Chinmoy liebte den Sport und sah darin einen Weg, die eigenen Grenzen zu verschieben. Seit seiner Jugend begeisterte er sich für körperliche Aktivität und entwickelte schon früh ein intensives Training innerhalb der Gemeinschaft, in der er aufwuchs. Besonders stark war er im Fußball und Volleyball, aber auch in den Sprintdisziplinen, in denen er über viele Jahre die besten Leistungen seiner Gruppe erzielte.
Damals lief er die 100 Meter in 11,30 Sekunden. Ab den 1970er-Jahren wandte er sich zunehmend dem Langstreckenlauf und der Ultraausdauer zu. Marathons, Ultramarathons und tägliches Training nahmen nun einen zentralen Platz in seinem Leben ein. Sri Chinmoy trainierte mit großer Konsequenz und absolvierte mitunter bis zu drei Einheiten am Tag, vom Sonnenaufgang bis spät in den Abend. Diese enorme Forderung, die in psychischen Druck umschlagen konnte, war einer der Vorwürfe seiner Kritiker.
Parallel zu seinem eigenen Training gründete er 1977 das Sri Chinmoy Marathon Team, eine Organisation, die schon bald Langstrecken- und Ultraausdauerläufe veranstaltete. Für ihn war der Laufsport ein Weg, die Grenzen des Menschen auszuloten und eine Form persönlicher Selbstüberwindung zu erreichen. Gleichzeitig dienten die Läufe als Schaufenster für seine Organisation. 1996 rief Sri Chinmoy zunächst einen 2700-Meilen-Lauf ins Leben. Im folgenden Jahr erhöhte er die Distanz auf 3100 Meilen. Diese extremen Leistungen verstand er als Möglichkeit, ungeahnte mentale und spirituelle Ressourcen sichtbar zu machen. Ultraläufer sprechen häufig von Introspektion, Meditation in Bewegung oder intensiven inneren Erfahrungen. Der US-Amerikaner Dean Karnazes sprach im vergangenen April in diesen Worten über den Ultramarathon.
Und in Frankreich?
Nach dem Tod von Sri Chinmoy im Jahr 2007 wurde der Lauf von Mitgliedern seiner Organisation weiterveranstaltet. Auch die Bewegung ist weltweit weiterhin sehr aktiv, unter anderem in Frankreich. Der Begriff spirituell löst in Frankreich eher Unbehagen aus. Das Land hat sich mehrfach mit dem Wirken des einflussreichen hinduistischen Lehrers befasst, den manche als Guru betrachten. Doch keiner der zwischen 1995 und 2025 veröffentlichten parlamentarischen Berichte weist auf Verstöße innerhalb der Organisation hin, die weiterhin zahlreiche Friedensläufe veranstaltet.
Die französische Sektion des Sri Chinmoy Marathon Team (SCMT) organisiert mehrere Laufveranstaltungen und Sportevents, die sich vor allem auf Ausdauer und Wohlbefinden konzentrieren. Zu den bekanntesten Veranstaltungen gehören die Courses de la Paix, die in verschiedenen französischen Städten stattfinden, sowie 6-, 12- und 24-Stunden-Läufe für Freunde der Ultradistanz. Diese Wettbewerbe stehen in der Regel allen offen und setzen auf einen nicht wettkampforientierten Ansatz: persönliche Entwicklung, Gemeinschaft und langes Durchhalten stehen im Mittelpunkt.