Der Ekiden Villeneuve d’Ascq, Nordfrankreichs Kult-Marathon im Staffelformat
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Bei seiner sechsten Auflage am 12. Oktober stellte der Ekiden Villeneuve d’Ascq mit knapp 3.500 Läuferinnen und Läufern einen neuen Teilnehmerrekord auf. Wahnsinnsstimmung, starke Zeiten und ein ganz besonderer Vormittag: Marathons.com lässt ihn noch einmal aufleben.
Ein überfüllter Parkplatz. Ein proppenvolles Stadion. Im Hintergrund läuft „Freed from Desire“ von Gala. Man könnte meinen, gleich steigt ein Spiel von Olympique Marcquois Rugby. Falsch gedacht. Am Sonntagmorgen, dem 12. Oktober, drehten bei der sechsten Auflage des Ekiden Villeneuve d’Ascq 3.390 Läuferinnen und Läufer in 565 Teams ihre Runden auf der Bahn des Stadium Lille Métropole. Der Staffellauf über die Marathondistanz, bei dem sechs Personen ein Team bilden, lässt den Norden Frankreichs beben. „Wir haben das Teilnehmerfeld begrenzt, weil wir von Jahr zu Jahr wachsen. Aus Sicherheitsgründen haben wir uns eine Obergrenze von 550 Teams gesetzt. Ohne diese Begrenzung wären wir inzwischen bei 700 bis 750 Teams“, erklärt Didier Cauchy, der Organisator der Veranstaltung.
Ehrlich gesagt konnte man fast den Eindruck bekommen, die Arena würde aus allen Nähten platzen. Um 9 Uhr gingen Hobbyläufer und erfahrene Marathonläufer auf die ersten fünf Kilometer. „Danach wechseln wir zwischen 10 und 5 Kilometern, bevor der letzte Läufer 7,195 Kilometer übernimmt.“ Viele Farben, ein gemeinsames Lächeln. Mit einer Orangenspalte in der Hand waren Hélène Andrzejak und Francois Dellatre vom Union Sportive Douvrin Athlétisme vor allem aus Spaß dabei. Sie hat erst Anfang des Jahres mit dem Laufen begonnen, er ist auf Ultratrails spezialisiert und nahm bereits dreimal am Grand Raid de La Réunion teil. Gemeinsam absolvierten sie die Strecke im Osten von Lille in 22 Minuten. „Jetzt ist Zeit für ein Bier“, lachen sie.
Eine nachhaltige Medaille als letztes Puzzleteil
Miteinander, Rücksicht und gegenseitige Hilfe: Louis Grattepanche will diese Werte verkörpern. Mit New-Balance-Laufschuhen an den Füßen arbeitet der Liller, der mit seinem Zwillingsbruder Victor im Viertel Bois Blancs lebt, seit vier Jahren an einem Herzensprojekt. „Ich wollte meine Kollegen von der Advens-Gruppe, einem Cybersicherheitsunternehmen, gemeinsam mit LADAPT an Bord holen. Die Organisation hat mich unterstützt, als ich jünger war“, erzählt er mit leichtem Lispeln. Grattepanche hat eine rechtsseitige Hemiparese, also eine teilweise Lähmung, und einen Abschluss in Mathematik. Er will die Barrieren abbauen, die Menschen mit Behinderung im Weg stehen. Passenderweise war er es, der die letzten Hektometer in 49 Minuten und 6 Sekunden absolvierte.
Mit etwas grauerem Haar war Éric Delannoy gemeinsam mit seinen Trainingspartnern vom OSM Lomme Athlétisme angereist. „Vor 15 Jahren habe ich das Laufen für mich entdeckt“, erzählt der Sechzigjährige. „Zunächst habe ich es als Ergänzung zum Radfahren betrieben. Dann hat das Laufen die Oberhand gewonnen.“ Seitdem hat der Nordfranzose zahlreiche große Marathons absolviert. Seine Bestzeit liegt bei 3:55 Stunden, gelaufen 2014 in Rom. Köln, Porto und Paris gehören ebenfalls zu seiner Marathonbilanz, wobei Paris sein Favorit ist. „Die Strecke ist großartig. Paris ist die schönste Stadt der Welt.“ Im kommenden Jahr will er in Freiburg starten und erstmals unter fünf Stunden bleiben.
Auch die Medaillensammlung ließ sich am Sonntag vervollständigen. Während einige mit ihrer ersten Medaille nach Hause gingen, konnten andere das letzte Puzzleteil ergattern (siehe Foto oben). Sechs Medaillen für sechs Auflagen. „Für das kommende Jahr werden wir das Design noch einmal überarbeiten“, kündigt Veranstaltungschef Didier Cauchy an. Auch die Zeiten konnten sich sehen lassen: Das Team Jean-Luc Lemire, benannt nach dem ehemaligen Spezialisten über 3.000 Meter Hindernis, wurde in 2:26:12 Stunden gestoppt und erreichte einen Schnitt von 17,32 km/h. Les Girls, eines von nur vier reinen Frauenteams, lief mit 3:11:09 eine beachtliche Zeit. Besonders stark war Inès Leuwers, die ihren 5-km-Abschnitt im vorletzten Wechsel in 20:52 Minuten absolvierte. Ein Vormittag, der beinahe zu schnell vorbeiging.
Kollegen, Freunde, Familien und Kinder: Der Ekiden Villeneuve d’Ascq pulsierte im Rhythmus der Schritte seiner 3.390 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ein Marathon des Miteinanders und vor allem ein menschliches Abenteuer.