TCS Toronto Waterfront Marathon 2025: Shure Demise und Leonard Langat siegen, Ben Flanagan kanadischer Meister
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Toronto hat einmal mehr gezeigt, warum der Marathon zu den besten Rennen Nordamerikas zählt. Am Sonntag, dem 19. Oktober, gingen bei der 36. Ausgabe des TCS Toronto Waterfront Marathon mehr als 31.000 Läuferinnen und Läufer an den Start, mitten in einer lebendigen Stadt und vor einem Publikum, das sich immer stärker für den Laufsport begeistert. Unter grauem Himmel und bei Wind vom Ontariosee wurden die afrikanischen Favoriten ihrer Rolle gerecht: Leonard Langat und Shure Demise glänzten mit Zeiten von 2:08:05 und 2:21:04. Gleichzeitig kämpften die besten Kanadier um die nationalen Titel. Ben Flanagan feierte ein starkes Marathondebüt, während Rachel Hannah bei den Frauen den kanadischen Meistertitel holte. Ein Rückblick auf ein stimmungsvolles Rennen, das trotz schwieriger Bedingungen großen Sport bot.
Leonard Langat läuft souverän zum Sieg
Bei den Männern feierte der Kenianer Leonard Langat ein viel beachtetes Comeback auf kanadischem Boden. In 2:08:05 überquerte er als Erster die Ziellinie, erzielte seine schnellste Zeit seit drei Jahren und die zweitbeste seiner Karriere. Seine Bestzeit liegt bei 2:06:59. In einem engen Rennen, in dem die fünf Erstplatzierten weniger als eine Minute auseinanderlagen, bewies Langat Geduld und große Übersicht und setzte sich auf den Straßen Torontos durch. Nachdem er im Frühjahr bereits den Mailand-Marathon in 2:08:38 gewonnen hatte, krönt er eine perfekte Saison und bestätigt seine Konstanz sowie seine Klasse bei internationalen Toprennen.
Hinter ihm komplettierten seine Landsleute Noah Kipkemboi (2:08:29) und Sila Kiptoo (2:08:46) ein rein kenianisches Podium. Der Titelverteidiger Mulugeta Uma gab auf, während Dominic Ngeno, im vergangenen Jahr Zweiter, diesmal Platz sechs belegte. Toronto hat seinen König zurück, und Langat ist wieder auf seinem besten Niveau.
Shure Demise, die Wiedergeburt einer Siegerin
Neun Jahre nach ihren ersten beiden Siegen in Toronto zeigte Shure Demise (Äthiopien) eine herausragende Leistung. Mit 2:21:04 lief sie ihre schnellste Zeit seit ihrem Marathondebüt vor zehn Jahren und blieb nur fünf Sekunden über dem Junioren-Weltrekord, den sie 2015 aufgestellt hatte. Nach einer dreijährigen Pause von der Marathondistanz hatte Demise bereits im Frühjahr mit ihrem Sieg beim Mailand-Marathon in 2:23:31 ein Ausrufezeichen gesetzt. Toronto bestätigt ihr Comeback: kontrolliert, locker und mit einer Leichtigkeit, die sie wiedergefunden hat. Hinter ihr komplettierten die Kenianerin Betty Chepkorir (2:23:46) und die Äthiopierin Almaz Kebebe (2:26:41) das Podium.
Das Frauenrennen hielt allerdings auch eine höchst unerwartete Episode bereit: Die drei Äthiopierinnen Gojjam Enyew, Dibabe Beyene und Nigsti Haftu, verpassten bei etwa Kilometer 20 die Abzweigung zwischen Halbmarathon und Marathon. Enyew und Beyene, die zu diesem Zeitpunkt zur Spitzengruppe gehörten, folgten dem Halbmarathonfeld bis ins Ziel ... 22 Kilometer zu früh. Aufnahmen von ihrem sichtlich verwirrten Zieleinlauf verbreiteten sich anschließend rasch in den sozialen Netzwerken.
Ben Flanagan mit gelungenem Debüt und kanadischem Titel
Eine der großen Attraktionen des Wochenendes war das Marathondebüt von Ben Flanagan. Der Bahn-Spezialist und Olympia-Teilnehmer von Paris 2024 über 5000 Meter, kanadischer Meister über 5 und 10 Kilometer, wagte sich erstmals auf die klassische Distanz. Das Ergebnis: ein schmerzhaftes Finish, aber ein geglücktes Experiment. Mit 2:15:41 holte er bei seinen ersten 42,195 Kilometern gleich den nationalen Titel. Der Läufer aus der Region teilte sich das Rennen klug ein, passierte die Halbmarathonmarke kontrolliert in 1:06:49 und biss sich auf den letzten Kilometern durch. Im Gesamteinlauf wurde er Zehnter und verwies Phil Parrot-Migas (2:17:16) und Andrew Alexander (2:18:16) auf die Plätze. Beide liefen trotz des Gegenwinds auf der zweiten Hälfte starke Zeiten.
Ben Flanagan hat damit gezeigt, dass künftig mit ihm unter den aussichtsreichsten kanadischen Marathonläufern zu rechnen ist. Der nationale Titel macht sein Debüt zu einem wichtigen Schritt beim Wechsel von der Bahn auf die Straße. Der 30-Jährige will Kanada beim Marathon der Olympischen Spiele 2028 in Los Angeles vertreten.
Rachel Hannah ist endlich kanadische Meisterin
Bei den Frauen erlebte die erfahrene Rachel Hannah endlich ihren großen Moment. Bei ihrem fünften Start in Toronto gewann die Läuferin aus Port Elgin erstmals den kanadischen Marathonmeistertitel. Ihre Zeit von 2:33:47 war ihre schnellste seit 2016. Mit 39 Jahren beweist Hannah, dass sie weiterhin zu den zuverlässigsten Langstreckenläuferinnen Kanadas gehört. Erfahrung und beeindruckende Konstanz sind ihre großen Stärken. Sie setzte sich vor Makenna Fitzgerald (2:38:59) und Brittany Moran (2:42:46) durch, die nach ihrer Mutterschaft in den Wettkampfsport zurückkehrte.
Nobbs und Mawhinney gewinnen den Halbmarathon
Im zeitgleich ausgetragenen Halbmarathon glänzten zwei junge Kanadier: Thomas Nobbs bei den Männern in 1:03:28 und Erin Mawhinney bei den Frauen in 1:13:30. Das Duo, das bereits mit nationalen Podiumsplätzen vertraut ist, setzte sich in einem stark besetzten Feld souverän durch. Mawhinney feierte in Toronto sogar ihren zweiten Sieg innerhalb von drei Jahren und bestätigte damit ihre Konstanz auf höchstem Niveau. Nobbs gelang die Revanche für sein missglücktes Rennen vor zwei Jahren. Nun richtet sich sein Blick bereits auf das Marathon Project im Dezember in Arizona.
Die Ergebnisse im Überblick
Marathon Männer: Leonard Langat (KEN) – 2:08:05
Marathon Frauen: Shure Demise (ETH) – 2:21:04
Kanadische Meisterschaft Männer: Ben Flanagan – 2:15:41
Kanadische Meisterschaft Frauen: Rachel Hannah – 2:33:47
Halbmarathon Männer: Thomas Nobbs – 1:03:28
Halbmarathon Frauen: Erin Mawhinney – 1:13:30
Ein Marathon zwischen Spitzenleistung und Volksfeststimmung
Diese Ausgabe des TCS Toronto Waterfront Marathon bestätigt die Klasse einer Veranstaltung, die eine schnelle Strecke, perfekte Organisation mit dem World Athletics Elite Label und die Atmosphäre einer nordamerikanischen Großstadt verbindet. Die Route führt am Ontariosee entlang und anschließend zurück ins Zentrum Torontos. Sie begeistert Eliteläufer ebenso wie Hobbyathleten. Der Wind kann unberechenbar sein, doch die ununterbrochenen Anfeuerungsrufe helfen den Läuferinnen und Läufern, die 42,195 Kilometer zu Ende zu bringen. Afrikanische Eliteläufer, aufstrebende kanadische Langstreckler und Tausende unbekannte Läufer, die ihre Grenzen verschieben wollten: Toronto lieferte erneut die perfekte Mischung aus Leistung und Leidenschaft. Insgesamt liefen 31.000 Teilnehmer durch die Straßen der Stadt und machten Toronto zu einem riesigen Lauffest.
Toronto hat einmal mehr bewiesen, dass sich Spitzenleistung und Begeisterung verbinden lassen. Zwischen Leonard Langats Rückkehr an die Spitze, Shure Demises Wiedergeburt und Ben Flanagans viel versprechendem Debüt wird diese Ausgabe 2025 in Erinnerung bleiben. Wind, Rekorde, Emotionen und 31.000 Läufer haben ein weiteres Kapitel in der Geschichte des kanadischen Laufsports geschrieben.
✔ Hier findest du alle Ergebnisse des TCS Toronto Waterfront Marathon 2025.