Seit der Gründung 2008 wächst die Secondhand-Plattform Vinted unaufhaltsam. Nach Angaben des Institut français de la mode verkauft kein Anbieter mehr Kleidung in vergleichbarem Umfang. Unter den Tausenden täglichen Transaktionen spielt auch Running-Equipment eine wichtige Rolle.
Mit mehr als 23 Millionen Nutzerinnen und Nutzern in Frankreich ist die Secondhand-App Vinted inzwischen der größte Kleideranbieter. Das entspricht fast einem Drittel der Mitglieder in den rund 20 Ländern, in denen die Plattform aktiv ist. Kleidung und Schuhe, insbesondere für den Laufsport, haben sich dort einen festen Platz erobert. Während Running und die dazugehörigen Marken boomen, wird Vinted bei Sportlerinnen und Sportlern immer beliebter. Neue und gebrauchte Kleidung und Schuhe, im klassischen Handel kaum noch erhältliche Stücke, Vintage-Accessoires: Für manche ist Vinted das neue Jagdrevier für die Sportausrüstung.
Die verborgenen Schätze von Vinted
Manche Sportler nutzen Vinted, um exklusive Ausrüstung aufzuspüren, die oft von gesponserten Athleten stammt. Solche Stücke sind anderswo kaum zu finden und begeistern Läufer, die genau hinschauen. Pauline Weber Ferrari, nationale Spitzenathletin auf Straße, im Crosslauf und auf der Bahn, liebt die App, um diese « außergewöhnlichen Produkte zu finden, die fast alle meine Einkäufe ausmachen » .
Die französische Vizemeisterin der U23 über 10 Kilometer hat damit eine Alternative zu den hohen Preisen des Nischenanbieters Track and Field Clothes gefunden, der auf den Weiterverkauf von Ausrüstung gesponserter Athleten spezialisiert ist. Sie nutzt Vinted nicht, um Geld zu sparen oder Dinge zu verkaufen, sondern für sehr gezielte Suchen.
Dank Vinted ist der Weiterverkauf viel populärer geworden. Sportler haben angefangen, ihre Sachen zu verkaufen, vor allem wenn sie den Sponsor wechseln. Dabei geht es nicht unbedingt um Gewinn, sondern darum, die Schränke leer zu bekommen. Genau das macht die Plattform interessant: Man kann einzigartige Stücke ergattern, die man nicht auf jeder Laufbahn sieht. Außerdem lässt sich handeln, was bei einem klassischen Onlineshop nicht möglich ist.
Neben exklusiven Artikeln kauft die Athletin auch klassische Kleidung, die sie bereits kennt. Nike Aeroswift Shorts oder adidas Adizero: Beim Wechsel der Marke geht sie kein großes Risiko ein und sucht trotzdem gern nach einem guten Angebot. Bei den zahlreichen Laufschuhen auf Vinted ist die Straßenlaufspezialistin allerdings vorsichtig, denn längst nicht alle sind echt. « Ein befreundeter Läufer hatte ein neues Carbonplattenschuh-Modell mit Originalkarton bestellt. Nach ein paar Läufen bekam er Fußschmerzen. Die Sohle war gerissen. Als er den Schuh aufgeschnitten hat, stellte er fest, dass gar keine Carbonplatte darin war. Es waren Fälschungen. »
Diese Erfahrung erinnerte sie an einen anderen Fehlkauf: ein gefälschtes T-Shirt aus der Elitekollektion, das als Original angeboten worden war. « Bei Kleidung ist das weniger schlimm, aber bei Schuhen bin ich sehr vorsichtig. Ich kaufe inzwischen keine Schuhe mehr über Vinted, weil es fast unmöglich ist zu erkennen, ob sie echt oder gefälscht sind. »
Vinted, das Reich der Fälschungen
Diese Einschätzung teilt Romain Levêque, ein Läufer auf regionalem Niveau, der Vinted seit acht Jahren nutzt. Er kauft dort vor allem neue Laufausrüstung. « Beim Schuhkauf bin ich viel skeptischer als früher. Ich habe den Eindruck, dass inzwischen immer mehr Fälschungen auf der Plattform auftauchen, auch wegen des Wachstums von Seiten wie AliExpress. Dieses Risiko gehe ich nicht mehr ein », erklärt der Läufer aus der Auvergne, der mit Vinted zunächst Geld verdienen wollte, indem er Artikel kaufte und weiterverkaufte.
Auch wenn er diese Nebentätigkeit aufgegeben hat, verkauft er Modelle weiter, die ihm nicht gefallen haben, damit sie nicht ungenutzt im Schrank liegen. « Ich setze die Preise niedrig an: 50 Euro für ein Paar, das ich für 110 Euro gekauft und zwei- oder dreimal getragen habe. Das mache ich auch, wenn meine Schuhe zu abgetragen sind. Ich wasche sie, erwähne aber nicht jedes Detail in der Beschreibung. Ich verkaufe sie günstig, um sie loszuwerden. »
Der Läufer beobachtet, wie die wachsende Popularität der App ihre Dynamik verändert. Seine Vermutung: Je mehr Menschen ständig online sind, desto größer die Konkurrenz und desto geringer die Chance auf « den großen Fang. » « Das Geheimnis von Vinted ist einfach: Je öfter du reinschaust, desto eher findest du gute Angebote », fasst er zusammen. Vor einigen Jahren hätten sich die Mitglieder noch weniger Gedanken über den Wert ihrer Angebote gemacht. « Heute ist es schwieriger, die Perle zu finden. Das liegt wahrscheinlich an der Konkurrenz unter den Verkäufern, an den Nutzern, die ständig suchen, oder an den Menschen, die sich vor der Preisfestlegung besser informieren. »
Vorsicht ist angebracht
Das wichtigste Argument für Sportler sind die Preise, die oft unter denen des klassischen Handels liegen. Mit dem Boom des Laufsports entstehen immer mehr Spezialmarken, und deren Preise sind nicht immer attraktiv. Vinted ermöglicht häufig eine günstigere Ausstattung, aber eben nicht in jedem Fall.
Agathe Coutre, interregionale Athletin aus dem Département Allier, gibt an, nur « zwei- oder dreimal » bei Vinted gekauft zu haben. Sie setzt lieber auf die zahlreichen Angebote klassischer Onlineshops, vor allem bei Schuhen, aus Angst vor Fälschungen. « Ich vertraue Verkäufern nicht immer, die riesige Mengen an Artikeln derselben Sportmarke anbieten. Das finde ich verdächtig. »
Ihre Trainingspartnerin Amélie Poyet sieht es ähnlich. Sie stöbert nicht ziellos durch die App, sondern nutzt Vinted nur für gezielte Suchen und ausschließlich für neue Artikel. Die Grafikdesignerin kauft dort erst, wenn sie überprüft hat, dass das gewünschte Produkt auf der Plattform günstiger ist und anderswo nicht mehr angeboten wird.
Meistens finde ich nicht, dass es sich wirklich lohnt. Auf anderen Seiten bekommt man Ausrüstung im Schlussverkauf oft günstiger und neu. Bei Schuhen ist es angesichts der vielen Fälschungen wirklich riskant und wenig attraktiv.
Amélie Poyet räumt ein, dass es ihr schwerfällt, die seltenen Schnäppchen zu finden. Technische Kleidung sei zudem durch Käuferschutz und Versand oft noch recht teuer. Bei einer Bestellung kommen mehrere Gebühren hinzu, die den Gesamtpreis um fast 10 Euro erhöhen können. Diese Provisionen summieren sich und übersteigen manchmal sogar den Verkaufspreis. Das schreckt viele Nutzer ab.
Eine App mit den Mechanismen eines sozialen Netzwerks
Mode und insbesondere Sportbekleidung bleiben die beliebtesten Kategorien auf Vinted. Mit der Zeit hat die App ihr Angebot auf neue Bereiche wie Elektronik ausgeweitet. Der Secondhand-Riese beschränkt sich längst nicht mehr auf Textilien und Sneaker, sondern bietet auch GPS-Uhren, Kopfhörer mit Knochenschall und weiteres Running-Zubehör an.
Das Unternehmen entwickelt laufend neue Funktionen, etwa die Bildersuche nach dem Vorbild von Google Lens. Die Idee: Mit einem einfachen Foto schneller ein bestimmtes Produkt finden. Zum Erfolg trägt auch bei, dass man Angebote machen und mit Verkäufern chatten kann. Das steigert den Spaß am Handeln und am guten Deal. All diese Neuerungen machen die Plattform immer komfortabler und ein wenig süchtig machend.
Manche Stammnutzer werden zu echten Profis. Heute funktioniert die App fast wie ein soziales Netzwerk. Je aktiver man ist, desto mehr kauft man und desto genauer lernt der Algorithmus die eigenen Bedürfnisse kennen. Dadurch erscheinen mehr passende Angebote, was die Versuchung weiter erhöht.
Sich einzuloggen wird schnell zum Reflex, fast so selbstverständlich wie das Scrollen bei Instagram. Nach und nach lernt man, die Suche zu verfeinern und alle Filter und Funktionen zu nutzen. Das führt zu einer täglichen Suche und zu einem gewissen Glücksgefühl, wenn plötzlich die letzte anderswo ausverkaufte Laufshorts auftaucht.
Gefragte Artikel werden immer begehrter
Diese Dynamik schafft zwangsläufig eine neue Ökonomie rund um besonders begehrte Artikel. Wie gefragt ein Produkt ist, zeigt sich über Favoriten und die neuen Hinweise «sehr gefragt» oder «dieser Artikel ist sehr beliebt». Solche Signale können zu Impulskäufen verleiten. Mit der wachsenden Nutzerzahl und der immer ausgefeilteren Oberfläche sind manche Sportartikel innerhalb weniger Minuten verkauft, obwohl sie mitunter teurer sind als im klassischen Handel.
Ein markantes Beispiel ist das limitierte T-Shirt des Influencers Clem qui court. Ursprünglich für weniger als 40 Euro verkauft, wurde es auf Vinted für mehrere hundert Euro angeboten. Solche Fälle gibt es auf der App immer häufiger. Manche Nutzer fühlen sich zum Kauf gedrängt, weil ein Artikel möglicherweise nie wieder auftaucht. Andere sind frustriert, wenn jemand schneller war. Viele berichten, dass sie aus Angst, ein gutes Angebot zu verpassen, regelmäßig die App öffnen.
Die Beliebtheit von Sportartikeln auf der Plattform ist nicht mehr zu übersehen. Maryline Ferraz, interregionale Athletin sowie eifrige Käuferin und Verkäuferin, hat das längst bemerkt. « Ich liebe diese Seite, weil man dort sehr einfach und schnell Dinge weiterverkaufen kann. Technische Kleidung ist zu attraktiven Preisen extrem schnell weg, besonders Nike-Modelle, die stark gefragt sind ». Die 800-Meter-Spezialistin stellt ihre Laufschuhe online, um Geld für neue Paare zu verdienen, und achtet dabei genau auf Fälschungen. Die Physiotherapeutin verkauft außerdem Artikel von Eliteathleten, die sie bei spezialisierten Verkäufern auf der Plattform gekauft oder von Freundinnen mit Markenverträgen erhalten hat.
Früher habe ich diese exklusiven Stücke geliebt. Ich habe sie kaum getragen, weil ich mich nicht dazu berechtigt fühlte, mich wie eine Eliteathletin zu kleiden. Ich hatte so viele Laufoutfits angesammelt. Heute bin ich pragmatisch: Ich behalte das Wesentliche und verkaufe den Rest. Dann können sich andere daran freuen.
Vinted macht klassischen Anbietern von Running-Equipment ernsthafte Konkurrenz. Zwischen Schnäppchen, seltenen Produkten und Fälschungen steckt die App voller Schätze, aber auch voller böser Überraschungen. Manche Läufer können nicht mehr darauf verzichten, andere kaufen dort lieber gar nicht erst. So oder so hat Vinted das Potenzial, sich als eigenständige Anlaufstelle für die Suche nach Sportartikeln zu etablieren.
Mehr Artikel
Chris Koch bewältigt den Chicago Marathon auf dem Skateboard in 4:16 Stunden
Ohne Arme und Beine bezwingt Chris Koch Marathons auf dem Longboard. In Chicago schaffte der Kanadier 42,195 Kilometer in 4:16 Stunden.
Mi., 9. September 2026
Gesundheit: Laufbeschwerden und Fußpflege
Blasen, schwarze Zehennägel, Wundreiben: So beugst du Fußbeschwerden beim Laufen vor und hältst deine Füße fit.
Mi., 9. September 2026
Diane Leyre, Miss France 2022, gründet ihren Club „Running Queens“
Diane Leyre, Miss France 2022, startet mit Running Queens eine Laufgruppe von Frauen für Frauen. Das erste Treffen steigt am 23. November in Paris.
Mi., 9. September 2026