Generali-Marathon Genf 2026: Collins Kemboi und Patience Kimutai siegen

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Generali-Marathon Genf 2026: Collins Kemboi und Patience Kimutai siegen
© Generali Marathon de Genève

Bei idealen Laufbedingungen und vor einer immer größeren Kulisse erlebte der Generali-Marathon Genf ein XXL-Wochenende. Der Kenianer Collins Kemboi feierte mit 2:08:52 Stunden seinen zweiten Sieg in Folge an den Genfer Ufern, während seine Landsfrau Patience Kimutai das Frauenrennen nach einem packenden Duell mit der Schweizerin Fabienne Schlumpf für sich entschied. Schnelle Zeiten, ein Teilnehmerrekord und eine Stadt ganz im Zeichen des Laufsports machten deutlich: Genf gewinnt in Europas Marathonlandschaft weiter an Gewicht.

Schon auf den ersten Kilometern lag dieses Gefühl über den Genfer Ufern: Dieser Marathon würde schnell werden. Sehr schnell sogar. Bei seiner 20. Auflage bot der Generali-Marathon Genf ein echtes Laufwochenende, mit allem, was dieser Begriff an Schönem und gelegentlich auch an leichtem Chaos bereithält.

Kenianische Topläufer, die das Rennen sprengten, eine favorisierte Schweizerin, die ihre Chance perfekt nutzte, mehr als 27.500 Teilnehmer über alle Wettbewerbe hinweg, Tausende Fans an der Strecke und das wachsende Gefühl, dass Genf auf der europäischen Laufkarte immer wichtiger wird. Zwei Tage lang verwandelte sich die Schweizer Stadt in einen riesigen Spielplatz für Läuferinnen und Läufer. Und am Sonntagmorgen ließ die Show über die Königsdistanz nicht lange auf sich warten.

Collins Kemboi holt sich Genf erneut

Das Männerrennen nahm schnell die Züge einer kenianischen Demonstration an. Collins Kemboi, der bereits im Vorjahr gewonnen hatte, lief ein souveränes Rennen und triumphierte in Genf mit 2:08:52 Stunden zum zweiten Mal in Folge. Nebenbei stellte er damit eine persönliche Bestzeit auf. Für den Streckenrekord reichte es diesmal nicht. Den hält der Äthiopier Shumi Dechasa mit 2:06:59 Stunden aus dem Jahr 2021 weiterhin. Das Niveau im gesamten Feld war dennoch außergewöhnlich dicht. Drei Männer blieben unter 2:10 Stunden. Ja, tatsächlich: drei Läufer unter 2:10.

Hinter Kemboi belegte der Kenianer Silas Kiprono Too in 2:09:16 Stunden Rang zwei vor seinem Landsmann Simion Tarus Kiplimo, der in 2:09:53 Stunden Dritter wurde. Und die kenianische Dominanz endete damit noch nicht. Vincent Kiprono und Mark Kiptoo Kosgey komplettierten mit 2:11:49 und 2:12:20 Stunden die Top fünf. Selbst Edwin Kipngetich Koech, der nur Siebter wurde, kam nach 2:17:52 Stunden ins Ziel.

Eine echte Mannschaftsdemonstration. Auf den exponiertesten Passagen der Strecke entstanden die Abstände nach und nach, ohne spektakuläre Attacke. Es war schlicht ein stetiger Verschleiß. Genau diese kontrollierte Renneinteilung können kenianische Läufer durchsetzen, wenn die Bedingungen stimmen. Und die Bedingungen spielten an diesem Wochenende eine entscheidende Rolle.

Fabienne Schlumpf meldet sich stark zurück

Bei den Frauen richteten sich viele Blicke auf die Schweizerin Fabienne Schlumpf. Die Schweizer Marathonrekordhalterin war seit ihrem starken fünften Platz beim New York City Marathon 2024 nicht mehr über diese Distanz angetreten. Fast eineinhalb Jahre ohne die 42,195 Kilometer. Doch am Sonntag fand die Zürcherin sofort wieder ihren Rhythmus.

Sie wurde in 2:31:15 Stunden Zweite hinter der Kenianerin Patience Kimutai, die in 2:30:45 Stunden gewann. Im Ziel trennten die beiden nur 30 Sekunden. Das Podium komplettierte mit 2:31:18 Stunden eine weitere Kenianerin, Jackline Chepkoech.

Schlumpfs Zeit ist alles andere als belanglos. Nach einer so langen Marathonpause direkt auf diesem Niveau zurückzukehren, sagt viel über ihre Form vor den für diesen Sommer angesetzten Europameisterschaften in Birmingham aus. Vor allem aber brachte ihr Rennen jene zusätzliche lokale Emotion, die große Marathons immer brauchen. Bei jedem wichtigen Durchlauf wurde der Jubel für die Schweizerin lauter.

Auch der Halbmarathon setzte ein Ausrufezeichen

Das Genfer Wochenende bestand natürlich nicht nur aus dem Marathon. Auch der Halbmarathon war stark besetzt und bot schnelle Zeiten. Der Eritreer Seare Weldezghi gewann in 1:03:03 Stunden vor seinem Landsmann Natanael Habtay. Der Ugander Brian Kipchumba komplettierte das Podium in 1:04:41 Stunden.

Der Franzose Clément Quéval lief ebenfalls eine starke Leistung in den Top zehn, während der Rouener Mustapha Salmi in 1:10:17 Stunden Dreizehnter wurde. Ebenfalls für Aufmerksamkeit im frankophonen Raum sorgte der Marokkaner Mustapha Salmi, der in 1:10:17 Stunden Dreizehnter wurde. Bei den Frauen gewann die Kenianerin Hilda Jelagat Kiptum in 1:11:15 Stunden vor der Schweizerin Ronja Hofstetter (1:13:02).

Rollstuhlrennen, 10 Kilometer und Festivalstimmung

Der Schweizer Marcel Hug dominierte den Rollstuhl-Halbmarathon in 46:12 Minuten und bestätigte einmal mehr seinen Status als globale Referenz im Para-Leichtathletiksport. Hinter ihm komplettierten der Deutsche Ludwig Malter und die Britin Patricia Eachus das Podium. Am Samstag hatte der 10-Kilometer-Lauf das Wochenende bereits mit schnellen Zeiten eröffnet. Der Äthiopier Meda Muleta gewann in 30:11 Minuten vor dem Somalier Ali Abdi. Bei den Frauen siegte die Kenianerin Janet Nyakadei Lokito in 33:46 Minuten vor der Deutschen Vera Schubert.

Genf wächst, ohne seine Atmosphäre zu verlieren

Die 20. Auflage war ein symbolischer Meilenstein für den Veranstalter. Zwei Jahrzehnte nach dem ersten Rennen wächst der Marathon de Genève 2026 weiter. Mehr als 27.500 Teilnehmer am Wochenende, zum vierten Mal in Folge ein Teilnehmerrekord und zudem mehr als 10.000 Menschen auf der Warteliste, obwohl das Teilnehmerfeld bewusst begrenzt wird.

Der Veranstalter setzt lieber auf kontrolliertes Wachstum, als das Event in eine gigantische, unpersönliche Maschine zu verwandeln. Und ehrlich gesagt: Das Konzept geht auf. Trotz der vielen Menschen bleibt Genf erstaunlich flüssig. Die Läufer kommen problemlos voran. In den Startbereichen ist noch Luft. Auch an den Verpflegungsstellen bleibt es zugänglich. Der neue Start an der Route de Frontenex trug wesentlich zu diesem entspannteren Eindruck bei.

Rund um das Stade de Richemont gaben die Aufwärmrunden am Sonntagmorgen bereits die Richtung vor. Topläufer, völlig in ihrer eigenen Welt, Amateure mit dem letzten Kaffee, Familien, die schon im Morgengrauen zum Anfeuern gekommen waren, und ganze Gruppen, die noch vor dem Start Fotos machten. Der moderne Marathon spricht gern über reine Leistung. Genf erzählt weiterhin auch eine andere Geschichte.

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