Rekorde, bei denen einem schwindelig wird …
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
… und zwar im wörtlichen wie im übertragenen Sinn! In den vergangenen Jahren hat sich in der Laufwelt eine ungewöhnliche Art von Rekord etabliert. Der jüngste stammt von dem 25-jährigen Österreicher Rainer Predl, der 3516 Runden auf der Plattform des Leuchtturms von Podersdorf in Österreich drehte. Das entspricht einem Marathon! In Frankreich, genauer gesagt in Lille, sorgte im vergangenen April ein gewisser Olivier Maria für Aufsehen. Er absolvierte die Marathondistanz rund um den Kreisverkehr an der Porte de Paris. Wir haben ihn wiedergefunden.
Ursprünglich ist ein Marathon eine gerade Strecke zwischen zwei Punkten, zwischen den griechischen Städten Marathon und Athen. In unserer Gegenwart, in der manches gelegentlich aus dem Ruder läuft, haben Laufbegeisterte den Marathon im Kreis erfunden. Seit einigen Jahren haben Läufer in Salt Lake City (Utah, USA), am Podersdorfer See (Österreich) oder in Lille die legendäre Distanz unter wirklich extremen Bedingungen absolviert, mit einer gehörigen Portion Verrücktheit. Aber immer mit einer respektablen Leidenschaft.
Der «Whaleathon» in Salt Lake City
Salt Lake City kennt man für seinen Schnee und seine Skirennen, vielleicht auch für den Großen Salzsee, den größten Salzsee der USA. Künftig erinnert man sich auch an die Freundesgruppe, die um einen Kreisverkehr läuft. Vier Freunde, die sich regelmäßig gemeinsame Abenteuer ausdenken, hatten irgendwann ihre Fahrräder beiseitegestellt und sich auf einen ungewöhnlichen Marathon eingelassen. Den «Whaleathon», auf Deutsch etwa «Walathon». In der Mitte des Kreisverkehrs, an dem die vier großen Jungs losliefen, ragt tatsächlich ein riesiger Walschwanz empor. Am 21. Oktober 2023 machten sich Wyn Barnett, Jackson Bradshaw, Evan Service und Caleb Leftwich also auf zum «Whaleathon»: 630 Runden auf dem Kreisverkehr mit einem Umfang von 64 Metern, zusammen genau 42 Kilometern. Um ihre Gelenke zu schonen, wechselten die vier Läufer regelmäßig die Laufrichtung. Einen Rekord gab es dabei nicht zu holen, trotzdem war es eine bemerkenswerte Leistung, die die vier Freunde in einem 50-minütigen Video dokumentiert haben. Es wurde Anfang des Jahres veröffentlicht und ist hier zu sehen. Eine Ode an die Freundschaft, die einer scheinbar sinnlosen Leistung einen Sinn gibt! Ein kleiner Hauch von Stranger Things.
Rainer Predl, der Mann, der im Kreis läuft
Rainer Predl ist wirklich nicht wie alle anderen. Seit Jahren sammelt der Extremläufer unglaubliche, zugleich abschreckende Leistungen, die an die Grenze zur Selbstaufgabe gehen! Auf der Spitze einer Windkraftanlage laufen, 100 Kilometer auf dem Wiener Donauturm, über Muldenkipper auf einer Baustelle laufen: Rainer Predl hat zahlreiche ungewöhnliche Rekorde im Guinness-Buch stehen. Der jüngste? Am 11. Mai absolvierte der Extremläufer einen Marathon auf der oberen Plattform des Leuchtturms am Podersdorfer See. Die Fläche war so klein, dass er für seine ganz besondere Herausforderung 3516 Runden drehen musste. 5:37:29 Stunden im Kreis! Um durchzuhalten, verband der Österreicher seine Leistung mit Spenden zugunsten des Sterntalerhofs, eines Kinderhospizes in Österreich. Man kann über die Leistungen von Rainer Predl schmunzeln, seinen eisernen Willen kann man ihm aber nicht absprechen.
Olivier Maria in Lille: Ein Marathon im Kreisverkehr zum Feiern von 20.000 Followern
In Lille bekamen die Verkehrsteilnehmer, die am 12. April 2025 den Kreisverkehr an der Porte de Paris befuhren, ein ungewöhnliches Schauspiel geboten, wenn sie sich die Zeit zum Hinschauen nahmen. Um seine 20.000 Instagram-Follower zu feiern, hatte sich der Läufer Olivier Maria an diesem Tag eine Herausforderung nach dem Vorbild des Whaleathon vorgenommen: einen Marathon rund um den Kreisverkehr an der Porte de Paris. Dafür lief er 262 Runden auf einer Schleife, die entlang der Sehne etwa 158 Meter maß, insgesamt also 42,195 Kilometer. Verrückt! Marathons.com konnte die vier Freunde aus Salt Lake City zwar nicht aufspüren, aber Olivier Maria hat uns noch ein paar Worte mitgegeben, bevor er wieder für seine nächste «Verrücktheit» trainieren ging: 1200 Kilometer zwischen Dünkirchen und Marseille im kommenden Herbst. «Im Rahmen dieser Vorbereitung habe ich angefangen, im Training sehr viele Marathons zu laufen. Dann wollte ich etwas Besonderes finden, um meine 20.000 Follower auf Insta zu feiern. Zuerst dachte ich daran, wie manche andere eine Strecke auf Strava zu «zeichnen», dann kam die Idee mit dem Kreisverkehr. Den Marathon im «Hamstermodus» zu laufen, fand ich ziemlich witzig, das passt zu den sozialen Netzwerken. Im Moment werde ich dafür sogar häufiger kontaktiert als für meine 1200-Kilometer-Herausforderung. Für den 12. April muss ich sagen: Nach drei Kilometern hatte ich ehrlich gesagt schon genug. Dann schaltete mein Gehirn auf OFF und ich ließ die Landschaft an mir vorbeiziehen. Es war ein bisschen wie eine kurze Leichtathletikbahn …» Wir freuen uns, Olivier wieder aufgespürt zu haben. Denn hinter dieser verrückten, spielerischen Herausforderung steckt ein leidenschaftlicher Läufer mit einer echten Philosophie, die er beispielsweise durch das Tragen von Laufsandalen lebt. «Bei meinen Läufen und Herausforderungen möchte ich einen authentischen Lebensstil zeigen. Dabei geht es unter anderem um Ökologie oder zumindest darum, über Ökologie nachzudenken. Lange Zeit wollte ich diese Haltung laut hinausposaunen, inzwischen versuche ich, sie möglichst selbst zu verkörpern. Das finde ich wirkungsvoller.» Chapeau, Olivier. Marathons.com wird in den kommenden Tagen noch auf den minimalistischen Laufstil des Läufers aus Lille zurückkommen …
Vom Kreisverkehr zur persönlichen Philosophie ist es nur ein kleiner Schritt!