Laufschuhe auswählen: Auf welche Tests kann man sich verlassen?
Der Markt für Laufschuhe boomt. Doch wie findet man das Modell, das wirklich zu einem passt? Im Internet und in Fachmagazinen gibt es unzählige Tests, auch hier bei uns. Aber woran erkennt man, ob ein Test verlässlich ist?
Zunächst sollte man wissen, dass es meist die Marken selbst oder ihre Vertreter, also PR-Agenturen, sind, die ausgewählten Akteuren kostenlos Laufschuhe zur Verfügung stellen: Fachmedien, Influencern oder Bloggern. Sie entscheiden also, wer die Gelegenheit erhält, ihre Produkte zu testen. Um die Aussagekraft eines Tests einzuschätzen, sollte man mehrere Kriterien berücksichtigen. Das gilt übrigens ebenso, wenn man die Verlässlichkeit von Empfehlungen zu Training, Ernährung und anderen Themen beurteilen möchte.
Wer testet die Schuhe?
Zuerst gilt es herauszufinden, wer genau den Test durchführt: Welche sportliche Erfahrung hat die Person? Läuft sie seit einigen Wochen, Monaten oder Jahren? Wie groß ist ihre technische Expertise, sprich: Testet sie regelmäßig unterschiedliche Produkte? Welche Statur hat sie: groß, klein, leicht oder schwer? Auf welchem Niveau läuft sie: Freizeitsport, Wettkampf oder Leistungssport? Welche Distanzen bevorzugt sie: 10 Kilometer, Halbmarathon, Marathon, kurze Trailrennen oder Ultratrail?
All diese Fragen helfen dabei, mögliche „Verzerrungen“ des Tests besser einzuordnen. Denn so objektiv man auch sein möchte und so groß die eigene Expertise sein mag: Die Analyse wird zwangsläufig von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Damit ein Test möglichst neutral ausfällt, müsste man deutlich wissenschaftlicher und rationaler vorgehen, als nur eine einzelne Person oder eine kleine, nicht repräsentative Gruppe von Läuferinnen und Läufern ein Paar Schuhe im Gelände testen zu lassen.
Welche Verbindungen bestehen zwischen dem Tester und der getesteten Marke oder ihren Konkurrenten?
Es versteht sich von selbst, dass ein Tester, der von einer Marke gesponsert oder bezahlt wird, ein Modell dieser Marke kaum offen kritisieren wird. Dafür könnte er dazu neigen, die Schwächen eines Modells des direkten Konkurrenten seines Sponsors hervorzuheben. Interessenkonflikte müssen unbedingt offengelegt werden, damit man einen neutralen Test von einer reinen Marketingmaßnahme unterscheiden kann.
In welchem Medium wird der Test veröffentlicht?
Wird der Test des Schuhpaars nicht direkt auf dem Account eines Influencers oder im Blog des Testers veröffentlicht, kann er in einem gedruckten Fachmagazin oder in einem digitalen Medium erscheinen. Dann sollte man zunächst klären, um welche Art von Medium es sich handelt: Ist es ein Fachmagazin für Laufen und/oder Trailrunning? Richtet es sich an ein lokales, regionales, nationales oder internationales Publikum? Wie hoch ist die fachliche Kompetenz der Publikation und damit auch ihrer Autoren? Ist das Medium weitgehend unabhängig oder gehört es zu einem großen Konzern, der möglicherweise selbst Laufmarken besitzt? Gehört die Website zu einer Laufmarke oder einem Fachgeschäft? Auch diese Fragen helfen dabei, mögliche kommerzielle Interessen zu erkennen und die Verlässlichkeit sowie Objektivität der Inhalte einzuschätzen.
Unter welchen Bedingungen wurde getestet?
Und nicht zuletzt: Die Testbedingungen sind ein entscheidender Punkt. Jeder Laufschuh-Test sollte die praktischen Rahmenbedingungen genau benennen: Wie viele Kilometer wurden mit den Schuhen zurückgelegt? Auf welchem Untergrund? Unter welchen klimatischen und/oder Wetterbedingungen? Ein Trailrunningschuh, der in einem Stadtpark getestet wird, erhält selbstverständlich eine andere Bewertung als auf einem stark zerklüfteten Bergpfad. Ebenso kann ein 45-minütiger Test auf der Straße nicht dieselbe Aussagekraft haben wie ein längerer Test über rund zehn lockere Läufe und Intervalltrainingseinheiten.
Auch wenn Tests von Laufschuhen unbestritten wertvolle Orientierung bei der Kaufentscheidung bieten, sollte man sie als das betrachten, was sie tatsächlich sind: empirische Erprobungen, die bei aller Sorgfalt und Objektivität nicht unfehlbar oder allgemeingültig sind und stets gewissen Verzerrungen unterliegen. Ein Test kann also die individuelle Auswahl erleichtern und vermutlich vor groben Fehlkäufen bewahren, die eigene Erfahrung ersetzt er jedoch nie. Der beste Tester, wenn es um den für dich idealen Schuh geht, bist du selbst!