Wie Maurten Sabastian Sawe zum ersten offiziellen Marathon unter zwei Stunden verhalf
Veröffentlicht am Do., 10. September 2026
Aktualisiert am Do., 10. September 2026
Der Marathon hat in London eine neue Dimension erreicht. Jahrelang galt die Zwei-Stunden-Marke als Mythos, als runde Zahl und kollektive Obsession einer ganzen Generation aus Läufern, Wissenschaftlern, Trainern, Ausrüstern und Fans. Dann überquerte Sabastian Sawe am 26. April 2026 die Ziellinie in 1:59:30 Stunden. Hinter dieser historischen Leistung steckten jedoch weit mehr als außergewöhnliche Beine. Damit die Maschine Sawe auf Hochtouren laufen konnte, wurde auch die Ernährung bis ins kleinste Detail geplant. Denn auf diesem Niveau reicht es längst nicht mehr, schnell zu laufen. Der Körper muss zwei Stunden lang ohne Unterbrechung mit Energie versorgt werden, damit das Tempo hält. Genau hier wurde Maurten zu einem zentralen Akteur in der modernen Marathon-Geschichte. Seit Eliud Kipchoges INEOS-1:59-Projekt gilt die schwedische Marke als Referenz in Sachen Fueling im Ausdauersport. Und in diesem Jahr hat London das erneut bestätigt. Marathons.com blickt tief in Maurtens Strategie ein, mit der Sabastian Sawe unter zwei Stunden laufen konnte.
Der moderne Marathon: Schuhe, Laufökonomie und Ernährung
Wenn man Sawe 42 Kilometer lang mit 2:50 min/km laufen sieht, denkt man zuerst an seine außergewöhnlichen Fähigkeiten. VO2max am Limit, eine hochoptimierte Laufökonomie … Doch ein Marathon entscheidet sich auch an anderer Stelle. Ja, da sind die neuen Supershoes. Aber ebenso wichtig ist die Fähigkeit des Körpers, Energie bereitzustellen und vor allem aufrechtzuerhalten. Das Problem lässt sich leicht erklären: Der menschliche Körper verfügt nur über begrenzte Glykogenreserven. Anders gesagt: Selbst die besten Marathonläufer der Welt haben einen Tank, der irgendwann leer ist. Wenn das passiert, kommt die berühmte „Mauer“. Die Beine werden schwer, das Tempo bricht ein, der Kopf wird langsamer.
Bei dem Tempo, das Sawe anschlug, konnte dieser Moment sehr früh kommen. Wer unter zwei Stunden laufen will, braucht also eine Lösung: Während des Rennens müssen enorme Mengen Kohlenhydrate zugeführt werden, ohne den Verdauungstrakt zu überfordern. Genau hier lag lange Zeit die Grenze im Marathon.
Sawe nimmt bis zu 115 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde auf …
Noch vor wenigen Jahren lagen die meisten Ernährungsempfehlungen bei etwa 60 Gramm Kohlenhydraten pro Stunde. Mehr davon? Bei vielen Athleten führte das zu Magen-Darm-Problemen: Übelkeit, Blähungen, Durchfall und der Unfähigkeit, weitere Kohlenhydrate aufzunehmen.
Das Problem: Ein Marathon in der Nähe der Zwei-Stunden-Marke verlangt enorm viel Energie. Zwei Stunden lang mit fast 21,2 km/h zu laufen, ist eine gewaltige Belastung. Maurten beschloss deshalb, diese Grenze zu verschieben. Gemeinsam mit Sawe trieb die Marke den Wert sehr weit nach oben. Beim Berlin-Marathon 2025 nahm der Kenianer bereits rund 105 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde zu sich. In London lag das Ziel bei 115 Gramm pro Stunde. Über die gesamte Distanz entspricht das etwa 230 Gramm Kohlenhydraten. Zahlen, die noch vor wenigen Jahren völlig undenkbar gewesen wären.
Maurten verbrachte 32 Tage mit Sawe in Kenia
Das Bemerkenswerte an dieser Geschichte sind die Präzision und das Engagement des gesamten Teams. Maurten schickte Sawe nicht einfach ein paar Proben vor London. Das Performance-Team der Marke verbrachte 32 Tage mit seinem Umfeld in Kenia, um seinen Körper, seine Gewohnheiten, seine Verdauungsverträglichkeit und seinen exakten Energiebedarf zu analysieren. Tägliche, akribische Arbeit. Ein mobiles Labor.
Zu den durchgeführten Tests gehörten unter anderem:
✔ VO2max-Analysen
✔ Laktattests
✔ Messungen der Laufökonomie
✔ Analysen des Energieverbrauchs
✔ Messungen der Thermoregulation
✔ Detaillierte Ernährungsanalysen
✔ Messung der Kohlenhydrataufnahme mithilfe des 13C-Isotops
✔ Überwachung der Trainingsbelastung
✔ Analysen der Körperzusammensetzung
Das Ziel war klar: herauszufinden, wie viele Kohlenhydrate Sabastian Sawes Körper bei Marathonintensität aufnehmen und verwerten kann. Nicht nur theoretisch, sondern ganz konkret. Das Maurten-Team konnte sämtliche physiologischen Daten des Kenianers auswerten, um die ideale und maximal verträgliche Kohlenhydratmenge zu bestimmen. Die zentrale Vorgabe: Magen-Darm-Probleme um jeden Preis vermeiden. Eine Teamleistung, die an ein ganzes Orchester erinnert, das auf ein einziges Ziel hinarbeitet: den Sub-2-Marathon. Wer behauptet da noch, Laufen sei ein Individualsport?
Ein 30-Kilometer-Lauf unter der Lupe
Um Sawes Fortschritte und seine Fähigkeit zur Kohlenhydrataufnahme unter Belastung zu bestätigen, analysierte Maurten die Daten eines 30-Kilometer-Laufs bei 95 Prozent des Marathontempos. Eine der härtesten Einheiten seiner Vorbereitung auf London. Für Berlin 2025 hatte das Team dasselbe getan.
Die Ergebnisse sind beeindruckend. Bei diesem langen Lauf für London absolvierte Sawe die 30 Kilometer in 1:30:13 Stunden, 1:07 Minuten schneller als während der Berlin-Vorbereitung. Noch bemerkenswerter: Seine durchschnittliche Herzfrequenz lag dabei etwas niedriger, bei 154 statt 156 Schlägen pro Minute. Kurz gesagt: Er lief schneller und hatte dabei eine geringere physiologische Belastung.
Die Analyse zeigt außerdem eine außergewöhnliche Fähigkeit, unter Ermüdung zu beschleunigen. Zwischen Kilometer 20 und 25, dem aussagekräftigsten Abschnitt einer solchen Einheit, lief Sawe 14:47 Minuten gegenüber 15:05 Minuten in Berlin. Auch seine letzten 10 Kilometer waren schneller. Ein Zeichen für eine sehr gute muskuläre Ausdauer und ein verbessertes Energiemanagement.
Maurten setzte außerdem ein wissenschaftliches Verfahren mit ¹³C-Kohlenstoffisotopen ein, um Sawes Fähigkeit zu messen, Kohlenhydrate während der Belastung aufzunehmen und zu verwerten. Die Daten zeigen, dass Sawe am Ende der Einheit fast 100 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde oxidieren konnte. Ein konkreter Beleg dafür, dass sein Verdauungstraining und seine Ernährungsstrategie vor dem großen Tag in London perfekt funktionierten.
Gut-Training: den Darm wie einen Muskel trainieren
Wahrscheinlich ist das nicht gerade das Thema, das Hobbyläufer am meisten fasziniert. Wir sprechen viel über Schuhe, lange Läufe, Kilometerumfang und Double Threshold … Doch die Elite trainiert inzwischen auch ihr Verdauungssystem. Ganz wörtlich. Denn 115 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde nimmt man nicht von heute auf morgen auf. Über mehrere Monate wiederholte Sawe im Training exakt dasselbe Ernährungsprotokoll: Gel vor den harten Einheiten, Drink Mix in genau festgelegten Abständen während der langen Läufe. Alles war darauf abgestimmt, in London die große Schlusskomposition zu spielen.
Die Idee dahinter ist einfach: Je besser der Darm daran gewöhnt ist, Kohlenhydrate bei hoher Intensität aufzunehmen, desto effizienter verarbeitet er sie. Maurten beschreibt diesen Prozess häufig als ein eigenes Energiesystem, das ebenso trainiert werden muss wie das kardiovaskuläre System. Diese Arbeit dürfte eine enorme Rolle für den Sub-2-Marathon gespielt haben.
Hydrogel-Technologie: Maurtens eigentliche Revolution
Den entscheidenden Unterschied machte für Maurten vor allem die Hydrogel-Technologie. Sobald die Kohlenhydrate mit Wasser vermischt sind, werden sie in einer Hydrogelstruktur eingeschlossen. Diese passiert den Magen leichter, bevor die Kohlenhydrate im Darm aufgenommen werden. Denn während eines Marathons arbeitet der Magen nicht wie gewohnt. Die Verdauung läuft langsamer, weil das Blut bevorzugt zu Beinmuskulatur, Herz, Haut und Gehirn geleitet wird. Durch die Hydrogelstruktur wird der Magen bei der Aufnahme der Kohlenhydrate weniger belastet.
Das Ergebnis:
➜ Weniger Verdauungsstress
➜ Schnellere Aufnahme
➜ Mehr Kohlenhydrate können aufgenommen werden
➜ Gleichmäßigere Energieversorgung
Bei einem Marathon in der Nähe von 2:50 min/km zählt jedes Detail. Auf diesem Niveau bedeuten selbst kleinste Prozentwerte wertvolle Sekunden.
Sabastian Sawes Maurten-Protokoll in London
Am Marathontag wurde nichts dem Zufall überlassen.
Vor dem Rennen
6:45 Uhr: Maurten Bicarb System
Im Bus zum Start: Drink Mix 320
5 Minuten vor dem Start: Gel 100
Während des Rennens
5 km: Drink Mix 320
10 km: Drink Mix 320
15 km: Drink Mix 320
20 km: Drink Mix 320 + Gel Caf 100
25 km: Drink Mix 320
30 km: Drink Mix 320
35 km: Drink Mix 320
40 km: Drink Mix 320
Insgesamt: rund 115 Gramm Kohlenhydrate pro Stunde. Eine astronomische Menge, hauptsächlich in flüssiger Form. Die Ergebnisse sprechen für sich. Sawe konnte am Ende noch beschleunigen. Die zweite Halbmarathonhälfte lief er in 59:01 Minuten, die letzten 10 Kilometer in 27:36 Minuten. Niemand hatte einen Marathon zuvor so stark beendet. Für Maurten ist das ein großer Erfolg und der Beleg, dass sich die Arbeit ausgezahlt hat. Nach mehr als 1:50 Stunden Belastung war noch immer Treibstoff im Motor.
Die Rolle von Bikarbonat: die andere Geheimwaffe
Ein weiteres Schlüsselelement des Protokolls war das Maurten Bicarb System. Bikarbonat wird im Hochleistungssport seit Langem eingesetzt, um die Pufferkapazität des Körpers zu verbessern, also die Übersäuerung der Muskulatur hinauszuzögern. Einfach gesagt: Es hilft dem Körper, die bei sehr intensiven Belastungen entstehende Übersäuerung der Muskeln besser zu kontrollieren. Eine weit verbreitete Methode in der Leichtathletik, vor allem in den Mittelstreckendisziplinen mit ihrem hohen anaeroben Anteil.
Das Problem: Herkömmliche Bikarbonatpräparate verursachten häufig starke Magen-Darm-Beschwerden. Maurten ist es gelungen, das Bikarbonat mithilfe von Hydrogel zu verkapseln.
Das Ergebnis:
➜ Bessere Verdauungsverträglichkeit
➜ Effizientere Aufnahme
➜ Höhere Dosierungen möglich
Für Sawe ging es darum, den Moment, in dem die Beine explodieren, noch etwas weiter hinauszuzögern. Und wenn man sieht, wie heftig er nach Kilometer 30 beschleunigte, fällt es schwer, diesem Faktor keine Bedeutung beizumessen.
Was Hobbyläufer von Sawe lernen können
Natürlich wird wohl kaum jemand diesen Artikel mit dem Ziel lesen, einen Marathon unter zwei Stunden zu laufen. Interessant an Sawe ist aber, dass sich die Prinzipien hinter seiner Leistung auch auf den Breitensport übertragen lassen. Nicht unbedingt in denselben Zahlen, wohl aber in der Herangehensweise. Lange Zeit betrachteten viele Läufer die Verpflegung als Nebensache. Man nahm ein Gel, einfach so, „wenn es hart wurde“.
Der moderne Marathon funktioniert heute anders. Auf höchstem Niveau bereiten die besten Läufer ihre Ernährungsstrategie mit derselben Konsequenz vor wie ihren Trainingsplan. Auch ambitionierte Hobbyläufer können sich davon einiges abschauen:
✔ Die Verpflegungsstrategie im Voraus planen
✔ Gels im Training testen
✔ Das Verdauungssystem trainieren
✔ Frühzeitig mit der Kohlenhydrataufnahme beginnen
✔ Nach den Einheiten besser regenerieren
Oft sind es diese kleinen Details, die den Einbruch bei Kilometer 35 verhindern. Natürlich kostet es in der Marathonvorbereitung einiges, bei jedem langen Lauf mehrere Gels zu verbrauchen. Aber ehrlich gesagt ist das noch immer günstiger als ein Carbonplattenschuh.
Sawe und Maurten haben die Grenzen des Marathons erneut verschoben
Seit einigen Jahren nimmt die schwedische Marke im Ausdauersport eine ganz besondere Stellung ein. Da war die INEOS-1:59-Challenge mit Kipchoge. Dazu kommt Maurtens starke Präsenz im Radsport und im Triathlon. Nun hat die Marke den ersten offiziellen Marathon unter zwei Stunden zu ihrer Geschichte hinzugefügt.
Faszinierend ist, dass all diese Projekte eine symbolische Wirkung haben. Sie haben die Einstellung zum Marathon und die Herangehensweise an das Rennen verändert. Ernährung ist kein bloßes Extra mehr. Sie ist zu einer tragenden Säule der Leistung geworden, auf einer Stufe mit Training, Schuhen und Laufstil. Und ehrlich gesagt … wenn man sieht, wie Sawe nach 35 Kilometern beschleunigt, als wäre er gerade erst bei Kilometer fünf, bekommt man Lust, es selbst auszuprobieren.
Lange dachte man, ein Sub-2-Marathon hänge ausschließlich von den Fähigkeiten eines Ausnahmeathleten ab. Der London-Marathon 2026 hat ein anderes Bild gezeigt. Ja, Sabastian Sawe besitzt außergewöhnliches Talent. Doch diese Leistung ist ebenso das Ergebnis eines hochoptimierten Umfelds: Training, Regeneration, Datenwissenschaft, Schuhe … und Ernährung. Der Marathon ist zu einem Präzisionssport geworden, in dem jedes Detail zählt. In dieser neuen Ära scheint Maurten einen Schritt voraus zu sein. Jetzt wissen wir, dass ein offizieller Marathon unter zwei Stunden möglich ist. Und damit drängt sich unter Ausdauerfans unweigerlich eine Frage auf … Wie weit kann er noch laufen?
✔ Alle Details zu Maurtens Arbeit gibt es auf der offiziellen Website maurten.com