Paris-Versailles 2025: Mélody Julien und Faustin Guigon gekrönt
Die 46. Ausgabe von Paris-Versailles ließ die Straßen zwischen dem 16. Arrondissement und dem Schloss von Versailles erneut beben. Knapp 25.000 Läufer gingen am Fuß des Eiffelturms an den Start. Blauer Himmel, strahlender Sonnenschein und Volksfeststimmung: Die vom Verein Paris-Versailles organisierte Veranstaltung mobilisierte 1.800 Helfer. Auf den 16,2 Kilometern dieser legendären Strecke, die Volksfest und echte sportliche Herausforderung verbindet, glänzten Mélody Julien (53:03) und Faustin Guigon (50:13) mit zwei starken Zeiten.
Seit 46 Jahren gibt es diesen Lauf, und seither zieht er ungebrochen Läufer an, die zu 85 Prozent aus der Region Paris kommen. Auch wenn kein Teilnehmerrekord fiel, weil das maximale Starterfeld seit 2013 jedes Jahr ausgeschöpft wird, bleibt der Erfolg dieses „historischen“ Laufs beeindruckend.
Mélody Julien, die Königin von Versailles
Die Langstrecklerin vom AM Montredonnais läuft diesen Wettbewerb besonders gerne. Ein welliger Kurs, harte Konkurrenz und perfekte Wetterbedingungen: Paris-Versailles bringt alles mit, was es für einen starken Lauf braucht. Zwei Wochen vor ihrem großen Saisonziel, dem Chicago Marathon, Mélody Julien bestätigte ihre starke Form. Sie dominierte das Rennen und verteidigte ihren Thron vor dem Schloss von Versailles in 53:02 Minuten, nachdem sie 2024 noch 55:29 gebraucht hatte. Dahinter folgte viel Qualität: Anaïs Quemener belegte in 57:21 Minuten den zweiten Platz, Émilie Christel komplettierte das Podium in 1:02:06 Stunden.
Nun stehen für Mélody Julien zwei Wochen Tapering an, bevor sie beim legendären Chicago Marathon an den Start geht. Dort wurden 2023 und 2024 die Marathon-Weltrekorde der Frauen und Männer aufgestellt. Die Bühne ist bereitet. Die 26-jährige Athletin aus dem Département Tarn will ihren spektakulären Aufstieg in der französischen Langstreckenszene fortsetzen und eine neue persönliche Bestzeit aufstellen. Ihre aktuelle Bestmarke von 2:25:00 lief sie 2023 in Valencia.
Mélody Julien, die eigens aus dem Tarn angereist war, um ihren Titel zu verteidigen, setzte sich erneut durch. Auf den Spuren der Olympischen Spiele von Paris zu laufen, war für sie ein schöner Auftakt in die Saison. „Ich wusste, dass ich in Form bin, aber ich komme aus zwei harten Trainingswochen. Deshalb hatte ich ein wenig Angst, müde zu sein, wie im vergangenen Jahr, als ich direkt nach den Spielen gelaufen bin. Ich hatte sehr gute Beine und bin optimistisch für den Chicago Marathon am 12. Oktober. Es macht mir wirklich Freude, hier zu laufen, und das Ziel war der Doppelsieg“, sagte sie erschöpft, aber glücklich.
Anaïs Quemener, weiterhin für La Meute startberechtigt, wurde ständig um ein paar Worte und Fotos gebeten und freute sich sichtlich über Platz zwei: „Ich bin eher zum Kennenlernen hergekommen, weil ich seit der Geburt meines kleinen Sohnes Elyo keinen offiziellen Wettkampf in Paris bestritten hatte. Deshalb hatte ich mit der Startnummer eigentlich kein konkretes Ziel. Im Laufe des Rennens hat es mich dann gepackt, und wie immer hatte ich großen Spaß. Ich war in einer Gruppe mit anderen Läufern, das war großartig! Der zweite Platz ist ein Bonus, denn er war nicht mein Hauptziel. Aber sagen wir: Die Saison beginnt gut.“
Mit deutlichem Abstand sicherte sich Emilie Christel den dritten Platz in 1:01:42 Stunden. Die Versaillerin läuft seit ihrer Kindheit und überzeugte gleich bei ihrer ersten Teilnahme. „Einen Kilometer vor dem Ziel habe ich erfahren, dass ich Dritte bin. Ich bin sehr froh, zu Hause anzukommen und nun das Sonntagsessen mit Hühnchen genießen zu können. Der Start aus den bevorzugten Startblöcken hat mir das Rennen wirklich erleichtert. Es war großartig!“, berichtete die ehemalige Athletin des Vereins Saint-Quentin-en-Yvelines.
Hier zu laufen, macht große Freude. Danke an die Organisation und die Helfer. Im vergangenen Jahr bin ich nach den Spielen gelaufen und war etwas müde. Gerade habe ich zwei harte Vorbereitungswochen absolviert und fühle mich sehr gut für den 12. Oktober: Mein Ziel ist der Chicago Marathon Anfang Oktober.
Faustin Guigon: Ein Sieg, der guttut
Es war kaum 10:50 Uhr, als Faustin Guigon weit vorne liegend die Ziellinie überquerte. Seine Zeit: 50:13 Minuten. Favorit Florian Carvalho, 23-maliger französischer Nationalkaderathlet, schlug sich ebenfalls stark und kam nach 50:54 Minuten ins Ziel. Der Läufer von Pays de Fontainebleau Athlétisme stellt inzwischen vor allem die Freude am Sport in den Mittelpunkt. „Die Form ist nebensächlich. Ich komme vom Halbmarathon Auray-Vannes, der noch Spuren hinterlassen hat, und hatte privat eine etwas schwierige Woche. Ich freue mich, mit Faustin und Sacha vorne dabei gewesen zu sein, es war ein schöner Sonntag. Wir kommen stärker zurück. Heute laufe ich aus Freude, gebe aber auch meine Erfahrung an die Jugendlichen im Verein weiter und finde weiterhin Erfüllung darin. Das ist das Wichtigste.“ Sacha Liguori komplettierte das Podium und war begeistert, mit zwei Athleten dieses Kalibers auf dem Treppchen zu stehen.
Ich bin überrascht. Es ist meine dritte Teilnahme, und ich hatte bei der Zeit ein paar Orientierungspunkte. Ich wollte unter 52 Minuten bleiben und bin 50:13 gelaufen. Unglaublich! Die Bedingungen waren günstig, das Wetter perfekt, ich kannte die Strecke und fühlte mich gut. Dieser großartige Sieg vom Eiffelturm bis zum Schloss von Versailles ist kaum zu toppen. Für diesen Klassiker hätte ich mir nichts Besseres wünschen können.
Die gefürchtete Côte des Gardes: die Herausforderung für die Läufer
Die zwei Kilometer lange Côte des Gardes mit durchschnittlich sieben Prozent Steigung und bis zu zwölf Prozent im steilsten Abschnitt genießt in der Pariser Laufszene bereits einen gewissen Ruf, nicht zuletzt wegen des legendären Streckenverlaufs. Sie fasziniert und zieht an, macht aber auch Respekt. Fadila Imerglik bewältigte den Lauf in 1:18 Stunden und verbesserte den Streckenrekord des Vorjahres von 1:22 deutlich. Über die Schwierigkeit sagte sie: „Am meisten hatte ich Angst vor dem Anstieg. Ich habe regelrecht Albträume davon bekommen. Er ist extrem hart, mit Passagen von elf Prozent, und schwer gezielt zu trainieren. Ich bin keine gute Bergläuferin und wusste deshalb, dass ich das auf dem restlichen Kurs ausgleichen musste. Selbst bei einem Tempo von 7:00 min/km brennt es in Gesäß und Oberschenkeln ... Mein Gott, was für ein Albtraum!“ Lola Le Brestec vom Team Infinity Run riet: „Man darf nicht zu schnell loslaufen, denn der Anstieg kommt in zwei Abschnitten. Wenn man das Observatoire de Meudon erreicht, glaubt man, es sei geschafft ... aber ein Stück kommt noch. Man muss bis zum Ende Kräfte sparen: noch zwei oder drei Anstiege, dann zwei Kilometer leicht wellig bis zur Ziellinie, die man schon in der Ferne sieht.“
Die Pfadfinder als Stimmungsmotor an der Strecke
Der 1976 ins Leben gerufene Lauf basiert auf einem einzigartigen Vereinsmodell. Es gibt keine öffentlichen Zuschüsse. Finanziert wird die Veranstaltung ausschließlich über die Startgebühren und den Einsatz von fast 2.500 Menschen, darunter 1.800 Helfer aus den örtlichen Vereinen. Paris-Versailles ist mehr als ein Rennen: ein großes Volksfest und zugleich ein Schaufenster für die Organisation französischer Laufveranstaltungen.
Die Helfer spielen während der gesamten Veranstaltung eine zentrale Rolle. Die örtlichen Vereine sind natürlich eingebunden, doch die Scouts et Guides de France stechen mit ihrer Energie und Begeisterung besonders hervor. Am Start, an den Verpflegungsstellen und sogar an der gefürchteten Côte des Gardes mit ihren Signalhörnern waren sie überall präsent. Rund 400 von ihnen empfingen die Finisher im Ziel und beließen es nicht bei der Ausgabe von Medaillen und Wasserflaschen: Bei jeder Übergabe brandeten Anfeuerungsrufe und La-Ola-Wellen auf. Für die Pfadfinder ist die Teilnahme an Paris-Versailles fast ein Initiationsritus. Dabei zu fehlen, ist keine Option!
Paris-Versailles, ein beliebter und anspruchsvoller Klassiker
Paris-Versailles nimmt im Herzen der Läufer einen so besonderen Platz ein, weil der Lauf zwei Dinge einzigartig verbindet: Er ist ein Volkslauf mit 25.000 Teilnehmern und zugleich eine anspruchsvolle sportliche Herausforderung. Die berühmte, zwei Kilometer lange Côte des Gardes ist ein legendärer Streckenabschnitt und wurde auch beim Marathon der Olympischen Spiele von Paris 2024 genutzt. Ist der Anstieg geschafft, lassen das Ziel vor dem Schloss von Versailles viele Schmerzen vergessen und schenken den Läufern ein außergewöhnliches Glücksgefühl.
Mit intensiven Anstrengungen, ikonischen Landschaften und Zusammenhalt entlang der Strecke bestätigt Paris-Versailles einmal mehr seinen festen Platz im französischen Laufkalender. Unter strahlender Sonne zeigte die 46. Ausgabe die ganze Magie dieses Laufs: Mélody Julien bestätigte ihre Überlegenheit, Faustin Guigon schrieb eine der schönsten Seiten seiner noch jungen Karriere, und Tausende unbekannte Läufer erlebten beim Überqueren der Ziellinie vor dem Schloss von Versailles ihren eigenen großen Moment. Der Termin für die 47. Ausgabe steht bereits fest: 27. September 2026. Die Liebesgeschichte zwischen Paris-Versailles und dem Laufsport ist noch lange nicht vorbei.
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