100 Kilometer pro Tag quer durch Frankreich: Duncan Perrillats verrücktes Vorhaben

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

100 Kilometer pro Tag quer durch Frankreich: Duncan Perrillats verrücktes Vorhaben
© STADION-ACTU

Es gibt Herausforderungen, die Bewunderung verdienen. Duncan Perrillats Projekt gehört dazu. Der französische Spitzenmarathonläufer will Frankreich laufend umrunden und dabei die Märkte des Landes besuchen. 3.400 Kilometer in 30 Tagen, also 115 Kilometer pro Tag. Jeden Tag. Einen Monat lang. Dazu winkt ein Weltrekord im Ultra-Ausdauerlauf. Ein gewagtes Vorhaben, das perfekt zu ihm passt: extreme körperliche Leistung trifft auf die Suche nach Sinn. Wenige Tage vor dem Start konnten wir mit ihm sprechen.

Ein Vorhaben, das lange in seinem Kopf reifte

Duncan ist in der französischen Leichtathletikszene bestens bekannt. Als Spitzenmarathonläufer steht seine Bestzeit bei 2:09:05 Stunden – gelaufen Anfang 2025 in Sevilla. Doch jenseits der Leistung ist er eine besondere Persönlichkeit: authentisch, leidenschaftlich, ein echter Kilometerfresser und Liebhaber langer Distanzen. Auf Asphalt fühlt er sich zu Hause, wagt sich aber ebenso gern abseits ausgetretener Wege, etwa beim Trailrunning. 2023 gewann er den Trail du Saint-Jacques by UTMB (126 km / 5.250 Höhenmeter).
Duncan ist ein neugieriger Athlet. Der für Neuilly-Plaisance Sports startende Läufer liebt die Abwechslung. Doch dieses neue Vorhaben geht über den sportlichen Rahmen hinaus. Es kommt von weit her. Sehr weit.

Ich habe vier Jahre in den USA gelebt, und Frankreich hat mir sehr gefehlt. Als ich zurückkam, wollte ich das Land neu entdecken, es wirklich durchqueren und nicht nur aus dem Flugzeug oder dem Auto sehen. Ich wollte es spüren.

Ursprünglich war es eine Urlaubsidee mit seinem Bruder: Run & Bike quer durch Frankreich. Sie blieb zunächst in der Schublade. Dann wuchs das Projekt in seinem Hinterkopf weiter, bis es nach seinem Auftritt beim Marathon de Séville im Februar konkrete Formen annahm: „Dieses Projekt trage ich seit mehreren Jahren mit mir herum. Ich hatte mir gesagt: Wenn ich unter 2:10 Stunden bleibe, stürze ich mich in dieses Abenteuer. Jetzt ist der richtige Moment.

Vorbereitung mit dem Schwerpunkt Ausdauer

Mehr als 100 Kilometer am Tag zu laufen, klingt zunächst absurd. Doch wenn ein Athlet zu dieser Leistung fähig ist, dann Duncan Perrillat. Große Trainingsumfänge ist er gewohnt. In der Marathonvorbereitung kam er auf Wochen mit bis zu 240 Kilometern. Für dieses Abenteuer hat er die hohen Umfänge und intensiven Einheiten allerdings zurückgefahren und den Schwerpunkt auf die Grundlagen gelegt. Er sagt offen: „Ich habe mit weniger Umfang als für einen klassischen Marathon trainiert, dafür mit deutlich mehr Ausdauer. Lange Läufe, Radfahren, Wanderungen … Es geht darum, den Körper an die Dauer zu gewöhnen, nicht an Spitzenleistung.

Sein Freund und Trainer Faustin Guigon stellte keinen detaillierten Trainingsplan auf. „Er meinte, ich sei ein bisschen verrückt. Vor allem hat er mich als Freund begleitet. Niemand weiß wirklich, wie man so etwas vorbereitet. Das ist ein Ultra-Trail … nur noch mehr Ultra-Trail.

Eine außergewöhnliche Herausforderung, passend zu einem ebenso unwahrscheinlichen Rekord: Tomio Takahashi aus Japan legte in 30 Tagen 1.965 Kilometer zurück, also 65,5 Kilometer pro Tag. Dieser Rekord ist trotz mehrerer nicht von Guinness World Records anerkannter Versuche bis heute ungebrochen. Duncan will höher hinaus. Viel höher: auf 3.400 Kilometer in 30 Tagen.

 Ich habe mit weniger Umfang als für einen klassischen Marathon trainiert, dafür mit deutlich mehr Ausdauer. Lange Läufe, Radfahren, Wanderungen … Es geht darum, den Körper an die Dauer zu gewöhnen, nicht an Spitzenleistung. Beim Laufen muss ich mich bremsen, damit ich nicht zu schnell werde und rund zehn Stunden durchhalte. Jeden Tag.“ 

Duncan Perrillat

Frankreichs Märkte durchqueren, als Hommage an Familie und Heimat

Bei dieser Anstrengung wird Duncan nicht allein sein. Ein Team begleitet ihn mit Fahrrädern und im Auto, übernimmt die Logistik und vor allem die moralische Unterstützung. Außerdem wird er während des gesamten Abenteuers gefilmt. Ein Dokumentarfilm ist in Vorbereitung. Jede Folge wird auf dem Instagram-Account des Athleten veröffentlicht – zwischen sportlicher Expedition und Reise durch das französische Kulturerbe.

Ich werde überall in Frankreich Märkte besuchen. Das ist auch eine Hommage an meinen Großvater. Er war Metzger in Annecy und verkaufte sein Fleisch auf den Märkten. Er ist vor einigen Jahren gestorben. Mit diesem Projekt möchte ich ihm ebenfalls die Ehre erweisen.

Damit geht die Herausforderung über den Sport hinaus. Sie wird zu einem Akt des Erinnerns, zu einer Feier des französischen Kulturerbes und der Weitergabe von Traditionen. Kein Zufall also, dass Duncan die Regionen, ihre Produkte und ihre Kulturen entdecken will. Zwischen zwei Läufen begegnet er dem Frankreich der unterschiedlichen Regionen und dem Frankreich der Menschen.

Tempo und Verpflegung im Griff behalten

115 Kilometer am Tag zu laufen bedeutet nicht, schnell zu laufen. Es ist vielmehr die Definition von Belastbarkeit und Ausdauer. Duncan weiß das: „Ich werde nach Gefühl laufen, mich aber auf maximal 15 km/h begrenzen. Das Ziel liegt eher bei 12 km/h. Zehn Stunden am Tag laufen, mit Pausen zum Essen, für Begegnungen und zum Durchatmen.

Die Mahlzeiten werden dabei eine zentrale Rolle spielen. Anders als bei klassischen Rennen, bei denen Gels während der Belastung die Kohlenhydratzufuhr sicherstellen, will Duncan sich hier Zeit für hochwertiges Essen nehmen. Echte Mahlzeiten, lecker, ausgewogen und regional. Jeden Tag.Wir werden die lokalen Märkte in Frankreich abklappern. Ja, das kostet etwas Zeit, aber das ist nicht schlimm. Ich esse mittags und abends lieber richtige Mahlzeiten und nehme über den Tag verteilt Snacks zu mir. Am nächsten Tag muss ich jeden Tag wieder einsatzbereit sein. Das verändert alles. Bei Ernährung und Schlaf gehe ich keine Kompromisse ein.

Der Rückhalt seiner engsten Vertrauten

Neben dem Körper entscheidet aber auch der Kopf. Und genau davor hat Duncan vermutlich den größten Respekt: „Beim Saint-Jacques erinnere ich mich an einen großen Zweifel-Moment. In diesen 30 Tagen wird es sehr harte Tage geben, an denen ich aufgeben möchte. Der Zweifel macht Angst. Er gehört zu diesem Abenteuer.

Zum Glück wird er nie wirklich allein sein. Familie, Freunde, Athleten … Ein ganzer Kreis von Menschen aus seinem Umfeld wird ihn begleiten und ihm helfen, durchzuhalten.Wenn du auch nur 50 Prozent der Zeit von anderen umgeben bist, nimmt dir das 50 Prozent der mentalen Last ab.

© STADION-ACTU

Ein sportliches, vor allem aber menschliches Projekt mit Unterstützung seines Ausrüsters

Diese gewaltige Herausforderung wird die Running- und Marathonfans zwangsläufig aufmerksam machen. 3.400 Kilometer in einem Monat – das fasziniert und macht zugleich Angst. Für Duncan, der lange Distanzen gewohnt ist, steht die Leistung bei diesem Abenteuer nicht an erster Stelle.

Der Rekord ist cool, aber er ist nicht das einzige Ziel. Mich treibt die Neugier an: Wie weit kann der Körper gehen? Und vor allem möchte ich etwas Echtes, Gemeinschaftliches erleben. Es geht auch um Entdeckung und einfache Freude. Gleichzeitig wird es tägliche Arbeit und harte Arbeit sein.

Unterwegs kann Duncan auf einen unverzichtbaren Verbündeten zählen: seine Schuhe. Seit 2022 wird er von Hoka unterstützt und wird vor allem den Rocket X 2 tragen. Außerdem plant er einige Alternativen ein, um seine Beine bei Bedarf zu schonen.

„ Ich laufe sehr gern mit dem Rocket X 2, auch bei großen Umfängen. Er schont die Muskulatur gut und die Dämpfung ist top. Ich denke, er wird mein Hauptmodell sein. Ich nehme aber auch ein komfortableres Paar mit, vielleicht den Skyward X, um die Stöße bei diesem Umfang stärker abzufangen. Und falls ich auf unbefestigten Wegen lande, packe ich wahrscheinlich den Tecton X3 ein.“

Der Rekord ist cool, aber er ist nicht das einzige Ziel. Mich treibt die Neugier an: Wie weit kann der Körper gehen? Und vor allem möchte ich etwas Echtes, Gemeinschaftliches erleben. Es geht auch um Entdeckung und einfache Freude. Gleichzeitig wird es tägliche Arbeit und harte Arbeit sein. In diesen 30 Tagen wird es sehr harte Tage geben, an denen ich aufgeben möchte. Der Zweifel macht Angst. Er gehört zu diesem Abenteuer. Wenn du auch nur 50 Prozent der Zeit von anderen umgeben bist, nimmt dir das 50 Prozent der mentalen Last ab.

Duncan Perrillat

Und danach?

Was macht man, nachdem man sein Land laufend umrundet hat? Duncan hat eine vage Vorstellung, möchte im Moment aber noch nicht zu weit vorausdenken. „Ich werde diese Herausforderung Tag für Tag nehmen. Es wird tausend Dinge geben, die passieren. Danach werde ich wahrscheinlich erst einmal feiern wollen.“ Für den weiteren Verlauf des Jahres 2025 plant er die Rückkehr zur klassischen Marathonstrecke und eine neue persönliche Bestzeit: Ich denke, dass ich im Herbst wieder mit der Marathonvorbereitung beginne. Vielleicht Chicago, vielleicht Rennes. Zwei Städte, die mir viel bedeuten.

Mutig sein, ohne sich etwas vorzumachen

Dieses Projekt ist auch eine Lebensphilosophie: ruhige, selbstbewusste Kühnheit. Duncan weiß, dass er anders ist, und versteckt das nicht. Im Gegenteil: „Es ist egal, was die Leute denken. Wenn du bei jeder Kritik stehen bleibst, lebst du nicht. Ich will mein Leben und meine Projekte genießen.“ Und wenn er seine Herausforderung in zwei Worten zusammenfassen müsste? Die Antwort kommt ohne Zögern: „Mut und Kreativität.“


Hinter den schwindelerregenden Zahlen steckt die Geschichte eines Mannes, der läuft, um zu entdecken, wieder Verbindung aufzunehmen und weiterzugeben. Eine außergewöhnliche Herausforderung an der Schnittstelle von Sport, Familienerbe und Liebe zu seiner Heimat. Diese laufende Frankreich-Rundreise ist ebenso körperliche Höchstleistung wie eine innere Reise. Duncan Perrillat geht seinen eigenen Weg, in seinem eigenen Tempo.

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