Fêtes des Vins km de Saint-Émilion: schwere Beine, starke Zeiten und Blicke schon in die Ferne
Zwischen noch kühlen Rebzeilen im frühen Morgenlicht, weißen Wegen und langsam erwachenden Châteaux haben die Fêtes des Vins km de Saint-Émilion an diesem Sonntag, dem 12. April, wieder genau den richtigen Ton getroffen. Eine volle, lebendige und zutiefst menschliche Ausgabe, bei der die Zeiten an der Spitze kratzten, während andere jeden Schritt wie einen großen Jahrgang genossen.
7:30 Uhr, Château Soutard. Die Sonne zögert noch, die Läufer nicht. Die Marathonstarter der Fêtes des Vins km de Saint-Émilion machen sich als Erste auf den Weg, fast lautlos, als würde die Distanz eine gewisse Ehrfurcht verlangen. Vorne geht es kontrolliert los, ohne erkennbare Übertreibung. Dahinter nimmt jeder seine eigene Geschichte mit auf die Strecke. Florian Laplanche schreibt seine, ohne zu wackeln. 2:29:40 Stunden, kontrolliertes Tempo, klarer Sieg. Eine starke Leistung auf einem Kurs, der nichts verzeiht, mit Anstiegen und ständigen Tempowechseln. Eine Zeit, die genauso viel über Renneinteilung wie über Geschwindigkeit erzählt.
Etwas weiter hinten holt sich Francis Ingles, ein starker Veteran vom Elan Girondais Athlétisme, in 2:45:21 Stunden den zweiten Platz. Erfahrung, die sich auszahlt. Adrien Brayet (2:52:01) komplettiert das Podium nach einem gleichmäßigen Rennen ohne unnötige Glanznummern. Bei den Frauen prägt Mathilde Sulzer den Vormittag. 3:17:09 Stunden, konstantes Tempo und vor allem der Eindruck, das Rennen von Anfang bis Ende im Griff zu haben. Dahinter folgen Juliette Bourouz (3:25:26) und Manon Collet (3:31:50), jede in ihrem Rhythmus, jede in ihrem eigenen Kampf.
22 km: Zwischen zwei Verkostungen wird richtig Tempo gemacht
Auf der mittleren Distanz zieht das Tempo deutlich an. Jonathan Gerthofer gibt schon auf den ersten Kilometern den Takt vor. 1:20:37 Stunden, sauber, schnell, effizient. Dahinter komplettieren Antoine Thielen (1:21:28) und Armand Fontes (1:22:39) ein enges Podium. Ein nervöses Rennen mit ständigen Tempowechseln. Hier kann niemand abschalten. Jeder Anstieg bringt die Maschine wieder auf Touren, jede Abfahrt lädt dazu ein, Risiko zu gehen.
Bei den Frauen gibt Raphaëlle Jourdrin mit 1:32:58 Stunden souverän den Ton an. Ein Sieg, der sich nach und nach aufbaut, fast unauffällig. Delphine Bibard, mit 1:38:03 Stunden gestoppt und für Château Beauséjour startend, bestätigt die starke Präsenz der Weingüter im Rennen, irgendwo zwischen Wettkampf und lokaler Identität. Amélie Fortin gibt alles und wird in 1:39:54 Dritte.
12 km: Das Feuerwerk am Morgen
Auf den 12 km wird nicht lange gefackelt. Jean-Baptiste Chamauleaud legt sofort los. 40:47 Minuten, ein geradezu überschallartiges Tempo auf einem Kurs, der alles andere als topfeben ist. Dahinter folgen Esteban Brossier (42:30) und Mathieu Tanguy (42:58), der quasi vor der eigenen Haustür unterwegs ist, rund um Château Grand Corbin-Despagne. Die Leistungsdichte ist beeindruckend: Mehrere Läufer bleiben unter 44 Minuten. Guillaume Martins (Platz 5 in 43:18), Baptiste Linseele (Platz 7 in 44:06) und Louis Quilain (Platz 8 in 44:14), der für Château Laroque startet, unterstreichen dieses hohe Niveau.
Bei den Frauen liefert Margaux Désert eine starke Vorstellung ab. 49:23 Minuten, ein souveräner Sieg. Dahinter erkämpft sich Amélie Caplain, die für das prestigeträchtige Château Cheval Blanc startet, in 51:18 den soliden zweiten Platz. Sie verweist die Pariserin Jeanne Rouhier auf Rang drei, ihre Endzeit: 54:43. Die restlichen Plätze der Top 10 liegen weiter eng zusammen, mit kleinen Abständen und einem echten Kampf bis zum Schluss.
Im Gironde läuft man nie einfach nur
Kilometer für Kilometer drängt sich eine Erkenntnis auf: Dieses Rennen ist anders. Die Strecke führt durch Weingüter, die normalerweise nicht zugänglich sind, vorbei an von der UNESCO geschützten Rebzeilen und an Helfern, die jeden Stein des Kurses kennen. Mehr als 5000 Läufer, und trotzdem bleibt dieses Gefühl von Nähe. Vielleicht liegt es an den spontanen Pausen an den Verpflegungsstellen, wo neben Wasser manchmal auch Wein ausgeschenkt wird.
Oder an den Gesprächen zwischen Fremden, die an einem etwas zu langen Anstieg zu Leidensgefährten werden. Seit der Gründung durch Jean Aboudaram im Jahr 2015 hat die Veranstaltung ihren Platz gefunden. Ein Rennen, das Sport, Kulturerbe und Engagement verbindet. Der Rotary Club Libourne Saint-Émilion hat bereits mehr als 755.000 Euro für die medizinische Forschung gespendet. Eine rundum gelungene Ausgabe.
✔ Alle Ergebnisse der Fêtes des Vins km de Saint-Émilion findet ihr hier