Der Balancekünstler des Asphalts: Moshe Lederfien und seine magische Ananas
Eine Ananas auf dem Kopf, 42 Kilometer in den Beinen und ein Lächeln auf jedem Gesicht: Am 21. September machte der 68-jährige Israeli Moshe Lederfien den Berlin-Marathon 2025 zur tropischen Feier. Fünf Stunden Anstrengung, kein Sturz und eine fruchtige Lebensphilosophie. Das Porträt eines Mannes, der der Freude hinterherläuft, nicht der Zeit.
In der Nähe der Berliner Mauer kommen manche, um Rekorde zu brechen, andere, um einfach ins Ziel zu kommen. Moshe Lederfien kam, um Menschen zum Lächeln zu bringen. Am 21. September 2025 wurde der Berlin-Marathon Zeuge eines dieser außergewöhnlichen Momente: Der 68-jährige Moshe Lederfien absolvierte die 42,195 Kilometer durch die deutsche Hauptstadt mit einer Ananas auf dem Kopf. Und nein, das war kein Anfänger-Gag: Nach fünf Stunden Anstrengung überquerte er die Ziellinie, während die Frucht reglos über seinem Kopf zu schweben schien.
Unbemerkt blieb das unmöglich. Jeder Zuschauer und jeder Läufer, dem er auf der Strecke begegnete, musste den Blick heben und feststellen, dass es weder ein exzentrischer Hut noch ein Kostüm war: eine echte Ananas mit stolz aufragender Blätterkrone. Berlin, Stadt der Rekorde und historischen Bestzeiten, bekam so seine tropische Note.
Eine Strecke, 53 Marathons und ein verrücktes Engagement
Für Moshe Lederfien war dieser Marathon keine Premiere. Seit mehreren Jahren bereist der Israeli die Welt, von Marathon zu Marathon, stets mit seiner treuen Ananas. Der Berlin-Marathon 2025 war der 54. Lauf über 42,195 Kilometer, den er mit der exotischen Frucht auf dem Kopf bestritt. Dieses Ritual, das er selbst als „eine Möglichkeit, dem Laufen einen Sinn zu geben“ bezeichnet, ist zu seinem Markenzeichen geworden: kein verstecktes Hilfsmittel, kein Sicherheitsnetz, nur die Kontrolle über das eigene Gleichgewicht und eine außergewöhnliche Disziplin.
„Die Leute sehen mich laufen, und ich sehe das Lächeln auf ihren Gesichtern. Dann fühle ich mich wie ein König“, sagte Moshe Lederfien 2022. Ein König ohne Krone, aber mit einer Ananas. Für ihn ist diese Geste weit mehr als eine bloße Show: „Die Verbindung zwischen Mensch und Natur, zwischen Körper und Geist, lässt sich nicht trennen. Deshalb muss die Ananas auch bei hohem Tempo auf meinem Kopf bleiben“, erklärte er damals.
Eine Philosophie zwischen Körperbeherrschung und bewegter Meditation, die er auf seinem YouTube-Kanal mit entwaffnender Schlichtheit zusammenfasst: „Ich laufe gern Marathons mit einer auf meinem Kopf balancierten Ananas.“ Die Frucht steht damit sinnbildlich für das innere Gleichgewicht, das jeder Läufer auf dem Asphalt finden kann: zwischen Anstrengung, Ausdauer und Spaß.
Der „Pineapple Runner“, eine Legende auf Weltreise
Auf Instagram ist Moshe Lederfien unter dem Namen „Pineapple Marathon Runner“ bekannt. Seine Fotos und Videos gehen um die Welt, zwischen amüsierten Zuschauern und verblüfften Läufern. Bei jedem Marathon sind die Reaktionen ähnlich: Überraschung, schallendes Lachen, manchmal auch Bewunderung. Einige Zuschauer haben sogar begonnen, ihn ein paar Kilometer lang zu begleiten, um dieses unglaubliche Schauspiel festzuhalten.
An Anekdoten mangelt es nicht. Beim Berlin-Marathon 2019 zeigte ihn ein virales Video, wie er mit perfekt stabiler Ananas eine Brücke überquerte und dabei Schwerkraft und Wind trotzte. In Sevilla sorgte er 2024 für eine Kontroverse: Einige behaupteten, er habe einen Teil der Strecke „abgekürzt“ und sei erst bei Kilometer 25 gestartet.
Eine poetische Leistung jenseits der Zeit
Während viele Läufer um Sekunden kämpfen, erinnert Moshe Lederfien daran, dass Laufen auch eine Kunstform sein kann. Eine Ananas über 42 Kilometer reglos auf dem Kopf zu halten, erfordert Konzentration, Körperhaltung und eine mentale Leistung, die der eines Seiltänzers nahekommt. Die Frucht wird zur Verlängerung des Läufers: Sie zeigt sein Gleichgewicht, steht für Leichtigkeit und symbolisiert die Freude, die er an alle Teilnehmer und Zuschauer weitergeben möchte.
Mit 68 Jahren beweist dieser verrückte Läufer, dass es kein Alter gibt, um seine ganz eigene Art des Laufens zu erfinden. Seine Leistung inspiriert und amüsiert zugleich. Es geht nicht nur darum, einen Marathon zu finishen, sondern darum, eine Geschichte zu erzählen und im Strom Tausender Läufer einen einzigartigen Moment zu schaffen.
Der Marathon einmal anders
In einer Welt, in der Leistung und Rekorde den Ton angeben, wirkt Moshe Lederfien wie ein poetischer Sonderling. Er macht den Marathon zur Bühne des Unwahrscheinlichen, auf der jeder Schritt eine Pirouette, jeder Zuschauer ein Komplize und jeder Kilometer ein Fest der menschlichen Fantasie ist. Während die Elite wegen schneller Zeiten nach Berlin kommt, läuft Moshe Lederfien dort den Lächeln entgegen. Und die Frucht auf seinem Kopf wird zu mehr als einer einfachen Ananas: Sie steht für Freiheit, Humor und Beharrlichkeit.
Was also bringt die Zukunft? Vielleicht einen weiteren Marathon, eine andere Frucht oder ein noch verrückteres Accessoire. Egal was es wird: Solange es eine Startlinie und ein Publikum gibt, das staunen möchte, wird Moshe Lederfien weitergehen, oder besser gesagt laufen, mit seiner Ananas als Wegweiser.