Nike und Hyperice bringen mit dem Hyperboot einen Schuh für Warm-up und Regeneration
Nike kennt man als Vorreiter der Carbon-Laufschuhe, die den Runningmarkt revolutioniert haben. Oder als Hersteller der beliebten Aeroswift-Laufbekleidung. Die Marke mit dem Swoosh überrascht weiter: Gemeinsam mit Hyperice bringt Nike den Hyperboot auf den Markt. Die Normatec-Kompressionsstiefel sollen Athletinnen und Athleten bei der Vorbereitung unterstützen.
Die Ankündigung des Hyperboot, den Nike gemeinsam mit Hyperice entwickelt hat, rückt einmal mehr die Innovationskraft der Marke ins Rampenlicht. Diese Zusammenarbeit lässt niemanden kalt. Der Hyperboot ist ein tragbares System, das Aufwärmen und Regeneration verbessern und damit die Leistung optimieren soll. Eine bessere Durchblutung, weniger Muskelverspannungen, eine Aktivierung der neuromuskulären Ansteuerung und eine beschleunigte Erholung: Die Versprechen des Herstellers sind zahlreich.
Laut Nike lässt sich mit diesem Paar der Körper vor einem Arbeitstag, Training oder Wettkampf auf die Belastung vorbereiten. Das Versprechen der Marke: ein Schuh, der Fuß und Knöchel mithilfe eines dynamischen Kompressionssystems wärmt und massiert. Die Schuhe können vor dem Training, aber auch danach zur Regeneration getragen werden. Vor allem muss man dabei nicht wie bei klassischen Systemen an einem bestimmten Ort in einer festgelegten Position bleiben.
Normatec-Kammern mit zwei Luftaggregaten sind mit Heizelementen verbunden, die über den Schaft verteilt liegen. Die Wärme wird gleichmäßig im gesamten Obermaterial verteilt und erreicht so die Muskeln und das Gewebe von Fuß und Knöchel. Wärme und Kompressionsstufe lassen sich über eine Taste am Schuh oder aus der Ferne über die zugehörige Hyperice-App einstellen. Drei Intensitätsstufen stehen zur Verfügung, die Temperatur kann bis auf 52 °C steigen. Praktisch: Die Einstellungen der beiden Schuhe lassen sich je nach Bedarf unabhängig voneinander anpassen.
Optisch wirken die Stiefel wie recht breite, hohe Schuhe, die bis über den Knöchel reichen. Ihr Design erinnert vage an den Nike Invincible Run 2 mit seiner dicken, breiten Sohle, auch wenn die Sohle des Hyperboot stärker gewölbt ist. Geschlossen wird das Paar mit zwei breiten Riemen über dem Spann. Die maximalistischen, futuristischen Stiefel tragen den berühmten Swoosh, bleiben in Schwarz und Grau aber vergleichsweise zurückhaltend.
Ich hatte das Glück, zu den ersten Menschen zu gehören, die den Hyperboot testen durften, und war ehrlich gesagt sofort beeindruckt. Den Unterschied habe ich sehr schnell gespürt, vor allem im Training. Mit dem Hyperboot kann ich mich aufwärmen und regenerieren und dabei mobil bleiben. Das ist auf Reisen und unterwegs ein enormer Vorteil. Für eine Sprinterin wie mich zählt jede Millisekunde. Wenn Füße und Knöchel bereits aufgewärmt sind, bin ich besser darauf vorbereitet, alles zu geben.
Hyperice, Spezialist für sportliche Regeneration
Das von Philip Knight und Bill Bowerman gegründete Unternehmen hat sich für die Zusammenarbeit mit Hyperice entschieden, einem US-amerikanischen Gesundheitstechnologieunternehmen, das auf sportliche Regeneration spezialisiert ist. Diese Kooperation kommt nicht von ungefähr. Nike arbeitet gerne mit Marken zusammen, die nach Innovationen suchen. Hyperice entwickelt Produkte zur Regeneration und zur Verbesserung der Beweglichkeit, die Muskelbeschwerden lindern sollen. Das in mehr als 60 Ländern vertretene Unternehmen ist in den USA unter NBA-Basketballern, aber auch bei Tennisspielern und Fußballern bekannt. Kobe Bryant selbst unterstützte Gründer Anthony Katz bei der Entwicklung von Prototypen, bevor dieser das Unternehmen auf den Weg brachte.
Das Produkt wurde außerdem von Athleten aus den unterschiedlichsten Disziplinen getestet. Ihre Rückmeldungen flossen in die Entwicklung des Hyperboot ein, an der zwei Jahre gearbeitet wurde. Sprinterin Sha’Carri Richardson und Siebenkämpferin Nafissatou Thiam waren maßgeblich an der Entwicklung beteiligt. Richardson hob die Vorteile auf Reisen hervor, Thiam betonte, dass sie ihr Aufwärmen ohne muskuläre Steifheit beginnen könne.
Seit der Gründung von Hyperice haben wir uns stark an Nike orientiert, sowohl bei der Sorgfalt und Innovation, die wir in unsere Produkte stecken, als auch in der Beziehung zu den Athleten. Diese Zusammenarbeit ist der Höhepunkt jahrelanger Arbeit unserer beiden Marken. Unser Ziel ist es, Athleten innovative Schuhe und Bekleidung zur Verfügung zu stellen, die ihre Leistung und Regeneration verbessern. Und das ist erst der Anfang.
Kompressionsstiefel wie ganz normale Schuhe
Der Hyperboot lässt sich wie ein gewöhnlicher Schuh im Sitzen, im Stehen oder in Bewegung tragen und punktet damit vor allem im Alltag. Herkömmliche Kompressionsgeräte sind häufig sperrig und beispielsweise nur schwer zum Wettkampfort mitzunehmen. Genau hier liegt der Vorteil der Kooperation: Die hohen Schuhe werden mit Akkus betrieben und lassen sich überall problemlos einsetzen.
Nike und Hyperice machen diese Art von Ausrüstung, die man bislang vor allem aus physiotherapeutischen Praxen kennt, leichter zugänglich. Die 1,7 kg schweren Schuhe mit ihrem auffälligen Design kosten 750 €. Ein diskutabler Preis, denn komplette Systeme für die apparative Kompressionstherapie sind bereits für diese Summe erhältlich. Auch wir von Marathons.com bleiben skeptisch: Kompressionstherapie ist vor allem dann interessant, wenn das Gerät die gesamten Beine und nicht nur Füße und Knöchel komprimiert. Der Vorteil solcher Systeme liegt darin, die Beine vor der Belastung vorzubereiten oder die Regeneration nach dem Training zu beschleunigen. Sich ausschließlich auf die Füße zu konzentrieren, dürfte für viele Läuferinnen und Läufer zu kurz greifen und möglicherweise wenig wirksam sein.
Mit dem Hyperboot positionieren sich Nike und Hyperice als Pioniere bei der Entwicklung von Regenerationsschuhen. Praktisch, platzsparend und im Alltag einsetzbar: Seine größte Stärke ist die unkomplizierte Anwendung. Dieses beheizbare Kompressionspaar könnte ein erster Schritt sein, um Geräte für die apparative Kompressionstherapie einer breiteren Zielgruppe zugänglich zu machen. Ob Preis und Gewicht über den Kreis der Eliteathleten hinaus auf Akzeptanz stoßen, bleibt abzuwarten. Viele von ihnen stehen schließlich unter Vertrag bei der Marke. Die Köpfe hinter dem Projekt haben bereits angedeutet, dass die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen weitergehen soll.