Marathon: Kelvin Kiptum, Ruth Chepngetich, Eliud Kipchoge, Paula Radcliffe … eine legendäre Top 10
Veröffentlicht am Mi., 9. September 2026
Aktualisiert am Mi., 9. September 2026
Die Frauen und Männer in diesem Artikel haben Rekorde gebrochen, die großen internationalen Marathons dominiert und Geschichte geschrieben. Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, rückt aber die prägenden Figuren der Königsdisziplin im Laufsport ins Rampenlicht.
Ruth Chepngetich (2:09:56 Stunden 2024)
Eine Zeit, die in die Geschichtsbücher eingehen wird. Am 13. Oktober 2024 schrieb die Kenianerin Ruth Chepngetich in Chicago Sportgeschichte: Als erste Frau blieb sie über 42,195 Kilometer unter der Marke von 2:10 Stunden. Mit 2:09:56 stellte sie den bis heute gültigen Weltrekord auf. Dieser unglaubliche Meilenstein katapultierte sie in den Olymp der Marathonlegenden. Mit ihrem offensiven Stil ließ sie an diesem Tag der Konkurrenz keine Chance und legte die erste Hälfte in atemberaubendem Tempo zurück: Nach 1:04:16 Stunden passierte sie die Halbmarathonmarke. Die erst 31-Jährige (Jahrgang 1994) Ruth Chepngetich darf auf weitere prestigeträchtige Siege hoffen, sowohl im Halbmarathon, wo sie bereits zahlreiche Erfolge gesammelt hat, als auch über die volle Distanz.
Tigst Assefa (2:11:53 Stunden 2023)
Die Äthiopierin Tigist Assefa stellte 2023 in Berlin mit 2:11:53 Stunden den damaligen Weltrekord auf und ist die zweitschnellste Marathonläuferin der Geschichte. Am 27. April 2025 war sie beim London-Marathon mit 2:15:50 die Schnellste und löschte den Rekord auf einer reinen Frauenveranstaltung aus den Listen. Die Bestmarke hatte seit 2024 die Kenianerin Peres Jepchirchir mit 2:16:16 gehalten, ebenfalls in der britischen Hauptstadt. Tigist Assefa wurde 2024 in Paris hinter der Niederländerin Sifan Hassan Olympiazweite, nach einem packenden Duell. Die ehemalige 800-Meter-Läuferin hat aus ihrer ersten Disziplin die Fähigkeit mitgenommen, ein hohes Tempo anzuschlagen. Ihr ganz persönlicher Rekord: Sie ist die einzige Frau, die sowohl über 800 Meter unter zwei Minuten als auch im Marathon unter 2:20 Stunden geblieben ist. Eine echte Rarität!
Peres Jepchirchir (2:16:16 Stunden 2024)
Olympiasiegerin 2021 in Tokio, Halbmarathon-Weltmeisterin 2023 in Riga, Siegerin in New York 2021 und in London 2024: Bis zum Auftritt von Tigst Assefa war Peres Jepchirchir mit 2:16:16 Stunden die Weltrekordlerin auf einer reinen Frauenveranstaltung. Über Jahre sammelte sie Medaillen und Siege. Ihr Abschneiden bei den Olympischen Spielen in Paris 2024 war allerdings enttäuschend: Rang 15 in 2:26:51 Stunden. Doch die Kenianerin hat zweifellos noch einiges im Tank.
Paula Radcliffe (2:15:23 Stunden 2003)
Mehrere Jahre lang hielt sie den Weltrekord: 2003 lief die Britin in ihrer Heimat beim London-Marathon 2:15:25 Stunden. Paula Radcliffe ist eine Legende ihres Sports. Ihr Name ist weit über die Laufszene hinaus bekannt, auch weil sie in zahlreichen Disziplinen glänzte: Crosslauf, 3000, 5000 und 10.000 Meter, Halbmarathon … Von Beginn der 2000er-Jahre bis 2008 dominierte sie den Marathon und gewann bei Weltmeisterschaften nahezu alles, was es zu gewinnen gab. Ihr einziger großer Wermutstropfen: Bei Olympischen Spielen konnte sie in der Königsdisziplin nie überzeugen. 2004 in Athen gab sie auf, 2008 in Peking wurde sie 23. Besonders erfolgreich war sie in New York mit Siegen 2004, 2007 und 2008 sowie in London mit Erfolgen 2001, 2003 und 2005. Ihre Leidenschaft für den Wettkampf trug sie bis ins Alter von 42 Jahren. 2015 bestritt Paula Radcliffe vor ihrem „Heimpublikum“ beim London-Marathon ihren letzten großen Auftritt. Paula verkörpert pure Leidenschaft.
Brigid Kosgei (2:14:04 Stunden 2019)
Auch Brigid Kosgei ist noch längst nicht am Ende ihrer Geschichte. Im April 2025 wurde sie beim Hamburg-Marathon in 2:18:26 Stunden Zweite, nur geschlagen von der Äthiopierin Workenesh Edesa. Damit bewies sie, dass sie weiterhin zur Weltspitze gehört. Laufbegeisterte erinnern sich noch an den unglaublichen Endspurt von Brigid Kosgei beim Chicago-Marathon 2019. An diesem Tag löschte sie mit 2:14:04 Stunden den legendären Rekord von Paula Radcliffe aus, der 16 Jahre Bestand gehabt hatte. Verletzungen bremsten ihre Karriere anschließend aus, doch mit 31 Jahren ist die Langstrecklerin noch lange nicht fertig. Auch abseits der Laufbahn setzt sich Brigid Kosgei gesellschaftlich engagiert für wichtige Themen ein. Sie gehört zweifellos zum erlesenen Kreis der ganz Großen.
Kelvin Kiptum (2:00:35 Stunden 2023)
Noch immer fällt es schwer, das tragische Schicksal von Kelvin Kiptum zu begreifen. Der Kenianer starb am 11. Februar 2024 im Alter von nur 24 Jahren bei einem Verkehrsunfall. Sein Trainer Gervais Hakizimana, der ebenfalls ums Leben kam, hatte einen Frühstarter mit außergewöhnlichem Tempo geformt. Am 4. Dezember 2022 gewann Kiptum bei seinem ersten Marathon den Valencia-Marathon in 2:01:53 Stunden. Damit war er erst der dritte Läufer unter 2:02 Stunden, neben und Kenenisa Bekele. Der Beginn einer historischen Karriere … Im Jahr darauf pulverisierte er in Chicago Kipchoges Weltrekord und lief 2:00:35 Stunden! 34 Sekunden schneller als sein Landsmann, der die Bestmarke seit Berlin 2022 gehalten hatte. 2023 hatte Kiptum bereits den London-Marathon in 2:01:25 Stunden gewonnen, bevor er sich den Weltrekord holte. Kelvin Kiptum hinterließ mit seinem plötzlichen, brutalen Tod eine große Lücke. Wie eine Sternschnuppe wird er uns noch lange in Erinnerung bleiben.
Eliud Kipchoge (2:01:09 Stunden 2022)
Der GOAT des Laufsports, also der „Greatest Of All Time“, ist mit 40 Jahren noch immer eine Referenz und eine lebende Legende des Straßenlaufs. Eliud Kipchoge wurde am 27. April 2025 beim London-Marathon in 2:05:25 Stunden Sechster, nachdem er 2024 verletzungsbedingt pausieren musste. Bei den Olympischen Spielen in Paris hatte er wegen Rückenproblemen aufgegeben. An diesem Tag beeindruckte er Gegner und Publikum mit seiner Willenskraft und bewies, dass er trotz seines Alters wieder an die Weltspitze zurückkehren kann. Zuvor hatte der Kenianer zehn Jahre lang, von 2013 bis 2023, kaum etwas liegen gelassen. Er gewann die großen Klassiker, allen voran London und Berlin, und holte zwei olympische Goldmedaillen: 2016 in Rio und 2021 in Tokio. Eliud Kipchoge trägt außerdem den Ehrentitel des Mannes, der die mythische Zwei-Stunden-Marke im Marathon durchbrach: 1:59:40 Stunden 2019 in Wien, allerdings unter nicht rekordfähigen Bedingungen. Man kann ihm nur wünschen, diesen Coup auch in einem offiziellen Rennen zu wiederholen, auch wenn die Aufgabe äußerst schwierig wird.
Kenenisa Bekele (2:01:49 Stunden 2019)
Vor Eliud Kipchoge gab es Kenenisa Bekele. Der Äthiopier war zunächst auf den kürzeren Distanzen zu Hause, über 5000 und 10.000 Meter, und gewann mehrfach olympisches Gold. 2014 wechselte er auf den Marathon und feierte sofort einen Erfolg. Beim Paris-Marathon siegte er 2014 in 2:05:04 Stunden und stellte damit den Streckenrekord auf. Danach stellte Bekele seine Gegner weiter vor große Probleme und gewann unter anderem zweimal den Berlin-Marathon, 2016 und 2019. Mit 2:01:41 Stunden in Berlin 2019 ist er der drittschnellste Marathonläufer der Geschichte. 2024 wurde der 40-Jährige in London in 2:04:15 Stunden Zweiter und zeigte erneut, wie viel Klasse und Jugendlichkeit in ihm steckt. An diesem Tag stellte er sogar einen Rekord für einen Läufer über 40 auf. Wenn Kenenisa Bekele an der Startlinie eines Marathons steht, ist das immer ein Ereignis. Seine Zeit in London 2024 lässt auf ein gemeinsames Rennen mit Eliud Kipchoge hoffen …
Evans Chebet (2:03:00 Stunden 2020)
Evans Chebet ist vielleicht nicht der bekannteste Name dieser Liste, doch seine Gegner kennen und fürchten ihn. 2022 und 2023 gewann er den Boston-Marathon in 2:06:51 beziehungsweise 2:05:54 Stunden. 2022 gelang ihm anschließend auch noch der Sieg in New York. Damit war er der erste Läufer, dem dieses Double gelang. 2023 verpasste er die Wiederholung nur knapp und wurde Zweiter im „Big Apple“. Mit Rang fünf in London 2024 in 2:05:43 Stunden zeigte er zuletzt eine starke Leistung und bewies, dass er weiterhin zur Weltspitze gehört.
Tamirat Tola (2:03:39 Stunden 2021)
Am 10. August 2024 erinnerten sich alle Sportfans an seinen Sieg im Marathon der Olympischen Spiele von Paris. Tamirat Tola holte souverän olympisches Gold und stellte mit 2:06:26 Stunden den olympischen Rekord von Paris auf. Eine außergewöhnliche Zeit auf einer als schwierig geltenden Strecke mit insgesamt 436 Höhenmetern. Im April 2025 wurde er in London in 2:04:42 Stunden Fünfter und bestätigte damit seinen neuen Status über die Distanz. Tamirat Tola ist inzwischen das Aushängeschild Äthiopiens im Marathon. Keine kleine Verantwortung in diesem ostafrikanischen Land, das sich seit Beginn der 1990er-Jahre gemeinsam mit Kenia die Spitzenplätze im Kampf um die globale Marathonkrone sichert. Und keine kleine Aufgabe als Erbe von Läufern wie Abebe Bikila und Haile Gebrselassie … Doch Tamirat Tola scheint dafür die richtigen Schultern zu haben!
Diese Frauen und Männer haben mit ihren Leistungen die Grenzen von Ausdauer und Geschwindigkeit verschoben und eine Geschichte geprägt, die ständig weitergeschrieben wird. Mit jeder neuen Bestzeit und jedem Schritt auf dem Asphalt der großen Metropolen inspirieren sie ganze Generationen von Läuferinnen und Läufern, vom Hobbysportler bis zum leidenschaftlichen Wettkämpfer. Der Marathon bleibt mehr denn je eine gemeinsame Suche nach Grenzerfahrungen und Träumen. Rekorde fallen, doch die Legende wird weitergeschrieben.