World Marathon Majors: Wie New York, Boston, Chicago, Berlin, Sydney, London und Tokio den Marathon zum einzigartigen Erlebnis machen
© Berlin Marathon

World Marathon Majors: Wie New York, Boston, Chicago, Berlin, Sydney, London und Tokio den Marathon zum einzigartigen Erlebnis machen

Dorian Vuillet
Von Dorian Vuillet

Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026

Aktualisiert am Mi., 9. September 2026

New York, Boston, Chicago, Berlin, Sydney, London und Tokio: Diese sieben Metropolen veranstalten längst nicht mehr nur Marathons, sie erheben sie zu globalen Festivals. Jeder Lauf wird zur Bühne, auf der die Läufer die Hauptrollen übernehmen, zwischen Rekordjagd, unvergesslichen Selfies und ungefilterten Emotionen. Willkommen im exklusiven Kreis der World Marathon Majors.

Die 7 World Marathon Majors!

  • New York City Marathon (3. November 2024) Teilnehmer: 55.646 Finisher, neuer Weltrekord für einen Marathon

  • Berlin-Marathon (29. September 2024) Teilnehmer: 54.280 Finisher

  • London-Marathon (21. April 2024) Teilnehmer: 54.218 Finisher

  • Chicago-Marathon (13. Oktober 2024) Teilnehmer: 52.150 Finisher, neuer Teilnehmerrekord für die Veranstaltung

  • Tokio-Marathon (3. März 2024) Teilnehmer: rund 38.000 Finisher

  • Sydney-Marathon (15. September 2024) Teilnehmer: 20.284 Finisher

  • Boston-Marathon (15. April 2024) Teilnehmer: rund 30.000 Finisher

Von nun an sind sie zu siebt. Sieben Städte, die Massen, Topläufer, Rekorde und Tausende Instagram-Storys anziehen. New York, Berlin, London, Tokio, Boston, Chicago und der Neuzugang Sydney: Gemeinsam machen diese „World Marathon Majors“ aus dem Marathon weit mehr als eine persönliche Herausforderung. Sie machen ihn zum globalen Spektakel.


Der Marathon als Blockbuster

Die Majors haben früh verstanden, dass die 42,195 Kilometer eine Geschichte erzählen müssen. Wer in New York läuft, fühlt sich wie der Held eines Films. Tosender Jubel in Brooklyn, Postkartenblick auf Manhattan, Zieleinlauf im Herzen des Central Park: Alles ist auf große Emotionen ausgelegt. Berlin? Das ist die Kulisse für höchste Präzision. Die Strecke ist flach und ultraschnell, die Mauern sind mit Graffiti bedeckt und die Rekorde fallen am laufenden Band. Man spürt, dass Kipchoge hier seine Spuren hinterlassen hat. Jede Stadt hat ihre eigene Identität, Inszenierung und Soundkulisse. Und auch wer nicht im Elitenfeld läuft, bekommt diese ganz besondere Gänsehaut gratis dazu.

Die globale Bühne des Running

Die World Majors sind auch ein Reisepass für die Laufwelt. Jeder Teilnehmer kann in Tokio an der Lotterie teilnehmen, in Chicago eine neue Bestzeit jagen, den Heartbreak Hill in Boston bezwingen und das alles mit derselben begehrten Startnummer, stolz in der Instagram-Story präsentiert. Daraus ist eine Mission, ein heiliger Gral geworden: die „Six Stars“, jene sechs Sterne, die Finisher der sechs Marathons wie Trophäen sammeln. Und das zieht alle an: Hobbyläufer, ehemalige Profis, Running-Influencer und sogar Prominente, die diesen Punkt auf ihrer Bucketlist abhaken wollen. Laufen, ja. Aber in der richtigen Stadt, mit der richtigen Geschichte dazu.

© Berlin Marathon / London Marathon Events

Die Omnipräsenz der sozialen Medien

Ein weiterer entscheidender Faktor: die sozialen Medien. Früher zeigten wir unsere Medaille an der Kaffeemaschine herum. Heute muss sie auf Instagram landen, mit dem Sonnenuntergang über Manhattan oder Tokio im Hintergrund. Die Majors reiten auf dieser Welle. Sie verkaufen nicht mehr nur einen Lauf, sondern ein Bild, ein Erlebnis, eine instagramtaugliche Erinnerung. Und es funktioniert. Auch wenn vielen bei Kilometer 38 die Beine längst völlig leer sind, schaffen es alle irgendwie, für das Foto zu lächeln. Denn in dieser Welt gilt: Wenn es nicht auf Strava oder in einem Reel landet, bist du nicht gelaufen.

Eine Show auf allen Ebenen

Ein Major-Marathon ist nicht einfach nur ein Rennen. Er ist ein echtes Erlebnis. Konzerte an der Strecke, riesige Leinwände, euphorische Kommentatoren, Hubschrauber, Drohnen … irgendwo zwischen Sportevent und Kulturfestival. Die Helfer sind genauso stylish wie die Läufer, die Verpflegungsstellen mitunter üppiger ausgestattet als so manches Brunchbuffet und die Stimmung … darüber reden wir besser gar nicht erst. Wir haben schon Finisher im Ziel weinen sehen, allein beim Klang der Menge. Auch die Sponsoren haben das längst verstanden. Jeder Major ist eine XXL-Schaufensterfläche für große Marken. Es geht nicht mehr nur um Schuhe, sondern um „optimierte Antriebstechnologie“, Gels mit Mojito-Geschmack und Funktionskleidung mit einem Design aus dem Windkanal. Der Marathon ist zum Lifestyle geworden.

Die Leistung im Mittelpunkt der Show

© Tony OBrien / London Marathon Events

Nicht falsch verstehen: Das Ganze bleibt eine ernste Angelegenheit. Jahr für Jahr kommen die größten Namen des Marathons in diese legendären Städte, um schnelle Zeiten zu laufen. In Berlin pulverisieren Eliud Kipchoge und inzwischen auch Tigist Assefa die Rekorde. In Boston lockt das Prestige der Strecke. In London ist es die enorme Leistungsdichte … und die kuriosen Rekorde. Kurz gesagt: Zwischen zwei Läufern im Bananenkostüm stehen Raketen an der Startlinie. Das Schönste daran ist vielleicht, dass alles nebeneinander Platz hat. Weltmeister und Sonntagsläufer bestreiten dasselbe Rennen, laufen über denselben Asphalt und durchqueren dieselbe feiernde Stadt. Das ist die Magie der Majors: Sie lassen dich wie einen Champion fühlen, selbst wenn du nach 4:58 Stunden mit Krämpfen und einem Alarm schlagenden Knie die Ziellinie überquerst.

Also, bereit für die Jagd nach den Six Stars?

Wenn du schon einmal davon geträumt hast, „den Marathon“ zu laufen, mit großem M, dann ist es wahrscheinlich einer der sechs Läufe dieser exklusiven Liga. Und wenn du bereits in New York, Berlin oder anderswo die Ziellinie überquert hast, hast du vermutlich verstanden, dass diese Städte den Lauf in eine komplette Show verwandelt haben, in der jeder Läufer auf seine Weise zum Star wird.

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