Wie Nike die Vomero Premium gemeinsam mit seinen Athleten entwickelt hat

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Von Clément Laborieux

Veröffentlicht am Do., 10. September 2026

Aktualisiert am Do., 10. September 2026

Wie Nike die Vomero Premium gemeinsam mit seinen Athleten entwickelt hat
© Nike

Conner Mantz, Achter des Marathons bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris, steht für eine neue Generation US-amerikanischer Läufer, die dem Marathon neues Leben einhaucht. Am Sonntag will er beim renommierten Chicago Marathon den Landesrekord angreifen. Mantz ist ein methodischer, hart arbeitender Läufer, süchtig nach Training. Dank seiner Fähigkeiten und Erfahrung wurde er Teil eines geheimen Nike-Projekts: Er testete einen Prototyp, den die Öffentlichkeit noch nicht kannte, die Vomero Premium.

Ein Schuh, geboren im Verborgenen

Bei Nike wird nichts halbherzig angegangen. Die US-Marke, stets an der Spitze der Innovation, hat ihre gesamte Running-Kollektion rund um zentrale Modelle wie Vomero, Pegasus und Structure neu gedacht. Die Vomero, ein traditionsreicher Trainingsschuh, ist inzwischen bei der 18. Version angekommen. An der Spitze dieser Hierarchie steht nun die Vomero Premium: ein hochwertiges „Labormodell“, entwickelt, um die Grenzen der täglichen Trainingsleistung zu verschieben.

Bevor sie ein Schuh war, war die Vomero Premium zunächst eine Idee, eine Philosophie. Bei Nike entstehen Prototypen häufig im Geheimen. Die Designer färben das gesamte Produkt schwarz, um die Entwicklung geheim zu halten und Tests ohne Beeinflussung zu ermöglichen: kein auffälliger Swoosh, kein spektakuläres Design. Die Athleten sollen den Schuh mit ihren Beinen beurteilen, nicht mit ihren Augen. Genau in diesem Umfeld nahm die Vomero Premium Gestalt an, unter direkter Beteiligung von Mantz.

Vom Geheimprojekt zum persönlichen Rekord

Ende 2023 erhielt der US-Marathonläufer einen ungewöhnlichen Prototyp. Ein massiver Schuh mit einer Sohlenhöhe von 55 mm unter der Ferse, ZoomX-Schaum über die gesamte Länge, zwei aus dem Leichtathletik-Spike übernommenen Zoom-Air-Elementen und der Optik einer fliegenden Untertasse. Die Vomero Premium ist von World Athletics nicht zugelassen und darf daher nicht bei offiziellen Wettkämpfen getragen werden. Das ist allerdings kein echtes Problem, denn entwickelt wurde sie in erster Linie fürs Training.

Mantz kam damals gerade von einer Verletzung zurück. Ihm fehlten Selbstvertrauen und Trainingsumfang, während die US-Olympiaausscheidungen näher rückten. Der schwarze Prototyp war für ihn ein Wagnis. Lauf für Lauf stellte er überrascht fest, dass seine Form zurückkam und er schneller als erwartet Kilometer sammeln konnte. Der Schuh schluckte die Kilometer, er überschritt wieder die 190 Wochenkilometer und lief vor allem wieder mit Freude.

Einige Monate später gewann der frühere Athlet der BYU die US-Ausscheidungen und wurde anschließend Achter des olympischen Marathons in Paris. Die Vomero Premium war in der Öffentlichkeit noch unbekannt und kein Schuh, den man bei den großen Marathons sah. Doch sie hatte eindeutig Anteil an der Wiedergeburt des US-Amerikaners. Am 19. Januar 2025 stellte er in Houston mit 59:17 Minuten sogar einen neuen Landesrekord im Halbmarathon auf.

Die Vomero Premium ist in meiner Karriere zu einem unglaublich wichtigen Schuh geworden. Das Training mit ihr hat mir geholfen, mich selbst wiederzufinden. Ich freue mich sehr darauf, dass nun auch die Öffentlichkeit sie entdecken kann. An allen Testphasen beteiligt zu sein und zur Verbesserung des finalen Modells beizutragen, hat für mich wirklich viel bedeutet.

Conner Mantz, US-amerikanischer Marathonläufer

Vom Test zum Vertrauen: Der Entwicklungsprozess hinter der Vomero Premium

Das Spannendste an Nikes Produktphilosophie ist, dass Technologie niemals Selbstzweck ist. Alles beginnt mit einer Beziehung, mit dem Austausch zwischen Forschern, Designern und Athleten. Die Ingenieure des Nike Sport Research Lab (NSRL) wollen nicht nur messen. Ihre Aufgabe ist es, das Empfinden der Sportler zu verstehen, ihr Feedback aufzunehmen und so lange nachzujustieren, bis der Prototyp beinahe zu einer Verlängerung des Körpers wird.

Für die Entwicklung besonders innovativer Schuhe hat die Marke deshalb ein klar strukturiertes Modell: Die Neuheit wird zunächst an einem ästhetisch neutralen Produkt getestet, über die Leistung validiert und erst dann in ihrem finalen Design enthüllt, wenn Vertrauen entstanden ist. Dieses als „Blinding“ bezeichnete Verfahren verbirgt die Details des Prototyps, um eine visuelle Beeinflussung zu vermeiden. So zählen die Empfindungen mehr als alles andere, die Wissenschaft kann verlässliche Daten auswerten und am Ende bestätigen die Zahlen, was die Beine spüren.

Wir wollen nie, dass ein Schuh eine Lösung für ein Problem ist, das gar nicht existiert. Das wäre das Gegenteil unseres Ansatzes. Ein Schuh muss aus einem realen Problem heraus entstehen, das es zu lösen gilt. Den Athleten zuzuhören heißt, den Kern ihrer Bedürfnisse zu erreichen. Genau dort entsteht Vertrauen.

Tobie Hatfield, Senior Director Athlete Innovation bei Nike

Bei der Vomero Premium wurde dieser Prozess auf die Spitze getrieben. Mantz testete mehrere Versionen: zunächst war der Schuh zu fest, dann zu weich und bei der dritten fehlte es an Halt. Fünf Prototypen später war die finale Version endlich da: ein maximalistisch gedämpfter Trainingsschuh, der die extremen Belastungen eines Elite-Marathonläufers wegstecken kann und dabei ein dynamisches Laufgefühl und einen flüssigen Bewegungsablauf bewahrt. Dieser Ansatz ist bei Nike nichts Außergewöhnliches. Er steht in einer langen Firmentradition: Prototypen, die Konventionen brechen und am Ende überzeugen und zu Referenzmodellen werden.

Vomero Premium: der ideale Trainingspartner für Marathonläufer

Das finale Design trägt die Handschrift dieses streng geheimen Prozesses. Eine wuchtige, beinahe überdimensionierte Silhouette, die für lange Trainingswochen entwickelt wurde. Sie ist weder eine Vaporfly noch eine Alphafly, sondern ein hochwertiger Trainingsschuh für viele Kilometer, gebaut für Langlebigkeit und geeignet für Läufer aller Leistungsklassen.

Nike bekräftigt damit seine Philosophie: Innovation ist nur dann wertvoll, wenn sie auf ein echtes Bedürfnis von Athleten antwortet. Die Vomero Premium wurde nicht mit dem alleinigen Ziel entwickelt, die breite Öffentlichkeit zu begeistern. Sie soll die Herausforderungen eines Langstreckenläufers lösen: nach einer Verletzung selbstbewusst ins Training zurückzukehren und bei hohem Trainingsumfang Lauf für Lauf zu bewältigen.

Technische Daten

  • Dämpfungsmaterial: ZoomX und zwei Zoom-Air-Elemente

  • Dämpfung: maximal

  • Mono-Mesh-Obermaterial mit weich gepolsterter Zunge und weichem Schaftabschluss

  • Waffelprofil-Außensohle mit besonders abriebfestem Gummi

  • Gewicht: 351 g (Herrengröße 44)

  • Sprengung: 10 mm (55/45 mm), nicht von World Athletics zugelassen

  • Empfohlener Einsatz: tägliches Training (lockerer Lauf, Grundlagen- und langer Lauf …)

  • Preis: 229,99 €

Die Vomero Premium ist nicht einfach nur ein Laufschuh. Sie ist das Ergebnis methodischer Arbeit und eines ständigen Dialogs zwischen Wissenschaft und Instinkt, zwischen Forschern und Läufern. Sie zeigt, dass die wirksamste Innovation nicht immer die lauteste sein muss, sondern Vertrauen schaffen und mehr Komfort beim Laufen bieten kann. In einer Welt, in der inzwischen Karbonschuhe den Ton angeben, sendet Nike hier eine klare Botschaft: Ein guter Schuh muss nicht nur gut aussehen. Er soll dabei helfen, besser und weiter zu laufen und vor allem mehr Freude daran zu haben.

✔ Die Vomero Premium ist ab Mitte Oktober auf der offiziellen Nike-Website zum Preis von 229,99 € erhältlich.