Marathon d’Avignon: Die Papststadt bekommt ab 2026 ihre Königsdistanz
Auf der Pont d’Avignon wird getanzt, aber nicht nur! Ein neuer Höhepunkt im französischen Laufkalender 2026 entsteht im Département Vaucluse. Avignon, Europas Kulturhauptstadt, wird im September 2026 erstmals einen Marathon ausrichten. Die Organisatoren Christophe De Cecco und Bertrand Delhomme, die bereits den Halbmarathon du Mont-Ventoux Kookabarra veranstalten, bringen reichlich Erfahrung mit. Wir haben die beiden Laufbegeisterten getroffen und über die Hintergründe dieser Premiere gesprochen. Vision, Ambitionen, Strecke, Nachhaltigkeit: Christophe und Bertrand geben einen Einblick in ihr neues Projekt, das Avignon weit über die Stadtmauern hinaus bekannt machen soll.
✓ Im Gespräch mit den beiden Organisatoren des künftigen Marathon d’Avignon, Christophe De Cecco und Bertrand Delhomme.
Wie entstand die Idee zum Marathon d’Avignon? Was gab den Anstoß, in der Papststadt einen Marathon auf die Beine zu stellen?
„Wir sind beide leidenschaftliche Läufer, Trailrunner und Straßenläufer, und haben einige Marathons in den Beinen. Wir kennen die Laufszene und die lokalen Veranstaltungen recht gut. Im Vaucluse und im gesamten Südosten Frankreichs ist uns aufgefallen, dass es relativ wenige Marathons gibt. Unserer Meinung nach fehlte in der Region Vaucluse, aber auch mit Blick auf ein größeres Einzugsgebiet, eine große Laufveranstaltung. Mit etwas Erfahrung haben wir uns gesagt: Warum nicht? Wir haben Lust darauf, sind leidenschaftlich dabei, die Distanz fehlt, und der Marathon boomt. Seit zwei Jahren beschäftigen wir uns mit diesem Projekt. Avignon erschien uns zunächst als kaum zu gewinnender Austragungsort, doch die Stadtverwaltung war von der Idee sehr schnell begeistert. Wir spüren die Unterstützung der Stadt und des Départements Vaucluse deutlich. Die ersten Gespräche waren äußerst positiv, und die Begeisterung ist ebenso groß. Es gibt einen echten Willen, die Königsdistanz in der Papststadt willkommen zu heißen.“
Gemeinsam mit Hugo von Finishers habt ihr eine Trendstudie zu Marathons in Frankreich durchgeführt. Was könnt ihr über diese Zusammenarbeit und ihre Ergebnisse erzählen?
„Die detaillierte Trendstudie, die wir gemeinsam mit Finishers durchgeführt haben, hat unsere erste Einschätzung bestätigt. Sie hat uns gezeigt, wie die Marathons in Frankreich verteilt sind, aber auch, wie viele Menschen diese Distanz laufen. Wo sind diese Läufer in Frankreich unterwegs? Die Nachfrage ist eindeutig vorhanden, und das Laufen entwickelt sich stetig weiter, insbesondere auf der Straße. Alle großen Marathons sind ausgebucht und schnell voll. Als wir die Karte mit der Verteilung der Marathons in Frankreich gesehen haben, wurde uns sofort klar, welche Chance sich im Südosten bietet. (Anm. d. Red.: Die Marathons Nice-Cannes und Salon-de-Provence liegen am nächsten.) Unser wichtigstes Ziel ist, unsere Region mit diesem Rennen überregional bekannt zu machen. Die Studie hat uns darin bestärkt, dass jetzt der richtige Zeitpunkt für den Start ist. Avignon eignet sich hervorragend für dieses Projekt und ist sehr gut erreichbar, unter anderem dank der TGV-Verbindung von und nach Paris sowie des nahe gelegenen Flughafens Marignane.“
Als wir die Karte mit der Verteilung der Marathons in Frankreich gesehen haben, wurde uns sofort klar, welche Chance sich im Südosten bietet.
Immer mehr Marathons bieten am selben Wochenende weitere Distanzen an. Wird man in Avignon auch einen Halbmarathon oder 10 Kilometer laufen können?
„Wir gehen Schritt für Schritt vor. Unser Fokus soll auf dem Marathon liegen. Trotzdem denken wir darüber nach, vielleicht schon bei der ersten Ausgabe parallel einen Halbmarathon anzubieten. Je nachdem, wie groß die Resonanz ist und wie sich die Veranstaltung entwickelt, können weitere Formate dazukommen. Außerdem müssen wir prüfen, was die Strecken überhaupt zulassen.“
Der französische Laufkalender füllt sich rasant. Habt ihr bereits einen Termin festgelegt?
„Ursprünglich wollten wir den Marathon Ende Februar veranstalten. In dieser Zeit gibt es in Frankreich kaum Marathons. Im Süden profitieren wir außerdem vom Wetter und einem auch in dieser Jahreszeit meist angenehmen Klima. 2026 stehen jedoch die Kommunalwahlen im Weg. Eine Veranstaltung dieser Größenordnung in diesem Zeitraum zu starten, war schlicht nicht realistisch. Wir wollten unbedingt 2026 loslegen und haben uns deshalb für eine erste Ausgabe im September entschieden. Dabei haben wir die anderen Sport- und Kulturveranstaltungen berücksichtigt, die bereits in der Region etabliert sind. So soll der Marathon von den Menschen in Avignon und Umgebung bestmöglich aufgenommen werden. Die erste Ausgabe könnte im September 2026 stattfinden, die zweite dann im Februar oder März 2027. Wir möchten auch Läufer ansprechen, die im Frühwinter nach Sevilla oder zu anderen spanischen Rennen reisen, und ihnen vergleichbare Bedingungen bieten, sowohl bei der Strecke als auch beim Wetter. Der Saisonbeginn im Winter ist für uns deshalb strategisch sehr interessant. Gleichzeitig wollen wir Avignon einen regionalen Impuls geben. In dieser Zeit ist es in der Gegend relativ ruhig, und der Marathon könnte für zusätzliche Dynamik sorgen.“
Welche ersten Überlegungen gibt es zur Strecke? Soll die Leistung im Vordergrund stehen, das touristische Erlebnis oder eine Mischung aus beidem?
„Für uns ist klar, dass wir keinen Marathon mit ständigem Auf und Ab, 500 Höhenmetern und rein touristischem Charakter anbieten wollen. Wir planen eine Strecke, auf der die Läufer ihr Potenzial voll ausschöpfen können, egal ob sie erfahren sind oder ihren ersten Marathon laufen. Gleichzeitig möchten wir die Stadt und die Region unbedingt präsentieren und an bekannten Orten vorbeiführen, etwa an der Pont d’Avignon, am Papstpalast und durch die wichtigsten Straßen der Stadt. Wir verbinden beide Aspekte: sportliche Leistung und touristische Attraktivität. Das wird eine der großen Stärken der Veranstaltung sein.“
Ist es langfristig euer Ziel, den Marathon d’Avignon zu einem festen Termin im nationalen Kalender zu machen oder sogar international auszurichten?
„Bei den ersten Ausgaben wollen wir bescheiden bleiben und mit beiden Füßen auf dem Boden stehen. Wir behaupten nicht, dass wir gleich im ersten Jahr Kenianer mit Bestzeiten von 2:05 Stunden oder andere internationale Topläufer anziehen werden. Trotzdem sind wir ehrgeizig und möchten uns als sehr guten französischen Marathon etablieren, vergleichbar mit Rennes oder Nice-Cannes. Mit diesen Rennen mitzuhalten, wird Zeit brauchen. Unser Ziel ist aber, national zu den Referenzveranstaltungen am Saisonbeginn zu gehören. In den ersten Jahren geht es vor allem um hohe Qualität, für die Läufer, die Partner und die Stadt. Wenn uns das gelingt, werden Bekanntheit und Strahlkraft ganz von selbst wachsen. Avignon ist eine Stadt, die stark von Kultur geprägt ist, schließlich ist sie Europas Kulturhauptstadt. Wir möchten eine Brücke zwischen Sport, Gesellschaft und Kultur schlagen und lokale Akteure einbinden. Avignon einen beliebten und verbindenden Marathon zu schenken, ist unsere Art, den Sport und die Region zu feiern.“
Ihr seid bereits als Organisatoren des Halbmarathons du Mont Ventoux Kookabarra bekannt. Inwiefern hat euch diese Erfahrung auf die Herausforderung eines Stadtmarathons vorbereitet?
„Als Läufer und als Organisatoren bringen wir einen gewissen Erfahrungsschatz mit, der uns helfen wird, eine möglichst hochwertige erste Ausgabe auf die Beine zu stellen. Letztlich ist die Premiere fast die wichtigste Ausgabe, denn die Teilnehmer werden über diesen ersten Marathon positiv sprechen oder, wenn wir es nicht gut machen, eben weniger positiv. Unser Ziel ist natürlich, ihnen die bestmöglichen Bedingungen zu bieten, damit sie die Veranstaltung weiterempfehlen. Wir fangen bei null an, aber diese erste Ausgabe gibt uns die Möglichkeit, alles aufzubauen, von Bildern bis zu Videos für die Kommunikation künftiger Ausgaben. Für die ersten Partner, die uns ihr Vertrauen schenken, wird diese Premiere von entscheidender Bedeutung sein. Unsere Erfahrungen sind deshalb grundlegend, um eine hochwertige Veranstaltung zu entwickeln und in den folgenden Jahren nachzusteuern. Solange Kritik fundiert ist, kann sie uns nur weiterbringen. Wir werden für alles offen sein, was das Rennen verbessert.“
Könnt ihr schon etwas zum Anmeldezeitraum und zu einer möglichen Teilnehmerobergrenze sagen?
„Wir haben bereits Ideen für den Anmeldestart, denn uns ist bewusst, wie groß das Interesse an Laufveranstaltungen ist. Die Läufer wollen sich früh registrieren, wie die Zahl der Voranmeldungen für den Marathon de Paris zeigt. Für eine öffentliche Ankündigung des Zeitraums ist es aber noch etwas früh. Was die Teilnehmerzahl betrifft, wird es eine Obergrenze geben, die noch festgelegt werden muss, denn die Qualität der Veranstaltung hat für uns Priorität. Diesen Bereich müssen wir noch genauer ausarbeiten. Darüber beraten wir eng mit der Stadtverwaltung von Avignon. Unser Ziel ist es, den Lauf bei den Teilnehmerzahlen unter die Top 10 der französischen Marathons zu bringen. Das gibt vielleicht eine Vorstellung von unseren Ambitionen.“
Wie wollt ihr euch preislich bei den Startgebühren positionieren?
„Klar ist, dass wir nicht das Preisniveau der teuersten Marathons in Frankreich erreichen wollen. Wir peilen eher den mittleren Bereich an. Auch dieses Thema wird derzeit noch besprochen.“
Eine Großveranstaltung wie ein Marathon bringt auch ökologische Herausforderungen mit sich. Sind bereits konkrete Maßnahmen geplant, um CO₂-Ausstoß und Abfall zu reduzieren?
„Die Nachhaltigkeit der Veranstaltung ist für uns selbstverständlich ein sehr wichtiges Thema. Avignon hat den Vorteil einer hervorragenden Hochgeschwindigkeitszuganbindung und eines großen Zugangebots. Der Bahnhof Avignon Centre wurde vollständig renoviert, und wir möchten dieses Gebäude in den Mittelpunkt rücken. Die Läufer werden den neuen Bahnhof von der Strecke aus sehen können. Das ist eine echte Stärke der Veranstaltung. Von Avignon aus erreicht man mit einem gut ausgebauten TER-Angebot nicht nur Ziele in ganz Frankreich, sondern auch in der Region. Wir wollen unseren CO₂-Fußabdruck mit verschiedenen Lösungen so weit wie möglich reduzieren, etwa durch Mitfahrplattformen und die Vermeidung von Plastikabfällen. Uns ist bewusst, dass wir keine vollständig klimaneutrale Bilanz vorlegen können. Aber in allen Bereichen, die wir beeinflussen können, müssen wir die Emissionen so weit wie möglich senken. Auch die Auswahl unserer Partner wird zu diesem Nachhaltigkeitskonzept beitragen. Wir setzen bewusst auf lokale Partner.“
Die Weichen sind gestellt, die Ambitionen klar, und die Lust darauf, den Läufern ein einzigartiges Erlebnis zu bieten, ist spürbar. Vor der Kulisse des reichen Kulturerbes von Avignon kündigt sich dieser neue Marathon bereits als Höhepunkt des Sportherbstes 2026 an. Jetzt heißt es nur noch, die Laufschuhe zu schnüren und sich von der Magie Avignons tragen zu lassen, zwischen Kopfsteinpflaster, Kultur und Laufleidenschaft.
✓ Alle Neuigkeiten zur ersten Ausgabe des Marathon d’Avignon gibt es auf der Instagram-Seite des Rennens.