Cape Town Marathon 2025 wenige Minuten vor dem Start abgesagt
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Er sollte eines der großen Highlights der Herbstsaison werden, der bislang hochkarätigste Marathon auf afrikanischem Boden und die letzte Hürde vor der offiziellen Aufnahme in den erlesenen Kreis der Abbott World Marathon Majors. Doch am Sonntag, dem 19. Oktober, wurde der Cape Town Marathon 2025 nur 90 Minuten vor dem Start abgesagt. Der Wind war zu stark und nahm die Hoffnungen von 24.000 Läuferinnen und Läufern aus aller Welt mit sich. Ein harter Schlag für alle Beteiligten und ein abrupter Rückschritt für einen Marathon auf dem Weg nach oben. Seine Zukunft im Kreis der Majors ist nun ungewisser denn je.
Ein Rennen mit dem Traum vom ersten afrikanischen Major
Seit Jahren jagt Cape Town einem Traum hinterher: als erstes afrikanisches Major neben Tokyo, Boston, London, Berlin, Chicago, Sydney und New York in die Geschichte einzugehen. Nach der ersten Bewertung im Jahr 2024 hatte der Veranstalter alle Anforderungen erfüllt: eine von World Athletics zertifizierte Strecke, ein stark besetztes Elitefeld mit acht Athleten mit „Platinum Label“ und zehn mit „Gold Label“, Preisgelder, eine bis ins Detail geplante Logistik und eine rundum erfolgreiche Veranstaltung.
Die Ausgabe 2025 sollte die letzte Prüfung vor der offiziellen Aufnahme im Jahr 2026 werden. Doch in Cape Town schrieb der Wind eine andere Geschichte.
4:45 Uhr: Der Wind fegt alle Hoffnungen auf den Start davon
Die Nacht hatte bereits gezeigt, was auf die Veranstalter zukam. Böen von mehr als 60 km/h, weggerissene Zelte, einsturzgefährdete Zielbogen und beschädigte Infrastruktur an mehreren Stellen der Strecke, vom Green Point Stadium bis nach Woodstock. Um 4:45 Uhr kamen die Verantwortlichen nach stundenlangen Kontrollen zu dem Schluss, dass die Anlagen zu instabil waren, um die Sicherheit der Teilnehmenden zu gewährleisten. Fünfzehn Minuten später fiel die Entscheidung: Die beschädigte Infrastruktur konnte 24.000 Menschen nicht mehr sicher aufnehmen, das Rennen wurde abgesagt. Um 5 Uhr erhielten die Läuferinnen und Läufer eine WhatsApp-Nachricht: „Aus Sicherheitsgründen wird der Sanlam Cape Town Marathon abgesagt. Bitte begeben Sie sich nicht zur Startlinie“. Einige waren zu diesem Zeitpunkt bereits vor Ort, hatten sich eingelaufen, die Startnummer am Trikot befestigt und waren nach monatelanger Vorbereitung bereit für ihren Marathon. Der Traum war noch vor Sonnenaufgang geplatzt.
Die Reaktionen der Läufer: Enttäuschung und Widerstandskraft
Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. Einige hielten die Nachricht zunächst für einen schlechten Scherz, andere machten ihrem Frust in den sozialen Netzwerken Luft. Sie hatten monatelang trainiert und teilweise mehr als 10.000 Kilometer Anreise auf sich genommen, um dabei zu sein. Doch ganz im Sinne der Laufcommunity entschied sich ein Teil des Feldes, trotzdem zu laufen. Allein oder in kleinen Gruppen improvisierten viele ihren Marathon auf den Bürgersteigen der Stadt, entlang der Küste oder durch die Gassen des Zentrums. Ein inoffizielles Rennen, ohne Zeitmessung und Medaille, aber mit umso mehr Bedeutung: ein Lauf für Gemeinschaft und Widerstandskraft.
Ein außergewöhnliches Elitefeld war am Start erwartet worden
Der Cape Town Marathon ist kein Rennen wie jedes andere. Die Strecke zählt zu den schönsten der Welt und führt durch die Stadt, mit dem Meer auf der einen und der Geschichte Südafrikas auf der anderen Seite. Auch sportlich versprach das Elitefeld in diesem Jahr ein Spektakel auf höchstem Niveau. Am Start sollten unter anderem Ronald Korir (2:04:22), Bethwell Chumba Kibet (2:04:37) und Winfridah Moraa Moseti (2:16:56) stehen. Im Vorjahr hatte das Rennen mit zwei Streckenrekorden für Aufsehen gesorgt: 2:08:15 bei den Männern durch den Äthiopier Abdisa Tola und 2:22:22 bei den Frauen durch die Südafrikanerin Glenrose Xaba. In diesem Jahr wollten die Favoriten diese Zeiten unterbieten. Doch das Wetter hatte andere Pläne. Und das passt irgendwie: Am Kap hat die Natur immer das letzte Wort.
Eine schwierige, aber notwendige Entscheidung
Einige kritisierten den Zeitpunkt der Absage, die erst 75 Minuten vor dem Start bekannt gegeben wurde. Doch die Fakten ließen den Veranstaltern keine andere Wahl: eingestürzte Strukturen, nicht abzusichernde Anlagen und ein zu großes Risiko für Helfer und Läufer. Die Organisatoren hatten sogar einen späteren Start oder eine geänderte Strecke geprüft. Doch die Lage erlaubte es nicht mehr, die erforderlichen Mindeststandards bei der Sicherheit zu garantieren. Die bittere Ironie: Rund um den Startbereich flaute der Wind um 6:15 Uhr ab, genau zu dem Zeitpunkt, an dem das Rennen hätte beginnen sollen. Zu spät, der Schaden war angerichtet. In einigen Streckenabschnitten wurden weiterhin Böen von mehr als 50 km/h registriert.
Wie geht es jetzt weiter?
Die Organisatoren haben bestätigt, dass es keine Rückerstattungen geben wird. Alle Startplätze für 2025 werden jedoch dank der Unterstützung des Hauptsponsors Sanlam kostenlos auf 2026 oder 2027 übertragen. Die nächste Ausgabe ist bereits für den 24. Mai 2026 angesetzt. Dann sollen günstigere Bedingungen endlich die große Bühne für dieses bedeutende Rennen des afrikanischen Kontinents bereiten.
Auch die Bewerbung für die World Marathon Majors scheint noch nicht gescheitert: Das Komitee lobte die Professionalität des Teams im Umgang mit der Krise. Zweifel bleiben trotzdem. Könnte dieser Vorfall den Beitritt von Cape Town zum erlesenen Kreis der Majors verzögern? Dawna Stone, Generaldirektorin der Abbott World Marathon Majors, sprach der Organisation und den Läuferinnen und Läufern ihre Unterstützung aus: „Wir hatten uns sehr darauf gefreut, die Fortschritte zu sehen, die das Team des Cape Town Marathon in diesem Jahr nach der erfolgreichen Bewertung 2024 gemacht hat. Unsere Gedanken sind bei den Organisatoren, den Helfern und den Teilnehmenden, die diesen Tag zu einem historischen Moment machen wollten. Wir verstehen, wie schwer diese Entscheidung gewesen sein muss.“
Auch wenn manche bereits den Untergang beschwören: Dieser Rückschlag dürfte den Aufnahmeprozess bei den Majors nicht gefährden, sondern allenfalls verzögern. Die Beziehungen zwischen dem Veranstalter und der Majors-Organisation sind sehr gut. Die Absage ist zudem ein weiterer Beleg für die Professionalität des Veranstalters. Bei der nächsten Ausgabe im Mai 2026 werden außerdem die AbbottWMM Marathon Tours & Travel Age Group World Championships (AGWC) ausgetragen. Das ist ein starkes Zeichen für die enge Verbindung zwischen den beiden Institutionen.
Der Wind blies heftig über Cape Town hinweg, riss eine als historisch erwartete Ausgabe mit sich und zerstörte die Hoffnungen tausender Läufer. Doch trotz der Enttäuschung übernahm der Veranstalter Verantwortung, traf eine äußerst schwierige Entscheidung und stellte klar, dass die Sicherheit der Teilnehmenden und Helfer oberste Priorität hat. Der Traum vom ersten afrikanischen Major ist aufgeschoben, nicht aufgegeben. Im Mai bekommt Cape Town eine neue Chance zu zeigen, dass die Stadt ihren Platz an der Spitze der internationalen Laufszene verdient.
✔ Alle Informationen zur Veranstaltung gibt es auf der offiziellen Website des Cape Town Marathon