Marathon de Paris: Louise und Léontine setzen ein Zeichen der Hoffnung

JB
Von Juliette Bouche

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

Marathon de Paris: Louise und Léontine setzen ein Zeichen der Hoffnung
© ASO / Victor Barcus

Am Sonntag, dem 13. April, überquerten Louise und Léontine gemeinsam die Ziellinie des Marathon de Paris. Die eine ist nicht behindert, die andere sitzt im Rollstuhl. Doch wer den beiden gegenübersteht, nimmt vor ihrer unerschütterlichen Lebenskraft keinen Unterschied mehr wahr. Der Sport verbindet sie, und sie verfolgen zwei klare Ziele: Hoffnung zu geben und das Tabu rund um Behinderung zu brechen.

Zwischen Louise und Léontine besteht eine Verbindung, die sich kaum erklären lässt. Am Tag vor dem Marathon de Paris treffen sich die beiden Teamkolleginnen auf der Run Experience und sind zuversichtlich: „Jetzt kann es losgehen, wir haben unsere Startnummern“, sagt Léontine leise. Als Botschafterinnen des Marathon de Paris 2025 haben die beiden Freundinnen aus Belfort persönliche Lebenswege hinter sich, die von Herausforderungen geprägt sind. Léontine war Basketballspielerin auf höchstem Niveau und konnte ihren Traum von der französischen Nationalmannschaft nicht verwirklichen. Louise lebt seit ihrer Geburt mit einer Behinderung. Sie hat Spina bifida, eine Fehlbildung der Wirbelsäule, die häufig mit einer Lähmung der Gliedmaßen einhergeht.

Nachdem das Duo aus Rollstuhlsportlerin und nichtbehinderter Läuferin im September 2024 den Halbmarathon von Belfort absolviert hatte, gab es nur ein Ziel: noch einen draufzusetzen. Schon bald nahm die Idee, einen Marathon zu laufen, konkrete Formen an: „Eigentlich wollte ich das zu meinem 25. Geburtstag machen. Paris war dann die naheliegende Wahl, denn diese Stadt steht für alle Möglichkeiten. Mein Vater begleitet uns bei diesem Abenteuer, das war das fehlende Puzzleteil“, erzählt Léontine. Viereinhalb Monate lang trainierten sie fünfmal pro Woche unter Anleitung eines Trainers: „In der Vorbereitung haben wir alle möglichen Phasen durchgemacht. Zuerst kamen die Zweifel: Schaffe ich das überhaupt? Werde ich die nötigen Anschübe geben können, wenn Louise sie braucht? Dann kam der Dezember und der Rückschlag. Louises Körper machte nicht mehr mit, wir mussten alles neu planen.“ Léontine trainierte unermüdlich allein weiter und gab nie auf: „Mental musste ich mich durchbeißen, aber ich wusste, dass Louise stärker denn je zurückkommen würde.

„Ich will die Ziellinie aufrecht überqueren“

Im Rennen hat jede ihre Aufgabe. Léontine gibt den ersten Schub, auf den rollenden Abschnitten bewegt sich Louise selbstständig vorwärts. Die Teamkolleginnen wollten ganz nach Gefühl vorgehen und auf die Signale ihres Körpers hören: „Wenn ich merke, dass es Louise schlechter geht, gehe ich hinter sie. Und wenn sie spürt, dass meine Kräfte nachlassen, sagt sie mir Bescheid. Unsere Verbindung beruht auf vollkommenem Vertrauen“, erklärt Léontine. Louise hält die Hand ihrer Freundin und fügt hinzu: „Ich will die Ziellinie aufrecht überqueren, und ich bin sicher, dass ich das schaffen werde. Was mich in diesen viereinhalb Monaten Vorbereitung getragen hat, war die Vorstellung von dem Moment, in dem Léontine meine Hand nimmt und mich mit ihrer Kraft hochzieht.

Das fasst zusammen, wer wir sind und was von uns ausgeht. Ich werde Louise auf den Champs-Élysées den ersten Schub geben, und sie wird die letzte Bewegung aufrecht machen. Wir sind ein Team. In unserem Duo ist niemand behindert, betont Léontine.

„Das fasst zusammen, wer wir sind und was von uns ausgeht. Ich werde Louise auf den Champs-Élysées den ersten Schub geben, und sie wird die letzte Bewegung aufrecht machen. Wir sind ein Team. In unserem Duo ist niemand behindert.“

Léontine Peter

Gemeinsam Grenzen verschieben und Barrieren abbauen

Hinter dieser Herausforderung steht eine klare Botschaft: die Einstellung der Gesellschaft zu verändern. Es geht den beiden Sportlerinnen nicht nur um Zeit und Leistung, sondern auch um den Kampf für die Inklusion von Menschen mit Behinderung: „Wir wollen das Tabu rund um Behinderung brechen. Wir sind einfach zwei Sportlerinnen, die auf unterschiedliche Weise laufen. Noch immer ist vieles nicht zugänglich. Wir müssten die beiden Welten nur zusammenbringen, um Lösungen zu finden. Deshalb wollten wir morgen auch nicht im Startbereich für den Behindertensport starten, sondern gemeinsam mit allen anderen.“ Louise fährt fort: „Wir wollen nur, dass jemand, der uns sieht, denkt: Das kann ich auch schaffen.

Vielleicht inspiriert ihr Duo gerade deshalb so sehr, weil es echt ist. Die beiden jungen Frauen gehen ihren eigenen gemeinsamen Weg und zeigen, welche Kraft in geteilter Anstrengung steckt. Am nächsten Morgen stehen sie neben den 56.950 Läuferinnen und Läufern des Marathon de Paris an der Startlinie. Sie sind bereit.

Marathon in 5:02:27 Stunden beendet

Louise und Léontine haben ihren ersten Marathon in 5:02:27 Stunden beendet. Wie geplant überquerte Louise gemeinsam mit Léontine und ihrem Vater aufrecht die Ziellinie: „Im Rennen hat sich alles gefügt, wofür wir vier Monate lang gearbeitet haben. Auf diesen 42,195 Kilometern hat sich in mir vor allem ein Gedanke festgesetzt: Man darf nie aufhören, daran zu glauben. Aufrecht ins Ziel zu kommen, ist die schönste Botschaft, die ich vermitteln kann. Léontine ergänzt bewegt: „Alles lief fließend: unsere Gespräche, unsere Abstimmung, die Kraft des Publikums und diese letzte Bewegung im Stehen. Die Botschaft ist angekommen. Das war echter Sport, Sport, der Menschen zusammenbringt.


Das Duo setzt sich keine Grenzen und verfolgt sein Projekt mit einer großen Herausforderung: Im September 2025 wollen die beiden einen Triathlon finishen. Louise sagt zum Abschluss: „Wie beim Marathon machen wir das gemeinsam. Es gibt keine Grenze für das, was wir erreichen können.“