Help’US, der Schutzengel für Läufer in Frankreich

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Von Emma Bert

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Help’US, der Schutzengel für Läufer in Frankreich
© Help'us

Laufen steht für Freiheit und den Willen, über sich hinauszuwachsen. Doch dieses Gefühl von Leichtigkeit wird manchmal von Angst überschattet. In Frankreich laufen mehr als 12,4 Millionen Menschen regelmäßig, knapp die Hälfte davon sind Frauen. Viele fühlen sich dabei nicht immer sicher. Diese Sorge hält manche vom Laufen ab. Genau hier setzt die App Help’US an.

92 % der Frauen machen sich beim Laufen Sorgen um ihre Sicherheit. Das zeigt eine Studie, die adidas 2023 mit 9000 Läuferinnen und Läufern durchgeführt hat. Betroffen sind jedoch nicht nur Frauen. Auch Jüngere und manche Männer kennen dieses Gefühl. Die Unsicherheit führt oft dazu, bestimmte Orte oder Tageszeiten zu meiden und manchmal sogar ganz auf den Lauf zu verzichten. Wenn die Tage kürzer werden, stellt sich die Frage besonders dringlich.

Help’US, eine französische App für mehr Sicherheit beim Laufen

Drei Experten für privaten Schutz haben Help’US im März 2025 gestartet. Das einfache und schnelle Alarmsystem soll in Notfällen wie Übergriffen, medizinischen Problemen, Unfällen oder Bedrohungen helfen. Mit Live-Ortung, Bereitschaftsmodus und SOS-Alarm bietet Help’US innerhalb weniger Sekunden Unterstützung oder Hilfe. Bei Gefahr oder einem unguten Gefühl ist rund um die Uhr ein geschulter Mitarbeiter in der eigenen Leitstelle erreichbar. Er kann eingreifen, den Rettungsdienst alarmieren und die gesamte Rettungs- und Hilfskette koordinieren.

Bis heute wurde die App von mehr als 5000 Menschen heruntergeladen, mit einem deutlichen Anstieg zum Schuljahresbeginn. Help’US richtet sich an alle, aber auch ausdrücklich an Läuferinnen und Läufer, und ist ein vom französischen Innenministerium zugelassener Dienst. Das Prinzip: Über den SOS-Button schnell, effektiv und diskret Hilfe rufen. „Wenn eine Joggerin das Gefühl hat, verfolgt zu werden, kann sie den Dienst nutzen, um ihre Situation zu melden und Hilfe anzufordern, ohne das Telefon ans Ohr halten, sprechen oder ihren Standort erklären zu müssen“, sagt einer der Gründer, David Amsellen.

© Help’US

Hilfe in Notfallsituationen

Eine der Stärken des Dienstes ist die Ortung. Sie spart im Vergleich zu einem herkömmlichen Anruf bei der Polizei Zeit und liefert einen genaueren Standort. „Es ist schwierig, mit einem Dienst zu kommunizieren, wenn man zum Beispiel einem Angreifer gegenübersteht. Mit Help’US öffnet man die Plattform und erreicht per SOS-Button mit zwei Klicks und in drei Sekunden unsere vom Innenministerium zugelassene private Leitstelle.“ Man muss keine Zeit damit verlieren, den eigenen Standort oder die Situation zu erklären. Die Plattform erleichtert den gesamten Vorgang. Sportlerinnen und Sportler können damit nicht nur ungewöhnliche Situationen melden, sondern auch Stürze, Kreislaufprobleme oder Verletzungen, bei denen schnelle Hilfe erforderlich ist.

Die Mitarbeiter sind rund um die Uhr erreichbar und verständigen bei Bedarf den Rettungsdienst. Die App ermöglicht eine sofortige Ortung und eine laufende Live-Verfolgung, solange der Nutzer den Alarmmodus aktiviert lässt. Das Personal kann dann auf Mikrofon und Frontkamera des Telefons zugreifen, um die Situation einzuschätzen. Die betroffene Person, etwa eine Läuferin, kann trotzdem weiterlaufen und zusätzliche Informationen geben, zum Beispiel laut „Hören Sie auf, mir zu folgen!“ sagen. David Amsellen betont: „Sie spricht dabei nicht direkt mit ihrem Telefon, damit der Angreifer keinen Verdacht schöpft.

Hilfe in weniger als 90 Sekunden

Nachdem der Mitarbeiter das Problem erkannt hat, alarmiert er je nach Situation Feuerwehr, Polizei oder Gendarmerie. „Dank aller akustischen und visuellen Informationen sowie der Ortung kann unser Dienst die richtigen Einsatzkräfte schneller zum richtigen Ort schicken, als wenn der Nutzer selbst den Notruf absetzen müsste. Und vielleicht hat er davor auch Angst“, erklärt einer der Gründer. Die Mitarbeiter wenden sich dabei nicht an örtliche Polizeiwachen oder Gendarmeriestationen. Sie kontaktieren direkt die nächstgelegenen regionalen Leitstellen, die die Einsatzfahrzeuge koordinieren. So können die Kräfte besonders schnell an den richtigen Ort geleitet werden. Die Mitarbeiter schildern den Behörden die Situation und übermitteln ihnen einen zeitlich begrenzten Link, über den sich die betroffene Person in Echtzeit verfolgen lässt.

Alle akustischen und visuellen Informationen werden aufgezeichnet, sobald der SOS-Button aktiviert wird. Als zugelassener Dienst ermöglicht Help’US, dass diese Beweismittel bei einer Anzeige vor Gericht verwertbar sind.

Der Alarm wird wie eine SMS versendet und benötigt daher zumindest eine minimale Netzverbindung. David Amsellen erklärt, dass 95 % des französischen Staatsgebiets abgedeckt sind und die Ingenieure an den verbleibenden 5 % arbeiten. Die Ortung erfolgt per Satellit und kann daher von überall aus geteilt werden. „In Funklöchern kann die Sprachverbindung abgehackt sein. Auch ohne Sprachkontakt werden Einsatzkräfte zum Standort geschickt, um die Situation anhand der in Echtzeit übermittelten GPS-Position zu klären“, ergänzt der Mitgründer.

Der Begleitmodus für Läuferinnen und Läufer

Eine weitere Funktion, die Läuferinnen und Läufer schätzen, ist das Teilen des eigenen Standorts mit bis zu fünf Vertrauenspersonen. Die Begleitpersonen können den Läufer oder die Läuferin dank der präziseren Ortung laufend verfolgen. Wer den Link erhält, kann jederzeit nachfragen, ob alles in Ordnung ist. Die sporttreibende Person kann mit einem Klick per Daumen nach oben oder unten antworten, ohne etwas schreiben zu müssen. „Der Daumen nach unten ist praktisch, weil die Begleitperson darüber auch aus der Ferne den SOS-Alarm auslösen und/oder zuhören und sehen kann, was passiert. Danach übernehmen unsere Mitarbeiter das Telefon und kümmern sich bei Bedarf um alles Weitere.

Es überrascht daher nicht, dass Frauen einen großen Teil der Nutzer ausmachen, da sie von diesen Problemen besonders häufig betroffen sind. Help’US arbeitet außerdem mit Organisationen gegen Gewalt an Frauen zusammen, darunter „125 et après“ und „Krav Women Protect“. Auch Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren stellen einen wichtigen Anteil der Downloads.

Der Dienst ist kostenlos, der Zugang zur privaten und zugelassenen Notrufzentrale kostet jedoch 3,99 € im Monat oder 27,99 € im Jahresabo. Damit spart man 20 %. Der Begleitmodus ist kostenlos, der Zugang zum SOS-Button oder zum Button „Zeuge eines Gewaltdelikts“ dagegen kostenpflichtig. Ein erschwinglicher Preis, „günstiger als ein Netflix-Abo.

Eine Community als nächstes Ziel

Help’US will sein Angebot in den kommenden Monaten und Jahren weiter ausbauen. Das wichtigste Ziel für künftige Versionen ist der Aufbau einer Community nach dem Vorbild von Waze. „Wir wollen nach demselben Prinzip arbeiten: Die Menschen sollen sich gegenseitig warnen, sobald irgendwo eine potenzielle Gefahr auftaucht. Ob zu Fuß, mit dem Fahrrad oder im Auto, es könnte verschiedene Kategorien geben, etwa das Risiko eines Taschendiebstahls“, erklärt David Amsellen.

Die Gründer stehen bereits mit dem französischen Innenministerium im Austausch, um Nutzer auf mögliche Gefahrensituationen an einem bestimmten Ort und zu einem bestimmten Zeitpunkt hinzuweisen. Dieses System soll weiter ausgebaut werden. „Ein Nutzer könnte ein Ereignis melden und damit andere Personen warnen, die in einen problematischen Bereich kommen. Das ist für kommende Entwicklungen vorgesehen.

Eine Nutzerin berichtet

Marion Villalard ist Läuferin und nutzt Help’US seit knapp sechs Monaten. Die Pariserin arbeitet nachts als Luxus-Concierge und ist außerdem im internationalen Modelgeschäft tätig. Ihr Lebensrhythmus führt dazu, dass sie häufig nachts zwischen Mitternacht und drei Uhr laufen geht. „Ich fühle mich in Paris nicht mehr wirklich sicher. Seit ich Help’US heruntergeladen habe, bin ich entspannter. Diese Lösung könnte mir eines Tages das Leben retten oder mir einfach helfen. Sie kann jederzeit nützlich sein“, erzählt die Sportlerin. Den SOS-Button, der auf der Startseite ihres Telefons gut sichtbar ist, musste sie bisher noch nicht nutzen.

Bei ihren Läufen hat die Model ihren Anruf jederzeit griffbereit und kennt die App „in- und auswendig“. Sie liegt direkt neben Instagram. Die Live-Ortung teilt sie mit einer Begleitperson, ihrer besten Freundin. „Ich wurde schon verfolgt, habe Beleidigungen erlebt und beängstigende Situationen durchgemacht. In diesen Momenten hätte ich Help’US gerne gehabt. Mir ist meine Freiheit wichtig, dorthin zu gehen, wo ich möchte, wann ich möchte. Ich finde das Konzept der App großartig. Dank Help’US weiß ich, dass jemand auf mich aufpasst. Das gibt mir Sicherheit.“

Zusammengefasst

Für 3,99 € im Monat bietet Help’US:

➜ Eine Echtzeit-Ortung, mit der Angehörige und Rettungskräfte die gefährdete Person präzise lokalisieren können.

➜ Eine diskrete Möglichkeit, bei einer Bedrohung einen Alarm auszulösen

➜ Einen „spontanen Begleitmodus“, der die Umgebungsgeräusche aufzeichnet und die Begleitpersonen warnt, wenn sie eine Unregelmäßigkeit oder keine Reaktion feststellen

➜ Einen schnellen Einsatz von Rettungsdienst oder Polizei, der innerhalb von 90 Sekunden ausgelöst wird

➜ Die Möglichkeit, für riskante Wege präventive Alarme festzulegen

Angst sollte niemals den Bewegungsdrang von Läuferinnen und Läufern bremsen. Help’US bietet eine einfache und effektive Möglichkeit, den Sport unbeschwerter auszuüben. Mit mehr als 5000 Nutzern scheint die Plattform eine vielversprechende Zukunft vor sich zu haben.

Alle Informationen auf der Website von Help’US.