Salomon S/LAB Phantasm 3 im Test: schnell, komfortabel und federleicht
Der Launch der neuen Carbon-Rennschuhs von Salomon blieb nicht unbemerkt. Nach der Präsentation in Paris und einer Kampagne mit Windkanalbildern, die an die großen Radsportteams erinnerte, verleiht die neue Salomon S/LAB Phantasm 3 der Alpenmarke im Straßenlauf zusätzlichen Schub. Salomon gehört im Outdoor-Bereich längst zur Spitze, musste sein Angebot für die Straße aber noch weiterentwickeln. Mit der dritten Phantasm-Generation positioniert sich die Marke nun neben den besten Carbon-Rennschuhen auf dem Markt. Wir haben die Salomon S/LAB Phantasm 3 in mehreren Trainingseinheiten getestet und teilen hier unsere Eindrücke.
Die richtige Balance aus Tempo, Komfort und Leichtigkeit
Salomon legt zu Jahresbeginn mit einer hochkarätigen Marketingkampagne vor, vor allem aber mit deutlichen Verbesserungen an seinem Carbonmodell. Die Marke aus Annecy hat viel investiert, um einen Wettkampfschuh für Eliteathleten zu entwickeln. Der Schuh fällt mit seinem überraschenden, geradezu futuristischen Design und der integrierten Gamasche sofort ins Auge.
Gemeinsam mit den Ingenieuren der Schweizer Marke Swiss Ride wurde der Schuh im Windkanal getestet. Die von Salomon veröffentlichten Ergebnisse sind beeindruckend: Im Vergleich zur Phantasm 2 soll der aerodynamische Widerstand um 16 bis 28 Prozent sinken. Das entspricht einem Zeitgewinn von 18 Sekunden bei einem Marathon in 2:06 Stunden. Dahinter steckt mehr als zwei Jahre Arbeit in einem bislang kaum erforschten Bereich. Salomon ist es außerdem gelungen, einen schnellen, zugleich komfortablen und leichten Schuh zu bauen. Mit gerade einmal 199 Gramm zählt das Modell zu den leichtesten Carbonschuhen auf dem Markt.
Dank einer neuen Zwischensohle bietet die Phantasm 3 mehr Schaumstoff und bleibt dabei innerhalb der Vorgaben von World Athletics (39/33 mm). Salomons Ingenieure setzen auf den superkritischen optiFOAM+-Schaum auf PEBA-Basis, der weicher und reaktionsfreudiger ist, kombiniert mit einer durchgehenden, löffelförmigen energyBLADE-Carbonplatte. Dadurch läuft es sich im Carbonschuh ausgesprochen angenehm. Dieses technologische Schmuckstück dürfte viele Straßenlaufspezialisten überzeugen.
Ist die Phantasm 3 nur etwas für Eliteathleten?
Salomon steht zu dieser Entscheidung: Das neue Spitzenmodell der Alpenmarke ist nicht für jeden Läufer geeignet. Wenn Salomons Entwicklungsteams die Tests sogar in den Windkanal verlagert haben, dann ganz sicher nicht, um einen Schuh für jedermann zu bauen. Die Vorteile machen sich ab 15 km/h bemerkbar, also bei einem Tempo, das deutlich über dem Durchschnittstempo von Marathonläufern liegt.
Abgesehen von den aerodynamischen Vorteilen sind Carbonschuhe für Läufer im hinteren Teil des Feldes meist nicht die beste Wahl. Dieses neue Modell ist eindeutig kein Schuh für lockere Dauerläufe, sondern ein echtes Wettkampf-Ass. Doch an wen richtet sich der neue Carbon-Rennschuh?
➜ An erfahrene bis hin zu Elite-Läufern
➜ An Läufer, die einen spürbaren Leistungsvorteil suchen
➜ An Läufer auf der Jagd nach einer neuen Bestzeit auf der Straße, vom 5-km-Lauf bis zum Marathon
➜ An Athleten mit großer Leidenschaft für Innovation und Ausrüstung, die dieses neue Paar unbedingt ausprobieren wollen
Salomon Phantasm 2 vs. Phantasm 3: Das hat sich geändert
Im Vergleich zur zweiten Version legt die Phantasm 3 den Fokus noch stärker auf die Marathonleistung. Die V3 ist rund 10 Prozent leichter, was einer schlankeren und aerodynamischeren Konstruktion zu verdanken ist. Dazu gehört ein sich überlappendes Obermaterial, das die Schnürsenkel abdeckt, sowie eine Geometrie, die den Luftwiderstand beim Laufen reduzieren soll. Windkanaltests sprechen von bis zu 28 Prozent weniger Widerstand gegenüber der V2.
Außerdem verfügt sie über einen niedrigeren Drop (6 statt 9 mm) und einen mit PEBA angereicherten optiFOAM+-Schaum, der für eine großzügigere und reaktionsfreudigere Dämpfung sorgt. Auf langen Distanzen fühlt sich der Schuh dadurch etwas komfortabler und schützender an, ohne an Dynamik einzubüßen. Läufer, die an die V2 gewöhnt sind, müssen sich allerdings auf ein anderes Laufgefühl einstellen. Mit ihrer festeren Dämpfung und dem höheren Drop wirkte die V2 mitunter direkter und spritziger. Die V3 setzt dagegen klar auf aerodynamische Effizienz und Marathonkomfort, ohne ihren Vortrieb zu verlieren.
Technische Daten – Salomon S/LAB Phantasm 3
Kategorie: Carbon-Rennschuh
Einsatz: Straßenwettkämpfe vom 5-km-Lauf bis zum Marathon
Schaumstoff: superkritischer optiFOAM+ (PEBA)
energyBLADE-Carbonplatte
Außensohle: Contagrip-Gummi
Untergrund: Straße
Niveau: erfahrene bis Elite-Läufer
Gewicht: 199 g (10 % weniger als die Phantasm 2)
Sohlenhöhe: 39 mm an der Ferse, 33 mm im Vorfuß
Drop: 6 mm
Preis: 280 €
Von World Athletics zugelassen
Salomon S/LAB Phantasm 3 im Praxistest
Im Straßenlauf ist dies mein erster Test eines Salomon-Schuhs. Sobald ich das Paar in den Händen hielt, fiel mir das geringe Gewicht der Salomon S/LAB Phantasm 3 auf. Ein 199 Gramm leichtes Schmuckstück mit futuristischem Design. Die dünne, auf den ersten Blick recht glatte Außensohle zog meine Aufmerksamkeit auf sich. Ich fragte mich sofort, ob der Grip auf sehr nassem Untergrund ausreichen würde. Ein weiteres spannendes Detail war der Schaumstoff. Er fühlte sich sehr weich und komfortabel an, weshalb ich mich fragte, wie es um die Stabilität und Haltbarkeit des Schuhs bei etwas schwereren Läufern bestellt ist. Also beschloss ich, die Salomon S/LAB Phantasm 3 in mehreren Straßeneinheiten und bei unterschiedlichen Wetterbedingungen zu testen.
➜ Test bei einer Einheit im Marathon-Tempo
Diese dritte Phantasm-Generation scheint für die Königsdisziplin Marathon besonders leistungsfähig zu sein. Für den ersten Praxistest wählte ich kurze Wiederholungen und einen nicht allzu langen Lauf, um mich an den Schuh zu gewöhnen. Bei der zweiten Einheit zeigte sich dann, dass es sich tatsächlich um ein kleines Schmuckstück handelt. Nach 30 Minuten lockerem Einlaufen absolvierte ich zweimal 20 Minuten im Marathon-Tempo. Die Dynamik des Schuhs gefiel mir sofort, noch mehr überzeugte mich aber der Komfort der Phantasm 3. Normalerweise bevorzuge ich Schuhe mit Nylon- statt Carbonplatte. Die Effizienz dieses Modells war dennoch nicht zu übersehen. Bei gleichem Tempo fühlte sich das Laufen mit diesem neuen Salomon-Modell deutlich leichter an. Der einzige Wermutstropfen aus meiner Sicht ist die Stabilität, die nicht zu den großen Stärken dieses Paars zählt.
➜ Test bei einer Einheit im 10-km-Tempo
Nach den Tests im Marathon-Tempo wollte ich das Modell bei höherem Tempo und kürzeren Wiederholungen fordern. Wieder beeindruckte mich die Dynamik des Schuhs, die bei höherer Geschwindigkeit noch deutlicher zum Vorschein kam. Der Komfort der Salomon S/LAB Phantasm 3 ist wirklich bemerkenswert. Das typische Geräusch der Carbonplatte ist zudem kaum oder überhaupt nicht zu hören. Ich hatte das Gefühl, den Komfort eines klassischen Trainingsschuhs mit der Dynamik eines Carbon-Rennschuhs zu verbinden. Für mich ist das eine der größten Stärken dieses Modells. Wie schon beim Lauf im Marathon-Tempo fiel mir allerdings die etwas begrenzte Stabilität auf.
➜ Test der Phantasm 3 auf nassem Untergrund
Das war meine größte offene Frage. Würde die Außensohle dieser dritten Phantasm-Generation auf nassem Untergrund zuverlässig funktionieren? Entgegen meiner Befürchtung bin ich trotz hohem Tempo und völlig durchnässter Straße kein einziges Mal weggerutscht. Allerdings stellte ich zwischen dem ersten und dem dritten Lauf einen Unterschied beim Grip fest. Ich empfehle, die Sohle vor einer spezifischen Marathon-Einheit zunächst bei kürzeren Läufen etwas einzulaufen. Wasser wird auch nach einigen Schritten durch Pfützen sehr gut abgeleitet. Das ist ein interessanter Pluspunkt, um Blasen und Reibung zu vermeiden.
✔ Das Fazit dieses Praxistests: Die Salomon S/LAB Phantasm 3 überzeugt mit einer hervorragenden Balance aus Dynamik und Komfort, sowohl im Marathon-Tempo als auch bei schnelleren Einheiten. Sie vermittelt ein ausgesprochen leichtes Laufgefühl und bietet auch auf nassem Untergrund zuverlässigen Grip. Ihre größte Schwäche ist die ausbaufähige Stabilität. Für spezifische Trainingseinheiten und Wettkämpfe ist sie ein echtes Schmuckstück für Läufer auf Bestzeitenjagd.
Phantasm 3 kurz zusammengefasst
Die Pluspunkte
✔ Geringes Gewicht
✔ Komfort
✔ Design
✔ Grip
✔ Dynamik
Die Minuspunkte
✘ Für manche Läufer hoher Preis
✘ Lebensdauer je nach Einsatz etwa 300 km
✘ Farbe (schmutzanfälliges Weiß)
✘ Sehr spezifisch, nur für eine kleine Gruppe von Läufern geeignet
✘ Gamasche schwer anzuziehen und zu schnüren
Salomon S/LAB Phantasm 3: ein technologisches Schmuckstück, aber nicht für jeden
Salomon legt mit dieser dritten Phantasm-Generation zu Jahresbeginn kräftig vor. Das Modell ist ein echter Performance-Schuh, der besonders für zügige Tempi vom 5-km-Lauf bis zum Marathon entwickelt wurde. Der Alpenmarke gelingt ein stimmiger Kompromiss aus Komfort und Dynamik, von dem vor allem Marathonläufer profitieren dürften. Für jedes Läuferprofil ist dieser Schuh aber eindeutig nicht gedacht. Er ist extrem leistungsfähig und hat eine begrenzte Lebensdauer. Wirklich lohnenswert ist die Anschaffung daher vor allem für Läufer auf sehr hohem Niveau.
✔ Die Salomon S/LAB Phantasm 3 ist auf der Salomon-Website für 280 € erhältlich.