On Cloudboom Strike 2: Bringt der Carbon-Plattenschuh die Schweizer endlich ganz nach vorn?
On, 2010 gegründet, ist eine der jüngsten Marken im Running. In wenigen Jahren haben die Schweizer mit Modellen wie der Cloudmonster-Serie ein kleines Imperium aufgebaut. Die berühmten „Clouds“ sind überall: an den Füßen von Sonntagsjoggern genauso wie in der Fashion-Szene, die das minimalistische, saubere Design feiert. Was bisher noch fehlte, um endgültig ganz oben mitzuspielen: echte Credibility bei Elite-Läufern, vor allem auf dem Marathon, wo Nike, adidas oder Asics seit Jahren die Podien dominieren. Mit der Cloudboom Strike 2 greift On dieses Segment jetzt frontal an. Und nach den Resultaten 2026 mit Hellen Obiri in London und Yeman Crippa in Paris könnte genau dieses Modell die Marke auf ein neues Level heben. Wir schauen uns an, was an diesem Schuh wirklich besonders ist.
On dominiert überall… nur bei Carbon-Plattenschuhen bisher nicht
Das ist seit ein paar Jahren so ein On-Paradox. Die Schweizer Marke ist kommerziell explodiert, getragen von Modellen wie Cloudmonster oder Cloudsurfer: absolute Klassiker unter den Daily Trainern, dazu extrem präsent in der Lifestyle-Sneaker-Welt. In diesem Feld ist On schwer zu schlagen. Die Positionierung ist eigen, in den USA ist die Marke gefühlt überall, vor allem bei Fashion-Leuten. Aber im eher puristischen, elitäreren Segment der Carbon-Racer blieb On lange zurückhaltend. Die Cloudboom Echo-Serie hat das Fundament gelegt, die erste Cloudboom Strike brachte mehr Dynamik, ohne die Markt-Referenzen wirklich unter Druck zu setzen.
Die Cloudboom Strike 2 verändert das spürbar. Und das ist nicht nur Marketing: On hat aus den Vorgängern gelernt, und der neue Schuh liefert Hinweise, dass diesmal mehr drin ist. 2026 ist er auf der Straße schon richtig gelaufen (und hat sich bewiesen), noch bevor er offiziell im Handel ist.
CloudTec Sphere: neue Geometrie für mehr Bounce und Dämpfung
Die große Neuerung der zweiten Generation heißt CloudTec Sphere, eine Weiterentwicklung von Ons Schaum-System. Konkret wurde die Geometrie der Clouds neu gedacht: Dämpfungskanäle, die speziell darauf ausgelegt sind, Komfort und Laufeffizienz über die Marathondistanz zu verbessern. Optisch ist das erst mal ungewohnt. Zwei Schaum-Elemente, die ineinandergreifen und einen sichtbaren Hohlraum in der Mittelsohle lassen. Aber der Effekt zählt: mehr Rebound und bessere Stoßabsorption.
Die neue Geometrie sitzt auf einem ebenfalls überarbeiteten Helion HF-Schaum, 15 % leichter als die Vorgängergeneration (und laut On 20 % weicher). Dazu kommt eine gebogene Speedboard-Carbonplatte, zwischen zwei Schaumschichten unterschiedlicher Dichte platziert, um den Übergang bei jedem Schritt sauber zu unterstützen.
Die Ergebnisse, die Athletinnen und Athleten bereits mit dem LightSpray Cloudboom Strike 2 erzielt haben, stärken Ons Position als Innovationstreiber im hochklassigen Straßenlauf. Bei der Cloudboom Strike 2 war unser Ziel nicht nur, maximale Geschwindigkeit herauszuholen, sondern sie auch in den entscheidenden Phasen eines Marathons halten zu können. Durch die Kombination unseres LightSpray-Upper mit der neuen CloudTec-Sphere-Technologie haben wir einen einzigartigen Vorteil geschaffen: ein frisches Beingefühl und Unterstützung dabei, das Leistungsniveau bis in die letzten Kilometer zu konservieren.
Zwei Versionen, zwei Philosophien
On bringt nicht nur einen, sondern zwei Schuhe: die klassische Cloudboom Strike 2 und die LightSpray Cloudboom Strike 2 als Top-Version ohne Schnürsenkel. Der Unterschied spielt sich vor allem beim Gewicht ab, genauer: im Obermaterial.
Die LightSpray-Version nutzt die bekannte Technologie eines von einem Roboterarm „gesprühten“ Uppers, ein einzigartiges, ultra-innovatives Verfahren, das einen traditionellen Fertigungsprozess mit fast 200 Schritten durch einen einzigen automatisierten Vorgang ersetzt, in nur wenigen Minuten. Das Ergebnis: ein nahtloses Upper, ohne Kleber, ohne Schnürsenkel, wie eine zweite Haut. Und vor allem deutlich leichteres Material. Und wir wissen: Gewicht ist heute auf dem Marathon ein riesiger Performance-Faktor. Diese LS Cloudboom Strike 2 ist schlicht der bislang ausgereifteste Carbon-Plattenschuh der Marke.
Technische Daten – ON CLOUDBOOM STRIKE 2
Kategorie: Carbon-Racing-Schuh
Einsatz: Marathon
Technologie: CloudTec Sphere, Helion HF, gebogenes Speedboard aus Carbon
Untergrund: Straße
Level: erfahrene Läufer
Gewicht: 191 g
Stack Height: 39 mm (Ferse) / 34 mm (Vorfuß)
Sprengung: 5 mm
Preis: 250 €
Erhältlich ab 30. Juli 2026
Technische Daten – ON LIGHTSPARY CLOUDBOOM STRIKE 2
Kategorie: Carbon-Racing-Schuh (Elite-Version)
Einsatz: Marathon
Technologie: CloudTec Sphere, Helion HF, gebogenes Speedboard® aus Carbon
Upper: LightSpray, nahtlos, ohne Schnürsenkel
Untergrund: Straße
Level: Elite-Läufer
Gewicht: 158 g
Stack Height: 39 mm (Ferse) / 34 mm (Vorfuß)
Sprengung: 5 mm
Preis: 320 €
Erhältlich ab 30. Juli 2026
Schon von den besten Athleten der Welt abgenickt
Und es ist nicht nur Theorie, dass die Cloudboom Strike 2 Eindruck macht. Eine Studie in Zusammenarbeit mit der Universität Kapstadt nennt einen Gewinn von 1,6 % bei der Laufökonomie im Vergleich zu den Markt-Referenzen. Das muss in größerem Umfang noch bestätigt werden, zeigt aber klar in die richtige Richtung.
Vor allem war der Schuh diese Saison bereits ein echter Stresstest auf der Straße, an den Füßen mehrerer bekannter On-Athleten. Die Kenianerin Hellen Obiri verbesserte in London ihre Bestzeit um 1:48 Minuten und lief 2:15:53. Der Italiener Yeman Crippa gewann in Paris mit einer Ansage in 2:05:18. Joe Klecker wiederum pulverisierte in Boston seine Bestzeit gleich um 4:41 Minuten (2:05:56). Drei Performances, drei unterschiedliche Marathons, aber ein gemeinsamer Nenner: Der Schuh hat auf höchstem internationalen Niveau geliefert.
Ein größerer Strategiewechsel bei On
On macht selten etwas zufällig, und dieser Release kommt nicht aus dem Nichts. Er passt in ein globales strategisches Repositioning, das die Marke Ende Juni beim ersten On Running Summit in Paris vorgestellt hat. Dort präsentierten die Schweizer eine neue Markenidentität namens „Run On Clouds“, die den Produkt-Dialog stärker auf das Laufgefühl ausrichtet statt nur auf Daten und Metriken. Die Running-Palette ist jetzt in vier große Familien gegliedert: Soft, Support, Energy und Speed. Und ja: Die Cloudboom Strike 2 steht genau für diese letzte Kategorie.
Hinter dem Wording steckt eine ziemlich klare Ansage: Nach Jahren, in denen On Daily Trainer und Lifestyle dominiert hat, betont die Marke wieder, dass Running und Performance ihr Kern sind. Und sie will sich die Mittel geben, im härtesten Segment des Marktes direkt mitzuhalten: bei Elite-Racern.
Was man wirklich mitnehmen sollte
Mit der Cloudboom Strike 2 könnte On genau das fehlende Puzzleteil gefunden haben: einen Carbon-Plattenschuh, der mit den Besten des Marktes mithalten kann. Mit 250 € für die Standardversion und 320 € für die LightSpray spielt On klar nicht die Zugänglichkeitskarte, und das ist nur konsequent. Das Premium-Standing gehört zur DNA und passt zum Image. Spannend wird, wie der Schuh außerhalb von Labor-Setups und Sponsor-Feet beim breiten Publikum ankommt. Sicher ist: On hat hier etwas gebaut, das nach mehr aussieht, und will nicht länger nur die „stylische“ Running-Marke sein. Sondern auch die schnellste. Dass wir künftig mehr Clouds auf Marathon-Podien sehen, ist ziemlich wahrscheinlich.
In kaum 15 Jahren ist On vom Außenseiter zu einer der am stärksten beachteten Marken der Branche geworden. Das ist heftig. Jetzt fehlt nur noch die Anerkennung der Puristen, um die neue Performance-Ausrichtung zu zementieren. Mit der Cloudboom Strike 2 setzt die Marke klar die Mittel ein, um sie sich zu holen. Am 30. Juli geht’s ans Testen und spätestens bei den großen Herbstmarathons wird sich zeigen, ob der Trend dieser Saison hält.