Marseille–Cassis 2025: Strecke, Favoriten und Neuerungen beim Kultlauf mit Jimmy Gressier im Feld

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Marseille–Cassis 2025: Strecke, Favoriten und Neuerungen beim Kultlauf mit Jimmy Gressier im Feld
© Marseille-Cassis

Der letzte Sonntag im Oktober ist für Tausende Läuferinnen und Läufer aus ganz Frankreich und darüber hinaus ein Pflichttermin: der 20 km Marseille–Cassis. Bei seiner 46. Auflage am 26. Oktober begrüßt der provenzalische Klassiker 20.000 Teilnehmende auf der 20 Kilometer langen Strecke zwischen dem Orange Vélodrome und Cassis. Auf dem Programm stehen der legendäre Col de la Gineste, ungebrochene Begeisterung an der Strecke und ein verstärktes Umweltengagement. Sportlich verspricht das Rennen spektakulär zu werden: Der Vorjahressieger Félicien Muhitira aus Ruanda kehrt zurück. Als Stargast ist außerdem 10.000-Meter-Weltmeister Jimmy Gressier dabei, der den Lauf ohne Zeitdruck genießen will. Bei den Frauen möchte Clémence Calvin ihren Titel verteidigen, bekommt es aber mit starker Konkurrenz zu tun: mit der Kasachin Daisy Jepkemei sowie den Französinnen Manon Trapp und Mélody Julien.

Ein historischer Lauf, der die Region zum Strahlen bringt

1979 vom Marseiller Verein SCO Sainte-Marguerite ins Leben gerufen, ist der 20 km Marseille–Cassis in mehr als vier Jahrzehnten zu einer festen Größe im französischen Sportkalender geworden. Die Startplätze sind innerhalb weniger Stunden vergriffen, und jede Ausgabe zieht Läuferinnen und Läufer aus mehr als 70 Ländern an.

Seinen besonderen Status verdankt das Rennen aber nicht nur seiner Geschichte, sondern auch seiner Mischung aus Anspruch und Volksfest: Marseille–Cassis verbindet sportliche Leistung, spektakuläre Landschaften und echte Herzlichkeit. Hier geht es ebenso darum, an die eigenen Grenzen zu gehen, wie die außergewöhnliche Kulisse zu genießen.

20 Kilometer durch eine Postkartenkulisse

Hinter den 20 Kilometern verbirgt sich ein anspruchsvolles Profil mit knapp 400 Höhenmetern, die sich vor allem auf die ersten zehn Kilometer konzentrieren. Der Start erfolgt am Orange Vélodrome, einem Wahrzeichen für die Menschen in Marseille. Anschließend führt die Strecke über die legendäre Route de la Gineste: zehn Kilometer mit durchschnittlich 4,5 Prozent Steigung und Passagen von bis zu 7 Prozent hinauf zum Col de la Gineste auf 327 Metern Höhe. Trotz der Anstrengung sollte man den Blick gelegentlich heben, um die Schönheit der Umgebung wahrzunehmen: das Mittelmeer, den Parc national des Calanques und den Blick auf Marseille im Hintergrund. Danach geht es auf einer schnellen, kurvenreichen Abfahrt mit atemberaubenden Panoramen in Richtung Cassis, ehe auf der Avenue des Albizzi zwischen den Weinbergen noch einmal alle Kräfte für den Zieleinlauf mobilisiert werden müssen.

Auf dieser Strecke entscheidet die Renneinteilung. Erfahrene Läufer wissen: Den Anstieg kontrolliert angehen, nach dem Pass wieder beschleunigen und für die Abfahrt noch Reserven haben, das ist oft der Schlüssel zu einem gelungenen Rennen. Doch unabhängig von der Zeit bietet die Strecke jede Menge fürs Auge.

Die Favoriten: Muhitira und Jepkemei vorne, Gressier zum Genusslauf

Der Star im Feld heißt in diesem Jahr Jimmy Gressier. Der 10.000-Meter-Weltmeister nimmt erstmals am Marseille–Cassis teil, ohne auf eine bestimmte Zeit zu zielen und an der Seite seiner Partnerin Aude Clavier, der französischen Meisterin über 5.000 Meter. Für den 28-jährigen Athleten aus Boulogne-sur-Mer, der ebenso beliebt wie großzügig ist, hat die Teilnahme symbolischen Charakter. Tausende Läuferinnen und Läufer werden sich freuen, den Lauf mit ihm zu teilen.

Der Sieg dürfte an den Ruander vom Lille Métropole Athlétisme gehen: Félicien Muhitira, der im vergangenen Jahr in 1:01:32 Stunden gewann. Das inoffizielle Ziel: wieder unter einer Stunde bleiben. Seit 2017 hat das niemand mehr geschafft. Bei den Frauen gilt die Kasachin Daisy Jepkemei als Favoritin. Doch auch die Französinnen wollen vor heimischem Publikum glänzen: Manon Trapp, Mélody Julien und Clémence Calvin dürften das Rennen prägen.

Eine immer grünere Veranstaltung

Der Schutz der Umwelt ist eine zentrale Aufgabe unserer Zeit und für die Veranstalter des Rennens ein wesentlicher Schwerpunkt. Marseille–Cassis entwickelt sich deshalb Schritt für Schritt zu einer nachhaltigeren Veranstaltung. Die Strecke führt durch ein Gebiet mit außergewöhnlicher Artenvielfalt, und die Organisatoren bauen ihre Initiativen weiter aus: Mülltrennstationen, umweltfreundliche Verpflegungsstellen, der schrittweise Verzicht auf Plastikflaschen, wiederverwendbare Mehrwegbecher und recycelbare Startnummern.

Auch der 800-Meter-Weltmeister von 2017, Pierre-Ambroise Bosse, inzwischen Botschafter der Initiative „Cleanup Dossards“, geht mit einer grünen Startnummer an den Start. Sie steht symbolisch für dieses Engagement. Gemeinsam mit 214 weiteren Läuferinnen und Läufern beteiligte er sich an Aufräumaktionen, bei denen mehr als eine Tonne Abfall gesammelt wurde.

Starkes soziales Engagement

Seit mehreren Jahren unterstützt das Rennen den lokalen Verein On’Tchao, der seinerseits täglich mit der Association Grégory Lemarchal gegen Mukoviszidose kämpft und Läufer wie Helfer für dieselbe Sache mobilisiert. Jede Anmeldung und jede Spende hilft dabei, die Forschung zu finanzieren und das Leben der Patientinnen und Patienten zu verbessern. Die Läufer konnten direkt an den Verein spenden, außerdem wurde ein Teil der Einnahmen aus den letzten 1.000 verfügbaren Startplätzen weitergegeben. Dank dieser Aktionen überreichte die SCO Ste Marguerite de Marseille dem Verein On’Tchao einen Scheck über 15.000 Euro.

Auch Inklusion wird großgeschrieben: Rund 30 Solidaritätsstartplätze gingen an Jugendliche aus den Fördergebieten von Marseille. Zwischen sportlichem Anspruch und Solidarität pflegt Marseille–Cassis damit jene besondere Identität, die den Lauf für die Menschen in Marseille zu einem echten sozialen und gemeinschaftlichen Abenteuer macht.

Die wichtigsten Infos zum Marseille-Cassis 2025

  • Start: Boulevard Michelet / Orange Vélodrome, Marseille

  • Ziel: Avenue des Albizzi, Cassis

  • Datum: Sonntag, 26. Oktober 2025

  • Uhrzeit: Start um 9:00 Uhr, 8:45 Uhr für Athletinnen und Athleten mit Behinderung

  • Höhenmeter: etwa 400 m

  • Teilnehmende: 20.000 Läuferinnen und Läufer aus 76 Ländern

  • Streckenrekorde: Edwin Kipyego (57:18, 2015) / Edith Chelimo (1:05:58, 2017)

Ungebrochene Begeisterung an der Strecke

Die 800 Helferinnen und Helfer sind ein Grundpfeiler der Veranstaltung und lassen den Lauf jedes Jahr aufs Neue lebendig werden. Ein Viertel von ihnen steht an den Verpflegungsstellen entlang der Strecke und sorgt dafür, dass die Läuferinnen und Läufer ausreichend trinken können. Am Straßenrand versammeln sich Tausende Zuschauer, um anzufeuern, zu singen, Schilder hochzuhalten oder einfach den vorbeiziehenden Läuferwellen zu applaudieren.

Zwischen Blaskapellen, Animationspunkten und den Landschaften des Parc national des Calanques besitzt Marseille–Cassis etwas, das nur wenige Läufe bieten: eine eigene Seele und eine unverwechselbare DNA aus Marseille. Und wenn sich die Abfahrt schließlich nach Cassis öffnet und in der Ferne das blaue Meer sichtbar wird, versteht man, warum so viele Läuferinnen und Läufer den Lauf noch immer als „schönsten Lauf Frankreichs“ bezeichnen.

Zwischen sportlicher Herausforderung, Postkartenkulisse und gesellschaftlichem Engagement schreibt Marseille–Cassis 2025 die Legende eines ganz besonderen Laufs fort. Eines Laufs, der eine pulsierende Stadt, eine herzliche Region und eine leidenschaftliche Community über die Werte des Sports verbindet: laufen, teilen, staunen und einander helfen. Mit einem starken Elitefeld und einer bewährten Mischung verspricht die 46. Ausgabe ein großes Spektakel. Jimmy Gressier dürfte die Reise nicht bereuen.

Am Sonntag, 26. Oktober, ab 8:45 Uhr live dabei sein auf France 3 Provence-Alpes-Côtes d’Azur.