Wie trainiert man, wenn die Zeit knapp ist?
Zwischen Arbeit, Familie, unerwarteten Terminen und Müdigkeit ist Zeitmangel zur Ausrede Nummer eins geworden, um nicht laufen oder trainieren zu gehen. Dabei ist Training unter Zeitdruck weder unmöglich noch ausschließlich disziplinierten und perfekt organisierten Athleten vorbehalten. Beim Laufen zählen Regelmäßigkeit und Einfachheit oft mehr als stundenlange Einheiten. Wer klug trainiert, kann sich auch mit wenigen Einheiten verbessern oder sich zumindest besser fühlen. So lässt sich das Training an die Anforderungen des Alltags anpassen, ohne auf die Freude am Laufen zu verzichten.
Weniger laufen, aber gezielter
Wenn die Zeit knapp ist, lassen sich endlose Trainingseinheiten naturgemäß nur schwer unterbringen. Ein anspruchsvoller Job, ein voller Familienalltag und zahlreiche weitere Verpflichtungen machen es nicht gerade leichter, ein Zeitfenster fürs Laufen oder Training zu finden. Wenn du hier gelandet bist, möchtest du aber vermutlich genau dafür wieder Raum schaffen. Und das ist eine gute Entscheidung. Sport tut der körperlichen Gesundheit gut, verbessert außerdem die Konzentration und baut Stress ab.
Wie findet man Zeit zum Laufen, wenn eigentlich keine da ist? Wusstest du, dass du weder zwei Stunden laufen musst, um dich auszupowern, noch um Fortschritte zu machen? Die gute Nachricht zuerst: 30 Minuten reichen bereits aus. Verzichte also auf endlose Intervalltrainings und lange Läufe. Setze stattdessen auf kurze, lockere Trainingseinheiten oder Cardioeinheiten, dafür aber regelmäßiger. In 30 Minuten kannst du einfach einen lockeren Lauf bei niedriger Intensität absolvieren. Damit stärkst du dein Herz-Kreislauf-System und verbesserst deine Ausdauer.
Für intensivere Einheiten sind kurze Intervalle dein bester Verbündeter. Du hast wahrscheinlich schon von einem der beliebtesten Formate gehört: 30/30. Dreißig Sekunden hohe Intensität, dreißig Sekunden Erholung. Ideal, um ins Schwitzen zu kommen, sich zu fordern und in kürzester Zeit Fortschritte zu machen. Nach 10 bis 12 Minuten lockerem Einlaufen und einigen Steigerungen startest du deine Serien, abgestimmt auf dein Leistungsniveau. Für eine gute Einheit reichen etwa 30 Minuten. Kurz gesagt: Trainiere weniger, aber regelmäßiger. Zwei kurze Einheiten pro Woche über das ganze Jahr bringen mehr als vier Läufe pro Woche in einem einzigen Monat.
Den Alltag besser organisieren
Am besten organisierst du deinen Tagesablauf, um etwas Abstand zu gewinnen und ein oder zwei Zeitfenster fürs Laufen zu finden. Wenn einem alles über den Kopf wächst, verliert man leicht den Überblick darüber, wie sich die Zeit über die Woche verteilt. Wer den eigenen Kalender mit etwas Abstand betrachtet, findet leichter Raum für sportliche Aktivitäten. Ein- bis zweimal pro Woche 30 Minuten früher aufzustehen, kann schon für einen Lauf reichen. Auch eine verkürzte Mittagspause bietet sich für eine Laufrunde mit den Kollegen an.
In den vergangenen Jahren haben sich Radpendeln und Laufen auf dem Arbeitsweg stark entwickelt. Wenn du den Weg von zu Hause ins Büro nutzt, um laufend ins Büro zu kommen oder mit dem Fahrrad zu fahren, lässt sich Sport viel leichter in den Alltag integrieren. Und vor allem: Schon 20 Minuten Bewegung können ausreichen.
Auf die richtigen Einheiten setzen
Grundlagenausdauer
Lockere Läufe bei niedriger Intensität bilden eine solide Grundlage für das Herz-Kreislauf-System und die Ausdauer. Sie erzeugen deutlich weniger Ermüdung als hochintensive Einheiten und eignen sich deshalb auch nach einem langen Arbeitstag. Diese Trainingsform lässt sich problemlos in der Mittagspause absolvieren, gemeinsam mit Kollegen oder Freunden. Eine hochmoderne Sportuhr oder besonders schnelle Schuhe brauchst du dafür nicht. Laufe nach Gefühl und in lockerem Tempo, um deine Ausdauer zu entwickeln.
Kurze Intervalle
Du willst schwitzen, dich fordern und den Kopf freibekommen? Beim kurzen Intervalltraining oder HIIT (High Intensity Interval Training) wechseln sich mehrere Minuten intensive Belastung mit Erholungsphasen ab. Diese Einheiten funktionieren beim Laufen, Radfahren und Schwimmen ebenso wie beim Krafttraining. Kurze Intervalle verbinden Ausdauerarbeit mit hoher Intensität und sind damit ein vielseitiges Training. Ihr größter Vorteil: Du kommst in kurzer Zeit ordentlich ins Schwitzen. 15 bis 20 Minuten reichen bereits, um völlig platt zu sein.
Krafttraining
Krafttraining lässt sich unkompliziert umsetzen und erfordert wenig oder gar kein Equipment. Eine Einheit dauert gerade einmal 20 bis 30 Minuten und kann direkt im Wohnzimmer stattfinden. Krafttraining oder PPG (allgemeines Athletiktraining) stärkt Muskeln und Sehnen und verbessert gleichzeitig Belastbarkeit, Kraft und Ausdauer. Große Kraftmaschinen, ein Squat Rack oder eine endlose Hantelsammlung sind dafür nicht nötig. Viele Übungen funktionieren ganz ohne Equipment. Wenn du die Einheiten anspruchsvoller oder abwechslungsreicher gestalten möchtest, stelle einen Zirkel aus vier bis fünf Übungen zusammen und wiederhole ihn über mehrere Runden. Dabei forderst du zusätzlich dein Herz-Kreislauf-System. Für den nächsten Schritt kannst du in Kleingeräte wie Minibänder oder leichte Gewichte investieren.
Rollentrainer oder Indoor-Bike
Wer Zeit für Anfahrtswege sparen oder zu jeder Tageszeit trainieren möchte, findet im Rollentrainer oder Indoor-Bike eine passende Lösung. Zu Hause lassen sich damit flexibel Ausdauer, Kraft und Herz-Kreislauf-Leistung trainieren. Wie bereits erwähnt, musst du dafür nicht stundenlang in die Pedale treten. Zumal der Rollentrainer deutlich fordernder ist als das Radfahren draußen, wenn die Trainingsdauer gleich bleibt. Würze deine Einheiten mit kurzen Intervallen bei hoher Intensität oder etwas längeren Abschnitten im moderaten Bereich.
So einfach wie möglich halten
Wenn die Zeit knapp ist, solltest du sie nicht noch mit Nebensächlichkeiten verschwenden. Überfrachte dein Training nicht mit Daten, Uhren oder Hightech-Equipment. Dein Ziel ist eigentlich simpel: die verfügbare Zeit optimal zu nutzen und etwas mehr Sport zu treiben. Ein konkretes Ziel hilft vielen Läufern, am Training dranzubleiben. Wenn du so einen Fixpunkt brauchst, setze dir ein realistisches Vorhaben. Dreimal pro Woche laufen, Kraft oder Ausdauer verbessern, eine Stunde am Stück laufen, einen Wettkampf vorbereiten, eine bestimmte Zeit anpeilen, mit Freunden laufen … Dein Ziel ist persönlich. Achte aber darauf, dass es zu deinen individuellen Rahmenbedingungen passt, damit es dich tatsächlich motiviert.
Keine Ausreden mehr, trotz eines vollen Terminkalenders auf ein bisschen Bewegung zu verzichten. Du weißt jetzt: 20 bis 30 Minuten können ein- oder mehrmals pro Woche bereits ausreichen. Trainiere kürzer, aber regelmäßig und mit Plan.