Running-Observatorium 2026: 13,2 Millionen Aktive und ein weiter wachsender Markt

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Von Emma Bert

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Running-Observatorium 2026: 13,2 Millionen Aktive und ein weiter wachsender Markt
© ASO

Die Zahlen des Running-Observatoriums 2026 wurden am 10. April auf der Marathon-de-Paris-Messe vorgestellt. Das Jahr markiert einen Rekord für den Laufsport: Die Community wird jünger und weiblicher, während Konsum und Professionalisierung weiter zunehmen. Laufen erreicht immer mehr Menschen.

13,2 Millionen Franzosen gaben an, 2025 gelaufen zu sein. Das sind eine Million mehr als vor fünf Jahren. Das Running-Observatorium hat seine jährliche Referenzstudie zur Entwicklung des Laufsports vorgestellt. Die UESC hat dafür drei verschiedene Studien und Analysen zusammengeführt, darunter die landesweite Untersuchung zu Running und Trailrunning mit 5.000 Befragten. Die befragten Läuferinnen und Läufer sind besonders engagiert, leben überwiegend in Städten und sind digital gut vernetzt. Ihr Konsum und ihre Beteiligung am Sport liegen auf hohem Niveau. Das Finisher-Barometer der FFA hat die Studie zusätzlich erweitert. „Zuverlässige und bislang einzigartige Zahlen“, sagt Virgile Caillet, Generaldelegierter der UESC, Virgile Caillet.

Running als gesellschaftliche Norm

Neben der Rekordzahl an Läuferinnen und Läufern zeichnen sich zwei große Trends ab: Der Sport wird jünger und weiblicher. 52 % der Frauen und 48 % der Männer gaben an, im vergangenen Jahr gelaufen zu sein. Das entspricht in etwa der Geschlechterverteilung in der französischen Bevölkerung.

Nach der Pandemie blieben die neu eingestiegenen Läuferinnen und Läufer dabei. Das Laufen wurde zu einem festen Bestandteil ihres Alltags und ihrer langfristigen Lebensweise. „Wir können nicht mehr von einem gesellschaftlichen Phänomen sprechen, sondern von einer gesellschaftlichen Norm“, betont Virgile Caillet. 64 % der Befragten geben an, mindestens einmal pro Woche zu laufen. Running wird damit zu einem echten Instrument sozialer Verbindung: 43 % teilen ihre sportliche Aktivität mit anderen. Auch Trailrunning etabliert sich nachhaltig. 40 % der Läuferinnen und Läufer sind in diesem Bereich aktiv.

Die Gründe für den Erfolg

„Es gibt nicht den einen Läufer, sondern viele verschiedene Läufer“, stellt der Generaldelegierte fest. Jeder hat seine eigene Motivation. Besonders häufig genannt werden Wohlbefinden (55 %), Gesundheit (50 %), Freude am Sport (42 %), Wettkampf (39 %) und auch Gewichtsmanagement (24 %). Running schafft soziale Verbindungen und gibt Halt. Die App Strava, soziale Netzwerke und Community-Gruppen, die in Großstädten weit verbreitet sind, stehen exemplarisch für diese Entwicklung. „Running ist ein Individualsport, den man gemeinsam betreibt“, bringt es der Branchenvertreter auf den Punkt.

Die neuen Codes des Running

Die Szene wird durch eine jüngere und weiblichere Läuferschaft belebt. 80 % der neu eingestiegenen Läuferinnen und Läufer, also derjenigen, die seit weniger als zwei Jahren laufen, sind unter 35 Jahre alt. 44 % sind jünger als 24. Zudem sind 63 % der Neueinsteiger Frauen. Der Laufsport, der lange klar von Männern dominiert wurde, wird ausgeglichener und trendiger.

Antoine Courbon, Head of Digital bei ASO, dem Veranstalter des Marathon de Paris, beobachtet diesen Trend seit mehreren Jahren anhand der Entwicklung der Anmeldezahlen. „Das ist bei all unseren Läufen sichtbar, natürlich auch beim Marathon de Paris“, erklärt er. „Vor Covid lag das Durchschnittsalter bei 40 bis 41 Jahren, 2023 dann bei 39 und inzwischen bei 37 Jahren. Das war 2022 und 2023 noch das Durchschnittsalter bei einem Halbmarathon.“ Diese Entwicklung trägt zu einer neuen Art bei, den Laufsport zu betreiben und zu konsumieren.

Die Digitalisierung des Laufsports

Drei von vier unter 24-Jährigen folgen Influencern. Auch die Veranstalter von Laufwettbewerben beschäftigen sich mit diesem Trend. „Das sind Menschen, die Sport zur Unterhaltung machen“, erklärt Mustapha Salmi (203.000 Instagram-Follower), der als Gast an der Konferenz teilnahm. „Früher musste man stark sein, um die nötige Legitimation als Influencer zu haben. Heute ist das nicht mehr unbedingt der Fall“, ergänzt der Athlet und Content Creator.

Mit diesem Phänomen schreitet auch die Digitalisierung voran. Immer mehr Laufbegeisterte nutzen künstliche Intelligenz für ihr Training und holen sich darüber Ratschläge. Bei den neu eingestiegenen Läuferinnen und Läufern sind es 38 %. 73 % der 18- bis 24-Jährigen geben an, nach einem Trainingsplan zu trainieren.

Bei den unter 30-Jährigen wurden mehrere Trends beobachtet: Bei den Anmeldungen warten sie nicht unbedingt länger als andere, erscheinen aber häufiger tatsächlich am Start. Diese Zielgruppe erzielt außerdem überdurchschnittlich gute Leistungen und meldet sich für Läufe an, um sich selbst herauszufordern. Meist erreichen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer eine bessere Zeit, als ihrer Startwelle entspricht. Auch das Laufen für andere gewinnt an Bedeutung: durch Charity-Startplätze, die besonders bei den unter 30-Jährigen und beim Marathon de Paris beliebt sind, oder indem sie ihre Erlebnisse in sozialen Netzwerken teilen. Außerdem legen sie besonderen Wert auf ihre Ausrüstung.

„Running ist kein Sport mehr, sondern eine Kultur mit einer eigenen Art zu trainieren, eigenen Begriffen, einer eigenen Sprache und eigenen Ritualen“, fasst Antoine Courbon zusammen.

Die Startplatz-Euphorie

Ein bevorstehender Wettkampf bindet Läuferinnen und Läufer stärker und wird zu einem echten Motor des Sports. Wettkämpfe haben enorm an Bedeutung gewonnen. Manche sichern sich einen Startplatz, um überhaupt den Anstoß für die Vorbereitung zu bekommen. Auch Mustapha Salmi hat diesen Trend festgestellt.

Um die wachsende Nachfrage zu bedienen, wurden 2025 insgesamt 13.320 Läufe auf der Straße, im Trailrunning und im Crosslauf veranstaltet. Sie brachten eine Million Ergebnisse hervor, rund 2.000 mehr als 2015. Heute gibt es deutlich mehr Trailrennen als Straßenläufe, beliebter sind jedoch weiterhin die Straßenwettkämpfe.

Die Zahl der Finisher pro Lauf ist stark gestiegen: Im Vergleich zu 2024 kamen durchschnittlich 50 Finisher pro Veranstaltung hinzu. Das zeigt sich an den gut gefüllten Teilnehmerfeldern. Im Schnitt wurden 310 Finisher pro Lauf gezählt, gegenüber 260 im Vorjahr. Seit 2015 gibt es dreimal so viele Trailveranstaltungen, obwohl Trailrunning keineswegs eine neue Disziplin ist.

Der 10-km-Lauf bleibt das wichtigste Format im Markt für Laufveranstaltungen. 1.320 10-km-Rennen wurden ausgetragen und generierten eine Million Ergebnisse. 2025 belief sich das wirtschaftliche Volumen der Startplätze in Frankreich auf 132 Millionen Euro. Der Boom bringt allerdings auch Enttäuschungen mit sich: 62 % der Befragten gaben an, Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Startplatz gehabt zu haben. Eines der großen Vorhaben der FFA ist deshalb, die Beziehungen zu den Veranstaltern zu verbessern, kleinere Organisationen zu fördern und diese wichtigen Akteure besser zu begleiten und stärker anzuhören.

Die Professionalisierung der Hobbyläufer

Training, Krafttraining und ein gesunder Lebensstil, auf den 81 % der 25- bis 34-Jährigen besonderen Wert legen, sind für viele Amateure, die ihre Leistung verbessern wollen, von zentraler Bedeutung. Die Suche nach marginalen Gewinnen ist längst nicht mehr nur ein Thema für die Elite. Auch für Hobbyläufer zählt der Anspruch, es richtig zu machen. Fast 40 % der Befragten halten Schuhe bei diesem Streben für entscheidend.

© Marathons

Ein außerordentlich starker Markt

2025 wuchs der Running-Markt um mehr als 20 %. Sein Volumen nähert sich 1,5 Milliarden Euro. Davon entfallen 800 Millionen Euro auf Schuhe und 400 Millionen auf Textilien und Zubehör.

Das ist eine beeindruckende Entwicklung in einem insgesamt eher schwachen Sport- und Freizeitmarkt, der im vergangenen Jahr um 0,3 % zurückging. Running legte dagegen erstmals seit 15 Jahren wieder zu, und zwar um 17 %. „In einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld wächst Running überdurchschnittlich: Es gibt mehr Läufer, sie sind jünger, engagierter und konsumfreudiger“, sagt Virgile Caillet. Der Trend dürfte in den kommenden Jahren recht kontinuierlich weiter wachsen. Die Aussichten sind ausgesprochen positiv.

Auch der Ernährungsbereich wird genau beobachtet. Er entwickelt sich dynamisch und ist Teil der zunehmenden Professionalisierung der Läuferschaft. Die Zahl der Textilmarken auf dem Markt wächst, ebenso wie die Aktivität der Anbieter von Kompressionsprodukten. Gleiches gilt für technologische Produkte wie Smartwatches.

Der durchschnittliche Warenkorb ohne Startplätze lag 2025 bei 550 Euro, bei Schuhen bei 142 Euro. Diese Dynamik dürfte so schnell nicht nachlassen: Zwei Drittel der Befragten wollen ihre Ausgaben für Running 2026 beibehalten oder sogar erhöhen.

Weiblicher, jünger und bewusster: Die Laufcommunity engagiert sich stärker für ihren Sport. Laufen wird immer beliebter und etabliert sich zunehmend als echtes gesellschaftliches Phänomen.