Courtney Dauwalter, Königin des Ultrarunnings, läuft beim Twin Cities Marathon 2:49 Stunden
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Sie hat die größten Berge, Wüsten und härtesten Trails der Welt bezwungen. Doch an diesem Herbstmorgen suchte Courtney Dauwalter die nächste Herausforderung auf Asphalt. Am 5. Oktober tauschte die unumstrittene Königin des Ultrarunnings die Geröllpfade Colorados gegen die Straßen des Twin Cities Marathon zwischen Minneapolis und Saint Paul in ihrem Heimatstaat Minnesota. Zum ersten Mal trat sie als Profi auf der klassischen Marathondistanz an. Unter schwierigen Bedingungen kam die US-Amerikanerin nach 2:49:54 Stunden ins Ziel und belegte in der Frauenwertung einen starken siebten Platz.
Vom Berg auf die Straße: Neugier statt Kalkül
Kein minutiös abgestimmter Trainingsplan, keine Zeitvorgabe, kein Coach an ihrer Seite. Nur der Wunsch herauszufinden, „wie es sich anfühlt“. „Ich hatte keine Ahnung, wie es laufen würde. Genau das hat mich aber gereizt“, sagte sie vor dem Rennen.
Das Ergebnis: 2:49:54 Stunden, Platz sieben bei den Frauen und Rang 64 in der Gesamtwertung, bei drückender Hitze und starkem Wind. Für eine Athletin, die normalerweise dreißig Stunden in den Bergen unterwegs ist, verdient diese Zeit Respekt. Noch inspirierender als die Leistung ist jedoch ihre Haltung: kein großes Storytelling, kein Marketingfeuerwerk. Nur eine Champion, die sich wieder einmal „wie ein Rookie fühlen“ wollte.
Eine beeindruckende Bilanz und grenzenlose Widerstandskraft
Bevor wir uns ihren Marathon genauer ansehen, muss man sich vor Augen führen, wer Courtney Dauwalter ist. Sie ist eine Legende des Ausdauersports und die unumstrittene GOAT des Trailrunnings. Dreimal gewann sie den Hardrock 100, zweimal die Western States und dreimal den UTMB, darunter die legendäre Trilogie von 2023: Western States, Hardrock und UTMB in einem einzigen Jahr. Niemand hatte das zuvor geschafft.
Auf den Ultradistanzen hat sie die körperlichen und mentalen Grenzen des Möglichen neu definiert. Mit 40 Jahren läuft sie noch immer in den Top 10 der Gesamtwertung, Seite an Seite mit den besten Männern, stets mit demselben Lächeln und in ihren inzwischen ikonischen weiten Shorts. Ein Star ohne Glitzer, der sich mit Jelly Beans, Nachos und hellem Bier antreibt und über die „Pain Cave“ spricht, als wäre sie ein Spielplatz. In dieser „Pain Cave“ verbrachte sie bei ihrem letzten UTMB vor wenigen Wochen besonders viel Zeit. Ihr Körper sagte auf halber Strecke Stopp, doch ihr eiserner Wille brachte sie glücklicherweise bis ins Ziel. Aufgeben war für sie nie eine Option.
Eine Rückkehr zu den Wurzeln
Die US-Amerikanerin wurde in Hopkins, Minnesota, geboren und wuchs nur wenige Kilometer von der Strecke des Twin Cities Marathon entfernt auf. Für sie hatte dieses Rennen eindeutig den Charakter einer Heimkehr. Hier war sie bereits 2009 ihren ersten Marathon in 3:18 Stunden gelaufen, 2012 folgte ein zweiter, gemeinsam mit ihren Brüdern und „zum Spaß“.
Dreizehn Jahre später kehrte sie auf dieselben Straßen zurück, mit derselben Einstellung: neugierig und mit Freude dabei. Allerdings mit deutlich mehr Erfahrung ... und Ausdauer. „Nach einem Sommer in den Bergen war der Zeitpunkt perfekt für einen Tapetenwechsel“, schrieb sie nach dem Rennen auf Instagram. „Meine Beine auf der Straße zu testen, hat Spaß gemacht. Und es war hart. Aber vor allem hat es Spaß gemacht.“
Ein kontrolliertes Rennen, ein unveränderter Stil
Courtney Dauwalter stand ganz sie selbst an der Startlinie: lange Shorts, oranges T-Shirt, ein Dauerlächeln im Gesicht. An den Füßen trug sie ein komplett weißes Paar Salomon, einen geheimnisvollen Prototypen der französischen Marke, der die Schuhnerds in den sozialen Netzwerken in Aufruhr versetzte.
Auf der Strecke gab es dagegen keine Geheimnisse: Sie lief wie ein Metronom. Die Halbmarathonmarke passierte sie nach 1:24:09 Stunden, mit einem konstanten Tempo von 3:59 min/km. In der zweiten Rennhälfte verlor sie wegen der stark profilierten Strecke und des Gegenwinds einige Sekunden. Im Ziel standen 2:49:54 Stunden und eine Grimasse, die sich in ein Lächeln verwandelte: „That was so fun.“
Bei den Frauen gewann Jane Bareikis in 2:32:52 Stunden vor Megan O’Neil (2:36:43) und Allie Kieffer (2:38:44). Bei den Männern lief Will Norris in 2:15:39 Stunden zum Sieg. Tesfu Tewelde (2:16:04) und Benard Kipkemoi Rotich (2:17:35) komplettierten das Podium.
Die Grenzen zwischen Trail und Straße einreißen
Die GOAT des Trailrunnings auf der Straße zu sehen, ist für alle Laufbegeisterten zwangsläufig inspirierend. Ihr Start beim Twin Cities Marathon erzählt eine ehrliche, authentische Geschichte: Die Grenzen zwischen Trail, Ultra und Straße verschwimmen.
Sie zeigt, dass ein Ultraläufer Freude an der klassischen Marathondistanz haben kann, dass Leistung nicht immer eine Frage von Podiumsplätzen ist und dass Neugier ein ebenso starker Antrieb sein kann wie Ehrgeiz. Kurz gesagt erinnert sie daran, dass der Sport und ganz besonders das Laufen ein Feld zum Experimentieren und Entdecken bleibt, auf dem wir herausfinden können, wie weit wir kommen.
Wie sie haben sich auch andere professionelle Trailläufer bereits auf der Straße versucht, um an ihrer Geschwindigkeit zu arbeiten oder einfach Neues zu entdecken. Zu ihnen zählen Mathieu Blanchard (2:22 Stunden in Paris 2023), Jim Wamsley (2:15 Stunden) und Tom Evans. Der jüngste UTMB-Sieger kann auf der flachen Strecke internationale Spitzenzeiten vorweisen: 13:41 Minuten über 5 km, 29:44 über 10 km und 1:03:14 Stunden im Halbmarathon.
Courtney Dauwalter hat keinen weiteren Marathon angekündigt. Aber bei ihr weiß man eines: Es ist nie vorbei. Jedes Rennen ist ein Abenteuer, jeder Schmerz ein Spiel, jede Ziellinie ein neuer Start. Und auch wenn ihre Zeit von 2:49 Stunden kein Weltrekord ist, bringt sie den Geist der Trail-Königin perfekt auf den Punkt: Freude vor Leistung, Neugier vor Sieg.